Die Niederlassung der atlantischen Voelker im Iran

von Karl Juergen Hepke

Der Assyrerkoenig Salmanassar III erwaehnt in dem Bericht ueber den im Jahr 845 v.Chr. unternommenen Feldzug Parsua, das Land der Perser, das westlich des Urmia - Sees am oberen Zab lag. Acht Jahre spaeter drang er weiter in das Bergland vor und gelangte in das Land der "Madai" der Meder, wo er Geschenke von 27 "Koenigen" entgegennahm.

Dies sind die ersten Berichte ueber die Einwanderung und Niederlassung der atlantischen Staemme im Norden Persiens. In der klassischen Geschichtsschreibung werden sie als Indoeuropaeer oder auch Indoiranier bezeichnet. Aus den Inschriften der assyrischen Koenige des Anfangs des 1.ten Jahrtausends v.Chr. kann man folgende politische Situation erkennen :.

Anfaenge und Ausdehnung von Atlantis

 

Das atlantische Reich

 

Die Bluetezeit in Deutschland

 

Lebensformen in Atlantis

 

Religion in Atlantis

 

Sitten und „Unsitten“

In den westlichen armenischen Bergen hatte sich um den Van-See gegen Ende des 2. Jahrtausends eine starke Macht gebildet : Das Reich der Urartaeer. Die Landschaft bot hier mit dem Metallreichtum der Berge, den ueppigen Weiden in den Ebenen um den Van-See und der fruchtbaren Erde in den engen , tief eingeschnittenen Taelern mit dem dichten Waldbestand auf den Bergen sehr gute Verhaeltnisse fuer die Entstehung eines Reiches. Seine Macht stuetzte sich hauptsaechlich auf meist gut befestigte Bergstaedte, in deren Schutz Hirten und Bauern lebten. Von guter militaerischer Schulung zeugen die Befestigungen und deren Verteilung im Gelaende.

Man kann wohl zu Recht davon ausgehen, dass es sich bei den Gruendern dieses neuen Reiches, zumindestens in deren Oberschicht, um einen oder mehrere Volksstaemme atlantischen Ursprungs oder jedenfalls Gruppen daraus gehandelt hat. Der hohe Stand ihrer Baukunst, dem Wissen in der Metallverarbeitung, ihres militaerischen Wissens, der Organisation eines Reiches sprechen eindeutig dafuer, dass es sich hier nicht um ein barbarisches Volk , wie sie in der noerdlichen Steppe lebten, gehandelt hat. Die Inschriften dieses Volkes an Bauten, Stelen und Felswaenden, daneben aber auch auf Metallgegenstaenden und auf Tontafeln erfolgten anfaenglich in assyrischer Sprache , spaeter auch in Hieroglyphen und in einheimischer Sprache, die dem churritischen verwandt und noch immer nicht entziffert ist. Auch die ausgedehnten Handelsbeziehungen zu den im Westen lebenden Voelker der Griechen, Italiker und Etrusker deuten auf die Herkunft aus dem Westen..

Oestlich von Urartu hatte sich ein weiterer Staat, mit dem Schwerpunkt in der suedlichen Uferebene des Urmia - Sees gebildet :Das Reich von Man. Es hat wohl nie die politische Bedeutung von Urartu erreicht, es war auch laengere Zeit von ihm abhaengig, aber wirtschaftlich stand es ihm in nichts nach. Denn auch in Man hatte sich eine bluehende Landwirtschaft mit Viehzucht entwickelt und auch die Metallverarbeitung stand auf einer hohen Stufe. Auf Grund dieser Kennzeichen duerfte es sich ebenfalls um die Gruendung eine Volkes atlantischen Ursprungs gehandelt haben. Die Urartaeer stiessen bei ihrem Versuch, sich im 10. Jahrhundert v.Chr. weiter nach Sueden auszudehnen, auf die assyrische Macht. Es kam zu Auseinandersetzungen, bei denen die Urartaeer auch einzelne Erfolge hatten und zeitweise sogar die Hauptstadt Assur bedrohten , letztlich aber doch immer wieder zurueckgeschlagen wurden..

