Rom, der Kulturvernichter, Teil 2

von Karl Juergen Hepke

Der Konsul nutzt, ehe sich die Etrusker wieder sammeln koennen, den Sieg. In einem Gewaltmarsch dringt er mit der leichten Infanterie, dem am wenigsten durch die Schlacht geschwaechten Truppenteil, bis nach Perugia vor. Dabei legen die Roemer ca. 100 Km in zwei Tagen und einer Nacht zurueck. Vor den Mauern wird der Rest des etruskischen Nationalheeres geschlagen und die Stadt wird ihm uebergeben. Er laesst eine Besatzung zurueck und schickt die um Freundschaft bittende Gesandtschaft Etruriens nach Rom zum Senat voraus. Im Triumph zieht der Sieger in Rom ein und wird fuer das naechste Jahr als Konsul bestaetigt.

Im naechsten Jahr wird der letzte Widerstand Etruriens gebrochen. Der Konsul Publius Decius zieht mit einem neuen Heer nach Tarquinia. Seinem Befehl, die Waffen niederzulegen und sich zu ergeben folgt die geschwaechte Stadt sofort. Sie muss einen Kuestenstreifen abgeben und Getreidelieferungen zusagen.

 
Darauf zieht der Konsul nach Volsinii. Die Bevoelkerung verschanzt sich in den Befestigungen und leistet Widerstand. Erst nachdem einige Befestigungen eingenommen sind, bittet es um Frieden. Dieser wird abgelehnt und lediglich ein Waffenstillstand fuer ein Jahr gegen Uebernahme der Kosten des roemischen Heeres fuer ein Jahr und Lieferung von zwei Leibroecken fuer jeden Soldaten zugestanden. Noch am Ende des Jahres 308 v. Chr. herrscht wieder Ruhe in Etrurien.

Doch es ist eine Friedhofsruhe. Wirtschaftlich und an Menschen geschwaecht muss Etrurien die Oberherrschaft Roms akzeptieren. In nur zwei Jahren war die Freiheit Etruriens unter grossen Opfern verlorengegangen, weil man sie nicht verteidigt hatte, als noch Zeit dafuer war. Man hatte gewartet, bis sich Rom uebermaechtig militaerisch und wirtschaftlich hocharbeitete und schliesslich siegte.

Was nun folgte war eine Reihe von Aufstaenden gegen die roemische Herrschaft, die alle mehr oder weniger blutig und das Land verheerend niedergeschlagen wurden. Rom kann dabei ueben wie es seine Macht ausweiten und erhalten kann und wird diese Erfahrungen spaeter auf das ganze roemische Reich uebertragen. 305 v. Chr. lernen auch die Samniten die neue Taktik der "verbrannten Erde" kennen und werden anschliessend besiegt.

Um in Zukunft ein Buendnis zwischen Samniten und Etruskern und gegenseitige Hilfeleistungen zu verhindern, wird ein Sperrriegel aus zwei Militaerstrassen durch die Landschaft, die Etrurien und Samnium scheidet, und zwei Festungen, Alba am Fuciner See mit 6000 Kolonisten und am oberen Liris Sora mit einer Legion von 4000 Mann, angelegt.

302 v.Chr. mischt sich Rom in einen internen Streit der herrschenden Parteien in Arezzo ein, indem es eine Truppe schickt. Der Anblick der Legionaere loest in den Etruskern kaum verdraengte Hassgefuehle aus. Sie greifen zu den Waffen und ueberwaeltigen in einem Hinterhalt einen Teil der roemischen Reiterei. Rom schickt den darauf ernannten Dictator mit einem Heer nach Etrurien. Es dringt bis Roselle vor. Dort versuchen die Etrusker es in einen Hinterhalt zu locken, der aber entdeckt wird. Die etruskischen Verbaende werden angegriffen und verjagt. Rom feiert einen neuen Sieg und gewaehrt den Gesandten Etruriens einen Waffenstillstand von zwei Jahren gegen Uebernahme des Truppensolds fuer ein Jahr und Getreidelieferungen fuer zwei Monate.

Die Etrusker verhandelten nun mit den Galliern, die im Norden wieder ruehrig wurden. Diese nahmen zwar das Geld, das ihnen die Etrusker boten, meinten aber, dieses waere nur dafuer gedacht gewesen, dass sie die Etrusker in Ruhe liessen. Fuer den Kampf gegen Rom verlangten sie mehr. Darauf brach man vorerst die Verhandlungen ab. Stattdessen versuchte man ein Buendnis mit den Samniten gegen Rom zusammenzubringen. Rom, das von den Verhandlungen mit den Galliern erfahren hatte, verheerte inzwischen wieder einmal das etruskische Land mit seinen Legionen. Die Etrusker hielten sich aber in den Staedten.

