Das atlantische Reich

von Karl Juergen Hepke

 
Schon 1776 veroeffentlichte Jacob Bryant eine sechsbaendige Enzyklopaedie mit dem Titel: Analysis of Ancient Mythologie, in der er die Trojaner von den Meropern ableitete, die er als Volk von grossem Einfallsreichtum und Stolz schildert und die sich als Nachfahren des >erdgebundenen Riesengeschlechts < bezeichneten. Die Meroper oder Meropiden werden auch Atlanter - die mutmassliche Nachkommenschaft des Atlas - genannt.

Nach Bryant siedelten diese Meroper - Atlanter sowohl weit im Westen als auch weit im Osten: >Daher stellen wir fest , dass, gleich ob wir in Mauretanien Forschungen anstellen oder am Indus, die gleichen Namen auftauchen<. Sie waren sehr geschickt in den Wissenschaften und behaupteten mit > den Goettern und Heroen im Bunde zu sein<.

Nach Platon (27,28 ) berichteten die Aegypter von Sais dem Griechen Solon , dass die Atlanter von Tharsis ueber ein grosses Gebiet im Mittelmeer herrschten , naemlich ueber Europa bis nach Tyrrhenien und ueber Libyen bis nach Aegypten. Nach der Bibel ( Jesaja 23 ) fuhren ihre Schiffe bis nach Sidon und Tyrus , woraus zu schliessen ist , daß sie auch die Seeherrschaft im oestlichen Mittelmeer hatten. Troja, das die Dardanellen und damit die Zufahrt zum Schwarzen Meer beherrschte, war offenbar nach den durch Homer ueberlieferten Daten, die bis in die heutige Zeit durch immer neue Ausgrabungsergebnisse bestaetigt werden, eine Tochtergruendung von Tharsis. Zusammen mit Ausgrabungsergebnissen aus Griechenland (Mykene, Tyrins (41) ), Ugarit (7), Kreta , um nur die wichtigsten zu nennen, ist auch dies ist ein Hinweis auf die Seeherrschaft im oestlichen Mittelmeer.

Wie wir in den vorangegangenen Kapiteln gesehen haben, wurde Atlantis II in der Zeit zwischen 7000 v. Chr. und 5000 v. Chr., also zu Beginn des europaeischen "Neolithikums", gegruendet Die Atlanter zeichneten sich durch hohe Faehigkeiten in der Gewinnung und Verarbeitung von Metallen und von Stein aus. Stein wurde oft in sehr großen Formaten verarbeitet (Megalithbauten, Zyklopenmauern) .

An Metallen wurden ab etwa 3500 v. Chr. gewonnen und verarbeitet : Kupfer, Zinn, Bronze, Zink, Eisen, Gold, Silber und heute zum Teil nicht mehr verwendete Mischungen aus diesen Metallen wie Elektron, und eine Mischung von Kupfer und weissen Metallen , das Bergerz genannt wurde, sehr korrosionsbestaendig war und in der Sonne > wie Feuer leuchtete < ( 28).

Die Kultur war urspruenglich an den Raendern und auf den Inseln des alten Atlantik gegruendet worden und verlagerte sich, nach dem durch einen Asteroideneinschlag mit anschließender Polverschiebung und Klimaaenderung verursachtem Anstieg der Meere, in ein Land , in dem alle diese Metalle als Rohstoffe vorhanden, oder doch auf dem Seewege leicht zu beschaffen waren. Dieses Land war die iberische Halbinsel , die Hauptstadt hiess Tharsis und lag in Andalusien ca. 10 Km vom Meer entfernt auf einem Huegel. Iberien bot in der damaligen Zeit fuer die Gruendung einer solchen Kultur hervorragende Bedingungen.

Es hatte praktisch eine Insellage am Rande des Mittelmeerraums und des atlantischen Raums und bildete doch eine Bruecke zwischen dem afrikanischen und dem europaeischen Kontinent. Ueber die um Iberien herumfuehrenden Seewege musste der Seehandel zwischen beiden Bereichen abgewickelt werden. Fuer einen Betrachter des Erdballs aus der Sicht des Raumfahrers wird diese besondere Qualitaet Iberiens sofort sichtbar. Sie ist einzigartig auf der Erde.

