Jesus von Nazareth (7c,12c)

von Karl Juergen Hepke

Von Jesus wissen wir im wesentlichen aus den Evangelien. Ausserchristliche Hinweise in Palaestina auf seine Existenz sind selten und werden durchweg von der modernen Bibelkritik als nicht zuverlaessig bezeichnet. Es bleiben Erwaehnungen in roemischen Schriftstuecken, in denen zum Beispiel angefragt wird, wie man sich den Christen gegenueber verhalten soll. Dazu gehoert ein Brief des Plinius an Kaiser Trajan um 110 n. Chr. Im Jahr 115 n. Chr. gab Tacitus eine Schilderung der Christenverfolgungen von 64 n. Chr.. Die gleichen Verfolgungen erwaehnt Suetonus ( um 125 n. Chr. ) mit dem Hinweis, dass unter Kaiser Claudius (um 52. n. Chr.) die Juden unter ihrem "Anfuehrer Chrestos" aus Rom ausgewiesen wurden, weil sie bestaendig Unruhe stifteten. Mitte des ersten Jahrhunderts nach Christus nahm ein Nichtchrist namens Thallus Stellung zu der "unnatuerlichen Erscheinung der Finsternis bei Christi Tod" und behauptete , sie haette natuerliche Ursachen gehabt. Die Existenz Christi wurde dabei nicht in Frage gestellt. Auch alle anderen Gegner und Bekaempfer des Christentums bezweifelten damals nie die Existenz von Christus.

 
Als aeltestes Evangelium gilt das des Markus. Es wird auf 65 bis 70 n. Chr. datiert. Vorher existierte offenbar schon eine Sammlung der Aussprueche Christi, die "Logia", die bei der Abfassung des Evangeliums verwendet wurde. Da in dieser Zeit noch Menschen lebten, die Christus persoenlich erlebt hatten oder Schueler solcher Menschen waren, gilt es als unwahrscheinlich, dass es wesentlich von den tatsaechlichen Geschehnissen abweicht.

Das Mathaeus Evangelium wird auf 85 - 90 n. Chr. datiert. Mathaeus wollte offenbar Juden von Christus ueberzeugen, deshalb legte er grossen Wert auf die durch ihn vollbrachten "Wunder" und versuchte immer wieder zu beweisen, dass viele Prophezeiungen des alten Testaments ihre Erfuellung in Christus gefunden haetten. Es ist von einem echten Missionsgeist erfuellt und gilt wegen seiner ergreifenden Darstellungen als Meisterwerk der Weltliteratur.

Das Lukas Evangelium, dessen Entstehung zwischen 90 - 100 n. Chr. angenommen wird , wendet sich dagegen mehr an Nichtjuden. Lukas selbst war wahrscheinlich Nichtjude und ein Freund von Paulus. Er gilt als wahrscheinlicher Verfasser der Apostelgeschichte. Er verwendet viel von Markus und Mathaeus oder schoepft aus einer nicht mehr vorhandenen Quelle, die gleichfalls von Markus oder Mathaeus verwendet wurde. Lukas verarbeitet dieses Material mit literarischem Geschick, so dass sein Evangelium fuer viele als das schoenste gilt.

Das vierte Evangelium, das des Johannes, ist schon nicht mehr eine Beschreibung von Jesu Leben, sondern sieht Christus bereits vom theologischen Standpunkt als Verkoerperung des Logos, Schoepfers der Welt und Erloesers der Menschheit. Zu den drei anderen steht es in zahlreichen Einzelheiten und in der Darstellung Christi im Widerspruch. Der stellenweise gnostische Charakter des Werkes und der Wert, der auf metaphysische Gedankengaenge gelegt wird, hat Zweifel aufkommen lassen, ob es sich bei dem Verfasser tatsaechlich um den Apostel Johannes handelt und die Entstehung in das Ende des ersten Jahrhunderts datiert werden kann. Andererseits ist es nicht auszuschliessen, dass dieser Apostel Johannes ein gebildeter Mann war, der Jesu Leben in seiner Sicht darstellen wollte.