Im Osten des urartaeischen Herrschaftsbereichs sowie in seiner suedlichen Randzone, dem Uebergang zum assyrischen Gebiet, hatten sich mehrere kleinere "Koenigreiche " gebildet. Sie lagen in den teilweise kaum zugaenglichen Taelern des Berglandes und bestanden oft nur aus einem zur Burg gewordenen Felsen und einer zugehoerigen Ansiedlung einer groesseren Sippe oder eines Stammes. Die Bevoelkerung war urspruenglich ein Gemisch aus Nachkommen der asianischen Urbevoelkerung, aus dem Kaukasus eingewanderten Staemmen und unruhigen Elementen aus der mesopotamischen Ebene. Zu ihnen gesellten sich nun die Neuankoemmlinge atlantischen Ursprungs, die sich anscheinend schon vorher in den Talebenen um die grossen Seen Goektschali und Urmia sowie in den Bergtaelern Armeniens und Aserbeidjans niedergelassen hatten..

Seit der Zeit Schamsi Adads V von Assur ( 825 - 812 v. Chr.) scheint das atlantische Element unter diesen kleinen "Koenigen" die fuehrende Rolle uebernommen zu haben. Urartu und Assur bemuehten sich, die Stammes- und Sippenhaeuptlinge gegeneinander auszuspielen. Durch "Belehnungen" mit meist erst zu erobernden Staedten im jeweiligen Herrschaftsgebiet des Gegners, also der urartaeischen oder assyrischen Einflusszone, versuchten die beiden grossen Maechte, die "Pufferlaender" fuer sich zu gewinnen. Inzwischen vermehrte sich das atlantische Element in den Berglanden durch stetige Zuwanderungen. Die Menschen folgten der natuerlichen Streichrichtung der Taeler und gelangten auf diese Weise immer weiter nach Osten und nach Suedosten.

In der Gegend des heutigen Luristan kamen solche Staemme atlantischen Ursprungs in Beruehrung mit dem nach Norden vorfuehlenden Elam, das in dieser Zeit der Schwaeche Babylons gerade eine gewisse Selbstaendigkeit erlangt hatte. Mancher der atlantischen Anfuehrer stellte sich mit seinem Gefolge den Elamitern zur Verfuegung gegen Ueberlassung von Wohnplaetzen, Weiden und Beuteanteil, genau so wie sie es auf ihrer langen Wanderung schon an vielen Stellen gemacht hatten. In der Tradition dieser Staemme hatte sich noch immer ihre Herkunft aus "Aryanam" erhalten, ein Name mit dem die "klassische" Geschichtsschreibung nicht viel anzufangen weiss und den sie als "Land der Arier" deutet. Dieses Ursprungsland der Arier koennte im Bereich der europaeischen Pyrenaeen gelegen haben. Hier sind Personennamen und Ortsbezeichnungen auf "Ar" in der Geschichte und noch heute wiederholt zu finden.

Bei all diesen Namen muss bedacht werden , dass es sich zum grossen Teil um muendlich in den verschiedensten Sprachen ueberlieferte handelt. Wenn die Schriftform vorliegt, handelt es sich oft um Schriften , die sich noch im Entwicklungsstadium befanden und oft auch bald wieder ausstarben. Auch die Bedeutung einzelner Buchstaben aenderte sich oft dabei im Laufe der Zeit. Der Name "Aryanam" findet sich zum Beispiel erst in den aeltesten Teilen der Avesta, deren Niederschrift in Indien erst etwa im 6. Jahrhundert n.Chr., also 1400 Jahre nach den Geschehnissen erfolgte.

Im Bereich vom heutigen Hamadan kommt es um 715 v.Chr. zur Gruendung eines neuen Reiches. Dem der Meder. Seine Bevoelkerung duerfte aus eingesessener asianischer Bevoelkerung und den zugewanderten Staemmen atlantischer Abstammung bestanden haben, die sich moeglicherweise aber auch bereits mit Angehoerigen der durchwanderten Gebiete in den Steppen Suedrusslands und im Transkaukasus vermischt hatten.

