Lebensformen in Atlantis und in den Nachfolgestaaten (7)(23)

von Karl Juergen Hepke

Was wir ueber die politische Organisation , das Rechtswesen, die Sitten und Lebensformen des Ursprungsstaates Atlantis wissen, ist uns fast nur durch Platon und Homer ueberliefert. Platon erhielt dieses Wissen auf dem Umweg ueber Aegypten und Homer basierte auf alten Geschichten, die im Volk aus der Zeit der Achaeer lebendig geblieben waren. Man kann die Quellen also sicher zu Recht als duerftig bezeichnen und viel aussagefaehiger sind deshalb in diesen Bereichen die Berichte aus den Nachfolgestaaten, die bis in die geschichtliche Zeit hineinreichen. Trotzdem soll das, was bisher aus den Anfaengen bekannt ist, hier noch einmal wiedergegeben werden.

Der Staat Atlantis hatte eine Bundesstaat aehnliche Gliederung. Er wurde regiert von zehn Koenigen, von denen einer, naemlich der, welcher im urspruenglichen Gruendungssitz residierte, die Oberhoheit ausuebte. Den Koenigen war ein genau definiertes Gebiet zugeordnet, in dem sie die absolute Macht ausuebten. Das heisst, der einzelne Koenig konnte in seinem Gebiet bestrafen und hinrichten wen er wollte. Die gegenseitigen Machtverhaeltnisse der Koenige und gemeinsamen Beziehungen wurden geregelt durch die Anordnungen des Gruendungsgottes Poseidon und waren aufgezeichnet auf einer im Gruendungssitz stehenden Stele aus Goldkupfererz.

An dieser Stele trafen sich die Koenige im Abstand von abwechselnd fuenf und sechs Jahren um gemeinsame Probleme zu besprechen und sich zu beraten, wenn irgendjemand von ihnen gegen die bestehenden Gesetze des Poseidon verstossen haben sollte. Auf gemeinsamen Beschluss konnte die Strafe sogar die Verurteilung zum Tode des betreffenden Koenigs sein. Vor der Gerichtssitzung wurde ein bestimmtes Ritual abgehalten, das helfen sollte, ein gerechtes Urteil zu finden. Dazu wurden im heiligen Bezirk des Poseidon einige Stiere freigelassen und nach einem gemeinsamen Gebet an Poseidon von den zehn Koenigen, allein und nur mit Knueppeln und Schlingen bewaffnet, gejagt, was sicher nicht ungefaehrlich war.

Offenbar sollte anfaenglich wohl so dem Gotte ueber den Stier die Moeglichkeit gegeben werden, das Urteil als quasi "Gottesurteil" direkt zu vollziehen. War ein Stier dann gefangen, so wurde er ueber der Stele geopfert und zwar so, daß sein Blut ueber die Gesetzestexte und eine Schwurformel, die denjenigen verwuenschte, der diese Gesetze nicht einhielt, hinrann. Der Stier wurde dann zerlegt und alle seine Glieder geweiht und dem Feuer uebergeben.

 
Lediglich zehn Tropfen geronnenen Blutes des Opfers, fuer jeden der Koenige einer, wurden in einen gefuellten Mischkrug gegeben. Darauf wurde die Stele vom uebrigen Blut gereinigt. Mit goldenen Schalen wurde nun von jedem der Koenige aus dem Mischkrug eine Spende geschoepft und ins Feuer gegossen, wobei der Eid erneuert wurde, nur nach den auf der Stele aufgezeichneten Gesetzen Gericht zu halten, Uebergriffe zu bestrafen und in Zukunft keinen der aufgezeichneten Punkte absichtlich zu uebertreten. Ihre Regierung solle sich in Zukunft streng an die Vorschriften des Stammvaters halten.

Nach diesem Schwur trank jeder Koenig selbst und stellte anschließend die Trinkschale als Weihgeschenk im Heiligtum des Gottes auf. Dann wandte er sich der Mahlzeit und seinen dringlichen Geschaeften zu. Wenn die Nacht kam, trafen sich alle, angetan mit wunderschoenen dunkelblauen Gewaendern, an der Stelle des Opferfeuers wieder, setzten sich auf die Erde und , nachdem alle Feuer im Umkreis geloescht worden waren und nur die Sterne ueber ihnen leuchteten, liessen sie sich Recht sprechen oder sassen selbst zu Gericht, wenn sich einer von ihnen eines Uebergriffs schuldig gemacht hatte. Hatten sie ihren Spruch gefaellt, so wurde er, wenn es Tag wurde, auf eine goldene Tafel aufgeschrieben und zur Erinnerung zusammen mit den Gewaendern im Tempel hinterlegt.

Ausser dem, was bereits in dem Kapitel Atlantis II, Idee und Wirklichkeit, woertlich berichtet wurde, ist dies alles, was wir von Platon ueber Sitten und Lebensweisen in Atlantis erfahren. Dies ist verstaendlich, da er selbst ja nicht aus eigenen Erfahrungen und Wissen sprechen konnte, sondern sein Wissen aus in Aegypten gemachten Aufzeichnungen schoepfte. Die Aegypter selbst, deren Staatsordnung weitestgehend der atlantischen entsprach, betrachteten es aber als voellig ueberfluessig, fuer sie selbstverstaendliche Dinge des taeglichen Lebens auf einer Stele aufzuzeichnen.

