Die Anfaenge der Menschheit im Iran und in Mesopotamien (33,35)

von Karl Juergen Hepke

Das iranische Hochland, dessen besondere Lage durchaus mit der Iberiens verglichen werden kann und das auch sonst , wie wir sehen werden , aehnliche Zuege aufweist, laesst sich mit einer Haengebruecke vergleichen, die im Osten im Pamir verankert ist und dessen westlicher Pfeiler das Bergland von Armenien bildet. Im Suedwesten und Sueden wird das iranische Bassin durch die vom armenischen Bergland suedoestlich verlaufenden Gebirgsketten des Zagros gegen Mesopotamien hin begrenzt. Seine Ketten folgen dann den Uferzonen des persischen Golfes, bis sie auf die westlichen Auslaeufer der Soliman-Dagh Ketten treffen, welche, den suediranischen Randbergen ausweichend , nach Nordwesten umbiegen und sich im Zentrum des iranischen Hochlandes verlieren, nachdem sie dieses in zwei Teile geteilt haben. Aehnlich wie vom iberischen Hochland kann man also von ihm sagen, dass es ringsum von Gebirgen umschlossen und damit weitgehend gegen die umgebenden Gebiete abgeriegelt ist. Damit stellt es ebenfalls eine Art Insel dar.

 

Die geschichtliche Rolle dieses Hochlandes besteht unter anderem darin, dass es in alter Zeit ein Durchgangsland und der Warenumschlagplatz fuer den Verkehr und den Handel war, nur dass dieser hier zwischen dem Mittelmeerraum und Zentralasien stattfand , waehrend Iberien zwischen Afrika und Europa vermittelte. An der Nordostecke , wo die Steppen an die Auslaeufer des Pamir stoßen, liegen die Paesse, ueber die, aus dem fernsten Osten kommend, die Karawanen zogen. Es muendet hier der uralte Weg, der spaeter als "Seidenstraße" bezeichnet wurde. Jener uralte Weg, der seinen Ausgang in der nordchinesischen Ebene nimmt und einerseits bis Istanbul, andererseits durch das Tor von Asien bei Susa in die mesopotamische Ebene und weiter an die syrisch palaestinensische Kueste fuehrt.

Seine besondere geographische Lage brachte es mit sich, dass das Hochland von Iran selbst zu einem kulturellen Zentrum wurde, dessen Ausstrahlungen vom westlichsten Mittelmeergebiet bis nach Nordchina spuerbar sind. So gelangte, nach der geltenden geschichtlichen Vorstellung, der im Iran beheimatete Mithra-Kult durch roemische Legionaere bis Grossbritanien und die iranische Lehre des Mani, der Manichaeismus, findet sich sowohl in den Glaubensvorstellungen der suedfranzoesischen Albigenser , wie auch in Ostturkestan und Nordchina. Wie wir noch sehen werden, kann man ueber Herkunft und Ausbreitungsrichtung dieser Glaubensformen aber auch anderer Meinung sein.

Inmitten des Hochlandes muss einst ein gewaltiger Binnensee gelegen haben , jedoch verwandelte die fortschreitende Austrocknung des abflusslosen Gebietes - nach der Abholzung der großen Waelder und durch die zunehmende Erwaermung dieser Zone nach der Polverschiebung von 9000 v. Chr. - hier vieles von fruchtbaren Weideland in Steppe und von der Steppe in Salzwueste. In den durch niedrige Bergketten getrennten Wuestenbecken liegen nun Salzseen. Der gleiche Prozess vollzog sich auch in den weiten Taelern des suedlichen Zagroskomplexes.

Eine solche totale Ausdoerrung hatte eine erhebliche Verkleinerung der natuerlich bewaesserten Gebietes zur Folge und es entwickelte sich eine den besonderen Verhaeltnissen gut angepasste und auf der Erde sonst nicht verwendete Art der Bewaesserung. Kilometerlange, unterirdische Kanaele fangen die Wasseradern auf, ehe sie zutage treten koennen und leiten sie in die Doerfer. Diese sogenannten Qannat mit ihren zur Reinigung vorhandenen Einstiegloechern im Abstand von zehn Metern gelten heute noch als besonderes Kennzeichen der iranischen Wasserwirtschaft, deren Anfaenge weit in vorgeschichtliche Zeit zurueckreichen. Welche Bedeutung der Erhaltung und dem weiteren Ausbau dieser genialen , den Verhaeltnissen optimal angepassten Art der Bewaesserung zum Beispiel schon im 6ten Jahrhundert v. Chr. zur Zeit der Achaemenidenherrscher beigemessen wurde, zeigt sich im Erlass dieser Fuersten, der besagt , daß fuenf Generationen freie Nutzung des durch derartige Bewaesserungsanlagen gewonnenen zusaetzlichen Ackerlandes zugesichert wird .                                                                                           Ein weiterer fuer die Geschichte des Landes bedeutender Vorteil liegt in dem Vorkommen wichtiger Mineralien und Erze. Alabaster, Diorit und Lapislazuli finden sich im Elbursgebirge. Bernstein kommt aus Yezd in der Zentralwueste und im Hochland gibt es Kupfer und Schwefel. Die armenischen Berge und Azerbeidjan liefern Eisen, Zinn, stark silberhaltiges Blei und ebenfalls Kupfer . Im Altertum war auch noch Holz ein wichtiger Exportartikel in das nahezu baumlose Mesopotamien. Auch in diesen Punkten gibt es , wie man sieht , viele Parallelen zu den Verhaeltnissen in Iberien.

"Lange bevor die atlantischen Voelker auf das iranische Hochland einwanderten, betrieb die Bevoelkerung Viehzucht. Um 7000 v. Chr. bauten hier die Menschen bereits Gerste, Weizen und Roggen an und auf den ausgedehnten Weideflaechen , die es zu der Zeit hier noch gab, konnten ganze Herden von Ziegen, Schafen und Kuehen aufgezogen werden. Die Bewohner der Berghaenge gruben Tunnel und unterirdische Hoehlen, um im Winter Schnee und im Fruehjahr Schmelzwasser aufzufangen. Diese geniale Art der Wassergewinnung ermoeglichte es ihnen auch schon Obstbaeume anzupflanzen."(33) Alles dies deutet darauf hin, daß im persischen Hochland, neben den Hochlaendern Iberiens und Nordafrikas ein weiterer Ursprungsort einer hohen Kultur nach der weltweiten Katastrophe von 8500 v. Chr. zu sehen ist.

