Geschichte und archaeologische Funde in Suediberien 1

von Karl Juergen Hepke

Die bevorzugte Lage Suediberiens hat, seitdem es Menschen gibt, sie dorthin gezogen. Hier haben sie ihre Kultur ausgebaut und Spuren hinterlassen. Das Problem bei der Suche nach ihnen ist dabei allerdings, dass sich die Kulturspuren an vielen bevorzugten Orten ueberdecken. Durch Neubebauung und Ueberbauung wurden viele alte Strukturen zerstoert oder nur noch schwer als solche erkennbar gemacht, da sie in neue integriert wurden. Wenn man deshalb in Suediberien ueber archaeologische Funde spricht, muss man sich immer vergegenwaertigen, was an spaeterer Geschichte ueber den Ort des Fundes noch hinweggegangen ist und den Fund moeglicherweise verfaelscht hat.

Die aeltesten Funde stammen aus dem juengeren Paleolithikum aus der Zeit vor etwa 1 Million Jahren. Sie bestehen aus primitiv behauenen Kieselsteinen, die sich in einer bis 30 cm dicken Schicht von Kieselgeroell am Rand eines Huegels in der Lage El Aculadero bei Puerto befinden. Aehnliche Funde stammen aus Rota und Carmona. Eine ueber der Kieselschicht befindliche Schicht mit Fossilien ermoeglichte in El Aculadero die genaue Datierung. Es handelt sich dabei um die aeltesten Produkte von "Menschenhand" in Iberien. Sie werden dem Homo Habilis zugeordnet.

Weitere Funde gibt es aus der Altsteinzeit. Wildreichtum und guenstiges Klima, dazu reiche Bewaldung und fischreiche Gewaesser und Meere boten ideale Voraussetzungen fuer ein auskoemmliches Leben als Jaeger und Sammler.

 
Im Neolitikum wurden erste Aecker angelegt und die Haltung von Haustieren begann. Fuer den Bereich der Stadt Puerto gibt es aus dieser Zeit die ersten Hinweise fuer die Anlage einer Siedlung im Bereich von Cantarramas. Sie wird auf 3500 v. Chr. datiert und reicht damit bis in die Kupfersteinzeit, das Chalkolithikum. Man fand hier auf einigen 10 000 m2 Reste von Huetten und Wohngebaueden und unterirdischen Bauten , sogenannten Hypogaeen in Glockenform , die vor allem als Lagerraum dienten. Manchmal wurden sie jedoch auch als Bestattungsstaette fuer die Toten benutzt, was an die hoehlenartigen Bauten von Los Millares in Suedostiberien und an die Haeuser von Catal Hueyuek in Anatolien erinnert. Ausserdem fand man Reste von Bauten aus luftgetrockneten Ziegeln und Feuerstellen mit einer grossen Anzahl von geschickt behauenen Feuersteinwerkzeugen , Gesteins- und Knochensplittern, die zeigen, dass an diesen Stellen lange Zeit gewohnt und gearbeitet wurde.

Auf Grund der nahezu paradiesischen Verhaeltnisse, die auch Platon in seiner Atlantisgeschichte berichtet , zog Suediberien anscheinend immer besonders faehige Menschen an, oder brachte sie hervor. In dieser Zeit erkannten jedenfalls einige von ihnen den Nutzen von bestimmten Steinen, die sich in ihren Bergen fanden. Durch Anwendung von Feuer liessen sich aus ihnen voellig neue Materialien gewinnen. Wie sie darauf kamen, bleibt wohl immer ein Raetsel. Vielleicht war es ein Blitz, der aus Erz das erste Metall werden liess. In den Erzaehlungen der noerdlichen Basken wird noch immer berichtet, dass ein Blitz ein Beil erzeugt. Deshalb heisst das Beil auch dort noch heute "Blitzgestein". Anstelle des Blitzes, den nur die Goetter erzeugen konnten, versuchten es die Menschen mit Feuer, das nach ihrer Erfahrung oft die Folge eines Blitzes war, und hatten Erfolg.

