Die Kelten (8c,31a)

 

Die Kelten sind nicht, wie oft beschrieben, eine mythische "Volksrasse", die aus den Nebeln vergangener Epochen emporgestiegen ist, um den Menschen der heutigen Zeit Raetsel aufzugeben. Vielmehr tragen sie die Erfahrung unzaehliger Wanderungen und Kaempfe der verschiedensten Volksstaemme oestlicher und westlicher Herkunft in sich. Betrachten wir also ihre Entstehung: Ihre Geschichte beginnt sowohl im atlantischen Bereich wie auch im vorderindischen, iranischen und kaukasischen Bereich liegenden Gebieten, also dem was bisher als das Ursprungsgebiet der Indoeuropaeischen Voelker betrachtet wird. Woher diese nun kamen wurde in den Kapiteln über die atlantische Wanderung bereits dargestellt.

 
Von Kelten koennen wir von dem Punkt an sprechen, als im Laufe der Wanderung nach Westen die Individualisierung der verschiedenen Kulturstaemme, wie der Kelten, Germanen, Slawen und der verschiedenen Mittelmeerkulturen, einsetzte. Man kann wohl davon ausgehen, dass von einigen der einwandernden Volksstaemme bevorzugt wieder die Gebiete besiedelt wurden, von denen ihre Vorfahren einst bei der atlantischen Wanderung nach Osten aufgebrochen waren. Andere, ueberwiegend oestlicher Herkunft, orientierten sich vorwiegend nach ihnen zusagenden klimatischen und landschaftlichen Gegebenheiten.

Der Weg

Nachdem Eis und Kaelte, "der unsichtbare Feind" der Ueberlieferung, sich ab etwa 600 v. Chr.aus den westlichen Ländern zurueckgezogen hatten, machten sich verschiedene Staemme auf, das nur noch sehr duenn besiedelte Land im Westen in Besitz zu nehmen. Waehrend jene Staemme, die eine noerdliche Route einschlugen, spaeter unter dem Begriff "Germanen" zusammengefasst wurden, erhielten die Staemme, welche nach Westen und Suedwesten zogen, die Bezeichnung "Kelten". Dieser Name leitet sich ab vom griechischen "Keltoi". Ein anderer von den Griechen verwendeter Name war "Galatai" was sich bei den Roemern dann in "Galli" verwandelte.

Dies war wohl der im Mittelmeeraum am haeufigsten verwendete Volksnahme. Er findet sich in der Geschichte und in Landschaftsbezeichnungen der einstigen oder heutigen Siedlungsgebiete noch heute in Westeuropa, Vorderasien und Nordafrika wieder. Dazu zaehlen zum Beispiel Galizien (In Nordspanien und in Suedpolen), Galilaea und das aus der Bibel bekannte Land der Galater in der westlichen Tuerkei . Fuer die Griechen und Roemer, die anfangs unter ihren Landsuchzuegen zu leiden hatten waren sie "Barbaren", was woertlich genommen werden kannn, denn sie zeichneten sich zur Zeit ihrer Wanderungen durch stattliche Baerte aus. Die einzelnen Staemme beeinflussten bei ihrem Zug durch den noerdlichen Mittelmeerbereich die Kulturen des Balkan, der Alpengebiete, Frankreichs, Spaniens, der Britischen Inseln und vermischten sich mit diesen.

Die Begegnungen

Auf ihrem Weg zu den endgueltigen Siedlungsgebieten hinterliessen sie in den Mythen der verschiedensten Voelker ihre Spuren, ebenso wie diese in den Keltischen Mythen Einzug hielten. So lebten sie in der Griechischen Geschichte als "Streitaxtleute" fort, spaeter fanden sie sich als "letzter Zug aus Troja", auf die sich die "Soehne des Mile" berufen. Spaniens Mythen sprechen von einem Kriegerstamm aus dem Osten kommend, der das Land von einer Tyrannei befreit haben soll. Das reichste Mythenmaterial entstand jedoch bei der Besiedlung der Britischen Inseln, dabei sind wohl vor allem die "Fomorain", die "Thuatha de Danan" und die "Picti und Ur-"Scoti" zu nennen.