Der Gedanke zur Gruendung eines Reiches mit der Hauptstadt Egbatana, dem heutigen Hamadan, duerfte aber atlantischen Ursprungs sein. Sowohl den Steppenvoelkern, wie auch den eingesessenen Iranern war dieser Gedanke noch fremd. Zu Beginn waren sicher nicht alle medischen Staemme in diesem Reich vereinigt, dessen Kern die Gebiete suedlich des Urmia-Sees, bei Hamadan und noch weiter suedlich gewesen sein werden. Tiglatpileser III ( 745 - 727 v.Chr.) spricht von den maechtigen Medern, die bis zum Demavend in der Elburskette und bis zur Alkaliwueste dem Dasht - i - Kabir sassen..

Um das Jahr 707 v. Chr. bricht dann eine neue Flut von Einwanderern, vom Kaukasus kommend, ueber das Land herein. Es handelt sich um die offenbar recht kulturlosen Kimmerier, die sich zuerst auf das reiche urartaeische Reich stuerzen. Koenig Rusas gelang es, den ersten Ansturm abzuschlagen und die Hauptmasse der Flut nach Westen nach Kleinasien abzudraengen. Sargon von Assyrien nutzte die Notlage jedoch sofort aus und brachte ueber ganz Urartu nach seinen eigenen Worten "Kriegsnot und Jammer". In den weiter nachfolgenden Kaempfen wurde Urartu so geschwaecht , dass es als Machtfaktor aus der Geschichte ausschied..

Um 675 v.Chr. gibt es einen neuen Herrscher im Reich der Meder mit Namen Phraortes, der in Assyrien Kaschtariti genannt wird. Als der assyrische Herrscher Senakherib in Elam, Judaea und Aegypten weilt, eignet sich Phraortes das fruchtbare Gebiet des ehemaligen Reiches Man an und versucht seinen Machtbereich nach Sueden hin ueber das Tor von Asien hinaus in die Ebenen von Luristan auszudehnen. Mit den Skythen vom Norden einigt er sich voruebergehend. Als Assurbarnipal sich jedoch gegen ihn wendet, fallen die Skythen ihm in den Ruecken und er wird vernichtend geschlagen. Er selbst findet den Tod in der Schlacht. Sein Nachfolger Kyaxares laedt laut Herodot die Anfuehrer der Skythen zu einem Festmahl, macht sie betrunken und laesst die Verraeter allesamt erschlagen. Ihre Reiterhorden gliedert er seinem Heer ein und ueberlaesst ihnen die Ebenen Luristans , in denen er sie gut ueberwachen konnte.

Diese Ebenen Luristans erwiesen sich in spaeterer Zeit als eine Fundgrube besonderer Art. Aus ihnen stammt eine grosse Anzahl von Prunkwaffen aus Bronze und Eisen sowie andere Gegenstaende die eindeutig dafuer sprechen , dass ihre Besitzer Krieger gewesen sein muessen und zwar Wagenkaempfer und Reiter. Gefunden wurden diese Teile offenbar in Grabfeldern, die um oder an den Rastplaetzen nahe an den Wasserstellen liegen. Sie bestehen aus flachen kleinen Huegeln ueber Steinkisten. Halbnomadische Luren haben um 1928 herum diese Grabfelder systematisch gepluendert und ihren Inhalt auf dem Markt in Hamadan zum Kauf angeboten. Die Archaeologen fanden nur noch die leeren Graeber. Fuer die Wissenschaft bedeutete die Datierung der Bronzen ein fast unloesbares Raetsel, denn sie wurden fast allen Voelkern vom 3. bis in das ausgehende 1. Jahrtausend v. Chr. zugeschrieben. Erst ein assyrisches Rollsiegel, das man an einem kleinen Heiligtum an einer Quelle fand, gab schliesslich einen, wenn auch nicht sehr befriedigenden , Anhaltspunkt..