Das neue rotglaenzende Material, das sich gut bearbeiten liess und damit ein herrlicher Werkstoff fuer Schmuck und Kultgegenstaende war, wurde deshalb als kleiner Dolch den Toten der jetzt dort lebenden Menschen, die man spaeter nach der Form ihrer Keramikgefaesse "Glockenbecherleute" nannte, bei der Beisetzung mitgegeben.

Beigesetzt wurden die reicheren und maechtigeren, die sich allmaehlich aus der Masse heraushoben, in den Ebenen Iberiens in Grosssteingraebern.
Diese Sitte hatte sich seit dem fuenften Jahrtausend in ganz Westeuropa eingefuehrt. Sie beweist, dass die Menschen dieser Zeit einer gemeinsamen Wurzel entstammten und dass eine Kultur sie einte. Suediberien war anfangs sicher nur ein gleichberechtigter Teil dieses Kulturbereichs. Seine besondere Bedeutung erlangte es erst durch die Entdeckung der Metallgewinnung und Verarbeitung.

Nach der Entdeckung des Kupfers begann man mit der Gewinnung in groesserem Massstab. Doch man war neugierig geworden und untersuchte auch andere "Steine" ob durch Anwendung von Feuer und der Erzeugung grosser Hitze in geschlossenen aus Lehm gebauten Oefen mit Hilfe von Holz und spaeter Holzkohle etwas Brauchbares zu gewinnen sei. Da im Lande eine Vielzahl von verschiedenen Steinen, die man dann spaeter Erze nannte, vorkamen, entdeckte man ausser dem Kupfer noch Zinn, Blei, Silber, Eisen und Zink. Gold, das in den Fluessen und als Erzgang in Verbindung mit anderen Erzen in reiner Form vorkam, wurde bei der Suche nach immer neuen metallhaltigen Gesteinen wohl nebenbei mitentdeckt und wegen seines angenehmen Glanzes und seiner Bestaendigkeit gegen Matt- und Glanzloswerden gern als Schmuck getragen. Darueber hinaus war aber wenig mit ihm anzufangen. Es war weich und schwer und taugte nicht zum Werkzeug . Erst als man seine Mischbarkeit mit Silber erkannte, wurde es zum Lieblingsmetall der Feinschmiede, die aus ihm hervorragende Geschirre anfertigten, die nun anfingen, die Tafel der Reichen zu zieren. Auch die Anfertigung von Schmuckstuecken erreichte auf dieser Basis eine hohe Perfektion in Iberien, das in dieser Zeit allmaehlich zum Atlantis Platons wurde.

Auf der Basis des florierenden Handels mit den neuen Metallen erlebte Iberien und vor allem auch Suediberien/Atlantis den ersten Wirtschaftsboom. Er fuehrte zur Abholzung grosser Teile der Waelder, denn zur Metallgewinnung wurden immer groessere Mengen von Holz und Holzkohle erforderlich. Auch der vermehrte Bau von Schiffen und die mit der zunehmenden Bevoelkerung einhergehende vermehrte Bautaetigkeit verschlang viel Holz. Zur Versorgung der Bevoelkerung wurde zudem immer mehr Acker- und Weideland benoetigt, sodass die abgeholzten Waelder nicht wieder aufgeforstet werden konnten.

Ein grosser Teil der Bevoelkerung, der vom Handel und handwerklichen Taetigkeiten lebte, siedelte sich in befestigten Staedten an. Denn hier war man sicherer vor der Begehrlichkeit der Nachbarn. Es entstanden die befestigten Staedte Tharsis, Huelva, Niebla, El Carambolo und andere im Kerngebiet von Atlantis, dem Gebiet des unteren Guadalquivir und des Guadiana. Diese Staedte und ihr Einzugsgebiet sind weitgehend identisch mit den heute in Spanien als "tartessisch" bezeichneten Siedlungsraeumen.

Als man versuchte, auch entfernter liegende Gebiete zu besiedeln, weil sich in ihnen Bodenschaetze befanden, entstanden die ersten Konflikte. Es wurde noetig die Grenzen von Interessenbereichen zu definieren und die "Koenigreiche" festzulegen. Ein Buendnis unter den Koenigen garantierte die gegenseitige Respektierung der festgelegten Grenzen und wurde zur Basis fuer einen die Grenzen sicher ueberschreitenden Handel. Die Suche nach Gebieten, in denen noch unentdeckte Erze vorhanden waren. verlagerte sich nach aussen.