Allen Evangelien ist gemeinsam, dass die aeltesten ueberlieferten Manuskripte erst aus dem dritten Jahrhundert stammen und deshalb zwei Jahrhunderte lang den Fehlern, moeglichen Veraenderungen und gutgemeinten Ergaenzungen durch die Abschreiber ausgesetzt waren. Die aelteste Erwaehnung des Vorhandenseins von Evangelien findet sich bei Papias um 135 n. Chr., der erwaehnt, dass ein "Johannes der Aeltere" gesagt habe, Markus haette ein Evangelium nach den Erinnerungen des Petrus geschrieben und Mathaeus haette die "Logia", die urspruenglich offenbar in aramaeisch, der Sprache Jesu, ueberliefert waren, in hebraeisch umgeschrieben.

Soviel zu den Quellen, jetzt zu ihrem Inhalt:
Mathaeus und Lukas setzen Jesu Geburt zur Zeit des Koenigs Herodes an. Sie muss also vor 3 v. Chr.liegen. Lukas sagt, dass Jesus ungefaehr 30 Jahre alt war, als er sich im fuenfzehnten Jahr der Herrschaft von Kaiser Tiberius, das heisst 28-29 n. Chr. taufen liess. Als weitere Zeitorientierung ist die durch Augustus angeordnete Schaetzung, zu der sich Josef nach Bethlehem begeben musste, anzusehen. Im interessanten Zeitbereich gab es zwei Schaetzungen. Eine unter Saturnius 8-7 v. Chr. und eine unter Cyrenius 6-7 n. Chr. Cyrenius war von 6-12 n. Chr. Legat in Syrien. Ob er vorher den Posten des "Landpflegers in Syrien " , den Lukas erwaehnt, innehatte, ist nicht bekannt. Insofern hilft diese Zeitangabe wenig bei der Festlegung des Geburtsjahres. Es bleibt Herodes und Tiberius und damit das Geburtsjahr Jesu etwa im Jahr 3 oder 4 v. Chr.

Aehnlich verhaelt es sich mit dem Geburtstag. Um 200 n. Chr. wurden dafuer von Clemens von Alexandrien drei moegliche Daten genannt. Der 19. April, der 20. Mai und der 17. November. Als Geburtsjahr nennt er 3. v. Chr. Im zweiten Jahrhundert feierten die oestlichen Christen Jesu Geburt am 6. Januar. Ab 354 n. Chr. begannen einige westliche Kirchen, darunter die roemische, den Geburtstag am 25. Dezember zu feiern. Dies war bereits der Hauptfeiertag des Mithraskultes, galt als Wintersonnenwende und hatte damit uralte heidnische Festtagstradition. Im vierten Jahrhundert schlossen sich die oestlichen Kirchen diesem Datum an. Heute hat sich die Meinung durchgesetzt, dass Jesus im Jahr 4 v. Chr. im Maerz oder April im Sternbild Widder geboren ist. Sein Auftreten, seine Handlungsweise und seine Entscheidungen weisen ihn ziemlich eindeutig als Widdertyp aus. Geboren ist er nach Lukas und Mathaeus in Bethlehem, der Stadt Davids, auf einer Reise in die Geburtsstadt seines Vaters, der dort zur Schaetzung erscheinen musste.

Die Stadt, in der er aufwuchs und lebte war Nazareth in Galilaea. Seine Mutter war Galilaeerin, sein Vater Jude. Er hatte eine Reihe von Geschwistern, vier Brueder und eine nicht genannte Zahl von Schwestern. Der Vater verdiente sein Geld als Zimmermann und es ist anzunehmen, dass auch Jesus traditionsgemaess diesen Beruf erlernte. Sehr frueh zeichnete er sich durch Verstand und weise Reden aus, so dass seine Umwelt sich fragte, woher er dieses Wissen und Auftreten hatte. Seiner Mutter war das garnicht recht. In der politisch brisanten Zeit konnten eigenstaendige Gedanken und Reden, verbunden mit dem ungestuemen Widdertemperament, sehr schnell in den Untergang fuehren, was dann ja auch geschah.

