Die Aenderung der Atlantikkueste durch die Katastrophe.

von Karl Juergen Hepke

Nach dem bisher, in dem Kapitel ueber den Untergang von Atlantis Dargestellten, wurde durch den Einschlag eines grossen Meteoriten im Bereich der Atlantikkueste Europas ein starkes Erdbeben mit Zentrum vor Iberien ausgeloest , das wissenschaftlich bewiesene Auswirkungen bis in den oestlichen Mittelmeerraum , z. B.: nach Troja, Tyrins und Mykene hatte.

 
Nach der aus Aegypten vorliegenden Beschreibung der Meteorabsturzes (1), muss es sich um einen sehr grossen Meteoriten gehandelt haben, denn er wurde lange Zeit vor seinem Einschlag auf der Erde schon beobachtet, verdunkelte die Sonne und verbrannte, moeglicherweise mit seinem ihm vorauseilenden Meteorschweif, die Waelder ganzer Landstriche, bevor er schliesslich , nachdem er auseinandergebrochen war, mit seinem groessten Teil ins Meer stuerzte.

Es ist gut vorstellbar, dass mit dem durch den Meteoreinschlag ausgeloesten Erdbeben eine Anhebung des Meeresbodens bis nach Iberien hin verbunden war. Nach den heute vorliegenden Erkenntnissen ueber die Bildung der Kontinente, war Iberien vor Jahrmillionen eine Insel, die sozusagen als Abstandshalter zwischen die Euroasiatische- und die Afrikanische Platte geriet. Dabei wurde sie erheblich angehoben d.h. an vielen Stellen mehrere hundert Meter. Dies ist noch heute erkennbar an den Meeresfossilien, die auf den Hochflaechen Spaniens z.B. in der Gegend von Ronda in Andalusien in 700m Hoehe gefunden werden. Darueberhinaus ist bewiesen, dass viele Strukturen der spanischen Landschaft entstanden sind, als das heutige Land noch Meeresboden war.

Iberien und ebenso Suedfrankreich sind also erdgeschichtlich Hebungsgebiete, in denen latente Spannungen in Richtung Hebung vorhanden waren und auch heute noch sind. Trifft nun in ein solches Spannungsgebiet ein groesserer Meteorit mit nennenswerter Energie, so werden die latenten Spannungen frei, und es kommt zu erheblichen Erdbeben, in denen sich die Erdrinde so bewegt, dass ein Abbau der vorhandene Spannungen eintritt. In unserem betrachteten Fall wuerde sich der Boden in Suedfrankreich und in Iberien also anheben.

Nun gibt es in Suedfrankreich vor den Pyrenaeen in der Fortsetzung der baskischen Kueste Spaniens und des Golfs von Biscaya ein tiefes Flachland. Es wird heute zu etwa zwei Dritteln durchflossen von der Garonne, die in den Atlantik muendet, und ihren Quellfluessen. Das restliche Drittel , von Toulouse an, durchschneidet der Canal du Midi, ein bereits 1680 n.Chr. angelegter Kanal fuer Binnenschiffe, der bei Sété das Mittelmeer erreicht und so noch heute eine, den Umweg um Spanien herum vermeidende Wasserverbindung vom Atlantik zum Mittelmeer darstellt.

Die geologische Karte Frankreichs weist aus, dass dieses Flachland durch diluviale d.h. eiszeitliche Ablagerungen gebildet wird. Es gibt aber vom Atlantik bis zum Mittelmeer einen durchgehenden Bereich, der mit alluvialen d.h. nacheiszeitlichen Ablagerungen gefuellt ist. Grosse Teile der vom Kanal beruehrten Landschaft liegen noch heute weit unter seinem Wasserniveau. Deshalb folgt er durchweg den Haengen der noerdlich liegenden Huegel.

Daraus ist zu schliessen, dass es mit grosser Wahrscheinlichkeit nach der letzten Eiszeit und dem darauf folgenden Anstieg des Meeresspiegels d.h. um 6000 - 1250 v. Chr. hier noch eine Meeresverbindung vom Atlantik zum Mittelmeer gab. Dies ist um so wahrscheinlicher , weil im sogenannten Atlantikum , einer Warmzeit nach der letzten Eiszeit, die bis ca. 3000 v. Chr. reichte, der Meeresspiegel bis zu 30 Meter hoeher lag als heute.

Diese Verbindung war auf Grund der heute noch vorhandenen Struktur des Landes stellenweise sehr flach und verkrautet . Sie konnte nur von Kennern des Seeweges befahren werden, galt als gefaehrliche Durchfahrt und war unter dem Namen " mare tenebrosum (das duestere Meer) , wegen der noch heute im Sommer haeufigen Nebel und Wolkenbildung vor dem Kamm der Pyrenaeen und " mare coagulatum (das geronnene Meer)" , wegen der Verkrautung, in der Welt des Altertums bekannt.