Die Menschen wanderten , als das Hochland mehr und mehr austrocknete, moeglicherweise noch unter "goettlicher" Anleitung , in das Industal und gruendeten hier die Indus Kultur, von der wir die Staedte Mohenjo-Daro und Harappa wegen ihres hohen staedtbaulichen Niveaus bereits

erwaehnt haben. Weil es in der Indus Kultur, von der heutigen Wissenschaft noch nicht ganz geloeste Probleme gab - man stellte z.B. in den in Harappa aufgefundenen Skeletteilen eine erheblich erhoehte Radioaktivitaet fest - die moeglicherweise zu ihrem Niedergang fuehrten, breiteten sich Volksteile dieser Kultur auf dem Weg ueber die Insel Dilmun , dem heutigen Bahrein, nach Mesopotamien hin aus. Hier nannte man sie dann "Sumerer" . In Mesopotamien waren zur damaligen Zeit die idealen Voraussetzungen fuer eine extensive Viehzucht und intensiven Ackerbau gegeben und dort entwickelten diese bereits auf einer hohen Kulturstufe stehenden Menschen dann die erste in Mesopotamien Geschichte machende Hochkultur."

"Vor der Erfindung der Schrift um 3100 v. Chr. ist der Historiker auch in Mesopotamien fast ausschließlich auf das angewiesen, was die Praehistoriker und Archaeologen aus den Bodenfunden ablesen koennen. Die Sumerer und ihre Kulturnachfolger behaupteten zwar, daß ihre Ueberlieferung viele Jahrtausende weit bis in die Zeit vor der Sintflut zurueckreiche; sie nennen auch eine große Zahl von urzeitlichen Koenigen vor und nach der Flut mit ihren Regierungszeiten und schreiben diesen Regierungszeiten bis zu zweiundsiebzigtausend Jahren zu", (35) aber dabei ist sicher einiges fehlerhaft und doppelt gezaehlt. Andererseits ist es durchaus moeglich, dass mit der Zeit im Industal und vorher im Hochland von Iran Zeiten von 35000 Jahren zusammenkommen.

Es gibt hier also durchaus Daten, die denen entsprechen, die man bisher von der Entwicklung der atlantischen Kultur einschliesslich der Zeit von AtlantisI annimmt. Vielleicht war die Indus - Kultur sogar der Gegner in der atomaren Auseinandersetzung, die der alten Atlantiskultur von den Indianern Nordamerikas in ihren Mythen nachgesagt wird und die in den indischen Waffenberichten aus grauer Vorzeit ihren Niederschlag gefunden hat. Die atomare Verseuchung der Skelette von Harappa und der unerklaerliche Niedergang der Induskultur, sowie die Auswanderung der Sumerer aus dem verseuchten Gebiet, wuerden so eine Erklaerung finden.

 
"Viel spricht jedenfalls dafuer , daß es schon vor 4000 staedtische Siedlungen als wahrscheinliche Ableger der Indus Kultur in Mesopotamien gab, moegen diese auch noch so bescheiden gewesen sein. Die Ausgrabungen bestaetigen jedenfalls, daß man bestimmte Staedte wie etwa Eridu, Uruk und Kisch, und deren Kulte, mit Recht fuer sehr alt halten kann."(35)

Dennoch gehoert Mesopotamien selbst eindeutig nicht zu den fruehesten Gebieten menschlicher Besiedlung. Funde aus der aelteren Steinzeit gibt es nur in der Gebirgszone. Aus den Gebirgen und den Hochlaendern Irans, Syriens und Kleinasiens werden die ersten Siedler gekommen sein. Der Norden Mesopotamiens wurde sicher wesentlich frueher besiedelt als der Sueden. Sehr frueh lernte man hier neben der uralten Herstellung von Geraeten aus Stein, Holz und Knochen sowie der seit etwa 5000 v. Chr. bezeugten Verarbeitung des Tons zu Gefaessen und Figuerchen die Gewinnung und Bearbeitung von Metall, vor allem das Haemmern des Kupfers."(35)

"Mannigfache Beziehungen verbinden die vorgeschichtlichen Kulturen Mesopotamiens mit denen , die auf bestimmten Ruinenhuegeln Syriens und vor allem Irans beobachtet wurden. Als sicher kann gelten, daß die Bevoelkerungen in diesen Gebieten damals einander aehnlich gewesen sind. Dass gleichwohl betraechtliche Unterschiede vor allem in der Sprache bestanden haben, koennen wir den recht ungleichartigen alten Substraten entnehmen, die im akkadischen Assyriens und Babyloniens sowie im Sumerischen erkennbar sind. Es handelt sich also offenbar um Sprachen aus zwei verschiedenen Kulturkreisen."(35)

Ausserdem stehen zwei im wesentlichen grundverschiedene Malstile im noerdlichen Mesopotamien nebeneinander, der von Tell Halaf und der von Samarra."Beide Stile geometrisieren weitgehend die der Natur entnommenen Motive, sind also nicht naturalistisch. Besonders beliebte Motive des Stils von Tell Halaf sind die Doppelaxt, Stierkoepfe, Rosetten und das Malteserkreuz, religioese Symbole, die man auch plastisch in Stein und Ton abbildete. Die oft zweifarbige Malerei bezeugt ein entwickeltes Formgefuehl."(35) Es sind Motive, wie sie auch im Mittelmeeraum und in Kanaan verwendet werden. Ihre Anwender koennten demnach zur atlantischen Ursprungsgruppe gehoeren.

"Ein Grundmotiv der Samarratoepferei ist das Hakenkreuz , um das Tiere ( neben dem Steinbock Voegel und Fische ) oder seltener Menschen gleichsam rotieren. Die Zeichnung ist ganz schematisiert, um die Figuren dem abstrakten Kompositionsschema einzufuegen. Man kann sich schwer vorstellen, dass beide Stile auf dem Boden desselben Volkstums und gleichartiger religioeser Vorstellungen ausgebildet wurden; der Samarrastil scheint aus dem Iran zu stammen. Fast nur geometrische Motive zeigt die aus der gleichen Zeit stammende viel aermlichere und groebere bemalte Keramik des Eridu Stils in Suedbabylonien. Babylonien war damals also noch dem Norden kulturell unterlegen.

. Das Mittel- und Spaet-Chalkolithikum ( Kupfersteinzeit) (etwa 3600-3200) hat fuer ganz Mesopotamien den Namen Obed - Zeit bekommen. In dieser Zeit wurden der Metallguß und die sich langsam drehende Toepferscheibe erfunden. Unter den Tonfiguren ueberwogen nackte Frauen (oft mit Kind an der Brust) und Stiere ,"(35) beide Figurentypen sind auch aus den Anfaengen der atlantischen Kultur aus dem Mittelmeerraum bekannt .

