Der gegenwaertige Stand der Kometen- und Asteroidenforschung, Teil 1

nach Internet: >neo.jpl.nasa.gov< Stand 20. September 2001,

 
Seit im Zuge der zunehmenden Beschaeftigung mit dem Weltraum erkannt wurde, dass aus dem Universum eine staendige Bedrohung des Lebens und der Kultur auf der Erde besteht, begann man sich intensiver mit dem Thema zu befassen. Dies geschah etwa seit 1990 und lag damit erstaunlich spaet wenn man bedenkt, dass schon seitJahrtausenden diese Bedrohung bekannt ist und in Mythen und Erzaehlungen bis in unsere Zeit weiterlebte. Diese Erzaehlungen gelten aber nach wie vor als unwissenschaftlich und werden von vielen als "Maerchen" angesehen.

Erst als die Raumfahrt und die mit ihr verbundene immer besser werdende Beobachtung des Weltraums zeigte, dass ausser der Erde, der Sonne und den bekannten Planeten eine Unmenge von weiteren Objekten den Raum unseres Sonnensystems erfuellt und durchkreuzt und dass diese Objekte keinesfalls harmloser Art sind und in geschichtlicher Zeit und sogar in juengster Vergangenheit verheerende Schaeden auf der Erde angerichtet haben, begann man sich naeher mit ihnen zu befassen.

Man erkannte, dass hier ein gewaltiges Versaeumnis vorlag. Denn nur durch Glueck war man zwei grossen Katastrophen entgangen. Im Jahr 1908 war ein Asteroid ueber der Tunguska im russischen Sibirien explodiert und 40 Jahre spaeter traf ein weiterer Asteroid die Region Sikote-Alin, ebenfalls in Sibirien. Er schlug mehr als 100 Krater in das Land. Wenn diese Einschlaege, die im Fall des Tunguska Asteroiden ein Gebiet von der Groesse Londons verwuesteten, bewohntes Land getroffen haette, waeren Millionen von Menschen getoetet worden.

Je mehr man sich mit dem Thema befasste umso erschrecklicher wurde das Scenario und in den USA und in Russland wurden grosse Anstrengungen unternommen um zu weiteren Erkenntnissen zu gelangen und Gegenmassnahmen zu planen. Man bemuehte sich zuerst einmal, alle erdnahen Asteroiden (Near Earth Asteroids= NEA ´s) zu entdecken. Dafuer wurden die verschiedensten Systeme, deren Erfogsquoten im folgenden aufgelistet sind, verwendet.

Table 1. Large NEAs Discovered by Site

Half Year
Intervals

LINEAR

NEAT

Spacewatch

LONEOS

Catalina

Other

Cumulative
Total

 

 

 

 

 

 

 

 

1995(1)

0

0

3

0

0

2

194

1995 (2)

0

0

4

0

0

1

199

1996(1)

0

2

2

0

0

0

203

1996(2)

0

2

0

0

0

0

205

1997(1)

0

1

4

0

0

2

212

1997(2)

3

4

1

0

0

2

222

1998(1)

9

4

2

1

0

2

240

1998(2)

29

2

1

3

0

4

279

1999(1)

22

0

3

4

5

0

313

1999(2)

29

0

0

2

2

2

348

2000(1)

36

2

1

2

5

1

395

2000(2)

43

3

3

6

0

4

454

2001(1)

29

6

0

6

0

4

499

Bis zum September 2001 hat man durch intensive Beobachtung des Sonnensystems mit allen technisch verfuegbaren und dafuer neu geschaffenen oder angepassten Systemen 321 sogenannte PHA´s entdeckt. Dies sind "Potentially Hazardous Asteroids", das heisst Asteroiden, die der Erde gefaehrlich werden koennten. Zu ihnen zaehlt man Asteroiden, die der Erde mindestens 7.500.000 Km (0,05 AU) nahe kommen koennen und mindestens einen Durchmesser von 150 m haben. Kleinere oder weiter entfernte Asteroiden werden nicht zu der PHA´s gezaehlt.

Man schaetzt, dass diese 321 PHA´s etwa 50% der tatsaechlich vorhandenen sind und erwartet, dass bis zum Jahre 2010 etwa 9o% entdeckt sein werden. Die Bahn der bekannten wird taeglich verfolgt und staendig eine Liste des Datums ihrer groessten Annaeherung an die Erde mit dem erwarteten Abstand veroeffentlicht. Die Liste vom 20 September 2001 zeigt , dass im Abstand von wenigen Tagen eine Annaeherung auf die andere folgt, wobei die Abstaende sehr unterschiedlich sind und bis zu 0,01 AU d.h. 1.500.000 Km und darunter betragen koennen, also nur 20% des als gefaehrlich betrachteten Abstands.

