Die Niederlassung der atlantischen Voelker im Iran

 

Religion und Philosophie im Perserreich (40)

Der vorherrschende Kult im Perserreich war der Mithraskult. Mithras wurde als Naturgott der Sonne und des Lichts verehrt. Daneben gab es eine Reihe weiterer G0etter , deren bedeutendste Anahita war. Ueber allem stand der Schoepfergott Ahura Mazda.

 
Der wahrscheinlich in der Zeit um 800 v. Chr. in Urartu und Baktrien wirkende Lehrer und Philosoph Zarathustra, der auch Zoroaster genannt wird, verurteilte die Anbetung der "Goetzen" Mithras und Anahita und fuehrte den ersten bekanntgewordenen Monotheismus in die Geschichte ein, in dem er nur den Gott Ahura Mazda als Schoepfergott bestehen liess. Er verurteilte auch jegliche Darstellung dieses einen Gottes, da er nicht in ein Bild zu fassen sei. Stattdessen wurde das Symbol des Lichtes und des Feuers als alleinig zulaessig für ihn gewaehlt, da sie der sauberste Zustand auf der Erde sind und durch nichts verunreinigt werden koennen. Gotteshaeuser, Tempel und Altaere wurden abgelehnt , weil Gott nicht gegenstaendlich sei und deshalb auch kein Haus brauche.

"Zarathustra ist anscheinend zu der Ueberzeugung gelangt, dass alle Ereignisse unserer Welt auf Ursache und Wirkung beruhen. Wenn wir uns alle guten Taten verschreiben, dann kann uns auch nur Gutes geschehen, und wenn wir umgekehrt Boeses tun, dann wird uns zwangslaeufig auch nur Boeses widerfahren. Bestiehlt z. B. jemand seinen Mitmenschen, muss er sich nicht wundern, wenn er eines Tages auch bestohlen wird. In der Lehre Zarathustras ist kein Platz für Anbiedern an Gott oder die Bestechung Gottes, mit dem Ziel, sich einen Platz im Paradies anzueignen. Deshalb sind für Zarathustra und seine Anhaenger materielle Zuwendungen an den Klerus sowie das Beten nicht unbedingt erforderlich.

Neben dem Eingottglauben basiert die Philosophie Zarathustras auf den drei Grundsaetzen ,,gut zu denken", ,,gut zu reden" und ,,gut zu handeln". "

Dies erinnert sehr stark an die Vorstellungen der alten Aegypter vom Ma át. Aehnlich wie dieses in einer gefluegelten Figur dargestellt wird, kennt die Lehre Zoroasters die gefluegelte Figur des "Faravahar". "Nach der Ueberlieferung ist ,"Faravahar" ein Symbol unserer Seele, die bereits vor unserer Geburt existierte und auch nach unserem Tod weiter existiert. Man darf dieses Symbol aber nicht als ein Bild von Ahura Mazda (Gott) betrachten. Das Symbol der Seele, Faravahar, enthaelt entgegenwirkende Kraefte, so dass Ahura Mazda (Gott) mit Ahriman (Teufel) staendig im Kampf liegt. Dieser Kampf, so wie er im Bildnis des Faravahar zum Ausdruck kommt, spielt sich nach Zarathustra staendig im Geist der Menschen ab und fuehrt damit letztlich zum Reifeprozeß des Menschen. Dieser immerwaehrende innere Kampf des Menschen ist noetig, damit der Geist sein vorlaeufiges Ziel erreicht und beim Verlassen des diesseitigen Körpers genug Schliff hat, um sich dann, je nachdem wie er sich im Leben verhalten hat, von einer hoeheren Ebene seiner spaeteren Existenz dem Endziel zu naehern."

"Erlaeuterung des Symbols Faravahar

1) Das Gesicht von Faravahar gleicht einem Menschen und stellt somit die Verbindung zu den Menschen her.

2) Die beiden Fluegel des Bildnisses haben drei Hauptfedern und sind als Symbol für die Grundsaetze ,,gut zu denken, ,,gut zu reden" und ,,gut zu handeln" zu deuten. Wie schon erwaehnt, wird dadurch ein Vorwaertskommen erreicht.