Die neue Heimat

Die Keltischen Gruppen, die sich schon auf dem Festland niederließen, also die Ostkelten des Balkans, die Lepontischen und Helvetischen Gruppen sowie die Hispano-Kelten verschmolzen recht schnell mit anderen Staemmen zu eigenstaendigen Kulturen. Die Gallier ließen sich nach der Niederlage durch Caesar bei Alesia schnell romanisieren, die Bretonen allerdings, nach denen die Bretagne benannt ist, behielten ihre Eigenstaendigkeit teils bis heute bei.

Die Inselkelten,

Hierunter fallen die Gaelen Irlands und Schottlands, die Cymrer und Cornen in Wales, die Picten Schottlands, der Orkneys und Irlands und die Bretonen, die ein auf die Insel uebergesetzter Teil der Bretonen sind, vor langer Zeit dem Druck nachfolgender Staemme nachgebend, eben diese Inselkelten fuehrten ihre Kultur weitgehend unbeeinflusst von aussen in die heute bekannte Hochkultur fort. Die geographische Lage isolierte naemlich diese Regionen von den grossen Veraenderungen auf dem Festland, so kamen Auslaeufer des roemischen Reiches nur bis in Bretonisches Gebiet. Erst lange Zeit spaeter, mit den Angeln und Sachsen in Britannien und dann den Wikingern und Normannen auch in den anderen Regionen, bis Irland hinein, erfuhr die keltische Kultur auf den Inseln wieder neue Einfluesse von aussen.

Die Druiden

Es ist nicht leicht ueber Druiden brauchbares Material zu finden. Es steht leider nicht sehr viel geschrieben ueber die keltischen Priester, eines ist aber klar, das Leben und Wirken der Druiden ist geheimnisvoll und raetselhaft. Sie waren Kundige der Magie, der Medizin, Naturwissenschaft, Dichtkunst, der Politik, Philosophie, Musik (Barden) usw. Je tiefer man in die Welt des Druidentums einzudringen versucht, desto staerker scheint sie sich unseren Augen zu verschließen. Der Mangel an verlaesslichen Dokumenten laesst nur eine Betrachtung von aussen zu. Berichte in Cesars "De bello gallico" und griechischer und roemischer Philosophen (Diodor, Pytheas) sind zwar eine umfangreiche Fundgrube, natuerlich aber als objektive Quelle umstritten. Man weiss viel zu wenig über diese raetselhafte "Priesterkaste". Welches Geheimnis gaben sie in ihrem dunklen Refugium inmitten der keltischen Waelder in zwanzigjaehrigem Unterricht von Generation zu Generation weiter?

Mit dem Wort "Druiden" (8c) werden heute zumeist alte Maenner mit langen weissen Haaren und Baerten assoziiert. Von solchen Vorstellungen ist natuerlich Abstand zu nehmen. Bei der Betrachtung der keltischen Hierarchie zeigen sich Siedler, Krieger, Haendler, dann die Clansfuehrer und Koenige und eben die Druiden, weisen Frauen und Barden und Poeten. Der "Beruf" des Druiden war also nichts Besonderes, sondern einer unter vielen, eine Betaetigung auf einem bestimmten Aufgabengebiet. Allerdings auf einem Aufgabengebiet, das viele Bereiche umfasste: Gesetzeshueter, Berater, Zeremonienmeister, Priester, Landschaftspfleger, Tier- und Pflanzensachkundiger, Seher, Chronist, Schiedsrichter, Lehrer, Geschichtenerzaehler und vieles andere. Durch diese vielfaeltigen Arbeitsgebiete konnte wiederum der Grundsatz, dass jeder das tue, was er am besten kann, eingebracht werden, und so wurde der einzelne Druide je nach Neigung speziell ausgebildet. Damit gliederten sich auch die Druiden in die "Gesellschaft von Spezialisten" ein.