Aber in Suedbabylon entstand, wie bereits erwaehnt, jetzt etwas ganz Neues. Die Sumerer, die Leute des Ackerbaus, hatten um 3500 v. Chr. den Wert der Lage erkannt und nun ihre ersten Staedte hier errichtet. Moeglicherweise reichte das bisherige Siedlungsgebiet auf der Insel Dilmun nicht mehr aus. Einige von ihnen sollen gottaehnliche Eigenschaften und gottaehnliches Wissen besessen haben. Auch ein sehr langes Leben wurde einigen von ihnen nachgesagt. Wahrscheinlich beruhen diese Aussagen auf dem erheblichen Kultur- und Wissensgefaelle, das zwischen den Sumerern und den bisher in Mesopotamien lebenden Menschen bestand. Jedenfalls erscheint es heute noch so, daß die Sumerer als erste Wesen dieser gegenwaertigen Erdzivilisation eine Schrift erfanden und benutzten, die sich auch fuer den Alltagsgebrauch als so geeignet erwies, daß sie von allen spaeteren Voelkern der Region fuer Jahrtausende uebernommen und weiterentwickelt wurde.

Auch sonst wußten sie sehr viel. Sie konnten Staedte und Bewaesserungssysteme bauen, legten Felder und Gaerten an und hielten Tiere in Gehegen, die nicht ausbrachen und flohen, sondern sich friedlich von den Einwohnern hin und hertreiben liessen, bis sie schliesslich von ihnen geschlachtet und aufgegessen wurden. Das alles war etwas ganz neues in der Region und erregte die Bewunderung und den Neid der Nachbarn.
Wer aber waren die Sumerer?
" Schumer ist die akkadische Form von Kengi(r) , dem sumerischen Namen von Suedbabylonien, und bedeutet Kulturland. Es wird angenommen, daß die Sumerer etwa zur Zeit des Uebergangs zur Uruk - Kultur in Babylonien eingewandert sind, wobei die Wanderunggsbewegungen sich vermutlich ueber viele Jahrzehnte erstreckten."(35).

Die fuer diese Zeit ausserordentlich hohen kulturellen Leistungen der Sumerer fuehren zu dem Schluss, daß diese Kultur , wie die Kultur von Atlantis, urspruenglich goettlich oder ausserirdisch inspiriert war und dass sie dazu noch eine lange Vorgeschichte haben musste. Doch wo sollte diese Vorgeschichte stattgefunden haben? Aus neueren Forschungen ist bekannt, daß Enki, der "Herr der Wassertiefe" wie er genannt wird, der aelteste Gott der Sumerer, auch fuer das Land "Melucha" zustaendig war. In dem Land Melucha sehen einige Forscher Nordwestindien. Sie werden in dieser Annahme gestuetzt durch Keilschrifttexte, die den Ursprung der Sumerer im Land Aratta ansiedeln. Aratta liegt im Hochland des Irans, hier deutet sich also an, dass die Sumerer aus diesem Hochland durch Afghanistan und Nordwestindien ins Industal wanderten, wo sie die Induskultur mittrugen.

Der sumerische "Gott" Enki wurde auch auf der Insel Dilmun verehrt. Wahrscheinlich hat sich auf dieser Insel, die voellig geschuetzt lag, die Kultur unter goettlicher Aufsicht und Leitung von Enki entwickelt oder von den ihr im Industal zugefuegten Schaeden erholt, bevor sie auf das Festland in Mesopotamien ueberwechselte. Diese Schaeden koennten ausser der kaum vorstellbaren Version der atomaren Auseinandersetzung mit den Atlantern von Atlantis I auch auf die um 8500 v. Chr. stattgefundene Sintflutkatastrophe oder auf das um 4000 v. Chr. datierte Ereignis der "grossen Flut" zurueckzufuehren sein.(Beide Ereignisse beruhten auf Meteoriteneinschlaegen. Wohl auch deshalb gilt Dilmun in der sumerischen Ueberlieferung als die Insel der Seligen und der "Ort des Schilfs, von dem alles Wissen seinen Ausgang nahm".

Auffaellig ist dabei, dass in Sumer, wie in Atlantis, der Gruendungsgott der "Herr des Wassers" ist und dass die Kultur in beiden Faellen zuerst auf einer geschuetzten Insel entwickelt wurde, bevor sie - als sie (wieder) stark genug dafuer war - aufs Festland ueberwechselte. Das Festland ist in beiden Faellen eine fruchtbare Ebene, die von Fluessen durchzogen wird und sich damit zum Bau von umfangreichen Bewaesserungssystemen eignet, in deren Anlage beide Kulturen Meister waren.

Dies erinnert wieder an die durch Platon ueberlieferten Aussagen, daß die Goetter die Erde unter sich aufteilten und jeder in seinem Bereich seine Kultur gruendete. Moeglicherweise wurden so beide Kulturen auch nahezu gleichzeitig gegruendet und aus einer aehnlichen, moeglicherweise sogar konkurrierenden Quelle gespeist. Die alten Mythen Sumers, wie die Aussagen, die aus den Anfaengen von Atlantis bekannt sind, sagen jedenfalls eindeutig, daß ohne die Hilfe der Goetter bei der Gruendung dieser ersten Kulturen, die Menschen heute noch als Jaeger und Sammler, in Felle gekleidet, ihr Leben fristen wuerden.

Ueber die Staedte der Sumerer herrschten wie in Atlantis Gottkoenige , die als Nachkommenschaft der Goetter galten. Ihren Goettern errichteten die Bewohner, wohl in Ermangelung vorhandener Berge, Tempeltuerme, die sogenannten Zikkurate. In der Stadt Uruk soll Gilgamesch gelebt haben, nach dem das aelteste erhaltene Epos benannt ist. Hier entstand auch das aelteste bisher bekannte System einer brauchbaren Schrift. Um das Jahr 3000 v.Chr. wurden die bis dahin selbstaendigen Staedte unter der Herrschaft eines Koenigs zusammengefaßt. Der erste sumerische Staat entstand. "Nach den Befunden der Ausgrabungen von Uruk wird der Neubeginn zuerst in der Baukunst sichtbar. Neben die ueberkommene und nun feiner ausgestaltete Form des Hochterrassentempels mit seinen bescheidenen Ausmaßen treten jetzt monumentale Tempelanlagen zu ebener Erde, zum Teil mit Mauerwerk aus einer Art von Gussbeton ueber Sockeln aus kleinen Kalksteinbloecken, eine im Land des Lehmbaus ganz ungewoehnliche Bauweise. Aus ganz kleinen Lehmziegeln mit quadratischem Querschnitt wurden die gewaltigen Mauern von meist dreischiffigen Tempeln errichtet , deren Laengsachse bis zu achtzig Metern maß. Eine Pfeilerhalle verband benachbarte Tempel.>"Einzigartig war der Bauschmuck: Man steckte in eine dicke Lehmputzschicht ungezaehlte gebrannte Tonkegelchen, seltener Steinkegel mit gefaerbten Koepfen. Die dadurch gebildeten Mosaiken (Hauptfarben schwarz, weiß, rot wie die Mauern von Atlantis) zeigten meist Rautenmuster, die deutlich das Geflecht von Schilfmatten nachahmten. Die Stiftmosaiken sollten die Tempelmauern schuetzen und waren zugleich ein leuchtender Farbschmuck fuer große Wandflaechen und Pfeiler .Von der Frontgliederung mit flachem Dach vermitteln uns Siegelbilder wenigstens eine ungefaehre Vorstellung."(35)

