Die Kultur der Inselkelten (8c)

von Karl Juergen Hepke

Die Kelten sind das erste Volk Europas noerdlich der Alpen, von dem es schriftliche Berichte gibt. Daher erscheint es besonders geeignet, Informationen ueber die fruehe Zeit in diesem Bereich zu geben. Man identifiziert die Kelten heute ausschliesslich auf Grund ihrer Sprache und ihrer Kultur, nicht auf Grund irgendwelcher koerperlicher oder rassischer Merkmale. Wie schon erwaehnt waren sie auf Grund ihrer langen Wanderungsgeschichte, die sie tief nach Asien gefuehrt hatte, ein buntes Gemisch aller im Raum zwischen Atlantik und Indien urspruenglich sesshaften Menschen, wobei allerdings die urspruenglich im Westen ansaessigen die Mehrheit bildeten.

Diese Mehrheit wurde noch dadurch gestuetzt, dass die Bevoelkerungsteile, die im Lande verblieben waren, sich mit den in mehreren Wellen Einwandernden neu vermischten. Wie ihre Vorgaenger, die Atlanter, zeichneten sie sich durch hohe Kenntnisse und Fertigkeit in der Verarbeitung von Metallen aus, was sich in vielen Funde in keltischen Graebern zeigt, wobei allerdings manchmal nicht klar ist, ob es sich um keltische Erzeugnisse oder um Stuecke aus der atlantischen Vergangenheit der Bronzezeit oder um griechische oder etruskische Beutestuecke handelt.

Im Laufe des sechsten Jahrhunderts v. Chr., als das Klima sich wieder nach warm-trocken aenderte, wanderten die Staemme, welche man dann spaeter "Kelten" nannte, wie auch ihre noerdlichen Nachbarn, die man dann spaeter "Germanen" nannte, wieder nach Europa ein und dehnten sich in alle bis dahin nur schwach besiedelten Gebiete aus. Ausser der Klimaaenderung koennen auch die politischen Verhaeltnisse in den bisherigen Siedlungsgebieten, zu denen vor allem der Bereich Vorderasiens gehoerte, der durch die rigorosen Umsiedlungsmassnahmen und Terroraktionen des Staates Assur betroffen war, ein Grund fuer die Rueckwanderung gewesen sein. Man entzog sich dem Terror durch Auswanderung und der Bevoelkerungsverlust fuehrte schliesslich zum Niedergang und zur Aufloesung des Staates Assur.

Im fuenften Jahrhundert v. Chr. erreichten die ersten Stämme Norditalien, wo sie auf die Etrusker trafen. Um 474 v. Chr. besiegten sie die Etrusker in der Naehe des Flusses Tessin und breiteten sich anschliessend in der norditalienischen Tiefebene aus.

Ihr Konflikt mit den Etruskern fuehrte zu deren Hilfeersuchen an Rom, das die Kelten sehr abschaetzig behandelte. Die erbosten Kelten besiegten die Roemer darauf in zwei Schlachten und eroberten und pluenderten anschliessend Rom. Dabei blieb nur der zur Festung augebaute Huegel des Kapitols in der Hand der Roemer. Von der Besetzung Roms mussten sich die Roemer durch Zahlung eines hohen Loesegelds frei kaufen.

 
So entstand auch hier eine Feindschaft "von Anfang an" und alle roemischen Schriftsteller, mit Ausnahme der keltischstaemmigen, berichteten in der Folgezeit von den Kelten nur sehr abfaellig und negativ. Unter diesem Aspekt muessen deshalb alle Berichte der Roemer ueber keltische Sitten und Einrichtungen gesehen und gewertet werden. Auch die Griechen hatten unter den Raubzuegen der Kelten zu leiden. Die Makedonier wurden besiegt und ebenso ein aus Aufgeboten der griechischen Stadtstaaten bestehendes Heer bei den Thermopylen. Danach pluenderten die Kelten den Tempel der Pythia bei Delphi, dessen Reichtum sie offenbar gelockt hatte.

Die hier eroberten Schaetze fanden die Roemer spaeter bei Toulouse. Auch in etlichen keltischen "Fuerstengraebern" fanden sich wertvolle Stuecke griechischer Herkunft, die sicher nicht alle durch friedlichen Handel erworben wurden. So erwarben sie sich auch bei den Griechen keine Sympathien und kamen in den Ruf von "Barbaren" was ihr Name "Keltoi" ,der dann spaeter ihr Volksnahme wurde, auf griechisch bedeutete.