Druide zu werden war Berufung: Der amtierende Druide sah sich die Jungmannen eines Dorfes oder Landstriches an und erkundigte sich ueber sie. Nach Eignung waehlte er dann einen von ihnen als Schueler. So uebertrug sich das gehuetete Wissen von Generation zu Generation und wuchs mit der Erfahrung jedes einzelnen Druiden. Diese Tradition durfte nur muendlich weitergegeben werden um eine Profanisierung des Wissens zu verhindern und Macht und Ansehen des Druidenstandes zu schuetzen.

Die Bezeichnung Druide stammt von dem lat. Wortstamm Videre = sehen, wissen. Dru ist der altkeltische Superlativ und heißt kräftig, stark. Frei übersetzt bedeutet Druide: Der, welcher alles sehen kann.

Die politische Funktion der Druiden

Die Druiden erfuellten auch politische und juristische Aufgaben. In allen Streitfragen mussten sie entscheiden, bei Verbrechen und Mord, Erbauseinandersetzungen und Grenzkonflikten. Sie setzten die Strafen fest, und wer sich ihnen nicht unterworfen hat, wurde von der Teilnahme an den Staatskulten ausgeschlossen. Diese Exkommunikation hatte eine allgemeine Aechtung zur Folge.

Ohne die Druiden durfte kein Koenig etwas unternehmen oder entscheiden, so dass in Wahrheit sie regierten. Die Kaiser Tiberius und Claudius verboten zwar die Druiden (aus politischen und humanitaeren Gründen, s.u.) doch haben sie noch im Civilisaufstand 69/70 n. Chr. eine Rolle gespielt und Rom den Untergang prophezeit.

Menschenopfer

Die Druiden waren zustaendig für die in der Antike allgemein ueblichen Tieropfer, oft werden die Druiden aber in Zusammenhang mit Menschenopfer gebracht. Sie glaubten, dass die Goetter Leben nur um Leben gaeben und darum Opfer forderten. Vorzugsweise dienten Verbrecher und Gefangene dazu, doch nahm man wohl in Notlagen auch Unschuldige. Es wird berichtet über riesige Goetterbilder aus Weidengeflecht, die mit Menschen gefuellt und dann angezuendet wurden. Diese Menschenopfer waren auch mit sakralem Kannibalismus verbunden. Inwieweit diese Berichte, welche aus roemischen Quellen stammen, richtig sind ist unklar. Wahrscheinlich handelt es sich um eins der im Umgang mit fremden Voelkern ueblichen Schauermaerchen, von denen auch unsere Zeit nicht frei ist. Archaeologische Funde bestaetigen den keltischen Opferbrauch allerdings. Menschenknochen haben sich in Opfergruben von Viereckschanzen gefunden. In Ribemont-sur-Ancre im Departement Somme wurde ein 150 mal 180 messender Kultplatz aus dem spaeten 3 Jahrhundert n. Chr. ausgegraben, wo die Gebeine von etwa tausend geopferten Jugendlichen aufgeschichtet entdeckt wurden.

Abgeschlagene Menschenkoepfe waren begehrte Kriegstrophaeen. Mit ihnen schmueckte man Tempel, Stadttore und Hauseingaenge, so wie die Jaeger heute noch die Koepfe der erlegten Hirsche und Eber aufhaengen.

Menschenopfer waren bei fast allen fruehen Voelkern Sitte, wurden aber im Zuge der Zivilisation abgeschafft. Das oeffentliche Bewusstsein sperrte sich mehr und mehr dagegen. Die letzten Menschenopfer in Europa werden bei Adam von Bremen aus dem 11. Jahrhundert von den heidnischen Schweden in Uppsala gemeldet.

Der wichtigste Zugang zum Geisteserbe unserer keltischen Vorfahren ist die britannische Ueberlieferung, die uns die Grundlagen keltischen Denkens und eine Vielzahl mythischer Erfahrungen übermittelt, die sie mit der keltischen Tradition des europäischen gemeinsam hat – oft bis in kleinste Details. Die Gottheiten der Inselkelten weichen aber von denen der kontinentalen Ueberlieferung ganz erheblich ab. Hier beschreiben wir die von rein keltisch orientierten Heiden weniger beachteten Gottheiten der kontinentalen Tradition, die in Oesterreich verehrt wurden, und vergleichen sie mit den germanischen Gottheiten.