Bei den Teilen handelt es sich um lange Eisenschwerter mit figuerlich geschmueckten Griffen, kuerzere Schwerter aus Bronze, Dolche aus beiden Metallen, prunkvolle Streitaexte, Lanzen und Pfeilspitzen, Gewandnadeln mit grossen Tierkoepfen oder mit grossen reliefierten Scheiben, Zierplatten fuer Gewaender, Guertelbeschlaege und Metallgefaesse aller Art. Besonders bemerkenswert sind aber die reich verzierten grossen Backenstuecke von Pferdetrensen, Beschlaege von Streitwagen sowie eine Menge von Standartenkoepfen. Da die letzteren eine etwas ungewoehnliche Art von Grabbeigabe darstellen und ausserdem die Menge der Standartenkoepfe und Prunk- und Zeremoniewaffen die Zahl der Gegenstaende des praktischen Gebrauchs bei weitem uebertrifft, ist anzunehmen, dass auch andere Fundstellen als die Graeber, vielleicht auch eine Art vergrabener oder "sichergestellter" Schatz vorgelegen haben. Vielleicht stammt er aus der Hauptstadt des urartaeischen Reiches..

Die Ornamente gehen fast ausschliesslich auf Motive zurueck wie sie auch aus assyrischen und urartaeischen Kunstwerken bekannt sind. Darueber hinaus erinnern sie aber auch an die wesentlich bescheideneren Grabbeigaben der ersten atlantischen Einwanderer. Man kann also mit hoher Wahrscheinlichkeit daraus schliessen, dass es sich um Waffen und Gegenstaende handelt , die von den atlantischen Einwanderern , zum Teil sogar aus ihrer Heimat in Europa, als besonders wertvoll mitgebracht wurden. Es handelt sich also zumindestens teilweise um Stuecke aus einer Kultur, aus der bisher nur sehr wenig aufgefunden wurde, was die vergleichende Deutung auch so ausserordentlich erschwert..

Weitere aehnliche Funde liegen vor aus dem Hinterland des westlichen Ufers des kaspischen Meeres dem Talyche . In ihm wurden Graeber und in ihnen Waffen und Schmuck einer im vorderen Orient fremden Art gefunden. Die Graeber enthielten altorientalische Siegelrollen und sind danach in die Zeit des ausgehenden 2, Jahrtausends v.Chr. zu datieren. Dies ist aber auch die Zeit des Untergangs von Atlantis und des Anfangs der atlantischen Wanderung. Die Graeber im Talyche bestehen aus rechteckigen, aus Platten zusammengesetzten Steinkisten , die eine ebenfalls aus Steinplatten zusammengesetzte giebelfoermige Abdeckung tragen. Ueber ihnen wurden kleine Huegel aus Erde oder kleinen Steinen aufgeschichtet. Das ganze wurde oft durch einen Kranz kleiner Steine umrandet. Eine Art der Bestattung, wie sie aus allen atlantisch orientierten Voelkern auch bekannt ist. Die Datierung dieser Graeber , die noch nach den gefundenen Grabbeigaben erfolgte, reicht von 3000 v.Chr. bis 800 v. Chr . Wenn man bedenkt, dass ja auch aeltere wertvolle mitgenommene Stuecke den Toten ins Grab mitgegeben wurden, nach denen dann moeglicherweise das Grab datiert wurde, ist dies exakt die Zeit der atlantischen Einwanderung nach Persien..

Die Funde bestehen auch hier aus Waffen und Schmuck, teils aus Bronze, teils aus Eisen. Es gibt Plaettchen und Anhaenger fuer Gewaender oder das Zaumzeug der Pferde. Auch schoen ziselierte Guertelbeschlaege und Bronzekessel wurden gefunden. Haeufig sind auch Tierdarstellungen als Schmuckmotiv verwendet worden. Fuer das armenische Bergland selbst gibt es vor allem den Fundort Tepe Sialk, der besonders deutlich den atlantischen Charakter der Einwanderer zeigt. Er gibt naemlich in seinen Bautenresten und den Grabbeigaben deutlich Auskunft ueber die in Atlantis geuebte soziale Gliederung der Gesellschaft. Auf den Truemmern eines alten Dorfhuegels erhob sich ein maechtiger quadratischer Unterbau aus luftgetrockneten Ziegeln und darauf stand das feste Haus eines feudalen Stammesfuersten. Am Fuss des Huegels lagen die weit bescheideneren Haeuser seines Gefolges sowie die Huetten der Sklaven und Diener, die moeglicherweise aus der eingesessenen Bevoelkerung bestanden. Die ganze Siedlung war von einer Mauer umgeben..