Es soll hier nicht auf die langdauernden Auseinandersetzungen der Kelten mit den Roemern eingegangen werden, sie koennen in jedem besseren Geschichtsbuch nachgelesen werden. Schliesslich hatte Rom das gesamte keltische Siedlungsgebiet bis auf die Insel Irland und den noerdlichen Bereich der britischen Insel unter seine Gewalt gebracht und beherrschte es bis zur Einfuehrung des Christentums als Staatsreligion. Die nicht roemisch besetzten Gebiete blieben noch bis zum fuenften Jahrhundert ihrem alten Glauben treu. Dann verbreitete sich auch hier das Christentum. Gefoerdert wurde diese Ausbreitung durch ehemalige Priester der alten Religion, also Druiden, die das Christentum als eine Ihnen zusagende Religion erkannt hatten, die letztendlich auf ihren Lehren aufbaute und in der sie meinten , die ihnen vertrauten Ideen weiter vertreten zu koennen. Dies war ein Irrtum , der frueher oder später zu Konflikten mit den in anderen Teilen des roemischen Reiches , so in Alexandrien und Rom, ansaessigen kirchlichen Autoritaeten fuehren musste.
Wer waren nun eigentlich

die "Druiden"

. Ihr Name wird heute uebereinstimmend von "dru-vid" abgeleitet, was soviel wie " stark oder alles= dru" und "sehen=vid" (der lateinische Stamm von videre=sehen) bedeutet. Das heisst der Druide ist der, welcher alles sieht. Heute wuerde man ihn als einen hochgebildeten Menschen mit seherischen Faehigkeiten bezeichnen. Der Druide kann sowohl eine Frau wie ein Mann sein. Es gibt hier keinen Unterschied. Die Druiden fuehlten sich wie die alten Atlanter als Nachkommen der Goetter und als Hueter des von den Goettern erhaltenen Wissens.

Dieses Wissen durfte auf goettliche Anordnung nur an von den Druiden Auserwaehlte muendlich weitergegeben werden. Es musste also auswendig gelernt werden, was zu Ausbildungszeiten bis zu zwanzig Jahren fuehrte.Dies berichtet Caesar, der als Roemer und als gegen die Kelten kriegfuehrend nicht immer sehr zuverlaessig in seinen Aussagen ueber den Gegner war.

In den sechs bis sieben Jahrhunderten der Wanderung der atlantischen Staemme durch Europa und Asien unter oft sehr schwierigen Bedingungen war sicher der Stand der "Wissenden" sehr schwer aufrechtzuerhalten. Es ist sicher auch in dieser Zeit fuer die keltischen und germanischen Staemme vieles von dem naturwissenschaftlichen Wissen, das die Atlanter in Babylon und Indien zur Bluete brachten, als nicht so wichtig verlorengegangen, soweit es ueberhaupt auch diesen Staemmen bekannt war. Was nicht verlorenging, war das Wissen um religioese Dinge, um das Rechtswesen, um die Medizin, um die Geschichte und die "Literatur" des Volkes. Dinge die tagtaeglich von den Druiden abgefordert wurden und ihre Stellung in der Gemeinschaft ausmachten.

Was sind nun die wesentlichen Lehren und Gewohnheiten des druidischen und damit traditionell atlantischen Wissens?

Die Lehren:

1. Die menschliche Seele ist unzerstoerbar. Nach dem Tode geht sie in eine "Anderswelt" ein und kehrt daraus in einer Reinkarnation d. h. in einer Wiedergeburt in einem neuen Leben auf die Erde zurueck. Dieser Lehrsatz stimmt grundsaetzlich mit den in Indien ueberlieferten Lehren ueberein und kann damit als einheitliches atlantisches Erbe gelten.
2. Die Welt ist unzerstoerbar auch wenn voruebergehend Wasser oder Feuer die Oberhand gewinnen. Hier spricht die direkte Erfahrung aus zwei einschneidenden Ereignissen, naemlich den Meteoriteneinschlaegen von 1250 v. Chr. und von 8500 v. Chr. und der Wiederbelebung nach den Katastrophen mit und beweist, wie bewusst diese Ereignisse noch im Denken der Menschen waren.
3. Der Mensch besitzt einen freien Willen und ist weder von einer Erbsuende noch von einer Vorherbestimmung (Praedestination) in seinen Entscheidungen abhaengig. Er bestimmt allein, wie er sein Karma erfuellt.
Wie wir noch sehen werden, war in diesem Punkt der Konflikt mit der roemischen Kirche vorprogrammiert.
4. Fuer den Wissenden und des Erkennens Faehigen tut sich der goettliche Wille in Zeichen in der Natur kund. Es ist deshalb fuer diesen moeglich, mit grosser Wahrscheinlichkeit zukuenftige Ereignisse oder Entwicklungen voeherzusagen.