Auf Grund seiner geologischen Struktur bot darueberhinaus Iberien guten Schutz durch Gebirgszuege gegen das Mittelmeer, nach Nordeuropa und nach Afrika. Zusaetzlichen Schutz gaben Wasser oder Sumpfgebiete in diesen Bereichen. Es war so einer durch Wall und Graben geschuetzten Wasserburg vergleichbar, die nur von Westen her ueber den Wasserweg gut erreichbar war. Und hier lag die riesige , fruchtbare und klimatisch guenstig gelegene Ebene Andalusiens : nur nach Suedwesten hin offen, den anfangs noch vorhandenen atlantischen Inseln und den atlantischen warmen Winden und Regenfaellen zugewandt.

Besonders wichtig aber war das Vorkommen fast aller wichtigen Metallerze in Iberien . Die grossen, leicht abbaubaren Kupfererzlager lagen in den noerdlichen Bergen Andalusiens am Rio Tinto und beim heutigen Bergbauort "Tharsis" und waren guenstig ueber kurze Wasserwege mit der Ebene und dem Meer verbunden. Auch Zinn, Gold, Silber, Eisen, Blei wurden in Iberien gefunden und konnten auf dem Wasserweg nach Tharsis transportiert werden. Das fuer die Herstellung der Bronze in grosser Menge erforderliche Zinn konnte auf dem Seeweg guenstig aus den Minen Nordwestportugals und Suedbritaniens Cornwall herangeschafft werden.

Im Sueden der grossen Ebene Andalusiens bot dazu die Natur eine durch eine Landzunge geschuetzte Bucht mit mehreren Flussmuendungen und dazu in gutem Abstand von der Kueste einen Huegel inmitten einer Ebene mit vielen Wasserlaeufen fuer die Gruendung einer Stadt. Dass hinter dieser Stadt noch ein Bergruecken lag , der die Stadt gegen den kalten Nordwind schuetzte und der Errichtung einer weithin sichtbaren Koenigsburg dienen konnte , der darueber hinaus noch ein gutes Gestein fuer den Bau von Haeusern und Tempeln lieferte und mit seinen Quellen die Wasserversorgung der Stadt sicherstellte, erscheint uns Menschen von heute schon fast als etwas zuviel des guenstigen Zusammentreffens. Aber auch Platon sah es vor ueber 2000 Jahren schon als eine ausserordentlich guenstige Lage an, die nur mit Hilfe eines Gottes , Poseidons, so perfekt ausfallen konnte.

Hier also wurde die Stadt , die wahrscheinlich eine der aeltesten oder ueberhaupt die aelteste der westlichen Welt ist , gegruendet und erhielt den Namen Tharsis. Spaeter in phoenizischer Zeit wurde sie in griechischen Schriften Tartessos genannt und Platon, der seine Kenntnisse von ihr ueber Aegypten erhielt, bezeichnete sie mit der griechischen Abwandlung des Namens der in Aegypten ueblich war : Atlantis. Diese aegyptische Bezeichnung bezeichnete aber mehr das Land als die Stadt .

Sie selbst wurde in der damaligen Welt oft nur "die Stadt" oder "der Hafen" oder "der Markt" genannt. Und diese Bezeichnung hat sich bis heute gehalten. Denn was an der Stelle des alten Hafens von Tharsis in phoenizischer und griechischer Zeit an der Muendung des Flusses, der heute Gualdalete heißt , neu entstanden war hiess damals " der Hafen des Gottes Menes " oder in der heutigen Landessprache " Puerto de Menestheo".