Die Sozialstruktur der fruehsumerischen Tempelstaedte und der umliegenden Doerfer, die man aus den Denkmaelern der Bau und Bildkunst und aus den oft nicht ganz verstaendlichen Schrifturkunden ablesen kann, war wie folgt : "Der Tempel des Stadtgottes war wirtschaftlich und sozial die alles beherrschende Groesse. Kein Palastbau deutet in dieser fruehen Periode auf eine davon unabhaengige Staatsverwaltung von vergleichbarem Gewicht. Landwirtschaft und Viehzucht spielten eine gleich bedeutende Rolle. Der hohe Stand der Kunst setzt das Vorhandensein eines Handwerkerstandes und damit verbundene Arbeitsteilung voraus. Die Bauten bezeugen einen Reichtum, der aus der Landwirtschaft allein kaum gewonnen werden konnte. Ein eintraeglicher Handel muss die fehlenden Rohstoffe, vor allem Steine und Metalle, im Austausch gegen Getreide unund Erzeugnisse des Handwerks ins Land gebracht haben. Ob in Handel und Gewerbe die Privatwirtschaft von wesentlicher Bedeutung war, ist zweifelhaft, wahrscheinlich wurde zumindest auch das Gewerbe vom Tempel her bestimmt."

"Erst als einige dieser neuen Tempel bereits standen, kam es nach den Schichtenbeobachtungen der Ausgraeber zu einer weiteren Erfindung, die der Kleinbildkunst ganz neue Wege wies: dem Rollsiegel ( etwa 3150 v. Chr. ) . Es wurde ein Siegel in den Mantel kleiner zylindrischer Rollen eingeschnitten und das Bild dann auf dem Ton abgerollt. Diese Bilder hatten keine Seitenbegrenzung mehr, weil die Abrollung beliebig lang sein konnte. Wohl an hunderttausend solcher Rollsiegel sind im Original oder in Abrollungen aus fast dreitausend Jahren in Mesopotamien und spaeter auch Kleinasien und Syrien sowie seltener Aegypten und der Aegaeis erhalten. Die meisten nur handwerkliche Reproduktionen gaengiger Bildmotive, die besten aber kleine Kunstwerke.(35)

Einige Kultbilder zeigen Opferszenen oder Prozessionen zu Schiff. Ebenso begegnen uns schon einige der spaeter so oft dargestellten Mischwesen. Die Figuren sind naturgetreu nachgeschnitten, manche Bilder wilder Tiere sind prachtvoll gelungen. Eine regellose Verteilung der Motive ueber die Bildflaeche ist aber selten. Das normale sind sorgfaeltig ausgewogene Kompositionen, wobei die Gegenueberstellung fast gleicher Bildhaelften ein beliebtes Prinzip ist; bei zwei Bildreihen uebereinander sind die ( gedachten ) Mittellinien zwischen den Bildhaelften gegeneinander versetzt. Der Symmetrie zuliebe schafft man auch unwirkliche Gestalten, zum Beispiel zwei Loewen mit zweimal verschlungenen Haelsen. Die Perspektive fehlt, dadurch schweben die im Hintergrund gedachten Figuren scheinbar in der Luft.

Die Tempel, die riesige Wirtschaftskoerper mit Tausenden von Bediensteten bildeten, ohne irgendwelche Aufzeichnungen zu verwalten, war auf die Dauer unmoeglich. Man half sich zunaechst gewiss mit dem Einkerben von Zahlzeichen in Wandplatten oder Taefelchen; auch liessen sich die Gegenstaende durch Siegelabrollungen kennzeichnen. Aber auch das konnte wohl nicht verhindern, daß das Gedaechtnis der Verwalter staendig ueberfordert war, wenn sie die Ein- und Ausgaenge von Korn, Oel und allem anderen im Kopf behalten sollten. Der Gedanke, Gegenstaende, Zahlen und Maße durch Bilder oder abgekuerzte Symbole zu bezeichnen, spaeter aber auch Schriftzeichen fuer andere Woerter und noch spaeter fuer grammatische Elemente zu schaffen, ist die dritte große Leistung der Sumerer dieser Zeit. Da Schrifttafeln aus Ton erst nach den Rollsiegeln und lange nach den ersten Monumentalbauten auftauchen , koennen die Sumerer die Schrift nicht schon mitgebracht haben. Von den Sumerern aus wanderte die Idee des Schreibens, aber nicht die sumerische Schrift, durch die Handelsbeziehungen nach Westen zu den Aegyptern und nach Osten zu den Indusleuten und von dort weiter zu anderen Voelkern.

Geschrieben hat man mit Griffeln auf Ton zunaechst nur Verwaltungsurkunden, von denen in Uruk viele hunderte aus den ersten Jahrzehnten des Schreibens gefunden wurden. Den Zeichenbestand dieser fruehen Schrift schaetzt man auf etwa zweitausend Bild- und Symbolzeichen. Fuer den Unterricht der Schreiber begann man sehr frueh, Zeichenlisten in sachlicher Anordnung zu schaffen; ebenso alt duerften die ersten Amulettaefelchen sein, auf die man mit wenigen Zeichen eine magische Formel schrieb. Abstrakte Begriffe umschrieb man zunaechst wohl mit Bildern fuer Gegenstaende, deren Namen aehnlich klangen. Besonders frueh bezeugt ist die Verwendung des Pfeilzeichens (sumerisch ti) fuer ti(l) “Leben“. Exakt lesen koennen wir diese frueheste Schrift noch nicht, wohl aber alle Zeichen deuten, die in geometrischer Gestalt auch spaeter noch verwendet wurden oder die als Bilder eindeutig sind." (35)