296 v. Chr. erhebt sich Samnium. Rom muss seine Streitmacht teilen. Ein Konsul zieht mit einem Heer nach Samnium, der andere mit dem zweiten nach Etrurien. Nahe von Volterra trifft dieser auf ein gut geruestetes etruskisches Heer. Einen ganzen Tag dauert die unentschiedene Schlacht mit schweren Verlusten auf beiden Seiten. Als die Roemer am naechsten Tag den Kampf wieder aufnehmen wollen, sind die Etrusker verschwunden, das Lager mit reicher Beute fuer die Roemer zuruecklassend. Reich beladen damit zieht das Heer nach Sueden und deponiert sie in der Stadt Falerii. Dann wendet es sich wieder dem Land zu und verwuestet es. Auch Burgen und Doerfer werden angezuendet. Auch die Samniten hatten wenig gegen das roemische Heer ausrichten koennen und verloren eine Schlacht und zwei Staedte.

Die Kritik in beiden Laendern an der politischen Fuehrung war gross.Den etruskischen Patriziern wurde vorgeworfen, aus Geiz die Hilfe der Gallier nicht in Anspruch genommen zu haben. Der samnitischen Regierung warf man vor, ein viel zu kleines Heer gegen das maechtige Rom eingesetzt zu haben. Da in Rom Nachrichten eingingen , Etrurien beriete ueber ein Friedensangebot an Rom, gingen die naechsten beiden Kriegszuege nach Samnium, wo das Land verwuestet wurde, da man auf kein Heer traf.Da erreichte den roemischen Senat eine erschreckende Nachricht. Dem samnitischen Feldherrn ist es gelungen mit einem gut ausgeruesteten Heer die mittelitalienische Sperre zu durchbrechen und Umbrien zu erreichen. Weitere Nachrichten folgen: Auch die Umbrer, Etrusker und sogar die Gallier hatten sich mit den Samniten vereinigt. Rom stand gegen vier Voelker.

Es ruestete darauf drei Heere aus. Das staerkste von 60 000 Mann unter den erfahrenen Feldherren Publius Decius und Quintus Fabius Rullianus, das zweite unter Gnaeus Fulvius als Reserve mit Standort Falerii und das dritte unter Lucius Postumius als Schutz Roms, stationiert vor der Servianischen Mauer.

Die Koalition der vier Voelker sammelte sich in Umbrien. Den Samniten wurden die Gallier, den Etruskern die Umbrer unterstellt. Die Schlacht wurde den Samniten und Galliern uebertragen. Waehrend des Kampfes sollten Etrusker und Umbrer das roemische Lager angreifen. Doch der Plan wurde durch drei Ueberlaeufer aus Chiusi an die Roemer verraten. Die roemischen Konsuln aenderten darauf den urspruenglichen Plan und schickten die beiden Reserveheere unter Fulvius und Postumius nach Etrurien in Richtung Chiusi, wo sie spektakulaer das Land verheeren sollten. Man hoffte, dadurch etruskische Truppen vom Hauptkampf wegzuziehen.

Der Plan gelang. Die Etrusker und anschliessend auch die Umbrer zogen ab, um ihr Land zu schuetzen. Dadurch standen fuer den Hauptkampf erheblich weniger Kaempfer zur Verfuegung und der demoralisierende Effekt des Angriffs auf ihr Lager entfiel fuer die Roemer.

Auf die Nachricht vom Abzug der Etrusker beeilten sich die Roemer, das vereinigte Samniten- und Gallierheer zu erreichen. Am Osthang des Apennin in der Ebene des Fluesschens Sentinum kam es 295 v. Chr. zur Schlacht. Zwei Tage vergingen mit Vorgefechten. Am dritten kam es zum Hauptkampf. Der rechte Fluegel unter Quintus Fabius kaempfte gegen die Samniten und verteidigte sich mehr als dass er angriff, um Kraefte zu schonen. Der linke Fluegel unter Publius Decius konnte Erfolge gegen die gallischen Truppen verzeichnen bis diese ploetzlich mit Kriegswagen und Karren heranbrausten und die Pferde der roemischen Reiterei, die dieses nicht kannten, so erschreckten, dass sie in wilder Flucht auseinanderstoben.

Der Konsul Decius, der eine allgemeine Flucht verhindern wollte, fiel im Kampf. Erst der Einsatz der Reiterei des rechten Fluegels, die von Fabius zur Hilfe geschickt wurde, brachte die roemischen Reihen zum Stehen und trieb die Gallier, die davon ueberrascht wurden, in die Flucht. Ein nun einsetzender Ansturm des rechten roemischen Fluegels gegen die Samniten brachte auch diese zum Wanken und als ihr Feldherr getoetet wurde, zogen sie sich auf ihr Lager zurueck.

Die Schlacht war entschieden. Die Roemer hatten gesiegt. Ca. 9000 Legionaere waren nach roemischen Angaben gefallen. Die verbuendeten Truppen verloren nach derselben Quelle 25 000 Mann und 8000 , die gefangengenommen wurden. Das Koalitionsheer loeste sich auf, Gallier und Samniten kehrten in die Heimat zurueck. Umbrien blieb in roemischer Hand. Auch das nach Etrurien gezogene Heer der Roemer war erfolgreich. Ueber 3000 Kaempfer aus Perugia und Chiusi wurden getoetet und 20 Feldzeichen erbeutet.