Auch die sehr reichhaltigen Grabbeigaben von Tepe Sialk zeigen deutlich diese Einteilung in drei Klassen . Die reichsten Graeber des Feudalherren, seiner Familie und engsten Vertrauten weisen schoen gearbeitete Waffen aus Bronze und Eisen, Halsschmuck, Helm- , Schild- und Guertelbeschlaege und schoen getriebene Gefaesse aus Bronze auf. Die Verzierungen entsprechen denen aus Talyche, sind aber durchweg noch schoener ausgefuehrt. Die Graeber zweiter Klasse bestehen zwar auch aus Steinkisten mit giebelfoermiger Steinabdeckung, enthalten aber nur wenige Beigaben. Es gibt Tongefaesse oder eine Gewandnadel aus Metall. Ganz einfach sind dann die Graeber dritter Klasse. Die Toten wurden hier nur zuweilen in eine Steinkiste oder aus luftgetrockneten Ziegeln bestehende Grube ohne Abdeckung gelegt . Grabbeigaben gibt es hier nicht. Interessanterweise lassen sich in den Schaedelresten laut Grabungsberichten zwei ethnische Gruppen unterscheiden. Die Langschaedel gehoerten der alteingesessenen Gruppe an und bildeten die unterste gesellschaftliche Schicht. Die Kurzschaedel sind ein Merkmal der Neuankoemmlinge und Herren..

Wie in dem Kapitel ueber Assur bereits erwaehnt, ging nach dem Tode Assurbarnipals im Jahr 626 v.Chr. die assyrische Macht ihrem Ende entgegen und verlor eine Provinz nach der anderen. So fuehlte sich auch der Mederkoenig Kyaxares um 615 v.Chr. stark genug, die Assyrer anzugreifen. Nach dem ersten Scheitern des Angriffs auf Ninive wendete er sich gegen das nicht so gut befestigte Assur. Im Generalsturm wurde es genommen, um den inzwischen ebenfalls mit einem Heer anrueckenden Herrn von Babylon, Nabupolassar, nicht an der reichen Beute teilhaben zu lassen. Da beide Herrscher aber ein Wiedererstarken der assyrischen Macht fuerchten mussten, solange das gut befestigte Ninive noch bestand, schlossen sie ein Buendnis, das durch die Hochzeit des babylonischen Kronprinzen Nabukhudrossor mit der Enkelin des Kyaxares, der Tochter seines Sohnes Astyages, besiegelt wurde.Die so vereinigten Heere wendeten sich dann erneut gegen Ninive. Die Stadt fiel und mit ihr das assyrische Reich, das die beiden Herrscher unter sich aufteilten. .

Nabupolassar uebernahm die alten Kulturlande des fruchtbaren Halbmonds und Kyaxares fielen die Berglande zu. Dazu gehoerte offenbar auch der Suedosten mit dem alten Elam , dem heutigen Fars, denn er hatte die Macht, diesen Bereich neu zu gliedern, indem er das ganze Gebiet nur einem statt vorher zweien persischen Fuersten aus dem Geschlecht der Achaemeniden zur Verwaltung uebergab. Der Sitz dieses Fuersten war Susa..

Nach der Regelung der Angelegenheiten im Sueden und Suedosten wandte sich Kyaxares dem Nordwesten seines Reiches zu , um auch hier die Grenzen so weit wie moeglich nach aussen zu schieben. Erst an den Ufern des Halys trat ihm ein starkes Lyderheer entgegen. Die Sonnenfinsternis des Jahres 585 v. Chr. versetzte aber beide Heere in solchen Schrecken, dass es durch Vermittlung des babylonischen Koenigs zu einem Frieden kam, in dem der Halys als Grenze zwischen dem lydischen und medischem Machtbereich festgelegt wurde..