Die besonderen Gewohnheiten:

5. Die Druiden verehrten die Waelder und Haine und betrachteten sie als heilig. Ihre besondere Verehrung galt der Eiche. Die Mistel, die darauf waechst hatte eine besondere Bedeutung und wurde zu bestimmten Zeiten geschnitten. Die Unterrichtung der Druidenschueler fand bevorzugt in heiligen Hainen statt.
6. Die Druiden trafen sich an bestimmten Tagen an zentralen Versammlungsorten, die bevozugt in der Mitte des jeweiligen Siedlungsgebietes lagen, um gleiche Weglaenge fuer alle, die zur Versammlung kamen, zu geben. Dieser Ort wurde als heilig betrachtet und beim Eindringen fremder Heere besonders stark verteidigt.
7. Ihre Geschichtsueberlieferung war so gut ausgepraegt, dass die Druiden im Jahr 69 n. Chr. noch genau den Sieg der Kelten ueber die Roemer am 18. Juli 390/387 v. Chr. kannten.
8. Die Kelten bauten ueberwiegend kein Getreide an, sondern lebten von Milchprodukten und Fleisch aus der Rinderzucht.
9. Sie besassen eine Schrift, die Ogham - Schrift genannt wird und zur Aufzeichnung von Anordnungen und Gesetzen auf Steinen benutzt wurde. Dies entspricht einer in allen aus dem atlantischen Urvolk hervorgegangenen Voelkern verbreiteten Sitte, die von den Aegyptern ueber Hammurabi in Babylon, Aschoka in Indien bis zu Moses auf dem Berg Sinai reicht.
10. Sie betrieben eine Zahlenmystik in der die Zahl 3 eine besondere Bedeutung hatte. Weitere wichtige Zahlen waren die 5 , die 9 als 3x3 und die 33. Die 3 ging als Trinitaet oder Dreifaltigkeit auch in den Goetterhimmel der Kelten und spaeter in den der Christen ein.

Die Rolle der Frau.

Im Gegensatz zu den Kulturen der Griechen und Roemer hatte die Frau bei den Kelten wesentlich mehr Rechte. Sie konnte alle Berufe, auch den der Druidin, Herrscherin und Kaempferin ausueben. Aus der keltischen Geschichte gibt es dafuer viele beruehmte Beispiele so Macha Mong Ruadh (377-331 v. Chr.), Cartimandua (43-69 n. Chr.), Boadicea (um 61 n. Chr.), Chiomara (um 189 n. Chr.). Das irische Brehon Rechtssystem sah Frauen als Anwaeltinnen und Richterinnen ( z. B.: Brigh als beruehmte Brehon Richterin.)

Frauen konnten die fuerstliche und koenigliche Erbfolge antreten und damit die hoechste Autoritaet erlangen, obwohl die Regel die maennliche Erbfolge war.

Die Frau konnte Besitz erben und ihr gehoerte weiterhin jeder Besitz, den sie in die Ehe eingebracht hatte. Sie konnte bei Scheidung alles behalten, was ihr der Ehemann im Lauf der Ehe geschenkt hatte. Scheidungen waren sowohl von Seiten der Frau wie von der des Mannes moeglich. Wenn ein Mann sich "entehrt" hatte und in den untersten Stand absank, betraf dies nicht die Stellung seiner Gemahlin. Die Frau war nur fuer ihre eigenen Schulden verantwortlich, nicht fuer die des Mannes.