Doch der Krieg war nicht beendet. Perugia stellte neue Truppen auf und warb bei den anderen Staedten um Unterstuetzung. Nur Volsinii sagte zu. Im Kampf gegen die Truppen des Fabius verloren die Etrusker 4500 Mann und 1740 wurden gefangengenommen. Die Roemer liessen diese gegen ein Loesegeld von 310 Assen pro Mann wieder frei. Sicher hatten auch die Roemer Verluste, denn sie beendeten den Krieg fuer dieses Jahr und zogen ihre Truppen zurueck.

294 v. Chr. schickte Rom erneut zwei Heere nach Etrurien. Konsul L. Postumius Megellus zog gegen Volsinii und verwuestete dort das Land. Truppen , die dies verhindern wollten, wurden kurz vor Volsinii geschlagen. 2800 Etrusker fielen. Danach zog der Konsul nach Roselle und verfuhr in gleicher Weise. 2000 Etrusker wurden getoetet und ebensoviele als Gefangene verschleppt. Die von Kaempfern entbloesste stark befestigte Stadt eroberten die Roemer im Sturm. Sie wurde zerstoert und nicht wieder besiedelt. Ihre Ruinen warten noch heute auf eine Ausgrabung.

Nach dem Fall von Roselle baten Volsinii, Perugia und Arezzo, die aehnliches fuer ihre Staedte befuerchten mussten, um Frieden. Gegen die Lieferung von Soldatenkleidern und Getreide fuer das roemische Heer erhalten sie vom Konsul die Erlaubnis Gesandte nach Rom zu schicken. Gegen die Zahlung einer Busse von 500 000 Assen gewaehrt ihnen Rom einen Waffenstillstand von 40 Jahren.

290 v. Chr. besiegelt ein Friedensschluss mit den Samniten deren Unterwerfung.

Rom war zur fuehrenden Macht auf der italischen Halbinsel aufgerueckt. Doch was war der Preis dafuer?

Zwei einst lebensvolle reiche Staedte lagen in Schutt und Asche und lebten nie wieder auf. Viele weitere waren bereits so geschwaecht, dass sie um ihre Existenz fuerchten mussten. Das in jahrhundertelanger Kultivierungsarbeit erschlossene Land lag verwuestet und brachte fast keine Ertraege mehr. Nur der kurzfristig moegliche Anbau von Getreide konnte noch durchgefuehrt werden, aber grosse Teile der Ertraege gingen ohne Bezahlung als Busse nach Rom. Am gravierendsten aber waren die Verluste an Menschen, mit denen viel Wissen und Kunstfertigkeit verlorenging. Die traditionell etruskischen Gewerbe der Metallverarbeitung und Keramikherstellung lagen deshalb groesstenteils brach. Das Land stand damit kurz vor dem wirtschaftlichen Ruin, denn auch die Finanzreserven der reichen Staedte waren groesstenteils als Ausgleich der Kriegskosten zur Finanzierung der roemischen Heere nach Rom geflossen oder zur Anwerbung der Gallier verwendet worden.

Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb kehrte keine Ruhe ein. Die Wunden waren noch frisch und der Sturz in die Armut zu schnell, als dass man ihn akzeptieren konnte.

Ganz Italien grollte Rom und sann auf Rache. Diesmal begann die Unruhe im Sueden. Die Lukaner und Bruttier versuchten die Samniten fuer einen neuen Waffengang zu gewinnen. Rom schickte Gesandte um zu warnen und zu drohen, doch sie wurden gefangengesetzt. Ein Aufruf an alle Voelker der Halbinsel erging, die Waffen gegen Rom zu erheben. Die nordetruskischen Staedte, die sich gerade den 40 jaehrigen Waffenstillstand mit Rom teuer erkauft hatten, zoegerten. Als deshalb eine grosse Schar von Kriegern der Gallier und Etrusker vor Arezzo erschien, um die Stadt zur Teilnahme am Krieg zu zwingen, griff Rom ein. Aber das schnell entsandte Heer unter Konsul Lucius Caecilius Metellus wurde geschlagen. Der Konsul, sieben hohe Offiziere und dreizehntausend Legionaere fielen. Die Verluste waren fast so hoch wie in der verlorenen Schlacht gegen die Kelten an der Allia.

Die Nachricht von dem Sieg ueber die Roemer wirkte wie ein Signal. Ganz Etrurien schloss sich dem Aufstand an. Rom schickte zwei neue Legionen nach Arezzo und zur gleichen Zeit Gesandte an die Gallier, um die Freilassung der Gefangenen zu erreichen. Bei den Verhandlungen kam es zum Streit und die Gesandten wurden erschlagen. Rom antwortete mit einem Straffeldzug gegen die Senonen, dem Stamm der Gallier an der Adria, der die Gefangenen gemacht hatte. Erbarmungslos wurden alle Gallier , die nicht rechtzeitig flohen, ermordet. Eine roemische Veteranenkolonie wurde nach Sena, der Hauptstadt der Senonen, gelegt. Darauf erhob sich auch der Nachbarstamm der Senonen, die Bojer. Sie kamen ueber den Apennin, um sich den Etruskern und den mit ihnen vereint kaempfenden Resten der Senonen anzuschliessen. Man setzte sich gegen Rom in Bewegung und traf am Vadimonischen See, der 309 v. Chr. schon einmal der Schauplatz einer Schlacht gewesen war, auf die Roemer. Wie damals ging die Schlacht fuer Etrusker und Gallier verloren. Nur wenigen gelang die Flucht. Die Entscheidung im Norden war gefallen.

