Atlantis, Beginn der Metallzeit

von Karl Juergen Hepke

 
Nach der Eroberung Iberiens durch Rom ab 209 v. Chr. und der Aufgabe der Ansprueche Karthagos auf dieses Land als Ergebnis des Friedensvertrags am Ende des zweiten punischen Krieges 201 v. Chr.,erhielt Rom aus Iberien zwischen 205 v. Chr. und 198 v. Chr. 2000 Kg Gold und 200 000 kg Silber.
Diese Metallmengen beweisen, dass Iberien in der Lage war, grosse Mengen an Edelmetallen aus der einheimischen Produktion zu liefern.

Aber es waren nicht nur Edelmetalle, was Iberien nachweisbar lange vor der Zeit der Roemer in Iberien in grosser Menge produzierte. Vor allem war es Kupfer und Zinn. Beides wichtige Bestandteile der Bronze, welche die Zeit vor 1000 v. Chr. als Waffenwerkstoff bestimmte.

Die aufwendig gebaute roemische Stadt Munigua am suedlichen Rand der Sierra Morena, die ein Terrassenheiligtum, Forum, Tempel, Thermen und eine Nekropole mit Mausoleum aufweist und damit zeigt, dass sie eine bedeutende und wohlhabende Stadt war, ist in weiten Bereichen auf und mit Schlacken erbaut. Die riesige Menge dieser Schlacken zeigt ziemlich eindeutig die Gewinnung von Kupfer aus kombinierten Kupfer- und Eisenerzen lange bevor die Roemer auf den Schlackenhalden ihre Stadt errichteten. Der teilweise recht hohe Anteil an Eisenverbindungen in der Schlacke zeigt, dass es den Erzeugern nicht auf die Gewinnung von Eisen, das nur ein Nebenprodukt war, sondern auf die Gewinnung von Kupfer ankam.

Der Reichtum der roemischen Stadt scheint darauf hinzudeuten, dass in Verbindung zu den Kupfer und Eisenerzen auch Edelmetalle und hoechstwahrscheinlich vor allem Gold ebenfalls in den Lagerstaetten gefunden wurde. Den Roemern kam es wohl mehr auf dieses in der roemischen Kaiserzeit hochgeschaetzte Schmuckmetall an, als auf das Kupfer. Fuer ihre Waffen verwendeten sie vorwiegend Eisen als Werkstoff und dieses Eisen bezogen sie, soweit es nicht aus Italien kam, aus Produktionsstaetten in der weiteren und naeheren Umgebung von Munigua, die in der Naehe von stark eisenhaltigen Lagerstaetten errichtet worden waren. Kupfer und Bronze wurden nur noch fuer Dekorationen an Ruestung und Kriegsgeraet der wohlhabenden Militaerpersonen verwendet, soweit hierfuer nicht bereits Gold oder Silber in Frage kam.

Die Schlacken, auf denen Munigua erbaut wurde und die sich in grosser Menge auch an anderen Erzlagerstaetten der Sierra Morena finden, sind Reste der Kupferproduktion aus schwefelhaltigen Kupferverbindungen wie Kupfersulfid und Kupferpyrit. Aus diesen Erzen, die in den Lagerstaetten der Sierra Morena auch Eisenverbindungen wie Sulfide und Oxyde enthalten, laesst sich metallisches Kupfer durch Erhitzen gewinnen. Dies geschieht durch partielle Oxydation und Anreicherung durch Abtrennung fluessiger Phasen. Es muss dabei die sulfidische bzw. metallische Schmelze von der aus dem Gestein stammenden silikatischen Schmelze getrennt werden. Dies geschieht bei Temperaturen unterhalb von 1400 C. Zur Erreichung dieser Temperatur ist Holzkohle und eine verstaerkte Luftfuehrung in feuerbestaendig ausgekleideten, aus Lehm gebauten Oefen erforderlich. Zuschlaege zu dem Erz-Kohlegemisch in Form von Kalkgestein (CaO), Salz (NaCl), Holzkohleasche und der Aluminiumanteil (Al2O3) aus dem Lehm der Ofenauskleidung bestimmen die Zusammensetzung und die Erstarrungstemperatur der Schlacke. Sie liegt je nach Anteilen zwischen 1100C und 1000C. Bei guenstigen Verhaeltnissen kann sie bis ca 900C gedrueckt werden.