Ueber die

Goetterwelt der Kelten

wurde bereits im Kapitel "Die Kelten" ausfuehrlich berichtet. Hier soll deshalb nur noch spezifisch Inselkeltisches berichtet werden. Die Druiden der Inselkelten sahen die Goetter als ihre Vorfahren an, sie vertraten also noch die Meinung, die auch in atlantischer Zeit von den atlantischen Voelkern geaeussert wurde.

Besonderer Erwaehnung bedarf auch die Verehrung der Fluesse, die teilweise als Gottheit betrachtet wurden. So bei den Kelten die Donau , die der Muttergoettin Danu zugeordnet wurde. Im Sanskrit heisst "Dana" soviel wie "Himmelswasser". Der Wortstamm findet sich auch wieder im River Don in Durham und Yorkshire in England und dem Don in Schottland, Frankreich und Russland. Fuer die Druiden war das Flussufer stets ein Ort, wo sich Weisheit, Wissen und Weissagung offenbarten. Unbewusst wird dies auch noch vom Menschen von heute empfunden, denn die Flussufer sind ueberall, wo dieses moeglich ist, beliebte Orte fuer einen entspannenden und den Geist wiederbelebenden Spaziergang.

Ein weiterer Gott, der sich in vielen Bezeichnungen wiederfindet ist Bel. Sein Name ist auch Bile , was in heutigen Namen oft zu Bille wird, Belem oder Belenus. Er gab auch den" Belemniten", den "Donnerkeilen" den Namen , die sich als versteinerte Tintenfischreste in vielen Kalkgesteinen Europas finden. Er entspricht dem kanaanitischen Baal, der in der Bibel als der aeltere Gott der in Kanaan lebenden Menschen zu Jahve, dem Gott der Juden, mit Erfolg konkurrierend dargestellt wird. Nach Caesar gilt er als "Dis-pater" also als Stammvater der Kelten.

Auf die Neigung der Kelten, ihre Goetter als Dreieinigkeit oder Dreifaltigkeit zu verehren wurde schon hingewiesen. Dies scheint eine indoeuropaeische Tradition zu sein Bei den Hindus besteht die "Trimurti" aus Brahma, dem Schoepfer; Vishnu, dem Bewahrer, und Shiva, dem Zerstoerer. Bei den Griechen aus Zeus (Himmel), Poseidon (Meer) und Pluto (Unterwelt). Es gibt dort jeweils drei Schicksalsgoettinnen, drei Furien, drei Grazien, drei mal drei sybellinische Buecher, drei mal drei Musen. Der Mensch besteht aus der Dreiheit Koerper, Seele und Geist und die von ihm bewohnte Welt aus Erde , Meer und Luft.

Die Kelten sahen die Natur als tierisch, pflanzlich und mineralisch, die Kardinalfarben waren Rot, Gelb und Blau. Die Goetter wurden in dreifacher Form verehrt und die Trinitaet ging dann auch nach Vorarbeit durch die fruehen Kirchenvaeter und die Griechen durch einen gallischen Kelten, den Bischof von Tours, Hilarius (um 315-367) mit seinem Werk "De Trinitate" als Vater, Sohn und heiliger Geist in den christlichen Glauben ein.

Eine interessante Besonderheit der keltischen Tradition war die Schwurformel:" Wir werden Wort halten, es sei denn, der Himmel stuerze ein und zerschmettere uns, die Erde oeffne sich und verschlinge uns oder das Meer trete ueber seine Grenzen und ueberwaeltige uns". Auf eine Frage Alexanders des Grossen, was die Kelten fuerchteten, antworteten sie ernsthaft: "Wir fuerchten nur, dass der Himmel auf unsere Koepfe fallen wuerde", was Alexander zu der Meinung brachte, dass die Kelten eine extrem hohe Meinung von sich haetten. Dabei klingt in beiden Ausspruechen nur die bereits erwaehnte, im Volk auf Grund der gut ausgebildeten Ueberlieferungspraxis vorhandene Erinnerung an zwei erlebte "Weltuntergaenge" an, die alle Regeln und Schwuere hinfaellig gemacht hatten. Die traditionslosen Griechen wie auch die Roemer hatten im Gegensatz dazu hiervon nicht mehr die geringste Ahnung und betrachteten derartige Aussprueche als masslose Ueberheblichkeit und Grossmaeuligkeit.