Table 2
Liste der PHA´s , die vom 25.9.2001 bis 22.1.2002 der Erde nahe kommen

Object Name......Close-Approach Date........Miss Distance

22771 1999 CU3 .... 2001-Sep-25 ...... 0.1139 AU
2001 QM142 ...... 2001-Sep-26 ...... 0.1379 AU
2001 RU17 ...... 2001-Sep-27 ...... 0.1114 AU
2001 RB12 ...... 2001-Sep-28 ...... 0.0823 AU
2001 RV17 ...... 2001-Sep-28 ...... 0.1922 AU
1998 UP1 ...... 2001-Oct-06 ......
0.1153 AU
1998 SD9 ...... 2001-Oct-09 ...... 0.1443 AU
1999 TV16 ...... 2001-Oct-10 ...... 0.1087 AU
1998 ST27 ...... 2001-Oct-12 ...... 0.0618 AU
2001 EA16 ...... 2001-Oct-12 ......
0.1893 AU
2001 RB18 ...... 2001-Oct-15 ...... 0.0945 AU
1999 HP11 ...... 2001-Oct-18 ...... 0.1405 AU
2001 QA143 ...... 2001-Nov-06 ...... 0.1982 AU
2000 WM63 ...... 2001-Nov-21 ...... 0.1880 AU
1998 WT24 ...... 2001-Dec-16 ...... 0.0125 AU
2001 AD2 ...... 2001-Dec-24 ...... 0.0832 AU
2001 GP2 ...... 2001-Dec-25 ...... 0.1210 AU
3362 Khufu ...... 2001-Dec-29 ...... 0.1596 AU
7341 1991 VK .... 2002-Jan-16 ...... 0.0718 AU
4660 Nereus ...... 2002-Jan-22 ...... 0.0290 AU

Von den Wissenschaftlern wurde die Klassifizierung in einer Liste vorgeschlagen, die aehnlich wie die Richter Skala fuer Erdbeben zehn Grade kennt mit denen der Grad der Gefaehrlichkeit fuer die Erde ausgedrueckt wird. Der Grad 0 bedeutet keine Gefahr fuer die Erde , der Grad 10 beinhaltet eine sichere globale klimatische Katastrophe mit der Vernichtung eines grossen Teiles des Lebens auf der Erde. (z.B: Untergang von Atlantis 1 um 8500 v. Chr.)

Die Haeufigkeit derartig grosser Katastrophen wird auf 100.000 bis 1 Million Jahre geschaetzt. Kleinere Katastrophen kommen nach dieser Schaetzung alle 10.000 bis 100.000 Jahre vor. Sie werden durch Einschlag groesserer Himmelskoerper in die Ozeane verursacht und erzeugen riesige Flutwellen, die hunderten von Millionen Menschen das Leben kosten.(z.B.: Untergang von Atlantis 2 um 1250 v. Chr.)

Kleine Ereignisse wie die Tunguska Explosion, die einigen Millionen Menschen das Leben kosten koennen, aber nicht muessen wenn sie in gering besiedelten Gebieten stattfinden, kommen nach diesen Schaetzungen alle 100 bis 300 Jahre vor. Wenn man allerdings die bisher bekanntgewordenen Ereignisse betrachtet, erscheinen die Jahresabstaende alle zu hoch geschaetzt zu sein. Dies moeglicherweise sogar mit Absicht um nicht allzuviel Unruhe in der bisher nahezu ahnungslosen Bevoelkerung einschliesslich der Wissenschaftler auszuloesen.

Denn auch in der zustaendigen Wissenschaft hat diese Erkenntnis wie eine Bombe eingeschlagen. In den USA wurden enorme Mittel zur weiteren Erforschung des Weltraumes bereitgestellt und in Russland, das zur Zeit nicht ueber diese Mittel verfuegt, waechst die Sorge, dass man vom Erkenntnisfortschritt abgekoppelt wird oder schlimmer, dass Erkenntnisse zu Ungunsten missliebiger Nationen oder Gegenden verwendet werden koennten. Die Russen fordern deshalb eine weltweite Koordinierung aller Forschungsbemuehungen und Weitergabe aller Erkenntnisse. Ausserdem internationale Abkommen, welche die Nutzung des Wissens fuer militaerische oder rein nationale Zwecke verbieten.