Das metallische Produkt ist ein Kupfer, das bei den hier verwendeten Erzen ca 4,5 % Eisen im eutektischen Gefuege enthaelt. Andererseits enthaelt das entstehende Eisen 10% Kupfer, ebenfalls im eutektischen Gefuege. Die tatsaechlichen Anteile koennen nach der Auswertung von Proben aus anderen Gebieten aber auch das doppelte der theoretischen Werte erreichen.

In Munigua wurden zur Zeit der Bluete der Stadt kaum noch Erze verarbeitet. Es fand sich nur eine "Werkstatt" ausserhalb der Stadtmauer mit einem Ofen den man als "Verhuettungsofen" interpretierte und Schichten von Holzkohle,( die damit eindeutig als Heiz- und Reduktionsmaterial nachgewiesen scheint.) Die metalllurgischen Aktivitaeten hatte man wegen der mit ihnen verbundenen Laerm- und Rauchbelaestigungen nach ausserhalb verlagert. In einer Entfernung von 900m von der Stadt wurde der erste Verhuettungsplatz gefunden.

Darueber hinaus ist das ganze umliegende Gebiet der Sierra Morena von Erzfoerderungs- und Verarbeitungsstaetten gekennzeichnet.

6 Km nordnordwestlich: Cerro de las Minillas (Eisen?). In der suedlichsten Abraumhalde fand man Fragmente von "roemischen" Transport und Vorratsgefaessen.

2 Km westlich: Pilar de la Pepa (Eisen?). In Gebaeuderesten gefundene Ziegel entsprechen den am Terrassenheiligtum in Munigua gefundenen.

400m entfernt : Pilar de las Golondrinas. Alter Verhuettungsplatz und Reste "antiker" Konstruktionen.

14 Km noerdlich: El Pedroso und El Acebucal: 3 Fundplaetze

30 Km noerdlich: Cerro del Hierro: Eisenerztagebau noch im 20 Jahrhundert. Die bis in 50m Tiefe fuehrenden antiken Abbauanlagen wurden dabei zerstoert. Fundstuecke aus "roemischer" Zeit, Werkzeuge und Terrakottalampe beweisen die fruehe Nutzung.

4 Km suedlich von Cerro del Hierro, El Escorial: Beidseitig von einem Bach wurden ausgedehnte Schlackenbereiche und Reste von Verhuettungsoefen gefunden.

Setefilla- Mesa del Almendro, nordoestlich von Lora del Rio: Nachgewiesene Besiedlung Mitte des 2. Jtsd. v. Chr. (Bronzezeit). Lokale Metallproduktion. Nekropole 1. Haelfte des 1. Jtsd. v. Chr. Am Weg Guadalquivir-Constantine. Direkte suedsuedwestlich verlaufende Strassenverbindung ueber Carmona, Utrera mit Tharsis-(Tartessos)-Puerto noch vorhanden.

Bei der noch nicht abgeschlossenen Untersuchung der bisher gesammelten Schlacken stellte sich eine Besonderheit heraus: Bei der Eisenverarbeitung wurde anscheinend gezielt titanreiches Erz zugesetzt. Dabei bildet sich Uelvit (Fe2TiO4) der neben FeO stabil ist in kohlenstoffarmen Eisen. Die Werkstoffeigenschaften werden dadurch in einer offenbar gewuenschten Form veraendert. Aehnliche Hinweise auf Titanzusatz sind aus den Werkstaetten von Alesia in Frankreich, dem Zentrum der vorroemischen keltischen Kultur, und aus Sri Lanka, einem der indischen Endpunkte der atlantischen Wanderung bekannt.( I. Keesmann, Uni-Mainz 1993) Es scheint hier bei den Atlantern und ihren Nachfolgern technologisches Wissen vorhanden gewesen zu sein, das noch nicht wieder erschlossen wurde.

An die vorher beispielsweise aufgefuehrten Fundplaetze, die bisher archaeometallurgisch untersucht wurden, weil sie heute nicht mehr ausgebeutet werden, schliessen sich nach Westen hin die noch heute genutzten reichen Kupfererzvorkommen am Rio Tinto und bei Tharsis( die Wiederaufnahme des alten Namens verbluefft anfangs) an. Dazwischen liegen viele, zum Teil bereits aufgegebene Ausbeutungsplaetze, die sich in Ortsbezeichnungen in Verbindung mit "Minas" oder "Minillas" als alte Bergbauorte kenntlich machen.