Um deshalb mehr ueber ueber diese Dinge zu erfahren, muss eine Quelle herhalten, die bei weitem nicht so sicher verbuergt ist wie die Beschreibung Platons. Es handelt sich um die Beschreibung "Scherias" in Homers Odyssee. Homer fusste bei der Odyssee, wie auch bei der Ilias- der Geschichte vom trojanischen Krieg- auf alten Erzaehlungen, die im griechischen Volk aus der Zeit der Achaeer noch lebendig waren. Sie waren zwar nicht aufgeschrieben worden, da die Kunst der Schrift verlorengegangen war, beruhten aber doch direkt auf Erfahrungen mit dem fruehen Leben in Tharsis, das bei Homer dann den Namen "Scheria" bekommt, was nichts anderes als "Markt" im phoenizischen heisst.

Wie wir bereits im vorangegangenen gesehen haben, wurde Tharsis, als aelteste Stadt des damals bekannten Raumes, aus Tradition fast nur als "der Hafen" oder "die Stadt" oder "der Markt" bezeichnet, da es anderes vergleichbares, mit dem man es haette verwechseln koennen, in der Anfangszeit nicht gab. Die Bezeichnung erhielt sich aus Tradition aber auch, nachdem andere Staedte und Maerkte entstanden waren. Diese bezeichnete man dann aber mit ihrem Namen, um Verwechslungen auszuschließen.

Homer verwendete die Erzaehlungen ueber das Leben in Tharsis dann als Kulisse fuer den Bericht vom Aufenthalt des Odysseus in "Scheria" im Land der "Phaeaken". Dabei gab er den alten Phoiniken, wie die Griechen die Phoenizier nannten, wahrscheinlich einen von ihm erfundenen, altertuemlich klingenden Kunstnamen. Nach Homer waren die "Phaeaken" ruderfrohe Leute, beruehmt in der Seefahrt und trugen ungewoehnliche maritime Namen wie Steuermann, Schnelle See, Meereskueste, Lotse, Seemann, Bootsmann, Reichsschiff und aehnliche. Sie benutzten Schiffe, die keine Segel sondern 52 Ruderer hatten und ihre Schiffe waren damit schnell "wie Fluegel oder Gedanken".

In den Hafen von "Scheria" konnten sie von Westen oder von Osten kommend gelangen. Dies gilt natuerlich fuer viele an der Kueste gelegene Haefen. Was nicht fuer viele gilt, ist die Feststellung, dass die gluecklichen Phaeaken fern von "den muehsam lebenden Menschen" lebten und selbst keine Nachbarn hatten. Die Frauen der Phaeaken waren "Meisterinnen im Weben"was sich offenbar bis in die phoenizische Zeit gehalten oder sogar noch verbessert hat, wie wir spaeter noch sehen werden. Wie auch die Bibel ueber Tharsis berichtet, waren die Einwohner lebensfroh und ausserordentlich gastfreundlich. Nach Homer bereiteten sie Odysseus einen gewaltigen Empfang. Ihm zu Ehren veranstalteten sie Festmaehler und sportliche Wettbewerbe und fuehrten akrobatische Taenze auf. Die Vorstellung, dass jemand zu ihnen mit feindlichen Absichten kommen koennte , war ihnen voellig fremd was sich in den Versen Homers so anhoert :

Noch ward nicht geboren der Mann und moege auch niemals leben,
welcher hierher ins Land der phaeakischen Maenner kommt und Feindschaft bringt;
denn sehr lieb sind wir den Goettern.

Die Sportarten , die sie dem Odysseus vorfuehren, sind : Laufen, Ringen, Weitsprung, Weitwurf und Faustkampf, also Sportarten, die auch einem Kaempfer gut anstehen, was zeigt, daß sie auch dafuer trainierten.
Zur Entspannung wird anschliessend eine auch in Griechenland bekannte Komoedie aufgefuehrt, die den "Ehebruch" der Aphrodite mit Ares zum Thema hat, von dem sie drei Kinder hat, obwohl sie mit Hephaistos, dem Gott der Schmiede, verheiratet ist. Hephaistos faengt beide "in flagranti" in einem Netz und fuehrt sie so den versammelten Goettern vor. Poseidon, der immerhin der Gruendungsgott von Tharsis - Scheria ist , ueberredet darauf Hephaistos, die beiden freizulassen und Ares wird zu einer Busse verpflichtet. Dies zeigt die relativ tolerante Einstellung der Scherianer zu Vergehen, die anderenorts mit dem Tode bestraft wurden und werden oder zur Aufloesung der Ehe fuehren.

Odysseus ist von der Auffuehrung so angetan, dass er laut die Faehigkeiten der phaeakischen Kuenstlergruppe ruehmt, was wiederum dem Koenig so gefaellt, daß er dem Gast ein Schwert als Geschenk ueberreichen laesst. Waehrend anschliessend der blinde Hofsaenger auf Wunsch von Odysseus vom Leben der Achaeer, dem trojanischen Krieg und dem Untergang Trojas berichtet, wird Odysseus beim Gastmahl verwoehnt. Schliesslich bittet ihn der Koenig, seinen Namen zu nennen, aber als das dann geschieht, loest es keinerlei sichtbare negative Reaktion bei den Phaeaken aus.