Hand in Hand mit den Bemuehungen um weitere Entdeckungen bisher unbekannter Himmelskoerper im Sonnensystem gehen die Bemuehungen um die Entwicklung von Abwehrsystemen. Dazu ist es erforderlich mehr ueber die Art, die Struktur und die Eigenbewegungen dieser Koerper zu wissen. Deshalb starten die USA seit 1996 unbemannte Raumfahrtprojekte zunehmender Kompliziertheit, die moeglichst viel ueber Asteroiden und Kometen in Erfahrung bringen sollen.

1. Projekt: NEAR
Es begann am 17.2.1996 mit dem Projekt "NEAR" das den Asteroiden "Mathilde" am 27.6.1997 und den Asteroiden "EROS" am 23.12.1998 im Vorbeiflug erforschte, dann zu "EROS" zurueckkehrte und in eine Umlaufbahn um ihn eintrat. Diese Umlaufbahn, die anfangs 320 x 366 Km ueber Eros verlief, wurde im Sommer 2000 bis auf 35 Km abgesenkt. Ein geplantes Rendezvous mit einem zweiten Fahrzeug, das fuer den 20. 12. 1998 geplant war missglueckte, da das Fahrzeug infolge eines Fehlers im Antriebssystem 4100 Km an "EROS" vorbeiflog. Ein weiteres Fahrzeug, das am 3.1.1999 gestartet wurde erreichte aber dann "EROS" Mitte Februar 1999.
Die Bilder , die "NEAR" von "MATHILDE" zur Erde sandte zeigten 4-5 sehr grosse Krater, die entstanden als andere Asteroiden auf ihm einschlugen. Die Tatsache, dass er dabei nicht zerbrach fuehrte zu der Annahme, dass er nicht aus einem kompakten Felsblock besteht, sondern sich aus mehreren, nur lose verbundenen Teilen zusammensetzt, die den Zusammenstoss weit besser auffangen koennen. Von EROS wurden auf Grund der Daten, die auf den Umrundungen gesammelt wurden, Karten angefertigt, die zusammen mit den physikalischen Daten wie Groesse, Dichtheit und Zusammensetzung im September 2000 im Science Magazine veroeffentlicht wurden.
Informationen unter:http:// near.jhuapl.edu/

2. Projekt: Deep Impact
Dies Projekt sieht vor, dass am 4.7.2005 ein Einschlag auf dem Kometen TEMPEL 1 erzeugt wird, der einen Krater von der Groesse eines Fussballfeldes und der Tiefe eines 7 stoeckigen Gebaeudes verursacht. Ein Begleitfahrzeug soll den Einschlag filmen und Daten ueber die Zusammensetzung und die Reaktion des Kometen liefern. Der Start des Fahrzeugs ist fuer den 6.1.2004 geplant. Ein Jahr spaeter umrundet das Fahrzeug die Erde und naehert sich dann dem Kometen. Der Einschlagkoerper besteht aus einem 500 Kg Kupferzylinder mit Steuersystem und soll mit 10 Km/sec auf der sonnenbeleuchteten Seite des Kometen einschlagen. Auch der Einschlagkoerper soll solange wie moeglich Daten von der Annaeherung uebertragen.
Projektleitung: University of Maryland, Dr. Michael A´Hearn
Informationen:http:// www.ball.com/aerospace/deepimpact.html

3. Projekt: Deep Space 1 (DS1)
Das DS1 Raumfahrzeug wurde am 25.10.1998 gestartet und flog zum Asteroiden (9969) BRAILLE, den es am 28.7.1999 passierte. Kameraprobleme verhinderten, dass alle gewuenschten Daten erfasst werden konnten. Das Raumfahrzeug soll weiter zum Kometen 19P/BORELLY fliegen, den es am 23.9.2001 passieren soll. Der Hauptzweck dieses Raumflugs ist der Test eines neuen Antriebssystems mit Ionenantrieb, eines neuen Solarschirms, der das Sonnenlicht konzentriert und eines automatischen Navigationssystems, das die Positionen von gut bekannten Asteroiden benutzt, um das Fahrzeug an den Bestimmungsort zu fuehren.
Projektleitung: NASA/ Jet Propulsion Laboratory
Informationen:http:// nmp.jpl.nasa.gov/ds1