"Einzigartig war der Bauschmuck: Man steckte in eine dicke Lehmputzschicht ungezaehlte gebrannte Tonkegelchen, seltener Steinkegel mit gefaerbten Koepfen. Die dadurch gebildeten Mosaiken (Hauptfarben schwarz, weiß, rot wie die Mauern von Atlantis) zeigten meist Rautenmuster, die deutlich das Geflecht von Schilfmatten nachahmten. Die Stiftmosaiken sollten die Tempelmauern schuetzen und waren zugleich ein leuchtender Farbschmuck fuer große Wandflaechen und Pfeiler .Von der Frontgliederung mit flachem Dach vermitteln uns Siegelbilder wenigstens eine ungefaehre Vorstellung."(35)

Einige Kultbilder zeigen Opferszenen oder Prozessionen zu Schiff. Ebenso begegnen uns schon einige der spaeter so oft dargestellten Mischwesen. Die Figuren sind naturgetreu nachgeschnitten, manche Bilder wilder Tiere sind prachtvoll gelungen. Eine regellose Verteilung der Motive ueber die Bildflaeche ist aber selten. Das normale sind sorgfaeltig ausgewogene Kompositionen, wobei die Gegenueberstellung fast gleicher Bildhaelften ein beliebtes Prinzip ist; bei zwei Bildreihen uebereinander sind die ( gedachten ) Mittellinien zwischen den Bildhaelften gegeneinander versetzt. Der Symmetrie zuliebe schafft man auch unwirkliche Gestalten, zum Beispiel zwei Loewen mit zweimal verschlungenen Haelsen. Die Perspektive fehlt, dadurch schweben die im Hintergrund gedachten Figuren scheinbar in der Luft.

Doch auch das hervorragende Wissen der Sumerer war, zumindest was die Verhaeltnisse auf der Erde angeht, begrenzt. Alle ihre Staedte und Anlagen bauten sie anfaenglich ohne jedes Verteidigungssystem. In Uruk endete wahrscheinlich deshalb diese Zeit um 3000 mit einer großen Katastrophe, welche die Bauten der Schrifterfinder-Generation vernichtete. Wir wissen nicht was diese Katastrophe herauffuehrte. Nur glauben wir, in dieser Zeit einen geschichtlich bedeutsamen Vorgang ansetzen zu koennen, naemlich den ersten Einbruch groeßerer Gruppen von "Semiten",also atlantischen Volksteilen, in Mesopotamien. Fuer diese kriegsgewohnten, an die harten Bedingungen des Existenzkampfes auf der Erde gewoehnten Menschen war es kein grosses Problem, in die aufbluehenden schutzlosen Staedte der Sumerer einzudringen und sich anzueignen , was ihnen gefiel . Wehrten sich dann die Bewohner, so war es fuer die Verhaeltnisse auf der Erde nur normal, dass sie getoetet wurden und ihre Stadt wurde zerstoert. So hielt man es schon seit langem auf der Erde und so geschah es wahrscheinlich auch in der Stadt Uruk. Aber nicht immer kam es so schlimm. In anderen Staedten gab es Ueberlebende und die Eindringlinge erkannten den Wert der Anlagen und Einrichtungen, wurden ebenfalls hier sesshaft und vermischten sich mit den sumerischen Einwohnern.

Trotzdem war die Zerstoerung von Uruk der Auftakt zu immer neuen Ueberfaellen und Eroberungen, welche die Geschichte dieses Landes bis in die heutige Zeit gepraegt haben. Auch die nun immer staerker werdende Befestigungsanlagen konnten nicht verhindern , dass die Staedte in diesem nach allen Seiten hin offenen Land immer wieder erobert, ausgeraubt und zerstoert wurden. Auch die Bevoelkerung hatte immer wieder zu leiden. Tod oder Verschleppung in die Sklaverei war oft ihr Schicksal.

Um so erstaunlicher ist es , daß sich immer wieder Menschen gefunden haben, die in diesem Raum leben wollten. Die Natur entschaedigte offenbar durch die Fruchtbarkeit der Boeden und das Vorhandensein von reichlich oder zumindest ausreichend Wasser fuer die Gefahr, die das Leben in diesem Gebiet mit sich brachte. Die Offenheit nach allen Seiten hatte ja auch wichtige Vorteile. Man konnte das Land leicht erreichen. Das foerderte den Handel und den Verkehr mit den Nachbarn. Und da die Lage den weiteren Vorteil bot, ein Durchgangsland zwischen der damals bekannten und besiedelten Welt im Westen, das heisst dem Mittelmeerraum, Europa und Nordafrika, Kleinasien, Syrien und Palaestina und dem Osten, das heisst dem Hochland von Iran, Turkestan, Indien , Afghanistan, Tibet und China zu sein, war es als Land des Handels bestens geeignet, und zog deshalb auch immer wieder Menschen und Haendler aus allen Teilen der Welt magisch an.

So geschah es dann, daß in Zeiten des Friedens, in denen der Handel sich frei entwickeln konnte, ungeheure Reichtuemer durch das Land flossen. Ein Teil davon blieb im Lande und wurde angehaeuft , was dann wieder die Begehrlichkeit der naechsten Nachbarn weckte und sie zu einem neuen Raubzug veranlaßte. Trotzdem stieg der Reichtum der Region immer weiter an und wurde fuer lange Zeit von keinem Gebiet der Erde uebertroffen. Das lag nicht zuletzt daran , dass die Schaetze meist in der Region verblieben. Sie wechselten nur von einer Stadt zur anderen. Von Babylon nach Susa und wieder zurueck. Von Babylon nach Assur und Ninive und wieder zurueck. Nach dem Eindringen der, urspruenglich aus der nordafrikanischen Stammgruppe der Atlanter stammenden Semiten in die sumerischen Stadtstaaten aenderte sich die soziale Struktur der gemischten Siedlungen . Hatten die Sumerer noch ein System, das wir heute "religioesen Staatssozialismus" nennen wuerden, und das darin bestand, dass es einen Stadtgott gab, der in einem Tempel wohnte und dort verehrt wurde, und dass diesem Tempel aller Besitz an Land und Anlagen gehoerte, so entstand jetzt neben dem Tempel der Palast des erobernden weltlichen Herrschers, der mit dem Tempel in wirtschaftliche und machtpolitische Konkurrenz trat. Auch der einst so friedliche Geist, der die Region erfuellt hatte, aenderte sich. Mit der Menge der Eindringlinge und dem Konkurrenzkampf um Macht und Einfluß kamen Neid, Missgunst und Streit um das Land und die besten Siedlungsplaetze .