Der Koenig verliert sich lediglich in die tiefsinnige Betrachtung, dass den Phaeaken der Untergang prophezeit worden waere, weil sie alle Fremden so freundlich behandelten und geleiteten.
Am folgenden Tag muß Odysseus bis zum Eintritt der Dunkelheit warten bis das Schiff, das ihn zurueck nach Ithaka bringen soll, ablegen darf. Odysseus versinkt in tiefen Schlaf, aus dem er erst wieder erwacht, als der Strand Ithakas erreicht ist. Offenbar hat man ihm einen, noch weit ueber die Nacht hinausreichenden Schlaftrunk gegeben, damit er die geheime Route, welche die Phaeaken benutzten, nicht wiedererkennen kann.

Hier deutet Homer zum ersten Mal die spaeter von den Atlantern und ihren Nachfahren den Phoeniziern geuebte Praxis der strikten Geheimhaltung der Seewege nach Atlantis an und laesst sie dann spaeter sogar in der Anordnung des Koenigs ausklingen, niemals mehr Fremde ueber das Meer zu geleiten.

Damit kehrt Homer aus der achaischen in die geschichtliche Zeit Griechenlands zurueck, und auch wir werden uns jetzt dem griechischen Bereich zuwenden, um zu sehen, was die archaeologische Wissenschaft, davon berichten kann.

Das Leben im achaischen Griechenland seit Beginn

der baeuerlichen Besiedlung.(41)

" Aus Ausgrabungen in Griechenland ist bekannt , dass um das siebte Jahrtausend v. Chr. das griechische Landesinnere erneut besiedelt wurde. Die neuen Siedler brachten das notwendige Wissen mit, um Weizen, Gerste und Huelsenfruechte anzubauen und um Kuehe, Schweine und Schafe zu halten."(41) Das deutet darauf hin, daß die Neusiedler atlantischen Ursprungs waren, oder dass sie zumindest in der Agrarwirtschaft vom Wissen der Atlanter profitierten. Da aus Iberien bisher solche Grabungsergebnisse nicht vorliegen, muessen wir vorlaeufig davon ausgehen, dass es dort aehnlich aussah, wenn auch die Urspruenge der Besiedlung hier viel weiter zurueckreichen.

."Zunaechst konzentrierte sich die Besiedlung auf die fruchtbaren Niederungen , denn der Boden dort war bestellbar und konnte fuer den Ackerbau ausreichend Feuchtigkeit speichern. Die Einwanderer brachten Muehlsteine fuer das Getreide mit und geschliffene Aexte, mit denen sie das mit Wald und Buschwerk bestandene Land fuer die Acker- und Viehwirtschaft urbar machten. Die ersten Haeuser waren rechteckig oder quadratisch und mit Reisig gedeckt. Kleine Doerfer, die nie mehr als zwanzig Haeuser umfassten und von 50 bis 300 Menschen bewohnt wurden, bildeten in der Regel politisch und oekonomisch unabhaengige Einheiten."(41)

Es handelte sich also um Einwanderer, die keine Verbindung mehr zum Ursprungsland pflegten. Moeglicherweise handelte es sich um Verbannte, oder um Menschen, die freiwillig das Land auf eigene Faust verlassen hatten, weil das Leben dort ihnen aus irgendwelchen Gruenden nicht mehr zusagte, oder auch um Gruppen, die vorher in Gebieten gewohnt hatten, die vom allmaehlich ansteigenden Meer ueberschwemmt wurden.

Zu Anfang war die von den Atlantern bevorzugte Weidewirtschaft ausschliesslich auf die gerodeten Talsohlen beschraenkt, allmaehlich jedoch veraenderten die Menschen die Umwelt ihren Beduerfnissen entsprechend, indem sie mehr und mehr die umgebenden Berge urbar machten. Das rasche, fuer die atlantischen Laender typische Bevoelkerungswachstum ging einher mit einer durch den Menschen herbeigefuehrten Entwaldung, beginnender Ueberweidung und der darauf folgenden Zunahme und Verbreitung von Krankheiten wie Malaria, Ruhr und Hakenwurmbefall.

Tonwaren wurden etwa seit 6500 v. Chr. benutzt. Im vierten Jahrtausend v. Chr. wurden die Siedlungen groesser, und es wurde eine Sozialstruktur nach atlantischem Muster erforderlich, die architektonisch in einer hierarchischen Bauweise, mit dem Hauptgebaeude im Zentrum der Ansiedlung, ihren Ausdruck fand.

Das Leben der Atlanter auf Kreta. (41)

" Waehrend die Kultur auf dem griechischen Festland noch ein paar Jahrhunderte laenger in dem eben beschriebenen Zustand verblieb, entwickelte sich auf den Inseln , die in direkter und staendiger Verbindung mit dem atlantischen Mutterland standen, zum Beispiel auf Kreta und auf Thera, ein beachtlicher Stand der Kultur."(41) Man kann mit grosser Sicherheit davon ausgehen, dass die Verhaeltnisse in Iberien, dem Kernland der atlantischen Entwicklung, aus dem aber entsprechende Ausgrabungsergebnisse noch fehlen, noch besser waren.