Die "Glockenbecherleute" schwaermten aus und durchzogen Europa und den vorderen Orient auf der Suche nach Metallen. Wurden sie fuendig, so wurden sie sesshaft und bauten vor Ort eine eigene Metallproduktion auf, unterhielten aber, soweit moeglich, noch Beziehungen zum Ursprungsland Atlantis/Iberien. So entstand allmaehlich "das atlantische Reich", das anfaenglich kein politisches Reich war, sondern sich auf weit reichende Handelsbeziehungen mit den begehrten Metallen, vor allem der Bronze, stuetzte.

DIe Verbindungen zum Ursprungsland liefen dabei ueber das Wasser von Fluessen und Meeren, denn gebahnte Wege gab es zu dieser Zeit nicht in Europa. Es war vorwiegend von dichten Waeldern bedeckt, die ein Fortkommen auf dem Landweg nahezu unmoeglich machten.

Die geistige Beweglichkeit der damaligen Menschen und die Moeglichkeit Ideen schnell und ohne Behinderung durch Andere in die Tat umzusetzen, perfektionierten schnell die Nutzung der Wasserwege. Aus dem noch reichlich vorhandenem Holz der grossen Waelder mit altem Baumbestand war es leicht moeglich das bestgeeignete Holz fuer leichte schnelle Schiffe mit ausreichender Transportkapazitaet herauszufinden. Es kam in dieser Zeit nicht darauf an, Massengueter fuer die Ernaehrung wie Getreide, Wein oder Oel, wie spaeter zur Zeit der Roemer, zu transportieren. Befoerdert wurden in erster Linie Menschen, darueberhinaus noch Dinge wie Schmuck, Bernstein, Waffen und Metalle, die nicht im eigenen Land gefunden oder hergestellt werden konnten.

Die Bauform der Schiffe dieser Zeit ist aus vielen Berichten und Darstellungen bekannt. Es sind lange, schmale Schiffe in Laengen bis zu ca 20m , mit stark hochgezogenem Bug und Heck, seitlichem, abnehmbaren Steuerruder und Ruderbaenken fuer je zwei Ruderer nebeneinander und bis zu 25 hintereinander. Dies war dann der sogenannte 50-Ruderer. Beliebt war auch der 30-Ruderer mit je 15 Ruderern hintereinander, der fuer die rauheren Gewaesser des Atlantiks und der noerdlichen Meere besser geeignet war, da er besser in die hier vorherrschenden langen Wellen passte und damit eine groessere Seetuechtigkeit aufwies.

Einzelne dieser Schiffe wurden in juengster Zeit vor der Kueste Andalusiens und in den Flussmuendungen portugiesischer Fluesse als versunkene Wracks gefunden. Ihre Bergung und Restaurierung, die Jahre muehseliger Kleinarbeit erfordert, dauert zur Zeit noch an.

Aus der Zeit der Glockenbecherleute entwickelte sich auf diesen Grundlagen die sogenannte "Bronzezeit", die ueblicherweise im Mittelmeerraum von ca 3000 v. Chr. bis ca 800 v. Chr. gerechnet wird. Ab 800 v.Chr. wurde die Bronze als Hauptwerkstoff fuer die Herstellung von Waffen und Werkzeugen durch das Eisen ersetzt. Die Technologie der Eisengewinnung und der Verarbeitung in grossem Massstab wurde von den aus dem vorderen Orient zurueckkehrenden Voelkern der Etrusker und der Kelten nach Westeuropa mitgebracht.

Die Bronzezeit in Iberien hatte schlagartig mit der kosmischen Katastrophe von 1250 v. Chr. aufgehoert. In ihr brach die hohe Kultur, die dieses Gebiet bis dahin auszeichnete, nahezu voellig zusammen. Das "Atlantis" der alten Zeit verschwand aus Andalusien. Mit den anstuermenden Meereswogen einer riesigen Flutwelle und den sie begleitenden Erdbeben und starken Regenfaellen mit Erdrutschen verschwanden Staedte, Kanaele und Menschen in "einer einzigen Nacht und einem einzigen Tag" ,wie Platon berichtet.