Rom kann sich dem Sueden zuwenden. Nachdem die Lukaner geschlagen sind, oeffnen die Griechenstaedte Thurii, Lokri, Kroton und Rhegion den Roemern die Tore. Nur das starke Tarent widersteht und ruft das griechische Festland zur Hilfe. Koenig Pyrrhos von Epirus folgt dem Ruf und landet im Herbst eine Vorhut in Tarent. Im Fruehjahr darauf folgt er selbst mit einem Heer, das 20 000 Phalangisten, 2000 Bogenschuetzen, 500 Schleuderer und 5000 Reiter umfasst. Ausserdem bringt er 20 Kriegselefanten mit, den ersten, die in Westeuropa im Krieg eingesetzt werden. Die Nachricht von der Landung weckt alle Gegner Roms erneut. Samniten, Lukaner und Bruttier schliessen sich an und die Etrusker schicken Gesandte mit der Nachricht, dass sie bereit sind, sich ebenfalls zu erheben.

Rom laesst ein Heer als Schutz und Reserve in der Stadt. Ein zweites unter Konsul Tiberius Coruncomius geht nach Etrurien. Die Hauptmacht aber, 4 Legionen und die aufgebotenen Bundestruppen, insgesamt 50 000 Mann fuehrt Konsul Publius Laevius gegen Pyrrhos.

Bei Heraklea treffen sich die Heere. Doch der hellenistischen Kriegskunst sind die zahlenmaessig ueberlegenen Roemer nicht gewachsen. Sie verlieren die Schlacht unter beiderseitigen starken Verlusten und kommen in aeusserste Bedraengnis, denn Pyrrhos gibt den Befehl zum Marsch auf Rom. Die Reste des geschlagenen roemischen Heeres folgen ihm, ohne es zum Kampf kommen zu lassen. Er gelangt bis Praeneste, nur wenige Kilometer vor Rom und erobert die Burg. Doch seine Hoffnung, dass sich die Latiner seinem Zug anschliessen und die Tore ihrer Staedte oeffnen, erfuellt sich nicht. Zudem kommen Nachrichten aus Etrurien, dass Vulci und Volsinii, die einzigen Stadtstaaten, die sich erhoben haben, vom roemischen Heer erobert worden seien und das Heer auf dem Weg zurueck nach Rom ist, um die hier stehenden Truppen zu verstaerken. Pyrrhos zieht unentschlossen mit seinem Heer in Kampanien umher und kehrt zum Winter zurueck nach Tarent. Sein Sieg ging als "Pyrrhus-Sieg" in die Geschichte ein, als unter grossen Opfern erlangter Sieg ohne das erhoffte Ergebnis.

Nur eine einzige Stadt des ehemals stolzen Zwoelferbundes Etruriens war noch nicht von den Roemern unterjocht. Das im Zentrum liegende Volsinii, das auch das Bundesheiligtum das"Fanum Voltumnae" barg, und damit in gewisser Weise die Hauptstadt Etruriens war. Eine interne Auseinandersetzung zwischen den Staenden, in dessen Verlauf sich die Patrizier sogar um Hilfe aus Rom bemuehten, loeste schliesslich eine Revolution aus, in deren Verlauf die Patrizier vertrieben und ihre Besitztuemer, einschliesslich der Frauen und Toechter im Volk verteilt wurden.

Rom setzte Truppen in Marsch. Zu spaet erkannten die Volsinier die Gefahr, die sie durch ihren Streit heraufbeschworen hatte. Der jetzt einmuetige Wille, die Stadt gegen die Roemer zu verteidigen, genuegte nicht mehr. Obwohl in den Kaempfen der Konsul Quintus Fabius Maximus getoetet wurde, schlossen die Roemer unter dem Konsul M.Fulvius Flaccus die Stadt ein. Nach laengerer Belagerung musste sie aufgeben.

Die Anfuehrer des Aufstands wurden hingerichtet und die Stadt vollstaendig gepluendert. Auch vor dem Heiligtum machten die Roemer nicht halt. Zweitausend Bronzestatuen wurden nach Rom geschleppt, dort eingeschmolzen und zu Waffen verarbeitet. Denn Rom ruestete zum naechsten Krieg. Dem gegen die Karthager. Auch Muenzen wurden aus der Bronze gepraegt, da nicht genuegend Silber fuer Kleingeld zur Verfuegung stand.