Die Geschichten um die Geburt im Stall, die Anbetung der Hirten und der heiligen drei Koenige, der Kindermord von Bethlehem und die Flucht nach Aegypten entstammen zum Teil apokryphen, also nicht in die Bibel aufgenommenen Evangelien, obwohl gerade fuer den Aufenthalt in Aegypten in den ersten Jugendjahren wegen der politisch turbulenten Zeit sehr viel spricht. Die jungfraeuliche Geburt wird weder von Johannes noch von Paulus erwaehnt. Mathaeus und Lukas nennen sie zwar, fuehren andererseits aber voneinander abweichende Stammbaeume auf, die Josef als Vater voraussetzen. Man kann deshalb wohl davon ausgehen, dass die jungfraeuliche Geburt eine spaetere Hinzufuegung ist, um fuer einfache Gemueter auch auf der koerperlichen Ebene Jesus als Sohn Gottes erscheinen zu lassen.

Als Jesus acht Tage alt war, wurde er beschnitten. Sonst ist ueber seine Jugend nichts bekannt. Er wird sie mit dem Kennenlernen seiner baeuerlichen und handwerklichen Umwelt verbracht haben, die in seinen Reden spaeter haeufig vorkommt. Die Erzaehlung, wie er als Zwoelfjaehriger im Tempel die Schriftgelehrten befragte, ist durchaus glaubhaft und kennzeichnet sein Interesse und seine Wissbegier an Dingen, die ueber den normalen Alltag hinausgingen. Er besuchte die Synagoge, las die Schriften der Propheten und die Psalmen, die sich tief in sein Gedaechtnis einpraegten. Vielleicht kannte er auch die Buecher Daniel und Henoch. Viele seiner spaeteren Gedanken zum Messias, zum juengsten Gericht und zum kommenden Reich Gottes deuten darauf hin.

Die Geisteswelt und die politischen und religioesen Spannungen der Zeit, in der er aufwuchs, wurden bereits in den Kapiteln ueber die Geschichte Judaeas in seiner Zeit und ueber Jesus als spaeter Nachkomme der Atlanter dargestellt. Im Stil der Zeit und befangen in der Geisteswelt der Assyrer und Babylonier glaubte man an Magie und Zauberei, Daemonen und Engel, Besessenheit von boesen Geistern und ihre Austreibung, an Wunderheilungen, Prophetie und Astrologie. Auf den Reisen, die jedes Jahr zum Passahfest nach Jerusalem unternommen wurden, hoerte Jesus als sehr Interessierter sicher auch von den Essenern und lernte die politischen Probleme des Landes kennen. So bildete sich allmaehlich in dem jungen Mann eine eigene Meinung von der Welt, in die er hineingestellt worden war.

Das besondere Ereignis, das ihn schliesslich selbst zum Lehrer werden liess, war die Begegnung mit Johannes dem Taeufer, dem Sohn der Elisabeth, der Base seiner Mutter Maria. Dieser war etwa gleich alt wie Jesus, und fuehrte das asketische Leben der Essener. Er taufte die Menschen durch Untertauchen im Jordan als Symbol fuer die Laeuterung und Befreiung von den Suenden. Ein Brauch, der in Indien als Bad im Ganges heute noch lebendig ist. Man kann daraus sehen, wie eng die galilaeische Geisteswelt, auf Grund ihrer gemeinsamen Herkunft aus der atlantischen , damals noch mit der indischen verknuepft war. Denn der Glaube an die Heilung und Laeuterung durch das Wasser stammt eindeutig aus der atlantischen Welt mit ihren heiligen Wassern, Teichen und Quellen.

Johannes verband die Taufe mit einer Warnung vor Heuchelei und schlechtem Lebenswandel, verwies auf das juengste Gericht und verkuendete die Naehe des Reiches Gottes. Sobald ganz Judaea bereut habe und von Suenden frei sei staende dem Kommen des Messias und dem Gottesreich nichts mehr im Wege.

Jesus liess sich taufen und bekundete damit, dass er die Lehren des Johannes richtig fand. Er selbst taufte aber nicht, lebte auch nicht als Asket, sondern suchte die Gesellschaft der Menschen, um ihnen seine Lehren vor Ort nahe zu bringen. Das Schicksal des Johannes, der kurz nachdem sich Jesus hatte taufen lassen von Herodes Antipas, dem Herrscher in Galilaea ins Gefaengnis geworfen und spaeter enthauptet wurde, muss Jesus tief getroffen und bewegt haben.