Durch dieses ungewoehnliche und von der Wissenschaft bisher nicht erkannte oder anerkannte Ereignis sind die Grundlagen fuer eine Arbeit im konventionellen archaeologischen Stil fuer viele Gebiete ausserordentlich erschwert. Schichten, in denen eine Stratigrafie im ueblichen Stil moeglich waere, wurden zum Teil vollstaendig zerstoert oder total durcheinandergebracht.
Ein Archaeologe, der die Tatsache dieser Schichtenstoerung ignoriert , wird vor unloesbaren Raetseln stehen.

Auf die Katastrophe folgten ca 150 Jahre der Auswanderung aus den verwuesteten und durch andauernde Regenfaelle kaum noch nutzbaren Gebieten. Erst um 1100 v. Chr. regt sich an der Kueste neues Leben. Die Metallgewinnung hat wieder eingesetzt und die Phoenizier gruenden ihre erste Handelsniederlassung auf einer Landzunge vor der ehemaligen Stadt Tharsis. Um 800 v. Chr. folgt dann in der Naehe der Lage der untergegangenen Stadt Tharsis/Atlantis in guenstiger Lage 10 km vom Meer entfernt auf einem Huegel der Aufbau der Nachfolgestadt Tartessos. Schiffe bringen von hier aus die begehrten Metalle Silber, Zinn und Gold in den aufbluehenden Osten des Mittelmeerraums.

Hierher, in den Osten, gelangten in dieser Zeit auch zunehmend die Nachkommen der Auswanderer aus Westeuropa und damit auch aus Iberien, die man hier anfaenglich in Aegypten Seevoelker und spaeter in Assyrien Aramaeer nannte. Sie kannten infolge ihrer gut organisierten Ueberlieferungspraxis sehr wohl noch die Quellen ihres einstigen Reichtums und waren an einer Aufnahme der Verbindung dahin ueber das Meer hoechst interessiert.

Diese Zeit, die sogenannte phoenizische, die bis ca 500 v. Chr. dauerte, hat in archaeologischen Funden vor allem an der Westkueste Andalusiens, der alten Atlantiskueste, ihre Spuren hinterlassen. Im Zentrum Andalusiens bezeichnet man diese Zeit als die "tartessische Periode", die ihre eigenen kulturellen Merkmale in Fortfuehrung der "atlantischen Periode" der Bronzezeit aufweist. Die Stadt "Tartessos" , die in griechischen Schriften als Quelle fuer Metalllieferungen in den oestlichen Mittelmeerraum erwaehnt und in der Bibel noch immer "Tharsis" genannt wird, gilt auch im Jahr 2003 noch als unentdeckt. Dies, obwohl die Funde in Puerto im Tell de la Dona Blanca vermuten lassen, dass es sich hier mit hoher Wahrscheinlichkeit um das verschwundene Tartessos handelt.

Da man schlechte Erfahrungen mit voreiligen Schluessen in dieser Hinsicht gemacht hat, denn auch das bei Gibraltar liegende Carteia wurde bereits als "Tartessos" bezeichnet, bevor es sich als ueberwiegend Roemisch erwies, ist man heute berechtigterweise vorsichtig.

Aus dieser "tartessischen Zeit" gibt es hervorragende Funde, die nach gegenwaertiger Meinung eine "Mischung aus einheimischer und phoenizischer Tradition" darstellen, wahrscheinlich aber Fortfuehrung oder sogar Reste alter atlantischer Tradition sind. Sie finden sich vor allem am unteren Gualdalquivir und in den Taelern des Guadiana, also dem Bereich, der moeglicherweise einmal das zentralatlantische Koenigreich mit der Hauptstadt Tharsis, der Vorgaengerin von Tartessos am gleichen Ort, war. Hier gab es planmaessig angelegte und befestigte Staedte wie Niebla, Huelva und El Carambolo.