Die Grossabbauorte Rio Tinto und Tharsis fuer Kupfererze befinden sich heute zum grossen Teil in der Hand von britischen Kapitalgesellschaften und sind mit Eisenbahnstrecken fuer die Erzzuege mit den Verladungskais bei Huelva verbunden. Das Kupfererz wandert heute damit zum grossen Teil nach England, in Umkehrung des Weges zur atlantischen Zeit , als das Zinn aus England nach Andalusien-Atlantis zum Kupfer zur Herstellung der Bronze kam. Die Eisenbahnlinie von Minas de Riotinto folgt dabei dem Flusslauf des Rio Tinto, auf dem in alter Zeit das Erz transportiert wurde. Die aus atlantisch-tartessischer Zeit stammende Stadt Niebla war damals archaeologisch nachweisbar Verarbeitungs- und Verladungsort.

 
Die Kupferproduktion wurde auch hier durch Verarbeitung der sulfidischen Erze nach dem Prinzip der Roestreaktion durchgefuehrt. Einige Erze zB: die von Pilar de la Pepa sind dabei polymetallisch, sodass ausser dem Kupfer auch noch Gold und Silber aus dem Erz gewonnen werden kann. Diese Art der Kupfer und Silbergewinnung gilt fuer den gesamten Pyritguertel, der sich westlich von Sevilla bis an den Atlantik erstreckt. Angesichts dieser noch heute reichen Erzvorraete in der unmittelbaren Naehe der atlantischen Ebene mit ihren natuerlichen Wasserlaeufen und ihren zusaetzlich angelegten Kanaelen findet sich Platon mit seinen Behauptungen ueber den Reichtum von Atlantis von den natuerlichen und archaeologisch beweisbaren Gegebenheiten reich bestaetigt.

Doch Kupfer, Gold und Silber waren nur die eine Seite des atlantischen Reichtums. Die andere Seite war die des zur Herstellung von Bronze benoetigten Zinns. Hinweise auf Zinn und Bleigewinnung wurden in der Sierra Morena bisher nicht entdeckt.

Das Zinn fuer die Zinnbronze kam also schon damals aus den reichen Zinnvorkommen im Nordwesten Iberiens, aus Galizien und den sich nach Sueden anschliessenden portugiesischen Nordprovinzen. In dem Gebirgszug, der sich von La Coruna ueber Pontevedra, Vieira do Minho, Vila Real bis Viseu nahezu parallel zur Kueste hinzieht, liegen die noch heute reichen Zinngruben, die in der Anfangszeit ausschliesslich das Zinn fuer die atlantische Bronzeproduktion lieferten. (Spaeter kamen dann Zinnlieferungen aus dem Sueden Britanniens, Cornwall, hinzu). Die Minen liegen hier durchweg in Taelern kleiner Nebenfluesse der Hauptwasserlaeufe, die alle in den Atlantik muenden. Durch die reiche Gliederung des Gebirgszuges gibt es nahezu alle 50 Km eins dieser Flusssysteme, das den Transport des Erzes oder des Zinns auf dem Wasserweg ermoeglicht.

Das reichliche Vorkommen von megalithischen Steinsetzungen und Dolmen in diesem ca 150 Km breiten Kuestenstreifen beweist, dass die atlantische Kuestenkultur schon frueh von ihm Besitz ergriffen hat. Die Bronzezeit in Atlantis-Andaluz konnte beginnen, als die Schiffahrt so weit entwickelt war, dass der Handel an der Kueste entlang ohne grosse Probleme stattfinden konnte. Die 900 Km Wasserweg von Galizien nach Andalusien benoetigten bei den zuverlaessig wehenden Westwinden nicht viel mehr als 4 Tage bei Unterbrechung der Reise in der Nacht und 2 Tage bei Direktfahrt ohne Zwischenhalt. Aus alten Berichten ist bekannt, dass die suedliche Kueste Iberiens durch Leuchtfeuer auf Tuermen auch bei Nacht passiert werden konnte. Moeglicherweise gab es an der Westkueste, die von Fremden nie erreicht wurde, aehnliche Einrichtungen.