Die 374 Goetter der Kelten

 
Die Unterschiede zwischen insularer und kontinentaler Tradition erklaeren sich dadurch, daß die keltischen Seher sehr genau auf die regionalen Verschiedenheiten der Natur achteten, mit der die Goetter eins sind und in denen sie sich auch verschieden zeigen. Daher riefen sie die Goetter unter zahllosen – bekannt sind 374 – Namen an, von denen die Mehrzahl regional verschiedene Erscheinungsformen derselben Gottheiten bezeichnen und in der Roemerzeit oft gemeinsam mit den Hauptnamen genannt wurden, z.B. "Mars Teutates Latobius" für den mit Mars, dem Stammesgott der Roemer, gleichgesetzten Teutates als Stammesgott der Kaerntner Latobiker. Eine Inschrift aus Seggau nennt ihn sogar "Mars Latobius Marmogenius Toutates Sinates Mogetius".

Zudem drueckten die Druiden Geheimnis und Unendlichkeit des Goettlichen durch groesstmoegliche mythische Vielfalt, Vielschichtigkeit und Vieldeutigkeit aus. Jede keltische Gottheit hat daher eine Vielzahl von Gestalten, die oft in Dreiheiten verbunden sind, oft aber auch allein stehen. Das macht ein „systematisches” Verstaendnis nach roemischem Vorbild unmoeglich: Allein fuer den roemischen Mars finden sich auf Inschriften 69 verschiedene keltische Entsprechungen.

Teutates, Taran und Esus

Der meistgenannte „Mars” ist Teutates, der „goettliche Vater” (Teu-tates) oder „Stammesvater” (Teuto-tates), den Caesar wohl meinte, als er schrieb, die Gallier stammten von „Dis pater” ab, dem roemischen Ahnengott. Er wurde auch mit Jupiter verglichen und bildete laut antiken Autoren zusammen mit dem Donnergott Taran oder Taranis und dem Fruchtbarkeitsgott Esus die Trias der Hauptgoetter Galliens und anderer keltischer Laender, die ebenfalls "Gallia" genannt wurden (z.B. das keltische Oberitalien "Gallia cisalpina"). Die Verehrung der drei Hauptgoetter ist auch in Oesterreich durch Inschriften aus der Roemerzeit bezeugt.

Teutates koennen wir dann, wenn sein Name von Teu-tates kommt, mit Tyr vergleichen, in seiner hauptsaechlichen Verehrung als Stammesvater (Teuto-tates) entspricht er aber Odin. Teutates heisst in Irland Ollathair, „Allvater”. Als weiterer „irischer Teutates” gilt Donn, ein Totengott, denn der Stamm wurzelt in den toten Ahnen. Im selben Sinn ist auch Odin Stammes- und Totengott. Teutates und Odin werden deshalb auch mit dem roemischen Begleiter ins Totenreich, Merkur, gleichgesetzt. Die heiligen Tiere des Teutates sind das Pferd (wie bei Odin), und der Widder oder die Widderkopfschlange, die auch durch S-Spiralen symbolisiert wird.

Wenn so Teutates am besten mit Odin vergleichbar ist, so entspricht Taran eindeutig Thor: Er ist ein Donnerer, Beschuetzer des Volkes und Krieger, der wie Teutates mit Mars und Jupiter gleichgesetzt wurde. Jupiter ist auch die roemische Entsprechung Thors/Donars, denn der Jupiter-Tag ist der Donnerstag (engl. Thursday). Taran ist der „Radgott” keltischer Altaere (wie in Ansfelden, OOe) und damit auch eng mit dem Rad der Jahreszeiten verbunden. Wie Teutates ist auch Taran das Pferd heilig.