"So entwickelte sich im Laufe des zwanzigsten Jahrhunderts v. Chr. die seit langem bestehende und zunehmend aufbluehende baeuerliche Gemeinde auf Kreta durch die Gewinne aus dem an Umfang staendig zunehmenden atlantischen Metallhandel zu einer Luxusgesellschaft, die sich in gewaltigen, herrlich ausgeschmueckten Palastbauten manifestierte."(41)

Durch den wirtschaftlichen Erfolg und die intensiven Handelsbeziehungen zum atlantischen Mutterland und dem oestlichen Mittelmeerraum, entstand dazu auch ein Bedarf an schriftlichen Aufzeichnungen. " Bildhafte Zeichen, die an aegyptische Hieroglyphen erinnern, wurden auf Keramik, Siegelsteine und ausserdem vermutlich auf weniger haltbare Materialien wie Wachs oder Papyrus graviert oder gemalt. Der groesste Teil der bis heute erhaltenen Inschriften wurde in handgroße, blattfoermige Tontafeln geritzt. Da diese nach dem Gebrauch nicht gebrannt wurden, waeren auch sie heute verloren, haette sie nicht ein Grossbrand, der die Palaeste zerstoerte, gehaertet. Dies bedeutet, daß alle erhaltenen Tafeln aus dem letzten Jahr der Palaeste stammen ( etwa 1425 v. Chr.)

Die Schrift, heute Linear-A genannt, gibt die Sprache der Menschen wieder, die die minoische Kultur geschaffen haben."(41) Da es sich hierbei um Menschen handelte, die im intensiven Kontakt mit ihrem Stammland Iberien standen, koennte diese Schrift auch dort bekannt gewesen sein, oder sogar von dort stammen. "Abgesehen von den Numeralen ist Linear-A heute noch nicht dechiffriert und die Sprache daher noch nicht bestimmt. Es ist jedoch sicher , daß es sich nicht um Griechisch handelt "(41). Moeglicherweise handelt es sich um die erste Schrift der Atlanter. Ihre Entzifferung koennte vielleicht Aufschluss ueber die wirtschaftlichen und politischen Beziehungen von Kreta zur atlantischen Zentrale in Andalusien geben.

" Der nach dem Vulkanausbruch des Thera beginnende politische und wirtschaftliche Erfolg der achaischen Kultur auf dem griechischen Festland, der sich gleichzeitig mit dem Niedergang der minoischen Kultur auf Kreta entwickelte, war ein Ergebnis der Verknuepfung von hochentwickelten kuenstlerischen Leistungen und technisch hochstehender Metallverarbeitung mit weitreichenden Handelsverbindungen und einer Kriegfuehrung, die so moderne Waffen einsetzte wie zum Beispiel von Pferden gezogene Streitwagen."(41)

Dies weist darauf hin, daß die inzwischen bedeutende Zentralmacht des atlantischen Reiches mit ihrem hohen Stand des Wissens in der Metallverarbeitung und in der Ruestungstechnik einen wesentlichen Anteil an dieser Entwicklung hatte. Auch militaerisch hat sie offenbar mit ihren Streitwagen bei der Eroberung Suedgriechenlands mitgewirkt.


"Als eigene Entwicklung produzierten die Achaier eine hervorragende schoene Keramik, die zwischen 1400 und 1250 v. Chr. in der ganzen Aegaeis zu finden war. Sie trieben eifrig Handel mit Zypern, Syrien, Palaestina, Aegypten und der Westkueste von Kleinasien. Man tauschte Felle, Holz. Wein, Olivenoel und Purpurfarbstoff gegen Leinen, Papyrus, Seile und Steingefaesse."(41)

"Die begehrteste Importware aber waren sicher Rohmetalle, denn es gibt in Griechenland weder Kupfer- noch Zinnminen."(41) Der Lieferant fuer diese Rohmetalle war der zentralisierte atlantische Metallhandel. Die Lieferungen von Rohware, vor allem der fuer die Anfertigung von Waffen unentbehrlichen Bronze, erfolgte wahrscheinlich fast ausschliesslich ueber die atlantische Filiale Troja." Fertige Metallobjekte zaehlten dagegen zu den wichtigsten Exportguetern aus Griechenland."(41)

So ist auch die Aufregung zu verstehen, die offenbar die Nachricht vom Untergang von Tharsis und damit der sich ankuendende Wegfall der Lieferung von Rohmetall ausloeste. "Die Interpretation einer Linear-B-Tafel, die aus den letzten paar Monaten stammt, bevor der Palast von Pylos in Flammen aufging, deutet jedenfalls auf eine Metallverknappung hin, was ein Hinweis darauf sein koennte, daß der Seehandel unterbrochen war. Der Tafel ist zu entnehmen, dass man Bronzegegenstaende sammelte , moeglicherweise weil man sich darauf vorbereitete, einen Angriff abzuwehren. "(41)

Dieser Angriff fand dann auch statt , wie die Zerstoerung und Beraubung der Palaeste beweist. Wahrscheinlich hat die Nachricht vom Untergang der ordnungserhaltenden atlantischen Zentralmacht vielen raubluesternen Kraeften den Mut gegeben, lang aufgestauten Neid und Hass in raeuberischen Ueberfaellen auszuleben. Und dies war dann der Anfang vom Ende der achaischen Kultur.