Immer neue Staedte und Koenigssitze wurden gegruendet, so Chamazi, Adab oder Akschak , und das Schwergewicht der Neugruendungen wanderte immer mehr nach Norden. Hier siedelt dann auch die in der Spaetzeit entstandene "Sumerische Koenigsliste" die "1. Dynastie nach der Flut" mit 20 Herrschern an."Sie soll in Kisch , das 160 Km von Uruk entfernt liegt, gelebt haben." Hier verehrte man den kriegerischen Gott Zababa und die Koenigsliste beginnt mit Etana, der auf einem "Adler" in den Himmel aufstieg und nicht zurueckkehrte. "Er einigte alle Lande" heißt es von ihm, und die 100 Jahre spaeter bei den Fuersten Eannatum und Entemena in Lagasch entstandenen Urkunden sagen auch aus, daß ein Koenig Mesilim einst einen Streit zwischen Lagasch und seiner Nachbarstadt Umma schlichtete und eine Gedenksaeule als Grenzstein an der neu festgelegten Grenze errichtete. Dies beweist, daß es eine Einigung und einen Oberkoenig gegeben hat. Die genannte "Sumerische Koenigsliste" nennt Mesilim zwar nicht, aber es gibt mehrere Inschriften auf einem als Weihgabe gedachten Keulenknauf , die etwa folgendes aussagen : Mesilim, Koenig von Kisch, Erbauer des Ningirsutempels, weiht dieses fuer Ningirsu. Lugal - schag - engur, Ensi von Adab."(35)

So, wie das politische Gewicht jetzt auf Kisch uebergegangen war, so hatte das 50 Km suedoestlich von Kisch gelegene Nippur eine Art von religioeser Vorherrschaft gewonnen. Hier befand sich der Tempel Ekur "Berghaus" und in ihm wurde Enlil verehrt, der urspruenglich "Gott der Luefte" war, dann "Herr der Laender" und dann "Koenig der Goetter" genannt wird . Mit Enki und An gehoert er zur sumerischen Trinitaet. Er war Herr der Schicksalstafeln, ein unerbittlicher Herrscher, Spender des Lebens und der Fruchtbarkeit und wurde als Reichsgott Sumers ueberall anerkannt. Sein durch seine Priester geaeusserter Spruch entschied, wer Herrscher im Lande sein sollte. Nach der Beschreibung seines Werdegangs und seiner auf der Erde ausgeuebten Funktionen kann es sich durchaus um einen ausserirdischen Kulturbringer gehandelt haben, der erst einmal dafuer sorgte, daß ein auf Erden funktionierendes politisches System geschaffen wurde und auch fuer eine laengere Zeit erhalten blieb, um sich zu stabilisieren.

Mit der Einwanderung von immer mehr Semiten aus den Wuestengegenden und dem syrischen Raum waren die Zeiten jetzt allgemein unsicherer geworden und man begann deshalb, nicht nur Tempel und Palast zu befestigen, sondern die Befestigung sollte die ganze Stadt, moeglichst noch mit Gaerten und Viehweiden, umschließen. So erhielt man auch die Ernaehrungsbasis fuer eine laengere Belagerung. Das bekannteste Beispiel hierfuer bietet die in das Gilgamesch - Epos eingegangene Mauer von Ur. Ein doppelter Mauerzug von 9,5 Km Laenge umschloss Heiligtuemer, Wohnviertel, Gaerten, Aecker und Weiden. Zwei Tore, im Sueden und im Norden, von 3,5 m Breite,durch Rechtecktuerme gesichert, gewaehrten Einlass. Die Mauer war 5m breit und im Abstand von 10m durch 800 Halbkreistuerme verstaerkt. Ein fuer die Zeit gewaltiges Werk, dessen Erbauung den Einsatz aller Kraefte von den Bewohnern forderte.


Die bevorzugte Art des Tempelbaus ist jetzt wieder der Zikkurat, ein stufenfoermiger Tempelturm, der auf einem mehr als 20 m aufragendem Lehmziegelblock errichtet wird. Er entspricht offenbar dem Wunsch, die Wohnung des Stadtgottes - den Tempel - ueber das allgemeine Niveau der Wohnungen der Menschen zu erheben. Wo Berge vorhanden waren, geschah dies durch Anlage der Kultstaetten auf ausgesuchten markanten Bergen. Hier, in der Ebene Mesopotamiens, mussten die Berge kuenstlich durch den Menschen erschaffen werden. Die Hoehe des Zikkurats wurde schliesslich ein Maß fuer die Groesse und die Macht der Stadt. Das erklaert auch den Hintergrund der biblischen Geschichte von Turmbau zu Babel, wo menschlichem Groeßenwahn gehuldigt werden sollte. Die Grundform der Tempelanlage war das Rechteck oder Quadrat. Nur in besonderen Faellen wich man davon ab, so zum Beispiel beim Tempeloval von Chafidji, 25 Km suedoestlich von Bagdad. Dieser Tempel war unter anderem der Liebesgoettin Innana geweiht und man bemuehte sich offenbar, typisch weibliche Formen bei der Planung der Gesamtanlage zu beruecksichtigen.                                                                                                                                                                                               Im Jahr 2360 v. Chr. schwingt sich dann Lugalzaggesi, der ehrgeizige Koenig von Umma, der Nachbarstadt von Lagasch, auf, um das sumerische Land mit Gewalt unter eine Hand zu bringen. Er erobert und zerstoert Lagasch, wobei er auch die Tempel nicht verschont - eine frevlerische Neuheit in der Geschichte des Landes - und verlegt seine Residenz nach Uruk, das offenbar kampflos aufgibt. Auch Ur und Larsa fallen ihm zu. Kisch wird erobert und Nippur oeffnet ihm die Tore .Die Priesterschaft verleiht ihm, wahrscheinlich gezwungenermassen, die Wuerde "Koenig der Laender". Sein weiterer Titel, den er selbst nennt, verraet einiges ueber die damaligen Machtverhaeltnisse.
Er lautet : "Koenig von Uruk, Koenig des Landes, Priester Ans, Prophet der Nisaba, Gross - Ensi Enlils, mit Verstand begabt von Enki, mit Namen benannt von Utu, Versorger der Innana, Kind der Nisaba, mit heiliger Milch getraenkt von Ninchursang, Hauptzoegling der Ninabuhadu, der Herrin von Uruk, Begeisterter der Goetter".

Seine "Begeisterung" verlieh ihm die Faehigkeit , Sumers Macht auch in groesseren Fernen zu verbreiten und eine aufgefundene Inschrift bescheinigt ihm die Ausweitung seiner Herrschaft bis nach Syrien hin. Sie dauerte 25 Jahre, in denen - nach seinen Worten - "die Menschen in Sicherheit wohnten" und der Einfluss Sumers sich bis ans Mittelmeer hin ausbreiten konnte. Sein Ende war allerdings tragisch. Sargon aus Akkad besiegte ihn, zwaengte seinen Hals in eine Holzgabel und liess ihn am Portal von Enlils Tempel in Nippur ausstellen. So raechte sich letztendlich doch die Zerstoerung der Tempel von Lagasch. Die kurze Zeit der politischen Macht von Sumer - die eigentlich ja auch nicht mehr rein sumerisch war - fand ihr Ende,und muendete in das "semitisch" bestimmte Reich von Akkad.