Ueber Esus streiten sich die Gelehrten. Da er als Bauer dargestellt wird und die Trias der Goetter offenbar der dreigliedrigen keltisch-germanischen Sozialordnung entspricht, ist er am ehesten als Gott des Naehrstands zu sehen, der um Fruchtbarkeit und Erfolg angerufen wurde und somit ein keltischer Freyr ist – der baeuerliche neben dem „wilden” Cernunnos, der aber auch manche Zuege Odins trägt. Mit Freyr verbindet Esus auch sein heiliges Tier, der Eber. Von den Pflanzen ist ihm die Mistel geweiht.

Die keltischen Goettinnen

Die Goettinnen sind im keltischen Mythos und Kult bedeutender als im germanischen. Ihre Verehrung schließt viel direkter an die vor indoeuropaeische Tradition der Grossen Goettin an, ihre Mythen berichten deutlicher von der Macht der Goettinnen als Schoepferinnen, Magierinnen, Herrscherinnen der Anderswelt und spirituelle Fuehrerinnen, von denen Helden und Goetter in die Geheimnisse des Universums eingeweiht werden. Dieser Groesse der keltischen Goettinnen entspricht am ehesten die umfassende Wesensart, mit der die germanischen Mythen Freyja beschreiben. In ihrer Macht über das Schicksal gleichen sie Frigg und den Nornen, in keltisch-germanischen Mischgebieten zeigen sie sich oft nach keltischer Tradition als Dreiheit mit germanischen Namen wie die Matronen. Die Urgestalt der keltischen Goettinnen ist die Mutter Erde, sie sind aber zugleich auch wie Frigg und Freyja himmlische Goettinnen.

Rigantona oder Rigani ist der kontinentalkeltische Name der Grossen Goettin, der im Kymrischen zu Rhiannon wurde. Er bedeutet woertlich "goettliche Koenigin". In der roemischen Interpretation wird sie mit Minerva gleichgesetzt, wohl weil beide Heilerinnen und Schutzgottheiten der Staedte bzw. der politischen Ordnung sind. Rigantona ist die geheimnisvolle Frau britannischer Mythen, die einen Kandidaten zum Koenig erwaehlt, in anderer Erscheinungsform die Landesgoettin, die in Oesterreich Noreia hieß und mit Ostara identisch ist. Wie im Kapitel über Ostara beschrieben, ist sie auch mit der Goettin der Donau verbunden, die im irischen Mythos die Mutter der Goetter ist, die Tuatha Dé Danann, Volk der Goettin Danu, heißen. Rigantona erscheint auch als "Weisse Frau" oder als Reiterin auf einer weissen oder grauen Stute wie Rhiannon. Die "Weisse Goettin" inspiriert die Dichter und wird daher auch mit der irischen Brigid gleichgesetzt, die festlandkeltisch Brigantia hieß und der Stadt Bregenz den Namen gab.

Epona ist die Goettin der Pferde, deren Name "Pferdegoettin" oder "goettliche Stute" bedeutet. Da die oesterreichischen Kelten beruehmte Pferdezuechter waren (die Rasse der Noriker geht auf ihre antiken Zuechtungen zurueck), wurde Epona viel verehrt. Keltische und germanische Kavalleristen in roemischen Diensten verbreiteten ihren Kult im ganzen Imperium, und schließlich wurde Epona als einzige Gottheit eines noerdlichen "Barbarenvolkes" auch von roemischen Adeligen verehrt. Reiter und Zuechter riefen sie nach Inschriften und Weihereliefs mehr oder weniger ausschließlich als Schuetzerin der Pferde und besonders der Fohlen an, doch Epona ist auch allgemein eine Goettin der Fruchtbarkeit und des Wachstums und gerade durch ihre Beziehung zum Pferd, das seit jeher als Totemtier und Krafttier schamanischer Faehigkeiten heilig ist, eine Goettin der Anderswelt und Fuehrerin ins Jenseits und zur Wiedergeburt. Ein druidisches Raetsel nennt sie die Tochter eines gewissen Furius Stellus – "roter Stern", also Mars = Teutates und einer weissen Stute – der Grossen Goettin Rigantona als Andersweltherrin. Epona ist also auch die Tochter des hoechsten Goetterpaares und damit die Grosse Goettin selbst in ihrer Jugendgestalt.