Atlantisches Leben , Sitten und Religion in Kanaan und Phoenizien.(7)

" Die Kanaaniter und spaeter ihre karthagischen Nachfahren haben, so wendig und allem Fremden aufgeschlossen sie sich sonst zeigten, in religioesen Dingen eine ausgesprochene Individualitaet bewahrt, eine merkwuerdige archaische Haltung. Wie befremdend und abstossend dies auf ihre Umwelt auch manchmal gewirkt haben mag, so lag darin doch auch eine gewisse Groesse, ein Beweis, daß im Grunde ihres Wesens religioese Leitbilder lebendig waren, denen sie fanatisch die Treue hielten und fuer die sie sich bis zum Schluss mit ihrem ganzen Sein, selbst bis zum Opfertod, einzusetzen vermochten."(7)

Durch Ausgrabungen wurde ein ganzer Stadtteil von Ugarit freigelegt, der die Stadt in den letzten Jahrhunderten ihres Bestehens, etwa vom 15. bis zum 12. Jahrhundert v. Chr. zeigt. Dies war auch die Zeit der hoechsten Ausdehnung des atlantischen Reiches und so kann davon ausgegangen werden, dass der Baustil von Ugarit den Stand der atlantischen Architektur dieser Zeit wiedergibt."

Ugarit hatte gerade, sich rechtwinklig kreuzende Straßen mit Steinhaeusern , die zu Quartieren zusammengefasst waren und je einen Tempel fuer den alten Korngott Dagon und seinen Sohn Baal, die aus dem Beginn des zweiten Jahrtausends stammen. Es gab Palaeste der Oberschicht mit zahlreichen Raeumen, mit Baedern und hygienischen Anlagen und meist noch einem Obergeschoss, in dem die eigentlichen Wohnraeume lagen. Eine sorgfaeltig angelegte Kanalisation unter den Haeusern leitete die Abwaesser bis vor die Stadtmauern hinaus. Zu jedem groesseren Gebaeude gehoerte ein Hof mit einem gemauerten , ueberdachten Brunnen.

Die vornehmen Geschlechter besassen oft geradezu koeniglich ausgestattete Familiengruefte unter ihren Haeusern. Ein Gang fuehrte hinab zu diesen unterirdischen Raeumen, die in ihrer Konstruktion aus grossen Platten und Quadern stark an kretisch- mykenische "(7) und iberische atlantische Grabbauten z.B. in Antequera erinnern. Im 18. und 17. Jahrhundert deckten sie breite Platten wie in den Dolmengraeber der alten atlantischen Zeit um 2500 v. Chr.( Cueva de Menga in Antequera ), spaeter unechte Kraggewoelbe mit deckelaehnlichem Steinverschluss der neueren atlantischen Art aus der Zeit um 1800 v. Chr. ( Cueva de Romeral in Antequera ) . " Die Leichen wurden , in Matten und Tuecher gehuellt, auf den Boden gelegt. Das heisse, trockene Klima Syriens liess sie rasch verdorren. Die Kammern der Toten wurden durch Mauerwerk vor ihren lebenden Nachbarn dicht verschlossen.

Wie in den Schachtgraebern von Mykene gab man den Toten grosse Mengen von kostbaren Beigaben mit, die sie im Jenseits erfreuen sollten. Allerdings fand man die meisten Gruefte ihrer goldenen, silbernen und bronzenen Wertgegenstaende beraubt . Die Keramik, die Fayencegefaeße und Elfenbeinarbeiten hatten aber zum Glueck weniger Interesse bei den Pluenderern geweckt und so war die archaeologische Ausbeute immer noch reich genug.

Die grosse Menge mykenischer Gefaesse, die Bauart der spaeteren Graeber und die ganze Form des Totenkults sprechen dafuer, daß die Oberschicht von Ugarit im 14. bis 13. Jahrhundert mehr kretisch-achaeisch "(7), oder besser atlantisch d.h. nach Westen orientiert als mesopotamisch d.h. nach Osten orientiert war.

"Eines der beruehmtesten Fundstuecke aus Ugarit ist der fein geschnitzte Deckel einer Elfenbeinbuechse. Er zeigt in Reliefarbeit die kretische Fruchtbarkeitsgoettin mit dem charakteristischen Kopfputz, dem weiten Prunkrock und nacktem Busen, zwischen zwei aufrecht stehenden Boecken, denen sie Aehrenbueschel reicht. Auch eine eigenartige Vase mit einer weiblichen Gesichtsmaske in kretisch - mykenischem Stil grub man aus.