Kyaxares starb 584 v.Chr. und hinterliess seinem Sohn Astyages ein grosses, reiches Land. Dieser begann dann auch bald , den Wohlstand im atlantischen Stil zu geniessen. Er fuehrte das alte atlantische Zeremoniell wieder ein und veranstaltete an seinem Koenigssitz ein glaenzendes Fest nach dem anderen. Auch die Kaste der Priester , die in den rauhen Zeiten der Wanderung und der Kaempfe an Bedeutung verloren hatte und im wesentlichen nur noch aus Feudalherren bestand, bemuehte sich, ihre Vorzugsstellung als Priester und Ratgeber des Koenigs wiederzuerlangen. Das wiederum gefiel den aus der Kriegerkaste stammenden Feudalherren nicht, da es ihr Ansehen und ihren Einfluss schmaelerte. Zudem hatten die aus dem bodenstaendigen Adel stammenden Fuersten wenig Verstaendnis fuer das auf geheime alte atlantische Quellen gegruendete Wissen der Priester, die jetzt auch Magier genannt wurden. Trotz allen Wohllebens ergaben sich also erhebliche Spannungen am Koenigshof. .

Als sich der persische Vasallenfuerst in Elam und Parsa , Kyros, um 550 v.Chr. gegen Astyages erhob, verliessen deshalb viele medische Feudalherren mit ihren Aufgeboten das medische Heer und gingen zu Kyros ueber. Aber auch die Magier meinten mit Kyros besser ihre Ziele erreichen zu koennen und erhielten von ihm entsprechende Zusagen ueber ihre Stellung am Hofe .Wahrscheinlich handelte es sich bei dem Aufstand in Elam also um eine gut vorbereitete Angelegenheit. Sie fuehrte zur Schlacht bei Pasargadai, in der ein Teil des medischen Heeres sofort zu Kyros ueberging. Der Rest meuterte, nahm seinen Koenig gefangen und lieferte ihn an Kyros aus. Dieser schonte jedoch den alten Koenig, der der Vater seiner Mutter und damit sein Grossvater war, und hielt ihn in ehrenvoller Haft. Zum politischen gesellte sich hier allem Anschein nach noch ein Familienkomplott , das den richtigen Mann zur richtigen Zeit an die Spitze des Staates bringen sollte. Und das war Kyros zweifellos , denn in einem sagenhaften Aufstieg schuf er in nur 12 Jahren ein Reich, das von Kleinasien bis Indien reichte..

Geblieben sind aus dieser Anfangszeit der atlantischen Einwanderer im Iran die maechtigen, aus riesigen Bloecken aufgefuehrten Mauern der urartaeischen Kultur, ihr maechtiger Felsbau, ihre grossartigen Kanal- und Stauanlagen, ihre terassierten Obst- und Weingaerten und die hervorragenden Produkte ihres Metallhandwerks und dies gilt auch fuer das Reich Man. Ueber die Koenigsstadt der Meder, Egbatana, gibt es verschiedene Berichte. Sie auf ihren Wahrheitsgehalt durch Ausgrabungen zu pruefen, ist zur Zeit nicht moeglich, da die Stadt Hamadan sie vollkommen zudeckt.

Der eine Bericht stammt von Herodot und duerfte deshalb nur mit Vorsicht zu behandeln sein, da er es liebte, seine Geschichten wie ein Maerchenerzaehler auszuschmuecken und seine Quellen oft unzuverlaessig waren. Nach ihm waren die Mauern der Befestigungen blau, weiss, purpurn, schwarz und orange bemalt und die Innenmauern waren mit silbernen und goldenen Platten belegt. Nach einem anderen Bericht aus einer spaeteren Zeit, der von Polybios stammt, war die aeussere Stadt damals nicht befestigt, aber in der Mitte erhob sich der Palast mit einer stark befestigten Zitadelle. Der Palast hatte ein Dach aus silbernen Dachziegeln, aus denen nach der Eroberung durch Alexander den Grossen Millionen von Drachmen gepraegt wurden.