Denn kurz nachdem Johannes eingekerkert wurde, nahm er dessen Werk auf und predigte jetzt selbst vom Nahen des Gottesreiches. Er "kam wieder in des Geistes Kraft nach Galilaea" sagt Lukas "und er lehrte in den Schulen" und weiter "aller Augen, die in der Schule waren, sahen auf ihn und sie gaben alle Zeugnis von Ihm und wunderten sich der holdseligen Worte, die von seinem Munde gingen." Als bekannt wurde, dass Johannes hingerichtet worden war, sah Jesus , welche Gefahr mit der neuen Aufgabe verbunden war. Er hielt sich deshalb zunaechst in kleinen Ortschaften auf und vermied jedes Gespraech ueber Politik, begann dann aber immer mutiger das Evangelium der Reue, des Glaubens und der Erloesung zu verkuendigen. Viele Zuhoerer hielten ihn deshalb fuer den wiederauferstandenen Johannes und es ist nach heutigem Wissen ueber die Wanderung der Seele durchaus nicht auzuschliessen, dass die Seele des Johannes in Jesus weiterwirkte, so wie die Seele Jesu spaeter als "heiliger Geist" in den Aposteln weiterwirkte.

Im Laufe der Zeit wurde er in seinen Aeusserungen immer radikaler und zeigte sich als echter Widder. Wer sich seiner Vision nicht anschloss wurde streng verurteilt. Unglaube war unverzeihlich. Den Reichen billigte er nicht zu, dass ihnen" beim Braten in der Hoelle von mitleidigen Armen die Zunge gekuehlt" wird. Er sagt zwar:"Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet" verflucht andererseits aber die Menschen und die Staedte, die sein Evangelium nicht annehmen wollen. Alles in allem entspricht er mehr dem Bild eines eifrigen juedischen Propheten als dem eines griechischen Weisen. Einen guten Teil dieses stellenweise radikalen Verhaltens, das eigentlich garnicht zu der von ihm verkuendeten Lehre passt, muss man sicher seiner Jugend und relativen Unerfahrenheit zu Gute halten. Denn er fing nahezu aus dem Stand heraus an zu predigen, ohne jede Vorlaufs- und Einuebungszeit und ohne dass ein erfahrener Lehrer sein Ungestuem bremste. Sicherlich hat er nicht damit gerechnet , dass seine Reden und sein Verhalten einmal Gegenstand eines Buches wuerden, das fuer Milliarden von Menschen zur Grundlage des Glaubens wurde.

Trotz dieser Maengel, oder vielleicht gerade deshalb, war er ein sehr liebenswerter und auch gutaussehender Mann. Er uebte eine hohe Anziehungskraft auf Maenner und auch auf Frauen aus. Auch Frauen, die in der damaligen Gesellschaft wie Ausgestossene behandelt wurden, wie die "Ehebrecherin" und die "Suenderin" (wahrscheinlich eine Prostituierte) spuerten seine mitfuehlende Besorgnis fuer ihre Probleme und dankten ihm mit hoher Verehrung.

Im Gegensatz zu den Propheten, Essenern und Johannes dem Taeufer war er kein Asket, sorgte fuer reichlich Wein, verkehrte mit Suendern und Zoellnern und nahm Maria Magdalena in seinen engeren Kreis auf. Da er sah, dass seine Lehren bei den Reichen nicht auf fruchtbaren Boden fielen, wandte er sich den Armen und Unterdrueckten zu, von denen es ueberall reichlich gab.

Sein Verstand war wach und klar, er besass ein scharfes Auffassungsvermoegen, ein gutes Gedaechtnis und eine klare Zielgerichtetheit. Nur seine Gefuehlsintensitaet spielte ihm hin und wieder einen Streich und war der Grund fuer seine Selbstueberschaetzung, die ihm schliesslich zum Verhaengnis wurde. Andererseits vermittelte sie ihm starke Seelenkraefte, die seine "Wunderheilungen" moeglich machten. Nach diesen "Heilungen" war er vollstaendig erschoepft, verbot wohl auch deshalb seinen Juengern damit Werbung zu machen und tadelte sie, wenn sie ein "Zeichen" von ihm verlangten. Sein Kummer war, dass seine Apostel zum guten Teil wegen dieser "Wunder" und nicht wegen seiner Lehre an ihn glaubten.