In der Zeit der arabischen Herrschaft in Andalusien hiess er "Amaria Alcanter, Alcanate oder Alcanatif was soviel heisst wie " der Hafen der Salzminen , des Bogens oder der Bruecke ". Nach der Eroberung im Jahr 1260 n.Chr. durch Alfons X wurde er in " Santa Maria del Puerto " umbenannt, erscheint aber in den folgenden Jahrhunderten in allen Schriften wieder unter dem uralten Namen "der Hafen" oder in der Landessprache " El Puerto".Eine Zeitlang, als er der Haupthafen der koeniglich spanischen Flotte war, fuehrte er auch den Namen "Puerto Real". Auf den heutigen Landkarten erscheint er als "Puerto de Santa Maria". Aber im einheimischen Sprachgebrauch ist er immer noch "El Puerto", "der Hafen".

Hier ruestete Kolumbus sein Flaggschiff die "Santa Maria" fuer die Fahrt ueber den Atlantik nach Amerika aus und hier soll er auch den " anonymen Seefahrer" getroffen haben, der ihm von seinen Kenntnissen des fernen Landes im Westen hinter dem Ozean berichtete. Dies ist auf Grund der uralten Tradition des Hafens und seiner Einwohner sogar glaubhaft.

Tharsis entwickelte sich auf Grund seiner guenstigen Lage und der Kenntnisse in der Metallgewinnung und Verarbeitung zum wohl bedeutendsten Handelsplatz fuer das wichtigste Ruestungsmaterial der damaligen Zeit, die Bronze. Ohne Bronze gab es keine brauchbaren Waffen und ohne brauchbare Waffen war man macht - und beuteluesternen Feinden gnadenlos ausgeliefert. Die uebliche Form der Kriegfuehrung bestand naemlich zu der Zeit darin, daß der im Krieg unterlegene bis auf den letzten Mann getoetet wurde, sein Besitz und manchmal auch schoene Frauen wurden als Beute davongefuehrt und seine Staedte und seine Aecker wurden vollstaendig verwuestet . Dies ist nachzulesen in der Bibel oder in Homers Ilias. Angesichts dieser Situation ist es verstaendlich, dass man schon damals, mit dem fuer das Ueberleben unabdingbaren Ruestungsmaterial Bronze blendende Geschaefte machen konnte.

Die Bedeutung von Tharsis ergab sich aus seiner hervorragenden Lage. In naechster Naehe lagen die Kupferlager vom Rio Tinto, die ueber den Wasserweg gut mit Tharsis verbunden waren. In den Bergen Andalusiens fand man ausserdem Silber und Gold. In Iberien gab es das einzige Zinnvorkommen im Mittelmeerraum und ausserdem lag man am Seeweg zum bedeutendsten zweiten Zinnvorkommen in Suedenglands Cornwall. Mit einer brauchbaren Kriegsflotte und Handelsniederlassungen im oestlichen Mittelmeerraum, welche die Zinnlieferungen aus den Bergen Irans und aus Mitteleuropa ueber den Donauweg kontrollierten, konnte man sich das Zinn- und damit Bronzemonopol fuer die damalige Welt aneignen.

Und das tat Tharsis und wurde reicher und reicher. Da es an einem ungestoerten Handel, der die Basis seines Reichtums war, interessiert war, baute es eine grosse Streitmacht und eine grosse Flotte von (nach Platon) 1200 Kriegsschiffen auf. Mit diesen, fuer ihre Schnelligkeit im Mittelmeer bekannten 50-Ruderern in schlanker Bauform, mit steil hochgezogenem Bug und scharfem Rammsporn, beherrschte es den ganzen Mittelmeerraum , sorgte fuer ungestoerten freien Handel und bescherte der ganzen Mittelmeerregion ein goldenes Zeitalter : die Bronzezeit.