Die Stadt wurde vollstaendig zerstoert und dem Erdboden gleichgemacht. Es war das erste Mal, dass Rom so radikal gegen die fuehrende Stadt einer anderen Kultur vorging. Auch dies war ein Vorgeschmack auf das was folgen sollte. Nichts sollte an die Etrusker und an ihren Staedtebund erinnern. 130 Jahre nachdem die Roemer mit der Eroberung von Veji ihren ersten grossen Sieg ueber eine Stadt des Bundes errungen hatten, war der Bund vernichtet. Was blieb , war ein verwuestetes Land und einige Staedte, die Muehe hatten, ihre Existenz zu sichern. Die roemischen Garnisonen ueberwachten staendig ihre Taetigkeiten, vor allem auf dem Gebiet der Metallverarbeitung. Eisen wird ausschliesslich in der Roemischen Kolonie Pozzuoli erschmolzen. Es bleibt die Erzeugung von Keramik, deren Qualitaet aber laufend nachlaesst, da die Kaeufer fuer gute, teure Ware fehlen und wohl auch Fachleute und ihre Spezialkenntnisse in den Kriegswirren verlorengegangen sind.

Die Ruinen von Volsinii wurden erst 1946 durch das franzoesische Archaeologische Institut in Rom, das eng mit dem Vatikan zusammenarbeitet, wiederentdeckt. Zwei Kilometer oestlich von Bolsena erhebt sich ein Huegel ueber den See. An seinem Hang entdeckte man die eineinhalb Meter breiten Zyklopenmauern aus parallel geschichteten Bloecken. Die Datierung ergab die Erbauung im fuenften bis vierten Jahrhundert v. Chr. Vier Kilometer lang ist der Mauerzug, der einige Anhoehen einschliesst. Im Norden und Westen erleichtern steile Schluchten die Verteidigung. Riesige Zisternen versorgten die Stadt mit Trinkwasser. Der Durchmesser der Stadt betraegt ca 1 Km, wie bei Tharsis und Platons Atlantis. Auch diese Staedte lagen auf einem Huegel in der Naehe des Wassers. Offenbar war dies den Etruskern bewusst, als sie den Platz fuer ihre Zentralstadt auswaehlten. Dass sie sie nicht ans Meer legten, kann seinen Grund darin haben , dass sie die Zerstoerung durch eine Flutwelle, wie sie Tharsis erlebte, nicht noch einmal riskieren wollten. Ihre Stadt wurde zeitgemaesser durch eine Welle von Menschen , die ueber sie hereinbrach, zerstoert und dem Erdboden gleichgemacht.

Nach der Zerstoerung von Volsinii kehrte vorerst Ruhe in Etrurien ein. Rom war mit dem Krieg gegen Karthago beschaeftigt und nicht an inneren Auseinandersetzungen interessiert. Als die Karthager bezwungen sind, wendet Rom sich wieder Etrurien zu. Falerii wird eines Aufstands beschuldigt, erobert, zerstoert und wie Volsinii eingeebnet. Die Bewohner muessen sich einige Kilometer entfernt, ungeschuetzt liegend in der Ebene neu ansiedeln. Eine Umsiedlungsart, die Rom in Zukunft gegenueber vielen in urspruenglich strategisch guenstiger Lage liegenden alten Staedten, so Tartessos und Karthago, anwenden wird. Sie sollten es wohl nicht besser haben, als das in unguenstiger Lage liegende Rom.

225 v. Chr. erlebt Etrurien noch einmal einen Durchzug der Kelten, die zu einem Sturm auf Rom ansetzen. Wieder werden Felder und Gaerten zerstoert, die Ernte geraubt oder vernichtet. Das keltische Heer wird in der Schlacht von Talamone von zwei roemischen Heeren in die Zange genommen und vernichtet. Die reiche Beute, welche die Kelten in Etrurien gemacht hatten , landet so schliesslich in Rom.

222 v. Chr. erreichen die Roemer mit der Eroberung der gallischen Stadt Mediolanum, dem ehemaligen etruskischen Melpum, den noerdlichsten Punkt des ehemaligen Machtbereichs der Etrusker . Damit ist auch die Herrschaft der Gallier in der Po-Ebene am Ende.

Als im 2. punischen Krieg Hannibal durch Gallien gegen Rom zieht, schliessen sich viele Gallier seinem Heer an. Er gibt sich als Befreier Italiens vom Joch Roms, hat aber anfangs damit wenig Erfolg bei den Etruskern, da er wie die Roemer die Verheerung des Landes betreibt, um die Roemer zum Eingreifen zu zwingen. Erst als seine Taktik Erfolg hat und der Konsul Flaminius am Trasimenischen See in die Falle geht, die Hannibal ihm hier gestellt hat, wobei das gesamte roemische Heer von 40 000 Mann einschliesslich des Konsuls verlorengeht, regen sich auch die unterworfenen Voelker der Etrusker und Ligurer. Sie ueberfallen die roemischen Garnisonen, deren Soldaten getoetet oder an Hannibal ausgeliefert werden.

