Der gegenwaertige Stand der Atlantisforschung (18)

(vom Jahr 2000)

von Karl Juergen Hepke

 
Nachdem wir in den vorangegangenen Kapiteln den Spuren der Atlanter in der Fruehgeschichte der Menschheit nachgegangen sind, sollen in diesem Abschnitt auch die ueber die Arbeit der Archaeologen und Geschichtswissenschaftler hinausgehenden Bemuehungen und Erkenntnisse von Hobbyforschern gewuerdigt werden, die aus innerem Beduerfnis, wahrscheinlich als wiedergeborene Atlanter, den Spuren dieser ersten Kultur in ihren Heimatlaendern nachgegangen sind. Diese Spuren wurden zwar auch von Archaeologen festgestellt und untersucht, da ihnen aber groesstenteils wegen ihrer akademischen Vorbildung, welche die Existenz von Atlantis nach wie vor verneint, der geistige Zugang zu den Urspruengen dieser Kultur durch innere Blockaden verwehrt war, konnten sie nicht mehr damit anfangen, als die oft bemerkenswerten Fundstuecke zeitlich zu bestimmen und in Museen zu sammeln, wo sie weitgehend unbekannt in einem Dornroeschenschlaf ruhen. So ist es denn moeglich, dass noch heute Fernsehfilme produziert und gesendet werden, in denen ernstlich behauptet wird, dass es keinerlei Spuren und Fundstuecke aus atlantischer Zeit gibt. Auch das reichlich vorhandene Fundmaterial aus dem iberischen Bereich wird in diesen Filmen weitestgehend ignoriert.

Um nicht ungerechtfertigter Beschuldigungen der etablierten Wissenschaft bezichtigt zu werden, soll hier nur ein Beispiel dafuer gegeben werden: Der norddeutsche Raum zwischen Elbe und Weser ist ein ergiebiger Fundort archaeologischer Reste aus atlantischer Zeit. Die teilweise erstaunlichen, oft zufaellig bei Haus- oder Strassenbauarbeiten gemachten Funde, zB: die "Bronzeraeder" von Stade an der Niederelbe liegen nahezu unbekannt und unausgewertet in oertlichen Museen , ohne dass den Fundstaetten und ihren Zusammenhaengen wissenschaftlich durch Ausgrabungen und Wertungen nachgegangen wird und dazu noch aus Unkenntnis der atlantischen Vergangenheit gravierende Zuschreibungsfehler gemacht werden.

Diese " Bronzeraeder" bestehen aus vier, gut gearbeiteten und verzierten, nahe beieinander entdeckten Fundstuecken, die man aus Ermangelung an anderen Anhaltspunkten wegen der hohen Qualitaet ihrer Verarbeitung auf das Ende der "germanischen Bronzezeit" um 700 v. Chr. datierte. Sie gehoerten wahrscheinlich zu zwei atlantischen Streitwagen, von denen das Holz vermoderte oder verbrannte und nur die Bronzeraeder uebrigblieben, die wahre Datierung muesste also in die Zeit der groessten Macht des atlantischen Reiches fallen, d. h. vor 1250 v. Chr. liegen. Fuer die Verwendung bei einem Streitwagen spricht die ausserordentlich breite Bronzenabe, die sicher die hoelzerne Achse gegen Beschaedigungen im Kampf schuetzen sollte und der aeussere Radkranz, der U- foermig ausgebildet ist ,um einen den Einsatzbedingungen angepassten aeusseren Radkranz aus Holz aufzunehmen, der dann bei Bedarf wieder mit einem Bronze oder Eisenreifen versehen werden konnte. Der hoelzerne Radkranz und seine Befestigung mit Bronzenaegeln sind in Resten noch erhalten.

Die zustaendigen Archaeologen , die sich atlantische Streitwagen an der Elbe nicht im Traume vorstellen koennen, da es fuer sie Atlantis garnicht gab, konstruierten im Geist, in Anlehnung an aehnliches Vorgehen schwedischer Kollegen, aus den Bronzeraedern einen "germanischen" vieraedrigen Begraebniswagen, ohne dass aber an der Fundstelle irgend etwas auf ein Grab hindeutete. Auch fuer die hervorragende Metallverarbeitung und Verzierung der Raeder gab es in Germanien zu dieser Zeit keine Basis . Aehnliche Raeder wurden ausser in Schweden in Europa auch an der unteren Loire in Frankreich und an zehn weiteren Stellen im Mittelmeerraum gefunden. Abbildungen dieser Raeder an Streitwagen gibt es in grosser Menge auf archaeologischen Fundstuecken im Mittelmeerraum, so auf Vasen und Metallgegenstaenden.

Der Elbe-Weser-Raum wird zwar in der Wissenschaft als verkehrsmaessig stark frequentierter Raum in "vorgeschichtlicher" Zeit gefuehrt, aber diese Aussage koennte auch schon auf Grund des Vorhandenseins einer Unzahl von unuebersehbaren Megalithgraebern gemacht werden. Aber auch mit diesen in grosser Menge vorhandenen, oft reich ausgestatteten Megalithgraebern macht die Wissenschaft es sich schwer. Da ein Vorhandensein einer zusammenhaengenden grossen Kultur im Raum der Kuesten des Atlantiks und seiner Nebenmeere nach wie vor offiziell nicht gesehen oder sogar abgestritten wird, kann man die Funde kaum einordnen.