Dieser neue archaeologischer Zeitabschnitt begann im Mittelmeer um 3000 v. Chr. mit der ersten wissenschaftlich bewiesenen Verwendung der Bronze in der Aegaeis.(41) Kupferlegierungen, die Arsen enthielten, waren seit mehreren Jahrhunderten in Zentralasien hergestellt worden, aber die Entdeckung der Zinnbronze, eine Legierung aus Kupfer und bis zu zehn Prozent Zinn, mit hervorragenden metallurgischen Eigenschaften wie Korrosionsbestaendigkeit und Festigkeit, fand woanders statt. Es spricht viel dafuer, daß dies in Atlantis in Iberien geschah, wo alle erforderlichen Rohstoffe und offenbar auch das Wissen um die Gewinnung und Verarbeitung von Metallen vorhanden waren.

Man kann sich schwer vorstellen, daß der Mensch von damals, ohne fremde Hilfe und Anleitung, auf die Idee gekommen sein soll, in den Bergen nach bestimmten Steinen zu suchen, aus denen er dann, unter Verwendung von starker Hitze und Beimengung bestimmter anderer Stoffe, Metalle, die er noch garnicht kannte, gewinnen konnte. Es muss hier zumindestens eine Initialunterweisung gegeben haben. Eine entsprechende Initialunterweisung war ebenfalls noetig, um beispielsweise die Bronzelegierung zu finden, die bestmoegliche technologische Eigenschaften versprach.

Man muss sich immer vor Augen halten , dass der Mensch von damals ja nicht die geringste Ahnung von Chemie und keinerlei metallurgische Kenntnisse besass. Er war deshalb ueberhaupt nicht in der Lage, durch Ueberlegung oder gezielte Experimente ein Metall aus seinen in der Natur vorkommenden Verbindungen zu gewinnen, es sei denn, es gab ihm jemand das genaue Rezept dafuer. Er konnte dies Rezept zwar nicht verstehen , aber er konnte es anwenden und aus der Anwendung und dem mehr oder weniger positiven Ergebnis, Schluesse fuer weitere eventuelle Verbesserungen ziehen.

Aus diesen Tatsachen geht eindeutig hervor, daß es Hilfe von aussermenschlicher Seite gegeben haben muß, es sei denn, man geht davon aus, wie in den vohergehenden Kapiteln schon erwaehnt, dass dieses Wissen um die Gewinnung und Verarbeitung von Metallen aus der 10 000 jaehrigen Geschichte von Atlantis I stammte. Denn 10 000 Jahre duerften vielleicht ausgereicht haben , die zweifellos technisch begabten Atlanter entsprechende revolutionaere Entdeckungen machen zu lassen.

Ob diese Hilfe nun von Goettern oder Wesen von ausserirdischen hoeher entwickelten Zivilisationen oder von den sagenhaften, mit den "Goettern" kooperierenden Vorfahren der Atlanter stammte , bleibt zur Zeit noch offen . Fuer eine Erfahrungsevolution haette die erwiesenermassen kurze Zeit fuer die nahezu gleichzeitige Einfuehrung der Metalle in die Geschichte niemals ausgereicht .

Dies zeigt einmal mehr, daß die sogenannten exakten Wissenschaften, die lange Zeit von einem Aufeinanderfolgen der Kenntnisse der Verarbeitung von Kupfer, Bronze und Eisen ausgingen und danach ganze Epochen benannten, manchmal an ihre Grenzen stossen. Es ist in dem vorliegenden Fall sicher besser, auf die in fast allen Kulturvoelkern vorhandenen religioesen Ueberlieferungen zu hoeren, welche die Uebermittlung der Kunst der Metallgewinnung und Verarbeitung einem "Gott" der Schmiede und Bergwerke nachsagen.

Heute unbestreitbare, allerdings noch nicht ueberall bekannte, Tatsache ist jedenfalls, dass es um 3000 v. Chr. die Verwendung von Gold, Silber, Blei, Kupfer, Zinn und auch Eisen gab. Kupfer und Zinn wurden unter Verwendung von weiteren Zusaetzen wie beispielsweise Antimon, das die Bronze haerter macht und sie frueher schmelzen laesst, zur hervorragend fuer Werkzeuge und Waffen geeigneten, giess- und schmiedbaren Bronze verarbeitet.