216 v. Chr. siegt Hannibal dann in der Schlacht bei Cannae ueber die Roemer worauf auch grosse Teile Apuliens und Bruttiums zu ihm uebergehen. Es folgen Capua und sogar das griechische Syrakus. Im Winter 213 auf 212 wird auch Tarent von Hannibal gewonnen. In Etrurien beginnt es zu gaeren, was die Roemer zwingt, staendig zwei Legionen dort zu stationieren. Als es 209 in Arezzo fast zum Aufstand kommt, nehmen die Roemer 120 Kinder der Ratsherren fest und schicken sie als Geiseln nach Rom.

Etrurien bleibt nur der innere Widerstand. Ueberall wird versucht Rom zu taeuschen und zu hintergehen. Die groesste Betrugsaffaere, die schon an Methoden viel spaeterer Zeiten erinnert, ereignet sich auf dem Gebiet des Seetransports:

Da die roemische Flotte voll in den Krieg gegen Hannibal eingespannt war, sollten private Handelsgesellschaften die Versorgung der roemischen Streitkraefte in Spanien, Sardinien, Sizilien und Korsika uebernehmen. Da die Versorgungsgueter aus Etrurien kamen und man annahm, dass die etruskischen Schiffe von den Karthagern nicht angegriffen wuerden, uebertrug man die Aufgabe etruskischen Firmeninhabern. Marcus Postumius aus Pyrgi und Lucius Pomponius aus Veji. Diese liessen veraltete und duerftig beladene Schiffe untergehen, retteten die Besatzung und kassierten Schadenersatz vom roemischen Staat fuer den Verlust von vollbeladenen guten Schiffen.

 
Als dies einige Zeit gut lief und der Betrugsapparat eingespielt war, der bestochene Lieferanten, Magazinverwalter, Kapitaene und Seeleute umfasste, verzichtete man ganz auf die Schiffe und organisierte fingierte Transporte, die dann "im Sturm untergingen". Dies ging ueber Jahre gut. Die Leidtragenden waren ausser der roemischen Staatskasse die Truppen in Uebersee, die auf diese Weise nur unzuverlaessig versorgt wurden. Als die Affaere in Rom bekannt wurde und viele darein verstrickte auch noch versuchten, die Sache niederzuschlagen, kam es zum Volksaufstand. Man erzwang die Bestrafung der Schuldigen. Darauf gingen diese groesstenteils freiwillig in die "Verbannung" und entzogen sich so der Bestrafung. Da es sich ueberwiegend um Etrusker handelte, kann man annehmen, dass sie ausser der persoenlichen Bereicherung wahrscheinlich auch die Schaedigung der Roemer im Auge hatten. Beides als Ausgleich fuer durch die Roemer erlittenen Schaden.

Vielleicht war aber die Behauptung, dass es sich ueberwiegend um Etrusker handelte, aber nur der Versuch wieder einmal Stimmung gegen diese zu machen. Sie sollten naemlich auch fuer die Einfuehrung einer "neuen Religion" mit fremdartigen Riten und duesteren Prophezeiungen ueber das Schicksal Roms verantwortlich sein, um die Stimmung in Rom negativ zu beeinflussen.

Die Punier standen schon 10 Jahre in Italien, als die Nachricht eintraf, Hasdrubal, sein Bruder , komme zu seiner Unterstuetzung mit einem Heer ueber die Alpen. Obwohl die Gallier ihn unterstuetzten, wurde er von zwei roemischen Heeren geschlagen und fiel in der Schlacht. Die Hoffnung, die auch die Etrusker auf ihn gesetzt hatten, zerann.

Darauf schickten die Roemer zwei Legionen unter dem Konsul Marcus Livius nach Etrurien, um zu untersuchen, wer die Punier unterstuetzt hatte und ihm dann den Prozess zu machen. Wie viele verurteilt wurden,verschweigen die roemischen Unterlagen. Es werden nicht wenige gewesen sein, denn der Konsul blieb zwei Jahre in Etrurien.

Als 205 v. Chr. P. Cornelius Scipio nach Beendigung des spanischen Feldzugs als Konsul gewaehlt wurde, ruestete er sofort gegen Karthago. Das Material fuer den Bau der erforderlichen Flotte wurde den Etruskern als "freiwillige Kontribution" auferlegt. Die "freiwilligen Spender" sind die von Rom erkannten "Kriegsverbrecher". Da die Roemer die prokarthagische Gesinnung der Etrusker kannten, blieben sie aber von Aushebungen fuer das Heer verschont.

Als 205 v. Chr. der karthagische Feldherr Mago, ein weiterer Bruder Hannibals, bei Genua landet, fallen ihm wieder alle Sympathien der geschundenen norditalienischen Voelker zu. Drei Legionen sind erforderlich, um die Unruhen niederzuschlagen. Anschliessend folgen, wie gehabt, Untersuchungen und Verhoere. Alle, die mit Mago irgendwie Kontakt gehabt hatten oder geflohen waren wurden enteignet. Diejenigen, derer man habhaft werden konnte , wurden zum Tode verurteilt. Diese Prozesse dauerten bis 203 v. Chr.