4. Projekt: Stardust
Der Start war am 6.2.1999. Das Fahrzeug soll durch die Staubatmosphaere vom Kometen WILD 2 am 2.1.2004 fliegen, den Eiskern des Kometen fotografieren und Staubpartikel einsammeln. Ein Spezialfilter soll ausserdem Staubpartikelchen auffangen, die sich im interplanetarischen Raum befinden. Das Fahrzeug soll zur Erde zurueckkehren und die Staubteilchen fuer Laboranalysen mitbringen.
Projektleitung: NASA/ Jet Propulsion Laboratory
Informationen:http:// stardust.jpl.nasa.gov

5. Projekt: Comet Nucleus Tour (Contour)
Der Start dieses Projekts ist fuer August 2002 geplant. Es soll die Kometen ENCKE und SCHWASSMANN-WACHMANN 3 (SW3) erforschen, die im November 2003 bzw. Juni 2006 erreicht werden. ENCKE scheint ein alter Komet zu sein , der sein Eis schon verloren hat und dabei ist, sich in einen Asteroiden zu verwandeln. SW3 hat sich 1995 in zwei Teile aufgespalten und das Contour Fahrzeug soll versuchen den erhofften Einblick in das Innere eines Kometen in Bildern aufzufangen. Sollte in der Zwischenzeit ein bisher unbekannter Komet auftauchen so soll CONTOUR eventuell auch diesen untersuchen.
Projektleitung: John Hopkins University´s Applied Physics Laboratory
Informationen:http:// www.contour2002.org/

Latest News about CONTOUR , Letzte Nachrichten vom Projekt CONTOUR (1.2.03)
siehe: Der gegenwaertige Stand der Kometen- und Asteroidenforschung, Teil2

6. Projekt: Muses C
Dieses Projekt ist eine Gemeinschaftsarbeit des Japanischen Raumfahrt Instituts und der NASA. Es soll Material von verschiedenen Asteroiden sammeln und zur Erde zur detaillierten Analyse zurueckbringen . Der Start ist fuer November-Dezember 2002 geplant. Nach einem Schwung um die Erde im Mai 2004 soll das Fahrzeug den Asteroiden SF36 im Juni 2005 erreichen. nach einem Aufenthalt auf ihm von 5 Monaten soll Muses im Juni 2007 zur Erde zurueckkehren und Proben von der Oberflaeche des Asteroiden mitbringen.
Das Muses Raumfahrzeug wird vom Japanese Institute for Space and Astronautic Sciences (ISAS) gebaut. Dort liegt auch die Projektleitung.
Das Landfahrzeug zur Erforschung des Asteroiden ensteht im NASA Jet Propulsion Laboratory.
Informationen:http:// www.muses-c.isas.ac.jp/

7.Projekt: Rosetta
Dies ist das bisher einzige Projekt an dem Europa beteiligt ist. Sein Start ist fuer Januar 2003 vorgesehen. Rosetta soll den Kometen WIRTANEN im November 2011 erreichen und nach eigehenden Beobachtungen dort landen. Auf dem Weg zum Kometen soll Rosetta an den Asteroiden 4979 OTAWARA im Juli2006 und 140 SIWA im Juli 2008 vorbeifliegen.
Projektleitung: European Space Agency ESA
Informationen:http:// sci.esa.int/rosetta

8. Projekt: Spacewatch
Hierbei handelt es sich um ein reines Beobachtungs und Neuentdeckungsprojekt, das von der Erde aus betrieben wird. Hierbei wird ein urspruenglich an der Universitaet von Arizona verwndetes 0,9 m Teleskop, das 1962 auf den Kitt Peak verlagert wurde ausschliesslich zur Suche von Objekten im Interplanetarischen Raum verwendet. Der urspruengliche Detektor wurde dazu 1989-1992 durch einen Grossbilddetektor von 2048 x 2048 mm ersetzt. Damit hat das Teleskop eine Feldgroesse von 38 Bogenminuten und eine Grenz-Magnitude von 21. Es wird 20 Tage im Monat zur Suche von erdnahen Objekten eingesetzt. Spacewatch hat viele erdnahe kleinere Objekte entdeckt. Darunter befand sich auch ein 10 m grosser Asteroid (1994 XH1) , der die Erde in der Rekordnaehe von nur 105 000 Km am 9.12. 1994 passierte. Im Mai 2001 entdeckte die Spacewatch Gruppe ihren ersten moeglicherweise gefaehrlichen Asteroiden (PHA) mit einem neuen 1,8 m Weitwinkelteleskop, das eine Schnellere Abscannung des Himmels auf erdnahe Objekte ermoeglicht.
Informationen:http://pirlwww.lpl.arizona.edu/spacewatch/