In El Carambolo entdeckte man einen spektakulaeren Goldschatz, der die hohe Qualitaet der atlantischen oder "tartessischen" Goldarbeiten beweist. Er wird heute im Museum von Sevilla gezeigt. Man fand auch eine eigene Schrift, die sich von den beiden vorher in Iberien verwendeten unterscheidet und noch nicht entziffert ist. Die genannten Staedte waren wichtige Orte fuer den wiederaufbluehenden Handel mit Metallen, die wieder gefoerdert, verarbeitet und vor allem in den Mittelmeerraum geliefert wurden, wo ein riesiger Bedarf dafuer in den aufbluehenden Reichen Assur, Babylon,und Aegypten und in den am Handel reich werdenden Staedten Tyrus, Sidon und vielen anderen bestand.

Die Schiffe aus Tyrus, welche die Bibel "Tharsisschiffe" in Fortfuehrung des alten Namens nennt , brachten diese Schaetze in den Osten, wo sie ein Mehrfaches an Wert hatten. Auch Israels Koenig Salomon schickte Schiffe nach "Tharsis" um am Wohlstand, den der Handel mit Metall brachte, teilzuhaben. Auch Schiffe aus dem wieder erstarkenden Griechenland fanden den Weg zu den Metallschaetzen.

Dies aenderte sich, als das um 700 v. Chr. von den Tyrern gegruendete Karthago stark genug war, diesen Handel als sein Monopol zu uebernehmen. Um 550 v. Chr. wurde Suediberien mit seinen reichen Erzgruben von den Karthagern erobert, was mit der voruebergehenden Zerstoerung der wichtigen Staedte verbunden war und neue archaeologische Schichten hinterliess. Die tartessische Kultur verschwand aus der durch Griechenland ueberlieferten Geschichte, da die Gewinne aus der Metallgewinnung nach Karthago flossen.

Nur vereinzelte griechische Schiffe erreichten noch Tartessos und kehrten reich mit Silber beladen nach Griechenland zurueck. Die Seeleute berichteten von den sagenhaften Reichtuemern des besuchten Landes. Dies sprach sich im Mittelmeerraum herum und Rom, das gerade dabei war die Vorherrschaft ueber Italien zu gewinnen, wurde wach.

264 v. Chr. kommt es zur ersten kriegerischen Auseinandersetzung zwischen Rom und Karthago. Der erste "Punische Krieg" , wie er in Rom genannt wird , beginnt. Nach seinem Ende wendet sich Karthago, das zunehmend im Osten Probleme mit den Griechen und nun auch im Norden mit den Roemern hat, voll nach Iberien. Im Jahr 237 v. Chr. landet eine Armee unter der Fuehrung von Hamilkar Barkas bei Cadiz. Unter Ausnutzung der strategisch guenstigen Lage dieser Region wird von hier aus Iberien fuer die Karthager erschlossen.

Es wird weitgehend erobert und zur karthagischen Provinz. Im Jahr 228 wird der guenstiger zu Karthago liegende neue Hafen an der Ostkueste, Carthago-Nova, das heutige Cartagena, von den Karthagern gegruendet und uebernimmt die Verbindung zur Mutterstadt. Der zweite punische Krieg, in dessen Verlauf der karthagische Heerfuehrer Hannibal fast ganz Italien in seine Gewalt bringt und die Roemer bei Cannae 216 v. Chr. vernichtend schlaegt , geht von den iberischen Besitzungen Karthagos aus.

Um Hannibal vom Nachschub aus Iberien abzuschneiden , griffen auch die Roemer hier an. Im Jahr 217 vereinigten sich die Scipio Zwillinge Gnaeus und Publius, um mit wechselndem Erfolg Stoeraktionen in Iberien durchzufuehren, wobei sie auch bis ins Guadalquivir-Tal vordrangen. Doch erst der Sohn des Publius , der spaetere Eroberer von Karthago , Scipio Africanus, konnte mit einer in Katalonien 210 v. Chr. gelandeten Armee das Kriegsglueck zugunsten der Roemer wenden. 209 eroberte er Cartagena und schlug in der Schlacht von Ilipa ( wahrscheinlich Alcala del Rio in der Naehe des heutigen Sevilla) die Karthager entscheidend.

Da Hannibal versaeumt den Sieg von Cannae auszunutzen und vor dem Versuch, Rom zu erobern zurueckschreckt, finden die Roemer Zeit , sich zu erholen. Sie ruesten eine Flotte aus und setzen nach Afrika ueber, um unter Umgehung des grossen und starken karthagischen Heeres, das sich in Sueditalien wohlfuehlt, Karthago direkt anzugreifen.