Man kennt zwar die Begriffe Megalithkultur oder auch Trichterbecherkultur, die dann spaeter in die Glockenbecherkultur uebergeht. Man weiss auch, dass diese Kultur auch in Frankreich und Iberien vorkommt und man ist immer wieder erstaunt ueber die technische und kuenstlerische Qualitaet der Bronzearbeiten und Eisenprodukte dieser Kultur. Aber man scheut sich offenbar, ihren inneren Zusammenhaengen durch systematische archaeologische Arbeit nachzugehen. So gab es bis etwa 1960 kaum systematische Ausgrabungen an noch vorhandenen ungestoerten Grosssteingraebern mit nachfolgender Restaurierung, noch Forschungen an den bisher durch Zufallsfunde bekanntgewordenen Siedlungsplaetzen. Auch heute noch kann man immer wieder beobachten, dass bei Bauarbeiten zufaellig angeschnittene hochinteressante Siedlungsschichten in wenigen Tagen notduerftig dokumentiert werden muessen damit die Bauarbeiten weitergehen koennen. So ist natuerlich keine effektive archaeologische Arbeit moeglich und damit ist auch einem Erkenntnisfortschritt von vornherein der Boden entzogen.

Anscheinend betrachtet man die Neolithische- und Bronzezeitliche Kultur als zu weit in der Vergangenheit liegend und deshalb als uninteressant oder man scheitert am Nichtvorhandensein von Fachleuten oder Geld fuer derartige Aufgaben. Wahrscheinlich fehlt aber nur der innere Antrieb, diesen Dingen endlich einmal auf den Grund zu gehen. Vielleicht fürchten auch einige Kreise, das bisher hochgehaltene "Roemisch-germanische Erbe" , das als einziger Ursprung unserer Kultur dargestellt wird, koennte Schaden nehmen wenn noch mehr Quellen unserer Kultur aufgedeckt würden. Den Deutschen geht es hier aehnlich wie den Spaniern. Sie sitzen auf ihren Schaetzen, ohne sie wahrzunehmen. Dabei koennten sich beide ein Beispiel an den Franzosen nehmen, die in neuerer Zeit in hervorragender Weise ihre atlantische Vergangenheit aufarbeiten.

Vielleicht liegt der Grund fuer dieses erstaunlich abweichende Verhalten der drei betroffenen Laender des Kontinents darin, dass Frankreich seit der Revolution in der Wissenschaft tatsaechlich laizistisch organisiert ist, waehrend in Deutschland und in Spanien die Kirche oder glaubensmaessig indoktrinierte Entscheidungsgremien auf der Bremse stehen, wenn es um vorchristliche Kulturen oder Religionen geht. Dabei handelt es sich bei Atlantis II doch eigentlich um ein historisches Vorbild fuer ein einheitliches Europa und muesste deshalb sogar die Politiker interessieren. Auch fuer die Kirche duerfte es nicht uninteressant sein , den Wurzeln des von ihr verkuendeten Glaubens nachzugehen.

Auf Grund dieser teilweise noch heute praktizierten Rueckstaendigkeit und Uninteressiertheit der etablierten archaeologischen Forschung in etlichen Gebieten des ehemaligen atlantischen Reiches ist es wichtig und richtig, dass sich Laien finden, die hier oft bahnbrechende Arbeit leisten. Die Rede ist von Leuten, die zwar als Laien , aber doch unter Beachtung der wissenschaftlichen Grundsaetze mit oft erheblichem persoenlichen Einsatz arbeiten. Dass die etablierte Wissenschaft, statt dafuer dankbar zu sein und ihre Arbeit weiterzufuehren, sie oft in Publikationen zerpflueckt, was weit weniger Arbeit macht und dazu noch von konservativen Kreisen honoriert wird, ist bedauerlich. Leider ist dies ein Pferdefuss des akademischen Systems, das die Bedeutung eines Wissenschaftlers an der Anzahl, nicht an der Qualitaet, seiner Publikationen misst.

Dieser Pferdefuss gewinnt noch an Groesse, wenn man bedenkt, dass nur Publikationen in renomierten wissenschaftlichen Organen dabei anerkannt werden und so fuer die Redaktion dieser Organe die, auch reichlich genutzte, Moeglichkeit einer Zensur besteht. Denn nicht jede eingereichte Arbeit eines Wisenschaftlers wird hier veroeffentlicht. Vor allem wissenschaftliche Querdenker und Neuerer koennen ein trauriges Lied davon singen, wie schwer es ist, Neues und nicht in den vorhandenen Rahmen Passendes zur Veroeffentlichung zu bringen. Dies gilt in gewisser Weise auch fuer die Veroeffentlichung von Buechern, wobei hier allerdings noch die Moeglichkeit besteht, einen aufgeschlossen denkenden Verlag zu finden oder unguenstigstenfalls einen eigenen Verlag zu gruenden, wobei dem Erfolg des Buches sicherlich von vornherein Grenzen gesetzt sind. Doch genug davon, wenden wir uns den bisher aufgedeckten Spuren von Atlantis zu, soweit sie bisher veroeffentlicht wurden.

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Lesen Sie hierzu, umfassend und uebersichtlich dargestellt :

DIE GESCHICHTE VON ATLANTIS, der vergessene Ursprung unserer Kultur
von Karl Juergen Hepke
TRIGA - DER VERLAG, 2.Aufl. 2008, Hardcover, 268 Seiten, Eur 22,00 , ISBN 978-3-89774-539-1

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