Cernunnos, der Gehoernte Gott

Von den maennlichen Gottheiten erscheint vor allem Cernunnos, der hirschhoernige Gott des Waldes, wie die Goettin als Andersweltbote den Menschen, die im Wald nach Wissen, einem Weg oder auch nach Nahrung suchen. In der Wicca-Tradition wird Cernunnos als der Gehoernte Gott verehrt, der Begleiter und Mitschoepfer der Grossen Goettin, der von den Christen im woertlichen Sinn "verteufelt" wurde. Cernunnos ist ein Gott der schoepferischen Naturkraefte, der Fruchtbarkeit und Zeugungskraft und daher mit Freyr vergleichbar, der ebenfalls den Hirsch als eines seiner heiligen Tiere hat. Als Waldgott steht er in innigster Beziehung zur Weisheit, die vom Wald kommt, und zum Symbol erdentstammter Weisheit, der Widderkopfschlange, die auch Teutates geweiht ist. So hat er auch Eigenschaften von Odin. Er verkoerpert nicht zuletzt die Heiligkeit der freien Natur, die Freiheit der Wildnis und eine „wilde” menschliche Freiheit. Nach dem mythischen Begleiter von Herne the Hunter, wie Cernunnos in England heißt, nannte sich ein berühmter Freiheitsheld Robin Hood.

Andere keltische Gottheiten in Oesterreich

Cernunnos war sicherlich auch gemeint, wenn oesterreichische Kelten Weihesteine für Silvanus setzten, denn das ist der roemische Waldgott. Weniger zu den Goettern als zu Naturgeistern von der Art der Alben gehört der Genius Cucullatus, der nach dem heimischen keltischen Kapuzenmantel benannt ist und sich Reisenden und Bergleuten mit diesem Mantel bekleidet zeigt. In der Volksüberlieferung ist er das "Pechmandl" oder "Kasermandl". Auch andere Naturgeister, von denen die Volkstradition berichtet, wurden zweifellos schon von den Kelten wahrgenommen, so z.B. die Sailgen, deren Name keltisch ist. Die Verehrung anderer Gottheiten ist nur durch Einzelfunde belegt. Eine Bronzestatuette aus Wels (OOe) war dem aus Frankreich bekannten Tarvus Trigaranus geweiht, der als Stier mit drei Hoernern dargestellt wurde. Er ist ebenso raetselhaft wie Iovenat, für den ein Weihestein in Globasnitz (Unterkaernten) gefunden wurde, und der am Ulrichsberg verehrte Casuontanus, der aber in enger Beziehung zu Noreia steht und daher vielleicht der Stammesgott Teutates unter einem regionalen Beinamen ist. Besser bekannt ist Grannus, der ein Heiligtum in Spittal an der Drau hatte. Er ist ein auch in Gallien bekannter Heilgott, dessen Name mit der Sonne zu tun hat.

Deutlicher als in der Goetterwelt und ihren Namen und Funktionen drueckt sich in den

Festtagen der Kelten

ihr atlantisches Erbe aus. Offenbar haben Festtage ein wesentlich staerkeres Beharrungsvermoegen als die mit ihnen verbundenen Goetter oder Ereignisse. So ist es auch zu erklaeren, dass selbst die christliche Kirche diese Festtage wieder uebernommen hat, wobei allerdings die offiziellen Inhalte veraendert wurden, was die Menschen aber nicht daran hindert, die alten Inhalte bis in unsere Zeit zu pflegen.

Das wohl unheimlichste aber auch eindrucksvollste Fest ist

Samhain, das Totenfest

, in der Nacht zum ersten November. Zu dieser Zeit ist die Trennung von der Welt der Toten am wenigsten ausgepraegt und oft wie die Welt ,die im Nebel liegt, verschwimmend. Die Seelen der Verstorbenen treten in Verbindung zu den Lebenden und erfuellen sie mit Furcht oder Vertrauen. Die Menschen hoehlen Kuerbisse aus, schneiden erschreckende Gesichter hinein (das hoechste druidische Symbol für Schutz) und beleuchten es von innen mit einer Kerze um unerwuenschte Seelen abzuschrecken. In keltisch bestimmten Ländern wird das Fest noch heute als Halloween begangen. Von der christlichen Kirche wurde es als "Allerseelen" uebernommen.