Dies alles zeigt, dass die starke Beruehrung der achaeischen mit der kanaanaeischen Welt, eher auf einer Zuwanderung der Atlanter, Kreter und Achaeer in Phoenizien beruhte, als auf einer Ansiedlung von Phoeniziern in Griechenland."(7) Das bedeutet, dass, entgegen der alten Geschichtsvorstellung, das Wanderungs- und Kulturgefaelle in dieser Zeit von Westen nach Osten und nicht von Osten nach Westen ging.

Dass Kanaan lange vor Griechenland zum atlantischen Kulturbereich gehoerte, beweisen die zyklopischen Bauten mit weit aelterem Entstehungsdatum. So entstanden zum Beispiel die "Zyklopenburgen der Kanaaniter teilweise schon tausend Jahre frueher als die Festungen der Koenige von Mykene, Tiryns oder Orchomenos. Die Phoenizier hatten "(7)als Abkoemmlinge der Atlanter "immer eine besondere Vorliebe fuer Bauten megalithischer oder zyklopischer Art, bei denen oft riesenhafte Bloecke verwendet wurden. Diese Bauweise findet sich bei ihnen noch weit ins erste Jahrtausend hinein bei Hafendaemmen, Heiligtuemern und Befestigungsmauern."(7)

Diese schon lange bekannte Tatsache fuehrte dann auch zu dem falschen Schluss, dass die Megalithbauweise in Griechenland aus dem Osten importiert wurde und dies wurde dann fortgesetzt in der Annahme, daß dies auch fuer die uebrige Kultur gelte. Dies war verstaendlich fuer eine Zeit, in der die Megalithbauten in Iberien noch nicht bekannt oder ihr Alter noch nicht bestimmbar war, kann aber heutzutage nicht mehr aufrechterhalten werden."

Unter allen Zeugnissen altphoenizischer Kultur, die der Boden von Ugarit freigegeben hat, sind die fuer die Wissenschaft kostbarsten und unscheinbaren Tontafeln, die man in einem Gebaeude fand, das man dann die "Bibliothek" nannte. Sie sind mit eingravierten Zeichen bedeckt, die an die babylonische Keilschrift erinnern.

Zunaechst schien die Schrift von Ugarit unlesbar, obwohl man feststellte, dass es sich um eine Art Alphabet mit nur 28 bis 30 Zeichen handelte."(7) In Zusammenarbeit von deutschen und franzoesischen Sprachforschern gelang dann aber schon in den dreissiger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts die weitgehende Entraetselung der meisten Texte. "Es handelte sich groesstenteils um eine Schrift , die man dann "Altkanaanaeisch" nannte, eine Ursprache, aus der sich die phoenizische, die hebraeische und die moabitische Sprache entwickelt hatten. Sie steht dem Altarabischen wie dem Akkadischen nahe und wurde urspruenglich im Sueden Kanaans gesprochen.

"Damit koennen die Kanaaniter" (7) oder vielleicht doch die Atlanter "als Erfinder der Buchstabenschrift gelten, man hat jedenfalls eine Anzahl von Uebergangsstufen zum phoenizischen Alphabet in Kanaan entdeckt und im 13. Jahrhundert war die Erfindung eines Alphabets von 22 Konsonanten - die Vokale schrieb man nicht - schon lange vollendet."(7) Zu dieser Zeit beherrschten schon die einfachen Bauleute diese Schrift, was aus dem Gekritzel an der Wand des Grabschachts von Koenig Ahiram von Byblos hervorgeht.

"Die Tontafeln von Ugarit vermittelten ausser Erkenntnissen ueber die Religion und die Entwicklung des Alphabets bei den Phoeniziern auch einen lebendigen Eindruck von der kosmopolitischen Atmosphaere dieser Stadt, die das Urbild eines Hafens "(7)der atlantischen Zeit war. "Die Schreiber aus der Bibliothek, die wohl eine Art Schule war, gebrauchten oft Kanaanaeisch und Babylonisch auf derselben Tafel. Es gab auch sumerisch - akkadische Woerterverzeichnisse unter den Tafeln."(7)

Die Texte von Ugarit haben das Wissen um die geistigen Hintergruende der altkanaanaeischen und damit der atlantischen Welt sehr bereichert. Wir wissen nun aus authentischer alter Quelle und nicht nur aus dem aus zweiter oder dritter Hand stammenden Bericht Platons, "dass Priesterkoenige dieses fruehe Atlantis regierten, die sich, wie die Pharaonen, goettlicher Abstammung ruehmten und religioese Verehrung genossen.

Wenn der Koenig erkrankte, bedeutete dies Unheil fuer das ganze Land. Vom Thronfolger heisst es, daß er an den Bruesten der Goettinnen gesaeugt worden sei. Wie von der Gottheit erwartet man auch vom Koenig Guete und Gerechtigkeit. Er schuetzt und erhaelt die Witwen und Waisen, die Armen und die gebrochenen Geistes sind. Selbstverstaendlich erstreckte sich die Machtstellung des Koenigs auch auf seine Sippe, die an den Schluesselstellungen des Staatswesens sass und besonders auch die wichtigen Priesteraemter innehatte.