Mit der Einfuehrung des Christentums verschwand das Verbot der Aufzeichnung von Texten und so ist ein grosser Teil des Wissens im 3. und 4. Jahrhundert noch in schriftlicher Form vorhanden gewesen. Diese Texte, sowie auch noch aeltere Aufzeichnungen in der Ogham-Schrift wurden aber in der nachfolgenden Zeit als "heidnisches Wissen " von uebereifrigen Christen verbrannt, sobald sie darauf stiessen. Trotzdem ueberlebte noch etliches und wurde in Sammlungen auch immer wieder herausgegeben, so im Leabhar Buidhe Lecain, im gelben Buch von Lecon, das um 1400 zusammengestellt wurde.

Nach der

Einfuehrung des Christentums

in Irland versuchten dann die ehemaligen Druiden, die jetzt Philosophen genannt wurden, ihre traditionellen Vorstellungen in die Lehre der Kirche einfliessen zu lassen. Sie fanden sich dabei in Uebereinstimmung mit der Lehre des griechischen Philosophen Pythagoras, der diese, wie auch den nach ihm benannten Lehrsatz der Mathematik, aus Persien von den dortigen Atlantern uebernommen und weiterentwickelt hatte. Es gibt dazu den Bericht des griechischen Historikers Strabo, der besagt, dass ein Druide namens Abaris zu Pythagoras nach Athen gereist sei um mit ihm zu disputieren und dabei einen hervorragenden Eindruck gemacht haette. Nach der urspruenglichen Quelle war Abaris dabei allerdings kein Kelte sondern ein "Hyperboreer", also Angehoeriger eines sagenhaftes Volkes bei den Griechen, das im Norden wohnte , wo Schnee und Eis herrschen. Dazu muss man sagen, dass die Griechen, im Gegensatz zu den Roemern, immer sehr schlecht ueber ihre noerdlichen Nachbarn informiert waren.

Sicher verbuergt aber ist der Streit, den der keltische Kirchenphilosoph Pelagius Brito ( um 354 bis 420) mit den Autoritaeten der roemischen Kirche fuehrte. Er reiste um 380 nach Rom und war entsetzt ueber die lose Moral der dortigen Christen. In aller Oeffentlichkeit machte er dafuer die Praedestinationslehre und die Doktrin, dass der Mensch seit dem Suendenfall Adams mit der Erbsuende befleckt sei, die beide vom damals lebenden Kirchenlehrer Augustinus in Schriften vertreten wurden, verantwortlich.

Der Streit in der Kirche ging lange hin und her. Die Kirche des Ostreichs uebernahm erst 431 die Verurteilung des "Pelagianismus".

Die Einflussnahme der keltischen Druiden auf die Grundlagen des Christentums lief also nicht immer erfolgreich. Mehr Erfolg hatten die Kelten bei der Bewahrung ihres noch aus atlantischer Zeit ueberkommenen

Rechtssystem

,das erheblich vom roemischen Recht abwich. Das irische Recht ist so der aelteste vollstaendig erhaltene Gesetzeskodex Europas.

Die Durchfuehrung des Gesetzes war urspruenglich den "fili", den Dichtern, einem Zweig der Druiden, anvertraut. Anlaesslich eines Streites unter den "fili" stellte sich heraus, dass diese so hochtrabend argumentierten, dass niemand, auch der Koenig nicht, sie verstand. Es wurde deshalb beschlossen, das Rechtswesen von den "fili" auf besondere Richter zu uebertragen und dass die Rechtsberufe allen offenstehen sollten, die dafuer die noetigen Voraussetzungen mitbrachten.

Darauf entstand eine neue Klasse von Richtern, die als Brehons bezeichnet wurden. Die Brehon- Gesetze sollten dazu dienen " das Unrecht im Volk gutzumachen und die Schwachen und Armen zu schuetzen".Die Richter sollten beim Urteilsspruch einen "fasach" einen Praezedenzfall oder eine Rechtsmaxime anfuehren. Jeder, der ein Urteil nicht anerkannte, wurde gesellschaftlich geaechtet und sollte " weder von Gott noch von Menschenhand bezahlt werden". Diese Aechtung oder das Ausstossen aus der Gesellschaft entsprach uralter atlantischer Tradition und stellte eine sehr harte Strafe dar, da ein Leben ohne Gemeinschaft in dieser Zeit praktisch nicht moeglich war. Dem Ausgestossenen blieb nur die Auswanderung, um woanders eine neue Gemeinschaft zu finden, die ihn aufnahm.