Die einzigen gegenwaertig zugaenglichen monumentalen Baudenkmaeler medischer Art bestehen aus einer Reihe von Felsengraebern , die in vielem den urartaeischen Felsenarbeiten aehneln. Sie zeigen in Fels gehauen die Fassade eines aus Holz und Lehmziegel gebauten Hauses mit flachem Dach. Durch eine durch Pfeiler abgestuetzte Vorhalle tritt man in den rechteckigen Hauptraum, der teilweise ebenfalls Stuetzpfeiler aufweist. Hier sind in den Boden oder in die Seitenwaende rechteckige Vertiefungen zur Aufnahme der Toten eingehauen. Die Steinbearbeitung zeigt , dass diese Vertiefungen frueher durch Steinplatten verschlossen waren. Die Grabfassaden zeigen Symbole, wie sie auch im vorderasiatischen Bereich vorkommen..

Das Grab von Sakhna zeigt eine gefluegelte Sonnenscheibe. Am Grab von Kizkapan gibt es die Darstellung einer viergefluegelten Gottheit sowie zwei runde Scheiben. In der ersten ist eine kleine menschliche Figur ueber einer Mondsichel und in der zweiten ein sechzehnstrahliger Stern eingearbeitet. Ausserdem gibt es Darstellungen von Maennern, die hohe Stiefel und Hosen unter einem halblangen, durch einen Guertel gehaltenen Leibrock tragen. Die Kopfbedeckung ist ein Baschlik. Es handelt sich dabei zweifellos um die uebliche medische Bekleidung. Ein Mann in einem langen Gewand, der einem Mann in medischer Tracht gegenuebersteht, stellt wahrscheinlich einen Priester oder Magier dar. Zwischen beiden befindet sich ein tischartiger Altar mit einem habrundem Aufsatz. Vielleicht ein Stein ? Stern, Stein und Sonnenscheibe wuerden nach Kanaan und in den atlantischen Kulturkreis weisen. Ebenso die Figur mit der Mondsichel..

Die Achaemeniden.

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Im Zuge der atlantischen Wanderung durch den Iran wanderten auch zehn oder zwoelf Staemme durch die Taeler des Zagros Gebirges nach Suedosten . Sie hatten sich anfaenglich im Gebiet des Urmia Sees niedergelassen , fuehlten sich aber in diesem unruhigen Gebiet nicht mehr sicher. In der Naehe des "Tors von Asien" kamen sie mit den Elamitern in Beruehrung und erhielten gegen die Verpflichtung , Krieger zu stellen , die Erlaubnis, sich im elamischen Herrschaftsbereich anzusiedeln . Wegen des kuehleren Klimas waehlten die Neusiedler die hoeher gelegenen Seitentaeler des Bakhtiarigebirges vor allem die Gegend von Malamir. Ein anderer Teil, darunter auch der Stamm der Pasargaden, zog nach Osten weiter und liess sich in der offenen Ebene am Pulvar nieder. Beide Gruppen beriefen sich auf einen Anfuehrer mit Namen Achaemenes aus dem Stamm der Pasargaden. Sein Sohn und Nachfolger Teispes verhielt sich in den andauernden Streitigkeiten zwischen Proassyrern und Antiassyrern in Elam so geschickt, dass ihm spaeter von den Assyrern der Titel "Koenig des Landes und der Stadt Anschan" verliehen wurde.

Nach seinem Tod folgten ihm in Parsa der aeltere Sohn Ariaramnes und in Anschan und Parsumasch der juengere Sohn Kyros I. Dieser Kyros erwies sich wieder so geschickt im Umgang mit den jeweiligen Machthabern, dass er unter der Mederherrschaft von Kyaxares von ihm auch noch die Verwaltung der Gebiete seines Bruders uebertragen bekam. Die Verwaltungshauptstadt wurde Susa. Nach dem Tode von Kyros I ging die Herrschaft auf seinen Sohn Kambyses ueber und dessen Nachfolger wurde dann Kyros II, genannt der Grosse, dessen Weg zur Macht schon vorher beschrieben wurde.

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Lesen Sie hierzu, umfassend und uebersichtlich dargestellt :

DIE GESCHICHTE VON ATLANTIS, der vergessene Ursprung unserer Kultur
von Karl Juergen Hepke
TRIGA-DER VERLAG, 2.Aufl. 2008, Hardcover, 268 Seiten, Eur 22,00 , ISBN 978-3-89774-539-1

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