Auch das Eisen und seine hervorragenden Eigenschaften als Werkstoff fuer Waffen waren bereits bekannt. Es wurde jedoch auf Grund seiner mangelhaften Korrosionsbestaendigkeit und schwierigen Herstellung noch nicht besonders gern verwendet. Ausserdem stand die weit besser zu bearbeitende und edlere Bronze ausreichend zur Verfuegung und die Atlanter, die sehr gut am Bronzemonopol verdienten, hatten kein Interesse an der Entwicklung oder Verbreitung der Technologie des Konkurrenzproduktes Eisen..

Das Schicksal eines Schluesselortes fuer die moderne Archaeologie von heute, naemlich Trojas, war besonders eng mit dem neuen Zeitabschnitt, der Bronzezeit verknuepft. In der Aegaeis tauchte Zinn-Bronze zuerst in der Naehe des Hellespont auf, kurz nachdem dort Troja als Handelsniederlassung und strategischer Stuetzpunkt von Tharsis gegruendet worden war. Auch das
         
Gebiet von Troja und ebenfalls einige der in der Naehe liegenden griechischen Inseln hatten naemlich bemerkenswerte Vorkommen von Gold , Silber, Kupfer und auch geringe Mengen von Zinn.

Sie waren deshalb fuer die Metallinteressen der Atlanter wichtige Gegenden, auf die sehr frueh schon zugegriffen wurde. Beispielsweise wurden die Goldvorkommen auf der Insel Thasos schon weit vor der Gruendung von Troja von den Atlantern ausgebeutet, wie Herodot berichtet (13). Das Schicksalsmetall fuer Troja war aber offenbar die Bronze.

Nicht nur dass das atlantische und klassische Troja Homers und die Bronzezeit etwa gleichzeitig auf den Plan traten, sie sollten auch beide parallel ungefaehr zweitausend Jahre spaeter ihr Ende finden.(41) Troja war offenbar ein Verarbeitungs- und Handelszentrum fuer Zinnbronze und verlor nach dem Untergang des atlantischen Reiches und damit auch des Bronzemonopols seine Bedeutung.

Die bedeutende Stellung Trojas fuer den atlantischen Metallhandel erklaert wahrscheinlich auch besser den unter grossen Opfern gefuehrten Raubzug der Griechen nach Troja, der als der trojanische Krieg in die Literatur einging, als die von Homer sicher erfundene oder auf der uralten Geschichte des Raubes griechischer Frauen durch einwandernde Atlanter (13) beruhende poetische Geschichte vom Raub der schoenen Helena.

Zinn- Bronze war naemlich nach dem um 1250 v. Chr. erfolgten Naturereignis, das zum Untergang von Atlantis fuehrte, zur Mangelware im Mittelmeerraum geworden. Dies geht aus Tontafelaufzeichnungen in zerstoerten griechisch - achaischen Palaesten hervor (41). Da es als Waffenrohstoff grosse Bedeutung hatte und man wahrscheinlich in Troja große Vorraete vermutete, waere ein Raubzug dorthin theoretisch lohnend gewesen. Wie die Geschichte beweist, war er es nicht, denn die inneren Auseinandersetzungen der nach dem Verschwinden der atlantischen Ordnungsmacht sehr instabilen achaischen Laender und der spaetere Rachefeldzug der atlantischen Seevoelker vernichtete die Teilnehmer des Kriegszuges und darueber hinaus die gesamte achaisch griechische Kultur.

Durch die reichen Kupfervorkommen auf Zypern ergab sich zwangslaeufig eine Erweiterung des atlantischen Interessengebiets in den oestlichen Mittelmeerraum. Hierzu wurden schon sehr frueh die auf dem gegenueberliegenden Festland liegenden Hafenplaetze Tyrus, Ugarit und Sidon und spaeter auch kleinere, als atlantisches Einfluss- und Siedlungsgebiet gewonnen. Die hier entstehende Urbevoelkerung, die als kanaanitisch bezeichnet wird, war deshalb immer mehr oder weniger stark atlantisch bestimmt. Auch die Zinnvorkommen in den armenischen und iranischen Bergen erweckten offenbar schon sehr frueh das Interesse der Atlanter und fuehrten zur immer wiederholten Ansiedlung von atlantischen Volksgruppen in diesem Bereich.