Im fuenften Jahrhundert , als christliche Vorstellungen in das roemische Recht eingearbeitet wurden, mussten auch die Brehon-Gesetze in diesem Sinne ueberarbeitet werden. Die Ueberarbeitung nahmen neun prominente Leute vor, von denen drei Christen waren.

Wie das Rechtswesen bildete auch die irische Geschichtsueberlieferung eine eigenstaendige Form, die bis in die atlantische Zeit zurueckreichte. Die altirische Form der Ueberlieferung der Historie bestand aus einem Gemisch von Prosa und Versen fuer die Dialoge. Die Verse waren auswendig gelernt und die Prosa wurde vom Vortragenden als verbindender Text sinngemaess hinzugefuegt. Das Versskelett sorgte dafuer, dass nicht zu weit von der Geschichte durch den Erzaehler abgewichen wurde. Auch aus den Veden Indiens und aus der Ilias Homers in Griechenland ist diese Form der alten Geschichtsbewahrung bekannt.

Der Historiker, genannt "ollamh" , musste nach dem Senchus Mor eine besondere Ausbildung in Chronologie, Synchronismus, Altertumskunde und Genealogie aufweisen. Er musste mindestens mindestens 350 historische Berichte und Liebeserzaehlungen auswendig koennen und auf Wunsch sofort rezitieren. Ausserdem musste er ueber Privilegien und Rechte des Hochkoenigs und saemtlicher Kleinkoenige genau Bescheid wissen. Wenn er diese Voraussetzungen nicht erfuellte, wurde er nicht als Berichterstatter zugelassen und war nicht zum Verkauf seiner Werke berechtigt.

Die Bezeichnung fuer den maennlichen Historiker war nun "Seanchai". Es bedeutet auch im heutigen Irisch noch "Bewahrer der Historie, Geschichtserzaehler".

Ceitinn beschreibt anhand einer viel aelteren Quelle die Aufgaben des Seanchai auch als die eines Kriegsberichterstatters: Jeder Hauptmann hatte eine Standarte mit eigenem Signum (eine atlantische Sitte, die in den Funden aus Lurestan deutlich wird), sodass der Seanchai, dessen Pflicht es war, den Haeptlingen zur Verfuegung zu stehen, wenn sie sich in die Schlacht stuerzten, jede Einheit erkennen konnte. Die Seanchai mussten die Leistungen der Kaempfer verfolgen, um spaeter einen Bericht von deren Grosstaten in der Schlacht geben zu koennen.

 
Aehnliches ist auch aus der atlantischen Tradition in der vedischen Zeit (1000 - 500 v. Chr.) Indiens bekannt. Es gab hier eine Klasse von Hofdichtern (sutas) , die auch Wagenlenker des Kriegers und sein inniger Freund waren und die Taten des Kriegers nach der Schlacht ruehmten.

In der Rigveda werden sie "marasani" , "Lob des Kriegers" genannt. In den irischen Sagen entsprechen Cuchulain und Loeg Mac Riangabra diesem Bild.

Eine aehnliche Erscheinung gibt es bei der irischen

Musik.

Klassische Autoren berichten, dass die Kelten Lyren, Trommeln, Pfeifen und andere Instrumente besassen. Auf Keramik ist eine Lyra abgebildet. Eine gut erhaltene Trompete wurde in der Grafschaft Armagh in Irland gefunden. Nach griechischen und roemischen Schriftstellern erfreuten sich Vokalmusik und Tanz grosser Beliebtheit. Tanzende Figuren finden sich auf Toepferwaren und als Bronzeabbildungen.

Die ersten Noten aus Irland stammen aus dem zwoelften Jahrhundert. Bis dahin hatte sich aber durch christlichen Einfluss viel veraendert.Man muss also auf die Volksmusik zurueckgehen, um einen Einblick in die Anfaenge zu bekommen. Musikwissenschaftler glauben in der Sean-nos Form des Gesangs, die sich vor allem in Conamara erhalten hat, Aehnlichkeiten mit der indischen Musik zu erkennen. Dies bezieht sich vor allem auf die Verzierungskunst des Gesangs.