Durch reiche Ausgrabungsergebnisse ist bestaetigt, dass auf dem Gebiet der Goldschmiedekunst und der Metallbearbeitung die Handwerker von Sumer hervorragende Kuenstler und Techniker waren. Vor allem die Funde aus den Koenigsgraebern von Ur , die in der ersten Dynastie von Ur entstanden sind und die damit in die Zeit vor 3000 v.Chr. zurueckreichen, beweisen eindeutig die hohe Stufe der Kultur der Sumerer, die sich durchaus mit der spaeteren aegyptischen messen kann.

Die Koenigsgraeber, die man hier fand , stellen auch sonst eine Besonderheit dar. Es sind Gruftbauten, die in einem bis zu zehn Meter tiefen Schacht angelegt wurden. Sie bestehen aus einer oder mehreren Kammern, aus Kalkstein errichtet und mit einem Tonnen- oder Kuppelgewoelbe ueberdeckt. In diesen Gewoelben, die eine architektonische Neuheit darstellten, hatte man Koenige, Fuerstinnen und Hohepriesterinnen zur letzten Ruhe gebettet und mit ueberreichen Grabbeigaben versehen.

Aber sie waren nicht allein bestattet worden. In den Vorkammern und in der Rampe, die in den Schacht hinabfuehrte, fand man die Leichen des Gefolges. Diener, Musikanten und Leibwaechter, dazu die Wagenlenker mit ihren Esel-oder Rinder bespannten Fahrzeugen. Man zaehlte bis zu 80 Mitbestattete in einem einzigen Grab. Die Krieger, 50 oder 60 an der Zahl , hatten Kupferhelme auf dem Haupt und zwei Speere bei sich. Gruppen von neun Maedchen mit reichem Haar -, Hals - und Gewandschmuck und Musikinstrumenten wurden gefunden. Die Hand der Harfenistin lag noch auf den Saiten ihres Instrumentes.

Man erklaert heute diese eigenartige Bestattungsweise mit dem Kult der heiligen Hochzeit, der in allen Staaten des oestlichen alten Kulturkreises eine grosse Rolle spielte. In ihm fand die Vereinigung eines Gottes mit einer Hohepriesterin oder der Goettin Inanna mit ihrem goettlichen Liebhaber - in Sumer Dumuzi genannt - ihren kultischen Ausdruck. Der bestattete Fuerst war zu Lebzeiten dieser "Dumuzi" gewesen und dadurch selbst in den Rang eines Gottes erhoben worden. Damit war er unsterblich geworden und wuerde nach der Ueberzeugung der Menschen wieder auferstehen. Die Auferstehung wuerde auch fuer sein Gefolge gelten, das durch Trinken aus einem mit Gift gefuellten Becher mit ihm freiwillig in den Tod ging.

Die Auferstehung hatte fuer den Koenig offensichtlich dann auch stattgefunden, denn sein Leichnam wurde in keinem Grab gefunden. Dafuer fand sich ein Loch in der Decke des Gruftgewoelbes, durch das der Leichnam wahrscheinlich entfernt worden war. Die reichen Grabbeigaben wurden dabei aber nicht angetastet, es handelt sich also nicht um das Werk von Grabraeubern. In unserer Zeit, die fuer alles eine rationale Erklaerung sucht und findet, deutet man das so, daß der Leichnam spaeter in einem kultischen Auferstehungsakt - eventuell zum Neujahrsfest, das eine hohe kultische Bedeutung hatte - von Priestern aus dem Grab geholt und nach der "Auferstehung" in ein hoehergelegenes Grab oder ein Mausoleum umgebettet wurde.

Trotzdem bleibt eine solche Opferhandlung raetselhaft, genauso wie der unwahrscheinlich hohe Stand dieser nahezu aus dem Nichts auftauchenden Kultur. Aus den ganzen bekannten Kulturraeumen ist nichts Vergleichbares in dieser Zeit bekannt. Auch die etwas seltsame Unangepasstheit an irdische Verhaeltnisse, die dann auch zum zeitweisen Niedergang und zur teilweisen Vernichtung dieser Kultur fuehrte, gibt zu denken. Hier gibt es aber gewisse Parallelen in der noch raetselhafteren Induskultur.

Darueberhinaus gab es bis zu dieser Zeit auf der Erde keine Moeglichkeit ueber geschriebene Zeichen miteinander zu kommunizieren noch irgendwelche Dinge fuer die Nachwelt festzuhalten. Die Sumerer beherrschten diese Kunst bereits in einem sehr fruehen Stadium ihrer Kultur und wandten sie perfekt an. Die Schrift, die sie entwickelten, war noch dazu so genial, daß sie sich mit damals ueberall vorhandenen Mitteln ausueben liess und von den Menschen dieser Zeit leicht begriffen und erlernt werden konnte.

Um 2370 v.Chr. wurden die Sumerer durch die Dynastie der Akkader abgeloest , eines "semitischen" Stammes, der aus der Wueste im Westen einwanderte. Viele sehr alte semitisch akkadische Lehnwoerter zeigen, daß die Semiten schon frueh im dritten Jahrtausend in Babylonien eine bedeutende Rolle gespielt haben muessen und bereits damals akkadisch, die aelteste bekannte semitische Sprache , gesprochen haben. Die Tradition der Koenigsliste nennt als erste Dynastie - das heißt Folge von Koenigen mit derselben Hauptstadt ohne Ruecksicht auf deren Abstammung - " nach der Sintflut " die von Kisch und gibt trotz ihrer Herkunft aus dem sumerischen Gebiet einigen dieser Koenige akkadische Namen eines archaischen Typs. Moeglicherweise brachten die Akkader bereits atlantisches Wissen mit, oder waren selbst atlantischer Herkunft . Die straffere Organisation des Staatswesens mit atlantischen Merkmalen deutet jedenfalls in diese Richtung. Die Akkader liessen sich weiter flussaufwaerts in der Gegend der spaeteren Stadt Babylon nieder. Babylon war dann auch in spaeterer Zeit immer wieder der bevorzugte Niederlassungsort atlantischer Einwanderungsgruppen in Mesopotamien.

Mesopotamien war zu dieser Zeit bereits ein reiches Kulturland. Man baute Datteln und Feigen an, und durch Fermentation gewann man aus Honig ein berauschendes Getraenk. Als besonderes "Geschenk der Goetter" galten die Trauben, die zu Wein verarbeitet wurden. Durch die Schaf und Rinderzucht wurde der Bedarf an Fleisch gedeckt.