Dieses Meer folgte von der Einmuendung ins Mittelmeer bei Narbonne und Beziers den tiefliegenden Gebieten neben dem heutigen Lauf des Kanal du Midi bis zum heutigen Lauf der Garonne. In deren heutigen Verlauf dehnte es sich dann, sich in den Gebieten der heutigen "Landes" immer mehr verbreiternd, bis zu den Pyrenaeen aus , wobei die noerdliche Einmuendung in den Atlantik etwa beim heutigen Bordeaux lag.


Iberien waere also danach zu dieser Zeit tatsaechlich noch eine Insel gewesen und die Aegypter haetten auch nach unserem heutigen Verstaendnis recht gehabt, wenn sie die iberische Insel "Atlantis" d.h. auf altaegyptisch "Insel ohne Namen" nannten.

Die Wassertiefe in diesem Meer noerdlich der Pyrenaeen war teilweise sehr gering, und es ist deshalb mit grosser Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass es Fahrwassermarkierungen und Peilmarken gab. Diese Markierungen werden durch die alten Atlanter, wie auch auf dem Festland, im Stil der Zeit, das heisst in megalithischen Steinen und Menhiren ausgefuehrt worden sein. An der Kueste des Atlantiks gibt es noch heute derartige Menhire, die der Peilung von See her dienten. Es lag nahe, diese gewaltigen Steine, die im Mittelmeerraum nicht als Fahrwassermarkierung ueblich waren, dort " die Saeulen des Herakles" zu nennen.

Der Grieche Aristoteles beschrieb die Gewaesser ausserhalb der "Saeulen des Herakles" zudem als "wegen des Schlammes seicht, doch ruhig, denn es liegt in einer Aushoehlung".(1b) , was weit besser auf die Gewaesser noerdlich der Pyrenaeen passen wuerde, als auf die tiefe, mit starker Stroemung versehene Strasse von Gibraltar.

Und so erklaert sich auch der Name, den man der in alter Zeit bevorzugt benutzten Meeresdurchfahrt in den Atlantik gab , denn die Berge von Gibraltar und der afrikanischen Kueste, fuer die der Name uebernommen wurde, als die noerdliche Durchfahrt nicht mehr moeglich war, erinnern doch nur sehr entfernt an Saeulen. So erklaert sich auch die Frage, die der Koenig der Phaeaken an Odysseus stellt, naemlich, ob er von Westen oder von Osten gekommen sei. Waere er naemlich von Westen gekommen, so haette er die streng geheim gehaltene Durchfahrt im Norden kennengelernt und waere moeglicherweise nicht lebend davongekommen. Da er aber von Osten kam, also die bekanntere heutige "Strasse von Gibraltar" benutzt hatte, konnte man ihn auf dem gleichen Weg wieder "abschieben".

Man muss sich bei diesen Benennungen, die durch die Griechen auf uns gekommen sind, immer vergegenwaertigen, dass die Griechen selbst fast nie in diese Gegenden - die von den Atlantern aller Zeiten, bis hin zu den Etruskern und Karthagern , streng bewacht wurden - gekommen sind und nur aus den Erzaehlungen von atlantischen und spaeter phoenizischen Kaufleuten oder Seeleuten davon erfuhren. Diese aber waren nicht besonders daran interessiert, ihren moeglichen Konkurrenten besonders viele wahre Dinge zu berichten. So tappten die Griechen ziemlich im Dunkeln, wenn sie von diesen Gegenden berichten mussten und ihre Darstellungen erhielten oft den Charakter des Sagenhaften.

An der Muendung in den Atlantik erstreckte sich die Flachwasserzone zu dieser Zeit durch die heute weitgehend trockengelegten und aufgeforsteten Suempfe der "Landes" nach Sueden bis an die Pyrenaeen und nach Norden bis an die Steilkueste des armorikanischen Gebirges, die etwa bei dem heutigen Badeort Yard sur Mer beginnt. Sie ging hier im Norden unterschiedlich tief aber ueberwiegend kilometerweit ins Land hinein, einer Linie folgend, die noch heute unschwer durch den Uebergang von flachem Marschland zu dem huegeligen Hinterland zu erkennen ist.

Die Muendungsgebiete der Fluesse Charentes , Sevre Niortaise und Lay waren noch in juengerer geschichtlicher Zeit weit in das Uebergangsgebiet hinein verkrautete und versumpfte Flachwassergebiete. Es erstreckte sich hier bis ins Mittelalter der legendaere "Golf de Pictons" .

Ob es in diesem Gebiet auch vor 1250 v. Chr. schon, wie heute, groessere Inseln gab, ist schwer zu sagen. Die hoechsten Erhebungen der Ile Oleron und der Ile de Re von 20 bis 30 Metern bestehen aus Sandduenen, die sich spaeter auf Sandbaenken gebildet haben koennen. Nur das alte Land Aunis, an dessen Spitze heute die Stadt La Rochelle liegt, koennte bei einer heutigen Hoehe von 37 Metern und felsigem Untergrund auch schon damals eine Insel gewesen sein.