Wie das irische Rechtssystem war auch das irische

Medizinsystem

hoch entwickelt und stand dem damals in Indien bekannten nur wenig nach. Wie auch aus Mitteleuropa schon in der Bronzezeit bekannt, gab es auch in Irland die Trepanation d.h. die Schaedeloperation nach im Kampf entstandenen Kopfverletzungen. Die Heilkraeuterkunde hatte einen hohen Stand und es sollen 365 Heilkraeuter bekannt gewesen sein. Die Chirurgie machte Transplantationen z.B.: eines Auges und ersetzte im Kampf verloren gegangene Haende durch silberne Prothesen oder durch Transplantation. Das erste irische Krankenhaus geht nach muendlich ueberlieferten Berichten auf die Koenigin Macha Mong Ruadh zurueck die 377 v. Chr. starb. Es gibt hier also aehnliche Daten fuer die ersten Krankenhaeuser wie sie aus Indien bekannt sind. Zu Beginn der christlichen Zeit gab es sie ueberall im Land .Sie waren zum Teil schon auf bestimmte Krankheiten spezialisiert (z.B.:Lepra). Im 8. und 9. Jahrhundert genossen die irischen Medizinschulen in Europa grosses Ansehen. Als dann das Rechtssystem kodifiziert wurde, gab es ein anspruchsvolles , fortschrittliches medizinisches System, das auf dem Traditionsgut der Druiden aufbaute.

Im Brehon Rechtssystem war allen Beduerftigen Krankenpflege garantiert, dazu zaehlten ausser der Heilbehandlung auch finanzielle Zuschuesse und nahrhafte Lebensmittel. Falls die Krankheit durch Einwirkung einer anderen Person entstanden war, musste diese fuer die Kosten aufkommen. Dies galt auch fuer "Arbeitgeber", denen man in diesem Fall "Profitgier" unterstellte. Die Aerzte trugen volle Verantwortung fuer die Behandlung eines Patienten und mussten im Fall der Fehlbehandlung Wiedergutmachung leisten. Jeder Arzt war verpflichtet vier Medizinstudenten auszubilden, was eine interne Kontrolle des Koennens der Aerzte ermoeglichte. Der zustaendige Clan hatte dafuer zu sorgen, dass jedem Arzt genuegend Zeit und Gelegenheit fuer die Weiterbildung gelassen wurde. Es gab regelrechte Arztfamilien, in denen der Beruf erblich war und das in Buechern niedergelegte Wissen vom Vater auf den Sohn vererbt wurde. Jede Region musste ueber ein Krankenhaus verfuegen fuer das genaue Vorschriften ueber Lage und Bauart bestanden . Es musste z.B.: an einem fliessenden Gewaesser liegen und vier Tueren haben.

Die besonderen Faehigkeiten der keltischen Druiden auf dem Gebiet der

Vorhersagen

wurden bereits erwaehnt. Wie die Etrusker benutzten sie hierfuer den Flug der Voegel oder sagten aus Eingeweiden von Opfertieren voraus. Auch Traumdeutungen wurden vorgenommen. Der Wahrheitsgehalt ist bei solchen Voraussagen bekanntermassen schwer nachzupruefen und gute Vorhersager fassten ihre Prophezeiungen oft so ab, dass sie eigentlich fuer jeden Ausgang zutrafen.

Nuetzlicher und zutreffender waren im Gegensatz dazu die Vorhersagen und Berechnungen der Astrologen der Kelten. Sie besassen einen Kalender, der auf das erste vorchristliche Jahrhundert datiert wird, moeglicherweise aber viel aelter ist und der Coligny-Kalender genannt wird. Er uebertrifft den julianischen Kalender, der zur Zeit Caesars in Rom eingefuehrt wurde, bei weitem an Genauigkeit. Er besteht aus einem Fuenfjahreszyklus in dem die Mondphasen mit dem Sonnenjahr uebereinstimmen. Es gibt 62 aufeinander folgende Monate von 29 oder 30 Naechten, denn bei den Kelten begann der Tag mit Einbruch der Nacht, also mit Sonnenuntergang. Dies erklaert wahrscheinlich auch warum die Versammlungsplaetze der Atlanter in der Bretagne alle nach Westen , zum Sonnenuntergang, ausgerichtet sind, und deutet darauf hin, dass dieser Kalender viel aelter ist. Ebenso die Tatsache, dass die Jahreszeiten in diesem fuenfjaehrigen Zyklus eine untergeordnete Rolle spielen. Wahrscheinlich lag das Siedlungsgebiet der Kalendererfinder in einem Bereich, wo die Jahreszeiten sich klimatisch wenig auswirkten und fuer das Leben keine bedeutende Rolle spielten. Das koennte beispielsweise fuer Nordafrika oder fuer das versunkene Atlantis I im mittleren Atlantik zutreffen.