Hannibal wird von den Karthagern zur Hilfe gerufen, kann aber nur ein unzureichendes Heer zusammenbringen und wird in der Schlacht bei Zama 202 v. Chr. nicht weit von Karthago entfernt, vernichtend geschlagen. Karthago ist empoert ueber sein Verhalten , das Karthago zum Verlierer in dem erfolgreich begonnenen Krieg macht.

Als Ergebnis des Krieges muss Karthago Iberien vollstaendig an die Roemer abtreten und fast seine ganze Flotte an Rom ausliefern. Damit hatte es seine Rolle in Iberien ausgespielt ohne dass Iberien bei den Auseinandersetzungen um seinen Besitz stark in Mitleidenschaft gezogen worden waere.

Doch unter Roms Herrschaft wurde dies in reichlichem Mass nachgeholt. Rom teilte Iberien in zwei Provinzen ," Hispania Citerior" mit der Hauptstadt Cartagena und "Hispania Ulterior" mit der Hauptstadt Corduba (Cordoba). Doch Iberien wehrt sich gegen die neue Zwingmacht. Rom ist gezwungen seine Herrschaft durch eine Armee von 70 000 Mann unter dem Consul Cato mit Gewalt unter grossen Grausamkeiten und Zerstoerungen durchzusetzen. Nach den archaeologischen Befunden muss auch Tartessos (Dona Blanca) damals zerstoert worden sein und wurde nie wieder aufgebaut.

Danach kommt Iberien fuer lange Zeit nicht zur Ruhe. Bis zum Fall von Numantia 133 v.Chr. dauert der iberische Widerstand und geht dann in die inneriberischen Auseinandersetzungen zwischen roemischen Machthabern ueber. Es beginnt mit den Auseinandersetzungen Caesars mit Pompejus, der lange Zeit Konsul in Iberien war. Zweimal werden seine Anhaenger von Caesar hier geschlagen, wobei viele Staedte stark in Mitleidenschaft gezogen werden. Es entstand eine weitere archaeologische Truemmerschicht.

Erst in der nachfolgenden Kaiserzeit blueht Iberien wieder auf. Die Roemer schaetzten die reiche und relativ ruhige Provinz und errichteten viele teilweise luxurioes ausgebaute Staedte mit grossen Theatern und Thermen. Die vorhandenen alten Staedte wurden dabei oft nahezu vollstaendig ueberbaut, sodass es intensiver Kleinarbeit der Archaeologen bedarf, um den Zustand vor den Roemern zu erkennen.

Die ruhige Zeit dauerte etwa 250 Jahre, was dazu fuehrte, dass "Spanien", denn man kann jetzt diesen Begriff, der aus der Roemerzeit stammt , gebrauchen, sein roemisches Gepraege erhielt. Im Jahr 98 n. Chr. stellte es mit dem in Italica bei Sevilla geborenen, bedeutenden Trajan den ersten roemischen Kaiser aus den Provinzen. Unter seiner Herrschaft erreicht das roemische Reich seine groesste Ausdehnung.

Am Ende des roemischen Reiches gab es dann wieder Buergerkrieg der Roemer in Iberien. Die Legionen der konkurrierenden Kaiser bekaempften sich und brachten eine neue Welle der Zerstoerung ueber das Land. Als die germanischen Voelker der Vandalen und anschliessend der Westgoten nach Iberien einzogen, waren viele der roemischen Staedte bereits schwer geschaedigt und die Widerstandskraft des Landes durch den langandauernden Buergerkrieg entscheidend geschwaecht.

Durch den Germaneneinfall wurden zusaetzlich Staedte zerstoert und nur zoegernd wieder aufgebaut, da die germanischen Eroberer wenig an staedtischer Kultur interessiert waren. Dies aenderte sich erst, als um 700 n. Chr. die Araber von Sueden her nach Iberien eindrangen, das Land eroberten und neu besiedelten.