3) Der untere Teil des Faravahar besteht auch aus drei Teilen, die aber die Zeichen von ,,schlecht zu denken", ,,schlecht zu reden" und ,,schlecht zu handeln" sind und damit den Menschen in Abgrund und Unglueck stuerzen.

4) In beiden Seiten dieses Symbols sind zwei Schleifen enthalten, die ,,sepanta meynu"' die gute Kraft und ,,ankara maynu"' die boese Kraft bedeuten. Die erste Schleife (gute Kraft) deutet in Richtung Gesicht und die zweite (boese Kraft) in Richtung Ruecken. Die Menschen sollen sich also mit dem Gesicht dem Guten zuwenden und dem Boesen den Ruecken kehren.

5) Der Rumpf von Faravahar wird von einem Kreis umgeben, dem Zeichen dafuer, dass unser Geist unvergaenglich und damit ohne Anfang und Ende ist.

6) Eine Hand von Faravahar, die nach oben zeigt, soll uns den Weg zum Fortschritt weisen, den wir anstreben sollen. In der anderen Hand sieht man einen Ring, den manche als Ring der Treue deuten, die in dieser Lehre eine hohe Stellung einnimmt.

Aus dem Faravahar, das unseren guten Geist mit den beiden Kraeften ,,sepanta mevnu" (Kraft des Guten) und ,,ankara meynu" (Kraft des Boesen) darstellt, laesst sich ableiten, dass jeder von uns sich selbst gegenueber verpflichtet ist, die uns innewohnende Kraft des Guten zu staerken und die Kraft des Boesen in uns zu unterdruecken.

Damit soll der Weg zur Entwicklung unseres Geistes geebnet und ein erfuelltes Leben erreicht werden. Im alten Persien war deshalb die Trauer um verstorbene Angehoerige nicht ueblich, denn wenn man davon ausgeht, dass der Geist der Lieben und Angehoerigen nach Ablauf des diesseitigen Lebens einen Reifeprozess hinter sich gebracht hat, der es ihm erlaubt, von einer hoeheren Stufe aus seinen Weg zum ewigen Licht, dem Endziel, fortzusetzen, ist die Trauer um Verstorbene nicht angebracht, auch wenn dies schwerfallen mag. Eine zentrale Aussage der Lehre Zarathustras ist, dass jeder fuer seine Taten selbst verantwortlich ist. Diese Ueberlegung sowie die Achtung vor Andersdenkenden fuehrte dazu, dass im Vergleich zu anderen Religionen der missionarische Eifer bei den Anhaengern Zarathustras weniger ausgepraegt war.

Geschichtliche Quellen informieren darueber, dass im grosspersischen Reich Frauen unter dem Grundsatz der Gleichberechtigung der Geschlechter hohe Staatsaemter innehatten und sogar als Koeniginnen (z. B. Purandokht) die Geschicke ihres Landes in ihren Haenden hatten.

Wie uns von den alten Geschichtsschreibern wie Herodot ueberliefert wurde, legten die alten Perser sehr viel Wert auf die Sauberhalten ihrer Umwelt (vgl. Herodot Buch 1, Absatz 138). Es sollte alles getan werden, um Wasser, Luft, Feuer und Erde, die sogenannten vier Elemente, rein zu halten.

In der Lehre Zarathustras wurde im Gegensatz zu anderen Religionen Sklavenhaltung abgelehnt. Deshalb wurde auch Persepolis im Unterschied zu anderen Grossbauten des Altertums ohne Sklavenarbeit erbaut. Traegheit, Faulheit und das Leben auf Kosten anderer wurde im hoechsten Masse verachtet, und jeder war verpflichtet, durch moeglichst eigene Arbeit und Muehen seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.

Goetzen- sowie Steinverehrung und Gotteshaeuser aus Lehm oder Stein waren in Altpersien nicht ueblich. (Herodot , Buch I Absatz 131) ,,Goetterbilder, Tempel und Altare errichteten sie nicht, halten es sogar für toericht, es zu tun, meiner Meinung nach deshalb, weil sie den Goettern keine menschliche Gestalt zuschreiben wie etwa die Griechen". Nach der Lehre kann Gott allenfalls in den Herzen oder im Geiste des Menschen wohnen, aber nicht in den von Menschen geschaffenen Bauten.