Die folgende Tabelle zeigt die angefuehrten Projekte in der Uebersicht

Target Body

Encounter

Mission

Launch Date

Asteroid 253 Mathilde
(body data, geocentric ephemeris)

1997-Jun-27
flyby

NEAR

1996-Feb-17

Asteroid 9969 Braille
(body data, geocentric ephemeris)

1999-Jul-28
flyby

DS1

1998-Oct-25

Asteroid 433 Eros
(body data, geocentric ephemeris)

2000-Feb-14
rendezvous

NEAR

1996-Feb-17

Comet 19P/Borrelly
(body data, geocentric ephemeris)

2001-Sep-22
flyby

DS1

1998-Oct-25

Comet 2P/Encke
(body data, geocentric ephemeris)

2003-Nov-12
flyby

CONTOUR

2002-Jul

Comet 81P/Wild 2
(body data, geocentric ephemeris)

2004-Feb-02
flyby

Stardust

1999-Feb-06

Comet 9P/Tempel 1
(body data, geocentric ephemeris)

2005-Jul-04
impact/flyby

Deep Impact

2004-Jan-06

Asteroid 25143 (1998 SF36)
(body data, geocentric ephemeris)

2005-Sep
rendezvous

MUSES-C

2002-Nov,Dec

Comet
73P/Schwassmann-Wachmann 3

(body data, geocentric ephemeris)

2006-Jun-18
flyby

CONTOUR

2002-Jul

Asteroid 4979 Otawara
(body data, geocentric ephemeris)

2006-Jul-10
flyby

Rosetta

2003-Jan

Asteroid 140 Siwa
(body data, geocentric ephemeris)

2008-Jul-23
flyby

Rosetta

2003-Jan

Comet 6P/d'Arrest
(body data, geocentric ephemeris)

2008-Aug-16
flyby

CONTOUR

2002-Jul

Comet 46P/Wirtanen
(body data, geocentric ephemeris)

2011-Nov
rendezvous/landing

Rosetta

2003-Jan

Dies alles sind Projekte zur Erforschung des Sonnensystems, die groesstenteils schon geplant waren, bevor die Gefahren, die aus dem Weltraum drohen, erkannt wurden. Wenn man einmal von den Plaenen des amerikanischen Praesidenten Reagan absieht. die inzwischen schon zur Geschichte gehoeren, sind zur Zeit auch mehr die Russen an dem Aufbau einer Abwehr interessiert. In der Moskauer Times erschien am 16. Dezember 2000 ein Artikel, in dem die Asteroiden und Kometen als eine moegliche Bedrohung der Menschheit dargestellt wurden und Massnahmen zu ihrer Abwehr oder zur Evakuierung eines Teils der Menschheit auf den Mond anlaesslich einer nicht abwendbaren Gefahr gefordert wurden. Der Artikel bezog sich auf eine Tagung der fuehrenden Wissenschaftler der technischen Physik, auf der klar gesagt wurde, dass die Menschheit kaum noch drei Tage zu leben haette, falls es einem der grossen Asteroiden einfallen sollte seinen Kurs in Richtung Erde zu aendern. Wenn der Asteroid eine Groesse von ueber 10 Km und eine Geschwindigkeit von 20.000 Km/h haette, bliebe dem Leben auf der Erde keine Chance, den Aufprall zu ueberstehen.

Deshalb wurde auf der Tagung eine Weltorganisation gefordert, die den Weltraum staendig beobachtet und Objekte mit Nuklearwaffen zerstoert oder ablenkt, die der Erde gefaehrlich werden koennen. Sollte es nicht moeglich sein, den sich der Erde naehernden Himmelskoerper zu zerstoeren oder abzulenken, sollte die Moeglichkeit geschaffen werden, einen Teil der Menschheit auf den Mond zu evakuieren, von wo sie nach dem Abklingen des Schreckens auf die Erde zurueckkehren koennte, um sie erneut zu besiedeln.