Dies lag natuerlich auch daran, dass es sich bei ihnen um urspruenglich einfache Menschen handelte. Die Brueder Andreas und Petrus waren vorher Fischer am See Genezareth. Andreas war vorher schon Juenger von Johannes dem Taeufer gewesen und besass deshalb etwas mehr Vorwissen. Auch Jakobus und Johannes waren Fischer. Mathaeus war Zolleinnehmer im Dienste Roms und deshalb bei den Juden nicht angesehen. Judas Ischariot war der einzige Juenger der nicht aus Galilaea stammte. Man koennte annehmen, dass er von Anfang an ein Spitzel war, der eingeschleust wurde, um das Verhalten Jesu immer unter Kontrolle zu haben. Er war anscheinend einer der intelligentesten und faehigsten in der Schar, denn ihm wurde die Verwaltung des gemeinsamen Besitzes aller uebertragen. Der Kreis der zwoelf engsten Vertauten wurde durch 72 weitere Maenner ergaenzt, von denen jeweils zwei in die Ortschaften vorausgeschickt wurden, die auf der Wanderroute lagen. Nach Anordnung Jesu durften sie "keine Beutel noch Tasche noch Schuhe" tragen um als Arme und Hilfsbeduerftige zu erscheinen und damit Zuwendung und Gastfreundschaft freundlicher Menschen hervorzurufen.

Auf Jesu Lehre und ihre Auslegung soll hier nicht weiter eingegangen werden. Sie kann in den Evangelien nachgelesen werden und Auslegungen dazu gibt es mehr als genug. Jedem Interessierten kann nur empfohlen werden, aus seinem Verstaendnis sich selbst eine Meinung zu bilden, um nicht in Gefahr zu kommen, in irgend eine Richtung gedraengt zu werden.

Mit Ausnahme der Essener widersetzten sich alle Sekten und juedischen Glaubensgruppen seiner Lehre. Man nahm vor allem Anstoss an dem Recht, Suenden zu vergeben, das Jesus sich nahm und an seiner Behauptung, im Namen Gottes zu sprechen. Dies ist verstaendlich und wuerde heute auch nicht anders sein. Vor allem von den Tempelpriestern und dem Aeltestenrat wurde seine Taetigkeit mit Misstrauen betrachtet, weil man befuerchtete, dass es sich bei seiner Gruppe um eine verkappte politische Organisation handelte, die gegen die roemische Besatzungsmacht gerichtet war. Man hatte schon zu oft derartige Dinge erlebt und kannte nur zu gut die drastischen Gegenmassnahmen der Roemer, die Stadt und Land verheerend trafen.

Als Jesus immer deutlicher verkuendete, er sei der Messias, wurde die Situation hochbrisant. Der Messias war nach allgemeinem Verstaendnis derjenige, der die Juden aus der roemischen Knechtschaft befreien wuerde und damit war der Tatbestand des politischen Angriffs gegen die Besatzungsmacht gegeben. Auch die, die seinen Lehren und seinem Verhalten bisher wohlwollend gegenuebergestanden hatten, und dazu gehoerten auch etliche Pharisaeer, wechselten nun ins Lager seiner Gegner. Der Einzug nach Jerusalem am Montag vor seinem Tode setzte dem ganzen die Krone auf und zeigte, wie politisch gefaehrlich dieser Mann war. Jesus liess sich als"Koenig von Israel" von seinen Juengern begruessen und als einige Pharisaeer ihn aufforderten, diese Begruessung zu tadeln, antwortete er:"Wo diese werden schweigen, so werden die Steine schreien." Damit hatte er sich selbst als politische Brandfackel gekennzeichnet und zwang den Aeltestenrat, massiv gegen ihn vorzugehen um Schlimmeres fuer Stadt und Land zu verhindern.