Um das oestliche Mittelmeer durch sichere Handelswege mit dem westlichen zu verbinden, wurden Niederlassungen auf Malta, Kreta, Thera und an der Suedkueste Italiens und Siziliens gegruendet. Malta, Kreta und Thera gerieten bald vollstaendig unter atlantischen Einfluß und wurden die ersten echten Tochterstaaten mit atlantischer Kultur.

Zypern und Iberien waren die wichtigsten Lieferanten fuer Kupfer im Mittelmeerraum und im atlantischen Raum. Die heute noch bekannten Abbaugebiete fuer Zinn sind Tschechien,Portugal, Rumaenien, Iberien, Armenien und Cornwall.
Iberien und Cornwall waren sicher in der Hand der Atlanter. Troja beherrschte den Zugang zum schwarzen Meer und kontrollierte damit eventuelle Lieferungen , die aus Rumaenien und Tschechien auf dem Weg ueber die Donau und das Schwarze Meer in den Mittelmeerraum gelangen konnten. Es hatte damit eine aehnliche Bedeutung fuer das Zinn , das aus den Donaulaendern kommen konnte, wie es Tharsis fuer das Zinn aus dem atlantischen Raum hatte. Die Zinnlieferungen aus Armenien und den iranischen Bergen wurden von Kanaan aus unter Kontrolle gehalten. Auf Grund dieser Verhaeltnisse stand der Errichtung eines atlantischen Bronzemonopols nichts mehr im Wege.

Waehrend die Kultur auf dem, bis dahin vom atlantischen Machtstreben nicht beruehrten griechischen Festland noch ein paar Jahrhunderte laenger auf einem wenig beeindruckenden Niveau verblieb, wurden an fuer den atlantischen Handel wichtigen anderen Orten im Mittelmeer hervorragende kulturelle und wirtschaftliche Fortschritte erzielt (41) .So entwickelte sich im Laufe des zwanzigsten Jahrhunderts v. Chr. die seit langem bestehende und bluehende baeuerliche Gemeinde auf Kreta durch den eintraeglichen atlantischen Metallhandel zu einer Luxusgesellschaft. Es entstand eine bis dahin unerreichte Architektur mit kunstvollen offenen Palaesten, die die fuerstliche Herrschaft widerspiegelte. Der beruehmteste Palast ,

19000m² groß, entstand in Knossos, aber auch in Phaistos und Mallia gab es Residenzen der Oberschicht, die ebenso oder doch fast so bedeutend waren. Diesen Palaesten angeschlossen waren riesige Speicheranlagen fuer Oel, Getreide und Wein und man kann deshalb wohl annehmen, dass Kreta in dieser Zeit auch als Arsenal fuer die im oestlichen Mittelmeer stationierten oder im Bedarfsfall eingesetzten Land- und Seestreitkraefte des atlantischen Reiches diente.

An all diesen Orten waren frueher schon wichtige Siedlungen gewesen, die nun durch den wirtschaftlichen Aufschwung beguenstigt wurden , so dass manche alteingesessene Sippe und auch mancher Neubuerger, den der Handel ins Land gefuehrt hatte, allmaehlich einen hoeheren Grad an Wohlstand erreichten.

Die Palaeste waren vorzueglich geordnete Gefuege, mit einem rechteckigen zentralen Hof und abgetrennten Bereichen fuer das offizielle und das familiaere Leben, fuer handwerkliche und religioese Verrichtungen und die Vorratshaltung. Meisterliche Kuenstler schmueckten die Palaeste mit herrlichen Fresken, die den minoischen und damit atlantischen Lebensstil


darstellten . Die enormen Leistungen in der bildenden Kunst gingen einher mit zunehmender politischer Macht und groesserem Reichtum. Auch außerhalb der Palaeste war der Lebensstandard hoch, was an staedtischen Abwassersystemen und kopfsteingepflasterten Straßen abzulesen war.