Die sesshafte Bevoelkerung war in Staende eingeteilt, die wahrscheinlich erblich waren: in Priester, Krieger, Handwerker usw. Eine wohlorganisierte Verwaltung regelte die Erfuellung der Pflichten gegen den Staat und die Rechte der Buerger. Der Staat zahlte in Silber oder Waren. Die Abgaben wurden in Silber, Arbeit oder auch Waren entrichtet. Die Militaermacht bestand aus einem Landheer, bei dem es Fussvolk und Wagenkaempfer gab, und aus der Marine. Die Soldaten waren gesetzlich bevorzugt, und die Veteranen bekamen Land und Existenzmittel.

Ebenso war die Priesterkaste bevorzugt und hatte eine wichtige Funktion bei den militaerischen Unternehmungen. Sie sollte sie nach dem Willen der Goetter, die sich ihnen in Traeumen, Orakeln und Zeichen kundtat, lenken helfen. Die Kriegssitten waren in Atlantis wie in Kanaan von "orientalischer Grausamkeit". Um die Zahl der getoeteten Feinde besser feststellen zu koennen, hackte man ihnen die Koepfe und Haende ab. Sehr gebraeuchlich war das Pfaehlen."(7)

Alle diese Kennzeichen der Organisation des Staatswesens sind auch aus Aegypten bekannt, was noch einmal und zusaetzlich beweist, daß Atlantis, Kanaan und Aegypten aus derselben ausserirdischen Quelle mit dem Wissen zur Gruendung und Aufrechterhaltung eines in der damaligen Zeit auf Dauer funktionierenden Staatswesens ausgestattet wurden. Allen Staatsneugruendungen, die diese "goettlichen Regeln" nicht beachteten, sei es aus Unkenntnis, sei es aus vermeintlichem Besserwissen, war danach nur noch eine kurze Existenz beschieden.

Sie gingen, oft nach beachtlichen Anfangserfolgen, meist schon nach Jahrzehnten , spaetestens aber nach Jahrhunderten an durch menschliche Schwaechen verursachten inneren Konflikten oder infolge der darauf beruhender Schwaeche, sich gegen aeussere Feind zur Wehr zu setzen, zugrunde. Das galt fuer die damaligen Nachfolgestaaten Griechenland und Rom und gilt weiter durch die ganze Geschichte bis in die heutige Zeit.

"Das Familienleben war in Phoenizien, wie auch bei den Aegyptern und Hebraeern, patriachalisch. Der Mann war das Familienoberhaupt und hatte mehrere Frauen, die nicht alle von gleichem Rang waren. Der Haupterbe nahm unter den Nachkommen ebenfalls eine Sonderstellung ein und hatte einen eigenen Titel. Das Oberhaupt einer Familie war nicht nur Herr der Kinder und Frauen, sondern auch seiner juengeren Brueder.

Die in der Bibliothek von Ugarit aufgefundene Legende vom Koenig Keret gibt anschaulich die Vorstellungen der Gesellschaft von wohlgeratenen Kindern wieder. Die gute Tochter holt darin Wasser, verwaltet die Vorraete und hat die Gabe der Weissagung. Der Sohn hat die religioesen Zeremonien, vor allem auch jene fuer die Toten, zu vollziehen, er muß den betrunkenen Vater sorgfaeltig heimgeleiten, haelt dessen Haus in Ordnung und waescht seine Kleider.

Trotz ihrer dem Manne untergeordneten Stellung konnten Witwen Alleinerbinnen sein. Ihre Soehne hatten ihnen zu gehorchen, und sie konnten sie sogar verstossen. Die Sklaven, deren Handel einer der bluehendsten Geschaeftszweige der Phoenizier war, bildeten einen wesentlichen Teil ihrer Gesellschaftsordnung. Sie hatten aber die Moeglichkeit des Freikaufs."(7)

 
Aus aegyptischen Darstellungen und den homerischen Dichtungen haben wir ein Bild von der Tracht und dem Kleiderluxus der Phoenizier "(7)und man kann wohl davon ausgehen, daß diese Art sich zu kleiden auch fuer die anderen bedeutenden Handelsstaedte des atlantischen Reiches galt.

"Waehrend man im Nilland durchsichtige zartplissierte Leinengewebe trug, liebten die Kanaaniter komplizierte und prunkvolle Kleidung, wie man sie spaeter auch auf assyrischen Reliefs sieht. Starke Farben, schwere Stickereien, Borten und Schaerpen kennzeichneten diese kostbaren Gewaender. Die beruehmte Purpurfarbe, die mehr ein tiefes Violett als ein Rot war, wurde in vielen Toenen bis zum hellen Rosa und Lila variiert. Streifenmuster waren besonders beliebt. Die Stickereien aus Sidon waren in der ganzen alten Welt hochgeschaetzt."(7)

Sitten und Lebensformen in Karthago.(23)

Karthago, als atlantischer Staat der dritten Generation, hatte es naturgemaess schwerer als die Staaten der zweiten Stufe. Das geistige und schoepferische Potenzial der urspruenglichen Atlanter hatte sich auf Grund der Ausbreitung ueber nahezu den ganzen Mittelmeerraum und den vorderen Orient bis hin nach Indien und der damit zwangslaeufig verbundenen Vermischung mit anderen Voelkern verflacht.