Das Licht bzw. das Feuer nahm in der Philosophie Zarathustras einen hohen Stellenwert ein. Es wurde als das Symbol für Gott gewaehlt, da es der sauberste Gegenstand auf der Erde ist, und durch nichts verunreinigt werden kann. Deshalb wurden die Anhaenger Zarathustras aus Unwissenheit oft als Feueranbeter betrachtet oder beschimpft. Dies geschieht sogar heute noch von Religionen, die selbst dieses Symbol fuer ihren Gott uebernahmen. Blutopfer, die in dieser Zeit in vielen Religionen ueblich waren, hatten in der Philosophie Zarathustras keinen Platz und waren sogar in ihrer einzigen authentischen Schrift, der Gatha, ausdruecklich verboten.

Die Lehre Zarathustras konnte sich als vorherrschende ethische Richtlinie im persischen Reich fuer einige Jahrhunderte bis etwa 500 v.Chr. halten. Dann gewann das konservative Priestertum wieder die Ueberhand, das die Lehre Zarathustras immer abgelehnt hatte und ihn sogar persoenlich verfolgte, sodass er wiederholt zur Flucht gezwungen war.

"Da Zarathustra seinen Anhaengern predigte, dass jeder einzelne mit seinem Denken, Reden und Handeln für sich alleine die Verantwortung traegt, konnten die Geistlichen gegenüber der Bevoelkerung schlecht behaupten, dass sie fuer das jenseitige Wohlergehen zustaendig seien und je nach Bedarf, das Paradies versprechen oder mit der Hoelle drohen . Zum anderen lehnte Zarathustra Blutopfer ab, die vom Klerus auch als Mittel der Ausbeutung ihrer Mitmenschen benutzt wurden.

Wenn schliesslich noch Gotteshaeuser und Altaere als ueberfluessig angesehen wurden, war es nicht verwunderlich, dass der Klerus sich mit der Lehre und Philosophie Zarathustras nicht abfinden konnte. Nicht nur Unterkuenfte und Arbeitsplaetze der Geistlichen waren in Gefahr, sondern auch ihr Wohlstand und ihre hohe Stellung in der Bevoelkerung. Deshalb bemuehten sie sich mit Erfolg darum, dass nach dem Ableben Zarathustras seine Lehre schnell in Vergessenheit geriet, indem sie vorzarathustrische Braeuche wieder aufnahmen. Schliesslich wurde auch wieder die Verehrung Mithras und Anahitas propagiert. Wir wissen z.B., dass schon Xerxes 1. aus der Achaemenidendynastie neben Ahura Mazda auch die Goetter Mithras und Anahita verehrte.

Neben dieser inneren Unterwanderung der Lehre Zarathustras durch den Klerus gab es zwei aeussere Ereignisse, die nachhaltig ihren Untergang besiegelten.

Als erstes ist der Sieg Alexanders ueber die Achaemenidendynastie und seine in Brandsetzung von Persepolis, der Kulturstaette Persiens, zu nennen. Mit dem Brand der Bibliotheken wurden nahezu die gesamten Aufzeichnungen der persischen Kultur, Philosophie und Wissenschaft vernichtet. Die Griechen hatten es aber anscheinend nicht versaeumt, Teile dieser Buecher vor ihrer Vernichtung ins Griechische zu uebersetzen, die dann als griechische Wissenschaft und Philosophie die westliche Kultur grundlegend mitpraegten.

Das zweite einschneidende Ereignis war die Eroberung Persiens durch die Araber. Wie im Westen die Christen so sorgten hier im Osten die Mohammedaner fuer Vernichtung der Buecher und die Unterdrueckung des alten Glaubens, sodass die letzten Anhaenger Zarathustras nach Indien auswandern mussten und hier noch heute als Minderheit von etwa 100 000 als "Parsen" leben.

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Lesen Sie hierzu, umfassend und uebersichtlich dargestellt :

DIE GESCHICHTE VON ATLANTIS, der vergessene Ursprung unserer Kultur
von Karl Juergen Hepke
TRIGA - DER VERLAG, 2.Aufl. 2008, Hardcover, 268 Seiten, Eur 22,00 , ISBN 978-3-89774-539-1

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