Die staedtische Kultur verfuegte jetzt ueber differenzierte Gewerbezweige. Erz wurde geschmolzen und das Metall zu Waren verarbeitet. Es wurden Gesetze aufgezeichnet, ein Steuersystem und Schulen eingefuehrt. Es gab ein gut organisiertes Verwaltungssystem und eine Berufsarmee.

" In der Akkade Zeit ist die Siegelkunst reich an neuen Motiven. Vor allem sind Themen aus den Goettermythen sehr beliebt; leider koennen wir die Szenen nur selten deuten. Besonders oft wird der Sonnengott dargestellt, auf einem Schiff mit einem als Gottesfigur gestalteten Bug bei Nacht durch die Unterwelt fahrend oder mit der Saege in der Hand morgens aus der Erde emporsteigend. Kaempfe der Goetter gegen die Urweltmaechte sind gleichfalls beliebte Motive. Der literarisch erst viel spaeter bezeugte Mythos von Etanas Aufstieg zum Himmel auf dem Ruecken eines Adlers begegnet mehrfach, "(35) wobei die Zeichnung der zusammen mit den Menschen dargestellten Tiere vielleicht die Bedeutung hat, daß diese Tiere den Sumerern erst von Etana gebracht wurden. Moeglicherweise gehoerte auch er zu den ausserirdischen Kulturbringern, der eines Tages mit seinem Raumfahrzeug, dem "Adler", wieder die Erde verließ.

Eine Besonderheit der sumerischen Religion war das System der " Schutzgoetter". Jede Stadt hatte einen solchen, aber damit war es nicht genug. Auch die Regierenden hatten ihren persoenlichen Schutzgott, und da das Beispiel Schule machte, beanspruchte bald jeder einen aus der Vielzahl der Untergoetter, von denen es 3600 gegeben haben soll , der fuer ihn persoenlich wirken sollte. Dennoch waren die großen Goetter fuer den einzelnen nicht ohne Bedeutung, weil naemlich der Schutzgott nur in den kleinen Noeten, nicht aber in den groesseren helfen konnte. Traten solche ein , musste die Schutzgottheit die Unterstuetzung der grossen Goetter erbitten und ihnen die Wuensche ihrer Schutzbefohlenen vortragen.

Auf vielen hundert Siegelbildern und bisweilen - etwa bei Gudea und Urnammu - auch auf Reliefs wurde diese Situation in der sogenannten "Einfuehrungsszene" im Bilde dargestellt. Sie zeigt den Siegelinhaber , wie er etwa von seiner Schutzgottheit an der Hand vor den sitzenden hoeheren Gott oder die Goettin gefuehrt wird, um seine Wuensche vorzubringen. "(33) ( Interessanterweise installierte die "monotheistische" christliche katholische Kirche viel spaeter mit ihren Heiligen ein aehnliches System.)

"An der Spitze der Goetterwelt stand der Himmelsgott An von Uruk, der nur selten in irdische Dinge eingriff. Umso mehr tat dies sein Sohn Enlil von Nippur, der Gott des Luftraumes, der die Koenige ein und absetzte, obwohl seine eigene Stadt nie Hauptstadt war. Die Erde galt als weiblich und wurde durch die Muttergoettin vertreten, die fast ueberall unter einem anderen Namen verehrt wurde, etwa als Baba in Lagasch, Ninchursang in Kisch, Mama in Kesch. Die die Erde befruchtende Kraft des Grundwasserozeans vertrat der weise Enki von Eridu als vierter Gott des Kosmos. Kultorte im sumerischen Sueden wie im akkadischen Norden hatten die großen Gestirnsgottheiten, unter denen der Mondgott Nanna von Ur wegen seiner Weisheit den Vorrang hatte.

Der Sonnengott Utu von Larsam trat demgegenueber, anders als Schamasch von Sippar, etwas zurueck, waehrend die Venusgoettin Inanna von Uruk ebenso wie die Ishtar der Semiten, die zahlreiche Tempel hatte, zugleich Goettin der Liebe mit dirnenhaften Zuegen und Muttergoettin war. Mehrere Vertreter hatte der Typ des jungen Kriegsgottes, so Enlils Sohn Ninurta von Nippur, Zababa von Kisch, Ningirsu von Lagasch und noch andere. Die Gemahlinnen der maennlichen Goetter spielten bei den Sumerern neben den Muttergoettinnen nur eine bescheidene Rolle."(33)

Von kaum geringerer Bedeutung als die persoenlichen Gottheiten waren fuer die Sumerer unpersoenliche Wesenheiten, die das Tun der Goetter weithin bestimmten. Das Wichtigste ist das “ me“ , das man etwa als "Faehigkeit , etwas zu tun oder zu erkennen " bestimmen kann. Die me's waren urspruenglich den Goettern vorbehalten, wurden aber durch die Goettin der Liebe Innana programmwidrig an die Menschen weitergegeben. . Auf Goetter und Menschen wirkt es sich in Gestalt des auf Tafeln geschriebenen "nam "aus, fuer das die konventionelle Wissenschaft nur die sehr unzureichende Uebersetzung >Schicksal< hat. Wahrscheinlich ist aber das gemeint, was man heute esoterisch als "Karma" bezeichnet. An den dadurch gegebenen Ordnungen konnten auch "Goetter" d.h. ausserirdische Kulturbringer schuldig werden." Verschiedenen Mythen liegt dieser Gedanke zugrunde. In den uns leider recht unvollstaendig erhaltenen und oft schwer verstaendlichen Mythendichtungen handeln meist zwei oder mehrere Goetter gegeneinander. Nur der Himmelsgott An steht ausserhalb und ueber diesem Geschehen, nachdem sein Sohn Enlil durch seinen Hauch Himmel und Erde getrennt hatte.                                                                                                                                                                  Die Sumerer hatten keinen eigentlichen Weltschoepfungsmythos , sondern begnuegten sich damit, in den Einleitungen ihrer Mythen auf ein Urchaos zu verweisen, das vor dem gegenwaertigen Zustand bestand. Auch die Erschaffung des Menschen war nicht Thema eines Mythos, obwohl deutlich gesagt wird, daß sie um der Versorgung der Goetter willen geschaffen wurden. Man dachte aber viel nach ueber die primitiven Elemente der Kultur, ohne die der Mensch ein Tier geblieben waere, und sah in ihnen Goettinnen, die erst spaeter ins Leben gerufen worden waren. Die Menschen der damaligen Zeit kannten nicht das Essen von Brot, nicht das Anziehen von Gewaendern; sie gingen auf Haenden und Fuessen, assen wie Schafe das Gras und tranken Wasser aus Graeben