Neue Impulse kamen aufgrund der dafuer unguenstigen Lage an der Nordkueste des weitgehend kulturell anders orientierten und damit fuer die Neusiedler "barbarischen" Afrikas nicht aus dem Hinterland. Und den Einfluessen, die ueber das Mittelmeer aus den neuen Staaten Griechenland und Rom kamen, verschloss sich innerlich das archaisch orientierte Karthago, das sich im Besitz der hoeheren Werte fuehlte.

" Wenn aus diesem Grunde die Kunst in Karthago auch nicht zu einer hohen Bluete kam und sich in der oft mangelhaften Nachahmung phoenizischer, aegyptischer und achaeischer Vorbilder erschoepfte, so blieb doch die Technik des Bauens gut."(23) Man baute in alter atlantischer Tradition aus grossen Sandstein- oder Kalksteinbloecken, die oft ohne Moertel zusammengefuegt wurden. Die Decken bildeten vorkragende Bloecke mit dem Abschluss durch eine Zedernholzdecke. Zur Gewinnung der Steine bohrte man, nach der Erschoepfung der Steinbrueche auf der Halbinsel, gewaltige Tunnel in die Kalkschichten des Kap Bon.

"Aus Grabungen geht hervor, dass der politische Umschwung nach den großen Verlusten in den Seeschlachten von Salamis und Eurymedon gegen die Griechen , auch auf religioesen Gebiet von einer radikalen Reform begleitet wurde. An die Stelle des alten Gottes Baal trat als erste im Rang die Goettin Tanit "Antlitz Baals" und im zweiten Rang der Himmelsherr Baal Hammon."(23) Tanit wurde im Laufe der Zeit zur Schutzpatronin und zur eigentlichen Koenigin der Stadt. Die Bezeichnung "Antlitz Baals" , die der Goettin gegeben wird, deutet darauf hin, dass sie urspruenglich nur als seine weibliche Erscheinungsform, als eine Art Spiegelung des Gottes betrachtet worden ist.

Es koennte sein, dass angesichts der Tatsache , dass Karthago von einer Frau , naemlich Dido, gegruendet worden war, und andererseits der gefaehrlichste Gegner Karthagos - Athen - mit grossem Erfolg die Schutzgoettin Athene als Motivation fuer seine Krieger verwendete, das Bild einer Goettin geeigneter erschien, um die Kaempfer zu groesstem Einsatz zu veranlassen.

Auch kann Tanit als karthagische Form der kanaanitischen Anath oder Astarte oder der babylonischen Ishtar angesehen werden. Sie war sowohl Fruchtbarkeits- wie auch Kriegsgoettin und damit in beiden Funktionen fuer das Ueberleben des im Kriege befindlichen Karthagos lebenswichtig. Vielleicht stellt aber auch die Aufnahme des Tanitkultes nur eine Rueckkehr zu den alten Goettern der atlantischen Anfangszeit dar.

Jedenfalls wird "der geradezu schwaermerische Ausbruch des Tanitkultes nach den Ergebnissen von Ausgrabungen" von einem Wiederaufleuchten von Symbolen aus einer sehr fernen Vergangenheit begleitet. Ploetzlich erscheinen auf allen Stelen zwei streng geometrische Zeichen, deren Ehrenplatz sie als sinnbildliche Darstellung hoechster goettlicher Potenz ausweist .

Das eine davon koennte man als Zeichen der Tanit verstehen. Es besteht aus einem Dreieck mit einem Querbalken darueber , dessen beide Enden nach oben aufgebogen sind, und darueber einem Kreis. Es symbolisiert wohl eine weibliche Person mit aufgehobenen Armen.

Dieses geheimnisvolle Zeichen findet sich ziemlich haeufig in den aegaeischen Fundstaetten des zweiten Jahrtausends und besonders in den Palaesten des minoischen Kretas."(23) Es stammt also aus der Zeit der ersten Ausbreitung der Atlanter in den Mittelmeerraum, in der das Leben anfangs auch nicht gerade einfach fuer die Neusiedler war.

"Das andere Zeichen sieht aus wie eine ausgebauchte Flasche mit einem mehr oder weniger langgezogenen Hals. Auch dabei handelt es sich um ein sehr altes Zeichen aus der Aegaeis. Es zeigt die "Grosse Mutter " in Hockstellung dargestellt, mit verbreitertem Becken und Busen. Sehr haeufig erscheint sie auch auf einem Altar mit konkaven Seiten, der auch wiederum charakteristisch ist fuer die kretisch - mykenischen Monumente."(23) Beide Darstellungen sind Beweise fuer die Kontinuitaet der atlantischen Ueberlieferung , und zeigen, dass man sich in Zeiten der Not und Bedraengnis wieder an den alten traditionellen Werten orientierte.

 

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Lesen Sie hierzu, umfassend und uebersichtlich dargestellt :

DIE GESCHICHTE VON ATLANTIS, der vergessene Ursprung unserer Kultur
von Karl Juergen Hepke
TRIGA-DER VERLAG, 2.Aufl. 2008, Hardcover, 268 Seiten, Eur 22,00 , ISBN 978-3-89774-539-1

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