Doch Jesus gab sich nicht mit dieser Provokation zufrieden. Am Tag nach seiner Ankunft begab er sich in den Tempel und war entsetzt ueber den Laerm und die Geschaeftemacherei in den Vorhoefen des Tempels, wo die Geldwechsler ihre Staende hatten. Der Tempel war schliesslich auch Nationalbank und damit der Zentralsitz der juedischen Geldwirtschaft. Der Landbewohner Jesus hatte entweder davon keine Ahnung, was eigentlich unwahrscheinlich ist, da er jedes Jahr zum Passahfest mit seinen Eltern den Tempel besucht hatte, oder wollte ganz bewusst provozieren. Jedenfalls warfen er und seine Anhaenger die Tische der Geldwechsler und Taubenhaendler um, zerstreuten die Muenzen auf dem Boden und trieben die Haendler mit Schlaegen und Peitschenhieben aus dem Tempelhof. Darauf lehrte Jesus mehrere Tage ungestoert im Tempel, begab sich aber nachts aus der Stadt hinaus auf den Oelberg, da er befuerchtete, ermordet oder verhaftet zu werden.

Waehrenddessen hatte der Hohepriester den Aeltestenrat einberufen und die grosse Mehrheit befand, dass Jesus eindeutig zu einer politischen Gefahr fuer das ganze Volk geworden war. Es wurde beschlossen, ihn gefangenzusetzen und seinen Tod zu fordern. Dabei lag der Ausspruch des Hohepriesters zu Grunde:"Es ist besser, ein Mensch sterbe fuer das Volk, denn dass er das ganze Volk verderbe." Das weitere war dann nur noch Routine. Der Aufenthaltsort Jesu und seiner Juenger wurde vom Spitzel Judas Ischariot verraten. Jesus wurde durch eine Abteilung der Tempelpolizei gefangengenommen und vor den Hohepriester gebracht, wo sich bereits ein Teil des Aeltestenrats befand.

Zeugen sagten gegen Jesus aus. Unter anderem wurde der Ausspruch Jesu," er werde den Tempel zerstoeren" berichtet und als belastend gewertet. Den Ausschlag aber gab die Antwort Jesu auf die Frage des Hohepriesters Kaiphas ob er "Christus, der Sohn des Hochgelobten " sei. Jesus antwortete:" Ich bins." Dies wurde von den Anwesenden als eindeutige Gotteslaesterung gewertet, auf die nach juedischem Gesetz die Todesstrafe stand. Damit hatte Jesus zwar nicht nach politischem sondern nur nach Glaubensrecht sein Leben verwirkt. Es musste nun noch das Einverstaendnis der politischen Macht eingeholt werden.

Der Prokurator Pontius Pilatus war ein hartherziger Mann, der spaeter wegen Erpressung und Grausamkeit angeklagt und seines Amtes enthoben wurde. In Jesus konnte er jedoch keine Gefahr fuer den roemischen Staat sehen. Gemaess dem Text des Matheus Evangeliums fragte er Jesus halb belustigt:"Bist du der Juden Koenig?" Und Jesus soll geantwortet haben :"Du sagst es:"

Damit hatte er sich selbst des Hochverrats bekannt und konnte nur noch zum Tod durch Kreuzigung verurteilt werden. Pontius Pilatus sprach innerlich widerstrebend das Todesurteil aus. Immerhin wurde Jesus die normalerweise vorhergehende Strafe der Auspeitschung, die oft nur einen halbtoten verstuemmelten Menschen uebrigliess, erlassen. Die Dornenkrone, welche die roemischen Soldaten ihm uebermuetig aufsetzten, um ihren Spass zu haben, war dagegen vergleichsweise harmlos.

Jesus wurde damit eindeutig nicht wegen seiner Lehren oder seiner "Gotteslaesterungen" sondern als Revolutionaer hingerichtet. An das Kreuz hefteten die Soldaten Roms die Inschrift:
Iesus Nazarenus Rex Judaeorum (Jesus aus Nazareth, Koenig der Juden).

Als Jesus den Huegel Golgatha, auf dem er gekreuzigt werden sollte, hinaufstieg "folgte ein grosser Haufe Volks und Weiber, die beklagten und beweinten ihn." Es war offensichtlich, dass ein grosser Teil desw juedischen Volkes nicht mit seiner Verurteilung einverstanden war.