Die Durchfahrt durch diese Gebiete war sicher nicht ungefaehrlich und nur dem mit dem Weg vertrauten Seemann moeglich. Vom Mittelmeer bis zum Atlantik waren 400 Kilometer zurueckzulegen. Bei einer von den damaligen Handelsschiffen wahrscheinlich erreichbaren Geschwindigkeit von 10 Km/h und einer Tagesfahrzeit von 10 Stunden, waere die Strecke in vier Tagen zurueckgelegt. In einem weiteren Tag haette man Yard sur Mer erreicht.

Hier gab es in der Muendung eines kleinen Flusses einen guten Naturhafen, der in spaeterer atlantischer Zeit, die man hier noch " phoenizische Zeit" nennt, zu einer Stadt mit Umlade- und Versorgungsmoeglichkeiten ausgebaut wurde. Nicht weit davon gibt es eine Vielzahl von Dolmen und Menhiren, was beweist, dass dieser Hafenplatz sehr alt ist und auch eine groessere Bedeutung hatte. Die Menhire, die damals noch von der See her gut zu sehen waren , koennen als Landmarken und Peilobjekte errichtet worden sein. Wahrscheinlich lag hier der erste richtige Hafenplatz nach der Durchfahrt durch das flache Meer.

Was diesen Hafenplatz zusaetzlich interessant gemacht haben koennte, ist die Tatsache , dass es 70 Km landeinwaerts in nordoestlicher Richtung, im Quellgebiet des Lay, Minen des Metalls Antimon gibt. Antimon ist ein wichtiger, wertvoller Rohstoff fuer das Haerten von Metallen, vor allem von Bronzelegierungen. Antimon hat zusaetzlich die angenehme Eigenschaft , die Schmelztemperatur der betreffenden Legierung herabzusetzen. Es ist denkbar, dass es frueher hier auch, inzwischen ausgebeutete, Zinnvorkommen gegeben hat. Ausserdem gibt es hier Uran und Blei. Es waere sogar denkbar, dass die Uranvorkommen bereits zur Zeit von Atlantis I um 15000 v. Chr. ausgebeutet wurden, da von etlichen Forschern auf Grund von im indischen Mahabharata erwaehnten Waffen vermutet wird, dass zu dieser Zeit bereits Atomwaffen bekannt waren.(2a)

Von Yard sur Mer aus fuehrte die jetzt relativ problemlose Fahrt der alten Seefahrer weiter zu der vor der Kueste der Bretagne liegenden Insel Ouessant, die noch zur Zeit Karthagos der Umschlagplatz fuer das aus dem englischen Cornwall gelieferte Zinn war. Bei guenstigem Wetter war sie in drei Tagen von Yard sur Mer aus zu erreichen. Insgesamt dauerte so die Fahrt vom Mittelmeer bis zu den Zinnlagern acht Tage. Eine Reise, die sich lohnte, wenn man bedenkt ,wie wichtig das Zinn und auch das Antimon fuer die Waffenindustrie des Mittelmeerraums und den atlantischen Metallhandel waren.

Dieses flache Meer mit seinem reichen Pflanzenwuchs muss ein idealer Laichplatz fuer Fische gewesen sein. Auch die Aale Europas, die nur im Meer laichen koennen , koennten diesen Laichplatz geschaetzt haben. Als 1250 v. Chr. die Erde bebte, der Meeresboden schwankte und sich schliesslich hob , koennte die entstehende riesige Flutwelle den ganzen Bewuchs abgerissen und hinaus ins Meer getragen haben. Hier geriet der etwa 50 Kilometer im Durchmesser grosse Pflanzenteppich in den an der Kueste nach Sueden fliessenden Golfstrom und dann weiter in den Portugalstrom. Weiter an der Kueste Afrikas entlang schwamm der Teppich dann nach Sueden und gelangte in die Zone der Passatwinde.

Mit dem Wind und der von ihm erzeugten Stroemung schwamm er sehr langsam ueber den ganzen Atlantik und geriet dann wieder in den in der Karibik neu entstehenden Golfstrom . Doch der traege Teppich konnte dem hier schnell fliessendem Strom nicht folgen . Er geriet in den toten Winkel zwischen den Bermudas und dem mittelatlantischen Ruecken. In diesem stroemungs- und windarmen Gebiet , das heute Sargassosee genannt wird, blieb der Teppich liegen und bildet sich dort immer wieder neu. Die Aale aber, die ihm auf seinem, viele Jahre dauernden Weg ueber den Atlantik immer gefolgt waren, kennen seinen Platz und suchen ihn noch heute dort zum Laichen auf. Dies koennte eine, zwar hypothetische, aber doch einleuchtende Erklaerung fuer das heute noch praktizierte erstaunliche Wanderungsverhalten der europaeischen Aale sein.

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Lesen Sie hierzu, umfassend und uebersichtlich dargestellt :

DIE GESCHICHTE VON ATLANTIS, der vergessene Ursprung unserer Kultur
von Karl Juergen Hepke
TRIGA-DER VERLAG, 2.Aufl. 2008, Hardcover, 268 Seiten, Eur 22,00 , ISBN 978-3-89774-539-1

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