Ein Zeitalter hatte 6 Zeitzyklen und damit nach unserem heutigen Verstaendnis 30 Jahre. Auch die Etrusker berechneten ihre Zeit nach Zeitaltern (saeculi). Eine Woche bestand fuer die Kelten aus 9 Naechten und der Monat aus drei Wochen. Der sich ergebende 27 naechtige Zyklus entspricht den 27 Konstellationen des Mondzodiakus, die sich in der indischen Mythologie als die 27 Sterngattinen von Soma, dem Mond darstellen. Der Mond spielte offenbar in der Kalendertechnik der sehr alten Zeit eine wichtigere Rolle als die Sonne. So wurden erwiesenermassen bei den alten Aegyptern und Sumerern die Jahre nicht nach der Sonne sondern nach dem Mondzyklus gerechnet und sind deshalb durch die Zahl 13 zu teilen um auf unsere Zeitrechnung zu kommen.

Die heutige Wissenschaft ist sich nicht schluessig, ob die Kelten ihr

astrologisches Wissen

von den Babyloniern bezogen. Wahrscheinlich ist, dass beide aus dem alten atlantischen Wissen schoepften und damit zwei aehnliche Zweige entwickelten. Schliesslich lebten die Kelten in einem Gebiet in dem sich die groessten und datenreichsten Steinsetzungen der Atlanter, wie Stonehenge, befinden und die mit ihnen verbundenen astrologischen Kenntnisse sind sicher ueber lange Zeit im Stil der muendlichen und spaeter schriftlichen Ueberlieferung der Druiden erhalten geblieben.

Es soll hier nicht noch weiter auf die astronomischen und astrologischen Kenntnisse der Kelten und speziell der Iren eingegangenn werden, weil es fast ein eigenes Thema ist. Fest steht jedenfalls, dass sowohl astronomische wie auch astrologische Kenntnisse in hohem Masse vorhanden waren und die Astrologie bis ins 14. Jahrhundert zur Auswahl geeigneter Zeitpunkte fuer besondere Unternehmungen benutzt wurde. Ab dieser Zeit vermischt sich dann die einheimische Astrologie mit der ueber die Araber importierten babylonischen, sodass der Ursprung nicht mehr eindeutig festzustellen ist. Auch

magische Faehigkeiten

wurden den Druiden in alten Geschichten nachgesagt. So konnten sie einen Nebel erzeugen der Staedte , Landschaften oder Menschen den Blicken der Feinde entzog. Sie konnten ihre Gestalt aendern und Menschen in Tiere verwandeln. Sie konnten einen "druidischen Schlaf" erzeugen, der einem hypnotischen Zustand aehnlich war, worauf die Menschen die Wahrheit enthuellten. Sie besassen auch den "Trank des Vergessens" unter dessen Wirkung die Menschen ihre engsten Freunde und Geliebten vergassen. Diese Faehigkeiten imponieren uns heute nicht mehr. Unsere moderne Technik und Medizin vollbringt da mehr, beachtlich ist jedoch, dass auch dieses Gebiet, mit dem man damals wie heute viel Eindruck machen kann, schon in hohem Masse beherrscht wurde.

Zusammenfassend kann man daher sagen, dass bei den Kelten und speziell bei denen , die ungestoert auf den Inseln lebten, erstaunlich viel von dem Wissen der alten atlantischen Hochkultur erhalten geblieben ist und bis in unsere Zeit, trotz aller Zerstoerungsversuche, ueberliefert wurde.

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Lesen Sie hierzu, umfassend und uebersichtlich dargestellt :

DIE GESCHICHTE VON ATLANTIS, der vergessene Ursprung unserer Kultur
von Karl Juergen Hepke
TRIGA-DER VERLAG, 2.Aufl. 2008, Hardcover, 268 Seiten, Eur 22,00 , ISBN 978-3-89774-539-1

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