Sie bauten ihre Staedte verwinkelt und regellos im arabischen Stil, der sich wesentlich von den vorhergehenden atlantischen und roemischen Stilen unterscheidet. Der arabische Stil praegt noch heute grosse Teile der suediberischen Orte. Manchmal, wie in Cordoba, kann man darunter noch roemische Reste erkennen. An anderen Orten verfielen die atlantischen und roemischen Staedte, weil ihre Lage den arabischen Neusiedlern nicht zusagte und sie ihre Staedte an anderen , besser geschuetzt liegenden Stellen, errichteten. Die alten Staedte dienten dabei haeufig als Steinbrueche oder Kalklieferanten fuer die neuerrichteten Ansiedlungen, sodass sie manchmal vollstaendig von der Oberflaeche verschwanden.

Mit der "Reconquista" der "Rueckeroberung" durch die christlichen Heere, die um 1100 im Norden Spaniens begann und 1492 mit der Eroberung Granadas endete, lief die letzte Zerstoerungswelle der alten Zeit ueber das Land. Sie hielt sich aber in Grenzen, da viele der entstandenen Schaeden durch die anfaenglich noch vorhandenen arabischen Bewohner schnell wieder behoben wurden.

Erst dem Wirtschaftsaufschwung des 19. und 20. Jahrhunderts war es vorbehalten, durch Stadtsanierungen, Anlage neuer Plaetze und Strassen und schliesslich durch einen nie gekannten Ausbau der Verkehrswege viele alte Strukturen zu zerstoeren, wobei dies anfaenglich garnicht erkannt wurde. Traf ein Bagger oder Radlader auf alte Mauerreste, so wurde dies lediglich als Stoerung der Bautaetigkeit wahrgenommen, weil ihre Beseitigung mehr Aufwand erforderte.

Auf die Idee, vielleicht auf wichtige historische Anlagen von hohem archaeologischem Wert gestossen zu sein, kam lange Zeit niemand. Erst seit etwa 1970 begann man, systematisch archaeologisch wertvolle Reste zu erhalten oder mindestens vor ihrer Zerstoerung zu dokumentieren. Dies geschah aber durchweg noch mangelhaft , gemessen an dem heutigen Stand der archaeologischen Methoden. An manchen Orten fuehrten die Arbeiten begeisterte und interessierte Laien durch., wobei lediglich "ausgegraben" und nicht archaeologisch untersucht wurde. Viele Erkenntnisse gingen deshalb von vornherein verloren. Auch heute noch werden viele "Ausgrabungen" nicht nach den inzwischen erarbeiteten Standards von Nichtfachleuten oder Hilfskraeften durchgefuehrt und es besteht weiterhin die Gefahr, dass bei den diffizilen archaeologischen Bedingungen in Suediberien weiteres wertvolles Material durch unsachgemaesses Arbeiten zerstoert wird.

Fuer Suediberien besteht ueber das angefuehrte hinaus eine grosse Gefahr in dem sich mit hoher Geschwindigkeit ausbreitendem Tourismus, der die meernahen Gebiete durch Anlage immer neuer Siedlungen, die man hier "Urbanisationen " nennt, vollstaendig veraendert. Dabei werden durch moderne Baugeraete ganze Berge abgetragen oder voellig neu terassiert, Fahrwege und Autostrassen durch brachliegendes altes Kulturland gefraest und voellig neue Landschaften geplant und angelegt.

Die wenigen archaeologischen Fachleute, die das Land besitzt, sind bei der Aufgabe, unwiederbringliche Werte zu sichern, vollstaendig ueberfordert und koennen nur erschuettert davorstehen, wenn wieder einmal eine durch einen Berg gefraeste Strassentrasse ein 6000 Jahre altes Graeberfeld durchschnitt und zerstoerte , wie in Los Milares geschehen, oder ein archaeologisch hoechst wertvoller Berghang zur Ausbeutungsgrube eines Zementwerkes wurde (Puerto de Santa Maria)

Die Fortsetzung dieses Berichtes finden Sie unter Archaeologische Funde in Suediberien

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Lesen Sie hierzu, umfassend und uebersichtlich dargestellt :

DIE GESCHICHTE VON ATLANTIS, der vergessene Ursprung unserer Kultur
von Karl Juergen Hepke
TRIGA-DER VERLAG, 2.Aufl. 2008, Hardcover, 268 Seiten, Eur 22,00 , ISBN 978-3-89774-539-1

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