Im naechsten Jahr schlug dann das nach Afrika uebergesetzte roemische Heer bei Zama, wenige Kilometer vor Karthago, das Heer der Karthager unter Fuehrung des zurueckgerufenen Hannibals. Der 2. punische Krieg war zu Ende. Karthago wurde zu ruinoesen Kontributionszahlungen, unter anderem zur Ablieferung der gesamten Flotte und Verlust aller seiner Besitzungen im Mittelmeerraum verurteilt und verlor damit jede Machtstellung. Rom dominierte jetzt auch das gesamte westliche Mittelmeer.

Der Kriegszug gegen Griechenland folgte sofort. 200 v. Chr. wird Koenig Philipp von Mazedonien der Krieg erklaert und drei Jahre nach Eintreffen des roemischen Heeres in Illyrien wird er in Thessalien entscheidend geschlagen und zu einem Frieden gezwungen, der auch ihn machtlos macht.

In Etrurien gab es zwischenzeitlich mehrere "Sklavenaufstaende", wobei nicht klar ist, ob Rom zu dieser Zeit einen Grossteil der Etrusker als Sklaven ansieht. Eine der roemischen Stadtlegionen schlug die Aufstaende nieder. Die gefangengenommenen "Haeupter der Verschwoerung" wurden ausgepeitscht und dann gekreuzigt. Rom uebernimmt damit eine weitere Toetungsart aus dem assyrischen Gruselkabinett.

Ueberall auf den Territorien der alten etruskischen Staedte, und oft in ihrer direkten Naehe, werden Garnisonsstaedte oder "Buergerkolonien" als Konkurrenzstaedte errichtet und damit die Ueberfremdung des etruskischen Landes fortgefuehrt. Eine neue Militaerstrasse von Arezzo nach Bologna verbindet Etrurien mit der roemisch beherrschten Po-Ebene.

Waehrend Rom jetzt ein Land nach dem anderen im Mittelmeerraum erobert, 168 v. Chr. Mazedonien, 146 v. Chr. Karthago, verbunden mit der voelligen Zerstoerung der Stadt und ihrer Einebnung nach etruskischem Muster, 133 v. Chr. Spanien, nach Eroberung und Einebnung von Numantia, wird die politische Lage in der Stadt immer kritischer. Da die Gewinne aus den Kriegszuegen nur wenigen fuehrenden Leuten zu Gute kommen und sie unermesslich reich machen, bildet sich eine Art Hochkapitalismus.

Dieser wirkt sich auch auf dem Land aus. Da Rom vor allem aus eroberten Gebieten versorgt wird, gibt es keine Absatzmoeglichkeit fuer landwirtschaftliche Produkte. Andererseits muessen Steuern und Abgaben entrichtet werden. Der Bauernstand verschuldet und verliert nach und nach Haus und Hof. Das Land erwerben die Grosskapitalisten aus Rom, die so zu riesigen Landguetern kommen. Auch Etrurien wird von dieser Entwicklung nicht verschont. Die "Kriegsverbrecherprozesse" hatten schon viele Besitzungen in roemische Haende gebracht. Diese wurden jetzt ausgeweitet und auch Etrurien wird zum Land der "Latifundien". Dies wirkt sich katastrophal auf die Natur aus.

Da die intensive Bewirtschaftung der Flaechen einer extensiven Weidewirtschaft wich, da sich nicht einmal der Anbau von Getreide lohnte, wurden die Be- und Entwaesserungsanlagen nicht gebraucht und in Folge dessen auch nicht in Stand gesetzt. Die Folge war Veroedung und Versumpfung weiter Flaechen. Das Land waere in seinen urspruenglichen Zustand zurueckgefallen, wenn die intensive Beweidung und die Regulierung durch den Menschen, der allzu grossen Wildwuchs beschnitt, dies nicht verhindert haetten.

Aber die Flusstaeler versumpften wieder und vor allem in den Niederungen vor den Kuesten staute sich das Wasser und es bildeten sich wieder die Maremmen, die einst durch die Entwaesserungstechnik der Etrusker in fruchtbare Felder verwandelt worden waren. Mit den Suempfen kamen die Moskitos und mit ihnen die Malaria. Es entstanden wieder die gefuerchteten Fieber- und Todeszonen. Schon in der folgenden Kaiserzeit kannte man sie und ueber 2000 Jahre, bis in die heutige Zeit waren sie beruechtigt.

Die Bemuehungen einer Volkspartei in Rom, der sogenannten "Popularen", welche die Entwicklung zum immer weiter fortschreitenden Grossgrundbesitz stoppen und eine Landreform durchfuehren will, scheitern immer wieder am Widerstand der "Optimaten", der Grosskapitalisten, welche die Macht nicht aus den Haenden geben. Ihnen fallen die Gebrueder Grachus zum Opfer, im Buergerkrieg zwischen dem Popularen Marius und dem Optimaten Sulla siegen sie. Die Etrusker, die mit Marius sympathisieren, erleiden wieder grosse Verluste. Nach vielem hin- und her, in dem einmal die Anhaenger des Sulla und dann die Anhaenger des Marius die Oberhand haben und grausam gegen die Gegenpartei vorgehen, liegt schliesslich die letzte Basis der Popularen in Nordetrurien.