Das weitere ist bekannt oder kann in den Evangelien nachgelesen werden. Interessant ist noch, was nach der Grablegung geschah. Zwei "fromme und einflussreiche Juden" hatten sich bei Pilatus die Erlaubnis geholt, Jesus zu bestatten. Sie nahmen ihn vom Kreuz, balsamierten ihn mit Myrhe und Aloe und legten ihn in ein Felsengrab. Dies geschah erst, nachdem der diensthabende Centurio den Tod Jesu, der durch einen Soldaten mit einem Lanzenstich ueberprueft worden war, gegenueber Pilatus bestaetigt hatte. Am tatsaechlichen Tod Jesu duerfte deshalb eigentlich kein Zweifel bestehen.

Als zwei Tage spaeter Maria Magdalena mit zwei anderen Frauen das Grab aufsuchte fanden sie es leer. "Mit Furcht und grosser Freude" eilten sie zu den Juengern um ihnen dieses zu berichten. Unterwegs trafen sie jemanden, den sie fuer Jesus hielten "sie griffen an seine Fuesse und fielen vor ihm nieder". Ihre Erregung teilte sich den Juengern mit, denn die Vorstellung, dass Jesus auferstanden und damit das groesste aller von ihm vollbrachten Wunder geschehen sei, wurde als der ueberzeugenste Beweis angesehen, dass er tatsaechlich Gottes Sohn und der Messias sei. Am selben Tag erschien Jesus nach dem Bericht der Bibel zwei Juengern auf dem Weg nach Emmaus. Er sprach mit ihnen, ass mit ihnen, aber sie erkannten ihn erst, als er das Brot nahm, dankte, es brach und es ihnen gab. Dann verschwand er vor ihnen.

Die Juenger kehrten, als weiter nichts geschah, noch immer zweifelnd nach Galilea zurueck. Beim Fischfang meinten sie Jesus am Ufer stehen zu sehen und fingen anschliessend eine Unmenge von Fischen. Die Apostelgeschichte berichtet noch, dass Jesus 40 Tage nachdem Maria Magdalena ihn gesehen zu haben glaubte leiblich in den Himmel aufgefahren ist. Dies kann man wohl bereits der Geschichte zurechnen, die spaeter aus Jesu Leben und Sterben gemacht wurde um eine unangreifbare Basis fuer eine neue Religion zu schaffen und ist damit Gegenstand eines anderen Kapitels.

Als ungeklaerte Tatsache bleibt das leere Grab. Waere Jesus nicht tot gewesen und durch Bestechung noch lebend vom Kreuz genommen worden, waere er sicher dauerhaft zurueckgekehrt um sein abgebrochenes Werk fortzusetzen. Das leere Grab ist deshalb wahrscheinlich den Roemern oder den "einflussreichen" Juden zuzuschreiben, die den Leichnam beseitigten um ihn nicht zum Gegenstand der Verehrung und damit zum neuen Mittelpunkt der fuehrerlosen Juengerschar werden zu lassen. Fuer diese Handlungsweise gibt es in der Geschichte eine ganze Reihe Vorbilder und gerade die Roemer waren geradezu versessen darauf, alle Spuren ihrer Gegner zu vernichten.

Und die Erscheinungen Jesu nach seinem Tod ?
Auch heute noch gibt es immer wieder Menschen, die kurz vorher Verstorbene als koerperliche Erscheinung kurzzeitig wahrnehmen. Diese Erscheinungen sind zuverlaessig verbuergt und keine "Spinnerei", obwohl in unserer rationalen Zeit die Menschen, die sie erleben, oft an sich selber zweifeln und sich deshalb scheuen, derartige Erlebnisse weiterzuerzaehlen.

Sie erklaeren sich durch die Seele, die nach dem Tode noch eine gewisse Zeit auf der Erde verbleibt und dabei den Menschen erscheinen kann, zu denen sie im Leben eine besonders enge Beziehung hatte. Um sich zu erkennen zu geben, muss sie dabei kurzzeitig den Eindruck des koerperlichen Vorhandenseins erwecken. Fuer Andere als die Betroffenen ist die Erscheinung nicht wahrnehmbar. Eine der beruehmtesten dieser Erscheinungen ist die, welche der Apostel Paulus vor Damaskus erlebte und die seine Wandlung vom Verfolger Christi zu seinem Verkuender bewirkte. Dies ist aber bereits Gegenstand des naechsten Kapitels, das sich mit der Fortsetzung der Taetigkeit Christi durch die Apostel befasst.

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