Obgleich die minoische Kultur auf Kreta keinesfalls eintoenig oder einheitlich war, scheint sich der Lebensstil im Laufe der Zeit doch wenig veraendert zu haben. Der Grund fuer diese Stabilitaet des Kulturschaffens und der religioesen Braeuche in allen der atlantischen Welt angehoerenden Staaten ist wahrscheinlich darin zu suchen, daß sowohl Religion wie auch Kultur zum grossen Teil keine eigene Entwicklung waren. Sie waren bei der Gruendung des Staates Atlantis von den" Goettern" einer ausserirdischen Hochkultur den Atlantern als Starthilfe mitgegeben worden. Das war den Atlantern immer bewußt, und so wagte niemand, etwas daran zu aendern.

Inwieweit die "Basis" Kreta tatsaechlich als solche bei den ab 2000 v. Chr. einsetzenden Eroberungs- und Besiedlungsaktivitaeten von atlantischen Volksgruppen im oestlichen Mittelmeer benutzt wurde, ist nicht bekannt. Eine groessere kriegerische Auseinandersetzung hat es wahrscheinlich aber doch in dieser Zeit gegeben. Die in Aegypten von Solon erschlossenen Aufzeichnungen berichten jedenfalls von einem Feldzug von Atlantern, der nach Ansicht der Aegypter das ganze oestliche Mittelmeer unterwerfen sollte, aber am erbitterten Widerstand der Griechen, wobei die Athener eine hervorragende Rolle spielten, scheiterte.(27)

Der Einfall der Hyksos in Aegypten um 1780 v. Chr. der zur voruebergehenden Eroberung und einer ca. 130 Jahre dauernden Fremdherrschaft ueber Unteraegypten fuehrte, koennte die Auswirkung dieses Feldzugs auf Aegypten gewesen sein. Die Hyksos wurden in Aegypten " Haeuptlinge der Fremdlaender" genannt und brachten als neue Kampftechnik Pferde mit Streitwagen mit.

Da es sich offenbar um unter "Haeuptlingen" operierende Kampfgruppen ohne echte gemeinsame Fuehrung handelte, ist ihr Vorgehen typisch fuer die in dieser Zeit praktizierte Ausbreitungsart der Atlanter, die weitgehend ohne die Unterstuetzung durch die Zentralmacht in Tharsis erfolgte. Wie wir bei der Betrachtung anderer asiatischer Staaten in gesonderten Kapiteln noch sehen werden, gingen sie auch in diesen Laendern entsprechend vor.

Nach dem Ausbruch des Vulkans auf der Insel Thera ca 1650 v. Chr., wurden weite landwirtschaftliche Gebiete Kretas durch Versalzung der Boeden infolge der Flutwelle des Vulkanausbruchs und durch giftigen Ascheregen unfruchtbar. Da die Basis der atlantischen Staaten immer eine hervorragend organisierte Landwirtschaft und Viehzucht war , wurde Kreta deshalb uninteressant.

Sicher nicht ohne Anwendung von Waffengewalt wurde deshalb das suedliche Griechenland gewonnen und es entstand hier das Land der Achaeer. Aus diesem Eindringen der Atlanter in bereits von anderen genutzten Siedlungsraum sind wohl auch die verstaerkten Animositaeten der Griechen gegen die Atlanter entstanden. Sie fuehrten dann spaeter zum trojanischen Krieg und in noch spaeterer Zeit zu den Jahrhunderte waehrenden kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Griechenland und den atlantischen Nachfolgestaaten Phoenizien und Karthago.