Inzwischen war am 6. Juli 83 v. Chr. als boeses Omen das letzte Wahrzeichen der Etrusker in Rom, der Jupitertempel auf dem Kapitol, abgebrannt. Das Omen sollte bald zur Wirkung kommen, denn an allen Fronten fiel im folgenden Jahr die Entscheidung zu Ungunsten der Popularen und damit der Etrusker. Der Feldherr der Popularen floh nach Afrika und das Heer wird bei Chiusi geschlagen. Nur Populonia und Volterra wehren sich heldenmuetig und werden belagert.

Als Sulla im November 82 v. Chr. zum Dictator ernannt wird, geht er in gewohnter Weise gnadenlos gegen die Anhaenger der Gegenpartei vor. 4000 samnitische Kriegsgefangene werden niedergemetzelt. Doch das ist erst ein Anfang. Sulla fuehrt sogenannte "Proskriptionen" ein. Tafeln mit den Namen von "Geaechteten" werden oeffentlich aufgestellt. Die Geaechteten sind nach uralter atlantischer Tradition, die Rom hiermit wieder aufgreift, vogelfrei. Jeder kann sie toeten. Sulla tut ein weiteres:

1. Ein Kopfgeld wird fuer die Toetung eines Geaechteten ausgesetzt.

2. Gueter und Vermoegen des Geaechteten werden vom Staat eingezogen.

3. Kein Nachkomme darf bis zu den Enkeln ein Amt bekleiden.

4.Es gibt keinen Prozess und keine Moeglichkeit der Begnadigung

Vor allem der Punkt 4 zeigt, wie weit der "Rechtsstaat Rom" abgesunken ist. Es regiert die reine Willkuer des Herrschenden, der dazu noch erklaert parteiisch ist. Schlimmeres ist kaum vorstellbar.

Bestraft wurden auch die Staedte, die bis zuletzt die Popularen unterstuetzt hatten. Ihnen wurden Buergerrechte aberkannt und Laendereien weggenommen. Die enteigneten Besitzungen wurden Gegenstand wilder Spekulationen unter den Grosskapitalisten. Fuerchterlich traf das Strafgericht neben Samnium auch Etrurien. Einsatzkommandos zogen von Ort zu Ort, exekutierten die Beschuldigten und vertrieben die Angehoerigen von den eingezogenen Besitztuemern. Guenstlinge des Dictators und einflussreiche Roemer bereicherten sich an den nun herrenlosen Guetern. Auch die beruehmten Keramikfabriken von Arezzo gerieten in die Haende von roemischen Spekulanten. Arezzo, Chiusi und Fiesole verloren grosse Teile ihrer Laendereien. 79 v. Chr. musste auch Volterra kapitulieren und wurde zu harten Suehnemassnahmen verurteilt.

Etrurien erholte sich nie wieder von dieser Vergewaltigung. In den besiegten und entvoelkerten Staedten wurden roemische Veteranen angesiedelt. Die Romanisierung Etruriens nahm unaufhaltsam ihren Lauf und brachte schon nach wenigen Jahrzehnten die eigenstaendigen Aeusserungen der etruskischen Kultur zum Erliegen. Auch die Angehoerigen der Oberschicht, die nicht Sullas Proskriptionen zum Opfer gefallen waren, verliessen nach und nach die veroedenden Staedte und zogen in die Weltstadt Rom, wo sie selbst zu Roemern wurden und ihre Herkunft und Kultur vergassen.

In Arezzo lebte die alte Toepferkunst unter etruskischer Leitung wieder auf. Auch die Stadt erlangte durch den Einsatz Ciceros wieder ihre Buergerrechte. Aehnlich erging es Volterra.

Um sie nicht der Vergessenheit anheimfallen zu lassen, ordneten die etruskischen Priester die Niederschrift ihrer Lehre der "Disciplina Etruscae" an, von der nur wenig durch Zufall erhielten blieb, da sie bei Einfuhrung des Christentums als "heidnische Lehre" gezielt vernichtet wurde. Sonst fuegte sich Etrurien ohne Besonderheiten in die weitere roemische Geschichte ein.

Eine einzige Stadt machte eine Ausnahme und sie traf ein besonders schweres Schicksal. Es war Perugia, das Lucius Antonius, dem Bruder von Marcus Antonius, der sich in Aegypten zu der Zeit mit Kleopatra vergnuegte, als letzte Zuflucht in den Buergerkriegsauseinandersetzungen mit Octavian diente. Als 40 v. Chr. die belagerte Stadt aufgeben musste, wurde sie auf Anordnung Octavians erbarmungslos gepluendert. 300 der angesehensten Buerger wurden oeffentlich ermordet. Ein "Buerger der Stadt" soll darauf einen Brand gelegt haben und die ganze Stadt sank in Schutt und Asche. Furcht und Entsetzen packte noch eimal die Einwohner Etruriens. Die Buerger fluechteten in die Waelder und vergruben ihre Schaetze. Als Octavian als "Augustus" Kaiser wurde, liess er Perugia wieder aufbauen. Nach ihm hiess sie nun "Augusta Perusia".

zurueck