Als moegliche Methoden, den bedrohlichen Himmelskoerper vom Aufprall auf die Erde abzuhalten wurde die Billardmethode, bei der ein von der Erde gestarteter Raumkoerper den Gefahrenbringer auf eine andere Bahn bringt, die Ausloesung von Nuklearexplosionen auf dem Asteroiden, bei denen der Rueckstoss der Explosion eine Bahnaenderung bewirkt oder die Anbringung von grossen Sonnensegeln, bei denen der staendig von der Sonne ausgehende Teilchenstrom, der sogenannte "Sonnenwind" den bedrohlichen Koerper abdraengt, genannt. Alle diese Methoden sind nicht unproblematisch, denn der neue Kurs der Raumkoerpers darf nicht dazu fuehren, dass bei einer erneuten Umrundung der Erde der Kurs noch unguenstiger und nicht mehr korrigierbar wird. Es muss also mit hoechster Umsicht und moeglichst auch praktischen Erfahrungen vorgegangen werden.

Eine Hilfe dabei bietet eine neue Computergeneration mit der es moeglich ist, aus Radaraufnahmen von Asteroiden ihre Bewegungen zu simulieren. So wurden am NASA Jet Propulsion Laborarory die erratischen Bewegungen des Asteroiden TOUTATIS im Computer simuliert, die er auf seiner Bahn um die Sonne ausfuehrt. Es war moeglich, mit den benutzten Visualisierungsprogrammen ein dreidimensionales Bild von der Oberflaeche und den Bewegungen des Asteroiden zu erstellen. Das entstandene Video ist von besonderem Interesse, da sich TOUTATIS im Moment der Erde naehert und sein kleinster Abstand zur Erde von 5,3 Million Kilometern am 29. November 2001 sein wird. Das sind etwa 14 Erde-Mond Abstaende. Im Jahr 2004 wird sich Toutatis bis auf 4 Erde-Mond Abstaende der Erde naehern. Das ist naeher als jedes andere bekannte Objekt in den naechsten 60 Jahren.

TOUTATIS wurde 1989 entdeckt und nach dem keltischen Gott benannt. Er ist hantelfoermig und hat die Abmessungen 4,6 x 2,4 x 1,9 Km Man nimmt an, dass die eigenartige Form durch eine Reihe von Kollisionen entstanden ist. Nach Aussage des erfahrenen Wissenschaftlers Dr. Steven Ostro, der den Asteroiden 1992 und 2001 am Goldstone Deep Space Communication Complex in der kalifornischen Mojave Wueste beobachtete, bedeutet er aber, zumindestens fuer die naechsten 100 Jahre, keine Gefahr fuer die Erde.

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Die intensive Beobachtung des Weltraums mit immer besseren Teleskopen und groesseren Detektoren verbunden mit Computerauswertungen und Simulationen bringt auch auf Gebieten,die eigentlich nicht das Ziel der Untersuchung sind, Ueberraschungen. So entdeckte eine Gruppe von Astronomen am Lowell Observatory, Flagstaff, Arizona am 2. Juli 2001 den groessten bisher bekannten Asteroiden, der einen Durchmesser von mindestens 1200 Km und hoechstens 1400 Km haben soll. Er ist damit groesser als der bisher als Rekordhalter angesehene Asteroid Ceres, der 1801 entdeckt wurde, 950 Km Durchmesser hat und damit 200 Jahre lang den Rekord hielt.

Der Durchmesser des neuentdeckten Asteroiden wurde in einer im Programm "Astrovirtel" zusammengefassten europaeischen Arbeitsgruppe in Zusammenarbeit mit dem European Southern Observatory (ESO) in La Silla, Chile ermittelt und am 23. Aug. 2001 bekanntgegeben. Auch die Bahn konnte durch Auswertung alter Aufnahmen , die bis 1982 zurueckreichen, in diesem Programm bestimmt werden.

Der neue Asteroid, der bis zu seiner offiziellen Benennung den Arbeitsnahmen 2001KX 76 traegt, umkreist die Sonne wie auch Ceres in einem Abstand der etwa der Bahn des Planeten Pluto entspricht. Er ist etwa halb so gross wie der Planet Pluto (2300 Km Durchmesser) und wird als voellig von Eis bedeckt angenommen.

Informationen zu 2001 KX76 : ESO: http://www.eso.org.outreach/press-rel/
Astrovirtel Website: http://www.stecf.org/astrovirtel

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