Das naechste alte atlantische Fest, das in vielen megalithischen Steinsetzungen dokumentiert ist und von den Kelten weiterhin gefeiert wurde, ist die Wintersonnenwende am 21. Dezember,

das Julfest.

Es ist der Geburtstag des Sonnengottes, der jetzt wieder an Kraft gewinnt. Es wird durch Feuer oder durch viel Licht in Form von Kerzen oder Fackeln gefeiert. Im Verlauf werden alle Kerzen oder Lichter geloescht und neu entzuendet. Haus und Hof werden durch Räucherwerk gereinigt. Die christliche Kirche hat es als "Weihnachten" (ein Name, der die alte Bedeutung beinhaltet) uebernommen und die Geburt Jesu, die geschichtlich im Fruehjahr lag, hierher verlegt.

Das naechste Fest ist

Imbolc

, das Fest der Reinigung und der Fruchtbarkeit am 1. Februar. Es ist das Fest zwischen der Wiedergeburt des Lichts und der Manifestation des Lebens an sich. Die Tage werden laenger man kann auf Kerzenlicht verzichten. "Imbolc" bedeutet "im Schosse". Das neue Leben ruht noch im Schosse der Erde, beginnt aber schon sich zu zeigen. Der Saft steigt in die Baeume, Schoesslinge werden geschnitten und in die Erde gesteckt. Es ist das Neujahrsfest im aegyptischen und mesopotamischen Kulturkreis und damit der Anfang des Jahres nach altem Kalender. In China beginnt noch heute hier das neue Jahr. Das Fest wurde als "Lichtmess" von der christlichen Kirche übernommen..

Es folgt im Reigen der Feste die Fruehlings- Tagundnachtgleiche. Auch sie ist in Steinsetzungen aus atlantischer Zeit dokumentiert. Bei den Kelten ist es

das Vogelfest

, man geht hinaus und haelt nach Zugvoegeln Ausschau. Werden sie gesichtet so wird gefeiert und geschmaust. Seine Symbole sind Hasen, Schwalben und Eier, die noch heute mit Ostern verbunden werden. Es ist in atlantischer Zeit das Fest der Ostara oder Aschera oder Astarte, wie sie im Osten genannt wird, der Goettin der Liebe und der Fruchtbarkeit. Es ist das Fest der Wiedergeburt der Natur aus dem Todesschlaf des Winters. Zum Osterfest geschoepftes Wasser hat heilende und kraeftigende Wirkung.

Es folgt jetzt ein Fest, das nicht von der christlichen Kirche uebernommen , sondern im Gegenteil wegen der hier praktizierten Zuegellosigkeit verurteilt wurde. Es ist das Fest

Beltane

, das in der Nacht zum ersten Mai gefeiert wurde und heute noch, abseits von kirchlichen Veranstaltungen vielerorts als "Tanz in den Mai" gefeiert wird. Bei den Kelten ist es das Fest des Feuers und der Blumen. In atlantischer Zeit war es das erste grosse Maifest bei der sich das ganze Volk "Bei den Steinen" einfand und von den Priestern feierliche Opferriten vollbracht wurden, die dann spaeter in ein allgemeines Geschmause und ein Fest der Liebe, bei dem nackt oder halbnackt getanzt wurde, ausarteten. Beltane ist der Uebergang vom Fruehling zum Sommer und heisst soviel wie "leuchtendes Feuer" oder "Feuer des Bel". Es ist das Fest der Reinigung (Feuer) und der Fruchtbarkeit, die Zeit der Staerke und Reife. Bel oder Belenos ist der Keltische Lichtgott, in seinen Urspruengen ist er aber der kanaanitische Baal, der "Herr" der in der naturorientierten Welt der Kelten zum Sonnengott wurde. Von der christlichen Kirche wurde das Fest zur "Walpurgisnacht" degradiert und erklaert, dass in dieser Nacht die Hexen und die Teufel miteinander tanzen. Man hoffte offenbar, so das "heidnische" Freudenfest töten zu koennen,was aber offenbar nur bedingt gelang.