Als bedeutendste Neugruendungen der Atlanter in Griechenland koennen Mykene und Tyrins

gelten. Darueberhinaus entstanden aber eine ganze Reihe von Staedten, in denen vor allem die Metallverarbeitung

und die Keramikproduktion einen hohen Stand erreichte. Wenn sie auch in der Zeit der groessten Macht des atlantischen Reiches fest zu diesem gehoerten, so ist doch wahrscheinlich bereits eine gewisse Opposition entstanden. Ein Hauptgrund des Aergernisses war sicherlich die Vorrangstellung der atlantischen Filiale Troja, die den Metallrohstoffhandel fest in der Hand hatte und auch die Flottenbasis fuer den Teil der atlantischen Flotte war, der die Aegaeis kontrollierte.

Aber diese Kontrolle ueber ihre wirtschaftlichen und politischen Aktivitaeten, die natuerlich auch mit gewissen Abgaben gekoppelt war, gefiel den ihre Freiheit und ihren Reichtum liebenden Achaeern wenig und unter der Oberflaeche, die durch die atlantische Kontrolle ruhig gehalten wurde , gaerte es. Man muss dabei im Auge behalten, dass der groesste Teil der achaischen kleinen Fuersten und Koenige einst aus dem Bereich des atlantischen Zentralstaates ausgewandert waren, um in Griechenland unabhaengig leben zu koennen. Einige unter ihnen waren sicher einst auch aus Atlantis wegen Aufsaessigkeit gegen die strenge Ordnung verbannt worden.

Jetzt hatten sie wieder das Joch ueber sich, das sicher nicht ganz so drueckend war, wie im Zentrum, aber doch drueckend genug, um manchen zu veranlassen, weiter nach Osten, nach Anatolien, Kanaan oder in die Berge des Iran zu ziehen, wo man sein Glueck noch in Unabhaengigkeit machen konnte.

Der minoische und auch der ihm folgende achaische Reichtum hatten sich aus einer sorgfaeltig strukturierten , kulturell gefestigten und hochspezialisierten Gesellschaft mit verlaesslichen, weitreichenden Handelsverbindungen entwickelt . Sowohl die Rohstoffe als auch die fertigen Produkte wurden ueber das Meer transportiert und politische Einzelgaenge oder sogar Umwaelzungen ebenso wie Stoerungen des Seehandels durch Privatinitiativen haetten einen Dominoeffekt mit dramatischen Folgen fuer die ganze atlantische Oekonomie ausloesen koennen.(41).

Das war der atlantischen Zentrale sehr wohl bewusst und mit Hilfe ihrer starken und schnellen Flotte sorgten sie dafuer, daß jeder moegliche Stoerenfried schnell zur Raison gebracht wurde. Fuer die Eigeninitiative unternehmerischer Kleinfuersten blieb in diesem festgefuegten System nicht viel Raum.

Die die Ordnung garantierende atlantische Flotte stuetzte sich auf eine Reihe von Hafenplaetzen, die zum Teil spaeter, als die Zeiten unruhiger wurden, zu starken Festungen ausgebaut wurden. Dazu zaehlten mit Sicherheit Malta, Troja und Tyrus. Dazu kamen eine Reihe von befestigten Handelsplaetzen, in denen auch das einheimische Element gut vertreten war, wie Tiryns, Ugarit, Sidon und andere, vor allem an der griechischen und phoenizischen Kueste gelegene Orte.

Von Bemuehungen, auch an der Kueste Kleinasiens, in Milet, Fuß zu fassen, berichten Aufzeichnungen, die in Hattusa gefunden wurden. Die hier ansaessigen Karer und spaeter die Hethiter vereitelten einige dahingehende Versuche. Dahingegen war Zypern, als Hauptlieferant des Kupfers fuer die Bronze, solange in atlantischer und spaeter phoenizischer beziehungsweise tyrischer Hand, bis das klassische, erstarkte Griechenland ihr dieses abnahm.

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Lesen Sie hierzu, umfassend und uebersichtlich dargestellt :

DIE GESCHICHTE VON ATLANTIS, der vergessene Ursprung unserer Kultur
von Karl Juergen Hepke
TRIGA - DER VERLAG, 2.Aufl. 2008, Hardcover, 268 Seiten, Eur 22,00 , ISBN 978-3-89774-539-1

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