Aus den geschichtlichen Daten des Mittelmeerraums ist bekannt, dass Troja um 3000 v. Chr. gegruendet wurde. In dieser Zeit uebernahmen die ersten Pharaonen, die hoechstwahrscheinlich aus dem Westen kamen, die Herrschaft in Aegypten und begruendeten das alte Reich. Im Mittelmeerraum begann die Bronzezeit. Es erscheint deshalb nicht unvernuenftig, anzunehmen, dass schon vor 3000 v. Chr. der Warenaustausch an der Westkueste Iberiens per Schiff zuverlaessig funktionierte und die Voraussetzung schuf, die Atlanter mit ueberlegenen Bronzewaffen auszustatten. Mit diesen Waffen ausgeruestet konnten sie sich auch im oestlichen Mittelmeerraum die Rosinen aus dem Kuchen heraussuchen. Nach den bisherigen Kenntnissen hiessen diese ersten Rosinen: Kreta(als Basis), Thasos (Gold), Zypern (Kupfer), Ugarit und Tyrus (Handelsplaetze), Aegypten (Gold und Getreide) und Troja ( strategisch wichtig zur Absicherung des Mittelmeerraums gegen Angriffe aus dem schwarzen Meer). Der westliche Mittelmeerraum bis Sizilien und Tarent gehoerte ihnen schon vorher.

Doch zurueck zum Metall. Die Gewinnung des Zinns aus den Erzen stellte im Vergleich zur Kupfergewinnung ein geringes Problem dar. Zinn benoetigt nur Temperaturen, die bei 500C liegen und ohne Probleme mit einem guten Holzfeuer zu erreichen sind. Wer die Kupfertechnologie beherrschte, hatte keine Probleme mit dem Zinn. Aehnlich sieht es mit der Zinnbronze aus. Das Zinn wirkt schmelzpunktsenkend auf das Kupfer, sodass Bronze sehr viel leichter zu vergiessen ist als Kupfer. Wenn das Kupfer noch Eisen oder Arsen enthaelt, wie durch etliche natuerliche Vorkommen in der Sierra Morena bedingt, erhoeht sich die Festigkeit der Zinnbronze zusaetzlich. Dies fuehrte zu Waffenmaterial, das anderen Zinnbronzen ueberlegen war.

Die Atlanter hatten so mit den natuerlichen Erzvorkommen ihres eigenen Landes das Mittel in der Hand, die fuehrende Militaermacht zu werden. Wie die neueren Geschichtserkenntnisse zeigen, haben sie dies auch ausgenutzt und eine beherrschende Stellung an den Kuesten des Atlantiks, seinen Nebenmeeren und im Mittelmeerraum erreicht. Inzwischen vermehren sich die Anzeichen, dass sie sogar den Atlantik ueberwanden und die ersten Kulturen zB: die der Olmeken mit beeinflussten.

Es ist nicht verwunderlich, dass Menschen, die einen derartigen technologischen Vorsprung vor der uebrigen, ihnen bekannten Menschheit erreicht hatten, stolz darauf waren. Sie fuehlten sich von den Goettern beguenstigt und waren es sicher auch, wenn man daran glaubt. Dieser Stolz fuehrte zwangslaeufig zu einer Ueberheblichkeit und einem Ueberlegenheitsgefuehl gegenueber anderen Menschen.

Man koennte sagen, die Entwicklung und Beherrschung der Metalltechnologie, die damals "High Tech" war, begruendete und begruendet teilweise auch noch heute den in der Geschichte immer wieder zu beobachtenden Fuehrungsanspruch aller aus dem atlantischen Volk hervorgegangenen Nachfolgevoelker. Dies moegen die Karthager, Roemer, Spanier, Franzosen, Englaender, Deutsche oder neuerdings die Mischung aus allen, die Nordamerikaner sein, um nur einige, besonders auffaellig gewordene, zu nennen.

Angesichts der bewiesenen Faehigkeiten, den Metallen und ihren Legierungen ihre Geheimnisse zu entreissen, wundert es nicht, dass die Atlanter und ihre Nachfolgevoelker eine besondere Vorliebe fuer diese neuen Materialien und ihre Verarbeitung entwickelten. Noch heute stehen wir staunend davor, wenn wir sehen und erkennen koennen, mit welchem Talent, welcher Intelligenz und welchem handwerklichem Koennen schon damals Gold, Silber, Bronze und Eisen bearbeitet wurden.

Da nur leider sehr wenige von den damals geschaffenen Metallkunstwerken erhalten geblieben sind, die zum grossen Teil auch bereits in anderen TOLOS-Kapiteln gezeigt wurden, soll hier nur eine Auswahl aus allen alten Phasen, in denen die Datierung oft ein echtes Problem darstellt, gezeigt werden.

_______________________________________

Lesen Sie hierzu, umfassend und uebersichtlich dargestellt :

DIE GESCHICHTE VON ATLANTIS, der vergessene Ursprung unserer Kultur
von Karl Juergen Hepke
TRIGA-DER VERLAG, 2.Aufl. 2008, Hardcover, 268 Seiten, Eur 22,00 , ISBN 978-3-89774-539-1

zurueck