Die nun folgende

Sommersonnenwende

hat in den nordischen Laendern viel vom Beltane-Fest uebernommen. Die Braeuche des Feuers und der Liebe, auf die man offenbar nicht verzichten wollte wurden in gemaessigter Form hierher verlagert. Auch bei den Kelten war es in Anlehnung an den Gang der Sonne ein Fest des Feuers. Noch heute werden feurige Raeder über die Haenge hinabgerollt und Fackeln als Sonnensymbol im Kreis geschwungen. Zur "Reinigung" springen die Paare gemeinsam durch das Feuer.

Im Jahreskreis folgt

Lughnasad

, das Fest der Fruchtbarkeit und der Getreideernte, das zwischen dem ersten und dem 15. August gefeiert wurde. Es ist das erste der Dankfeste für eine gute Ernte und dem goettlichen Kind Mabon geweiht, das in die Unterwelt hinuntersteigt um wiedergeboren zu werden. Hier findet sich im keltischen noch die atlantische oder kanaanitische Tradition , wie sie in den Mythen von Ugarit niedergeschrieben ist. Der Gott hiess hier Molk oder Moth und anlaesslich des Festes wurden Kinder geopfert. Diese Mythen und Bedeutungen waren der christlichen Kirche unheimlich und sie machten so aus dem keltischen Erntefest Lughnasad einen Unglueckstag an dem Luzifer in die Hoelle gestürzt wurde.

Wie Beltane wurde dieses Fest wegen Nichtvereinbarkeit mit christlichen Moral- und Glaubensvorstellungen verurteilt und bekaempft. Die Bauern mussten sehen, wie sie ihre Braeuche auf Erntefeste mit unverfaenglichen Inhalten uebertrugen. Da sich aber zeigte, dass ein zu grosser Abstand zum naechsten Fest bestand, legte die katholische Kirche auf den 15. August das Fest "Maria Himmelfahrt". Aus der Fahrt in die Unterwelt wurde eine Aufnahme in den Himmel und da mit Jesus schon die einzige Verkoerperung Gottes vor Pfingsten in den Himmel aufgestiegen war, wurde Maria, die inzwischen zur Himmelskoenigin erhoben worden war, dieses Fest zugeschrieben.
Den Menschen war es gleich. Fuer sie war es wichtig, dass es zu dieser Zeit einen Festtag gab, an dem sich nach der Tradition die Familien treffen konnten.

Aus all diesem ist zu ersehen , dass, wenn man von den Festtagen einmal absieht, die einst relativ klare Goetterwelt der Atlanter , wie sie noch in den Funden von Ugarit sich wiederspiegelt, zur Zeit der Kelten sehr stark von Naturgottheiten, ihren Eigenschaften und Faehigkeiten durchsetzt ist. Es spiegelt sich darin das Leben von Jahrhunderten in der Auseinandersetzung mit einer oft unfreundlichen Natur und die daraus resultierende Abhaengigkeit für Leib und Leben. Aber auch die Vermischung mit relativ unkultivierten Naturvoelkern hat sicher zu dieser Veraenderung des Goetterhimmels beigetragen. Immerhin sind die Hauptgottheiten der atlantischen Zeit noch zu erkennen. Odin als der Allmaechtige alles Erschaffende "EL". Bel oder Belenus als der "Herr" Baal mit den Donnerkeilen. Ostara als die Goettin der Fruchtbarkeit Aschera oder Astarte und Donn als der Gott des Todes "Molk" oder "Moth".

(Grundinformationen ueber die Kelten und ihre Festtage nach http://www.celticspirit.de , Copyright dort)

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Lesen Sie hierzu, umfassend und uebersichtlich dargestellt :

DIE GESCHICHTE VON ATLANTIS, der vergessene Ursprung unserer Kultur
von Karl Juergen Hepke
TRIGA-DER VERLAG, 2.Aufl. 2008, Hardcover, 268 Seiten, Eur 22,00 , ISBN 978-3-89774-539-1

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