Etrurien , Rueckkehr der Kultur in den Westen (15f, 22)

von Karl Juergen Hepke

Etrurien, das ist das Land im noerdlichen Italien, dessen Kernland man heute als Toskana bezeichnet. Rom liegt an seinem suedlichen Ende und gehoerte urspruenglich nicht zum Siedlungsgebiet der Tyrhener oder Tusker, wie die Neusiedler , die um 700 v. Chr. hier begannen sesshaft zu werden, von ihren Zeitgenossen , den Griechen und Karthagern, genannt wurden. Das Land , das sie sich ausgesucht hatten, war zu dieser Zeit wenig einladend und deshalb bis dahin kaum besiedelt. Die vulkanische Struktur der Boeden im suedlichen Teil foerderte Bodennaesse und Versumpfung und so hatten sich die bisherigen Siedler, die nach dem Entdeckungsort ihrer Kultur als Villanova- Leute bezeichnet werden, um 1200 v. Chr. nur an beguenstigten Plaetzen niedergelassen. Diese Plaetze zeichneten sich ausser durch relativ guenstige Bodenbedingungen durch in der Naehe gelegene Erzvorkommen aus. Diese lieferten das Rohmaterial fuer die Herstellung von Gegenstaenden aus Bronze.

Den archaeologischen Funden nach bewiesen die Villanova-Leute ein erstaunliches Geschick in der Verarbeitung dieses Materials, was darauf hinweist , dass sie die Kenntnisse dazu schon bei ihrer Einwanderung mitbrachten. Es ist deshalb so gut wie sicher, dass sie aus dem urspruenglichen atlantischen Raum kamen und von Norden ueber die Alpen oder von Westen ueber das Meer nach Italien gelangten.

Doch dies war nur ein Auftakt, der moeglicherweise aber dafuer reichte, die Kunde von den hier reichlich vorhandenen Kupfer- und Eisenerzen bis zu den verwandten Staemmen, die bis Vorderasien gewandert waren, dringen zu lassen. Als dann ab 700 v. Chr. das Leben in den von den Assyrern und Persern bedraengten vorderasiatischen Gebieten immer schwieriger und lebensgefaehrlicher wurde, machte sich ein Teil der dortigen Bevoelkerung auf, um per Schiff nach Norditalien zu fahren. Woher die Boote genau kamen, ist nicht bekannt. Nach Herodot kamen sie aus Phrygien und Lydien, also der heutigen Westtuerkei. Weitere moegliche Herkunftsorte sind die Kuestenstaedte der suedlichen Tuerkei, wie Tarsus, sowie die Staedte an der phoenizischen Küste. Von Tyrus aus wurde um die gleiche Zeit aus aehnlichen Gruenden Karthago an der Kueste Nordafrikas gegruendet. Es hat also zu dieser Zeit eine allgemeine Auswanderung in Richtung Westen gegeben , die in den spaeteren roemischen Dichtungen in den Geschichten von Dido und Aeneas ihren Niederschlag fand.

Die Menschen, welche die Boote bestiegen, um nach Westen zu fahren, waren groesstenteils die Nachkommen der atlantischen Voelker, die 400 Jahre zuvor als "Seevoelker" nach Vorderasien eingedrungen waren. Damals mussten sie den durch die kosmische Katastrophe von 1250 v. Chr. verursachten schlechten klimatischen Verhaeltnissen und den durch sie verursachten Hungersnoeten in den westlichen Laendern entkommen. Das Klima hatte sich, vor allem in den suedlich gelegenen Gebieten, inzwischen wieder gebessert und die reichlichen Regenfaelle, die viele Gebiete versumpfen liessen, waren einem gemischten Klima mit Regen, Sonne und vielen Gewittern gewichen.

 
Die Grabbauten, welche die Neusiedler in dem gewonnenen Gebiet errichteten, zeigen eindeutig ihre Zugehoerigkeit zur atlantischen Kultur. Die ersten Graeber waren Erdhuegel auf einem mannshohen Sockel aus Tuffgestein, die in der Mitte eine Grabkammer aus Felsgestein mit einem giebelfoermigen Dach bergen. Aehnliche Grabhuegel sind aus der Bronzezeit Norddeutschlands bekannt, wobei fuer den Sockel Heideplaggen und fuer die Grabkammer Granitfindlinge verwendet wurden. Etwas spaeter wird dann die rechteckige Grabkammer mit einer Kuppel aus vorkragenden Steinen, wie sie in Spanien in Antequera und in Mykene im "Schatzhaus des Atreus" vorkommen, eingedeckt. Auch Steinkreisgraeber mit in Ringen von bis zu 70 m Durchmesser senkrecht aufgestellten behauenen Steinplatten , die urspruenglich einen Grabhuegel einfassten, wurden gefunden. Diese Bauweise erinnert an Grabbauten aus Britannien. Aus diesen traditionell bestimmten Anfaengen entwickelten die zu einem Volk zusammenwachsenden Einwanderergruppen dann einen eigenen Stil, der in seiner Art einzigartig auf der Welt ist und den wuerdigen Abschluss der grossen Grabkulturen der aus der atlantischen Kultur hervorgegangenen Voelker bilden sollte.

In riesigen Totenstaedten, den sogenannten Nekropolen, die oft groesser und ausgedehnter als die eigentlichen Staedte waren, bestatteten die Etrusker in in den oft weichen Felsen hineingehauenen reichdekorierten Saelen ihre Toten . Die Grabbeigaben zeigten Stand und Reichtum des Bestatteten und waren deshalb leider schon sehr frueh und vor allem auch im neunzehnten Jahrhundert das Ziel von Grabraeubern, denen es aber gluecklicherweise bis in die heutige Zeit nicht gelungen war, alle Graeber aufzufinden. An ihre Stelle traten ab Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts professionelle Archaeologen, die zumindestens dafuer sorgten, dass ihre Funde in oeffentliche Haende gelangten, wenn man Museen, die oft ihre Schaetze in unzugaenglichen Kellern verwahren , soweit sie nicht "verlorengehen", so nennen will. Auf Grund des Interesses von Privatsammlern sind die aus den Graebern geraubten Kunstschaetze heute ueber die ganze Welt verteilt und erzielen auf Auktionen, soweit sie dorthin gelangen, Spitzenpreise.

Doch einiges blieb der Oeffentlichkeit zugaenglich und reicht aus, um den hohen Stand der etruskischen Kultur zu dokumentieren. So gelang es 1836 zwei an Altertumsfunden interessierten Italienern in einem schon mehrfach aufgegrabenen Grabhuegel noch ein voellig unversehrtes Grab zu finden. Als sie in die spitzgiebelig ueberdachte Grabkammer aus starkem Gestein eintraten, glaubten sie ihren Augen nicht zu trauen. Auf einem steinernen Katafalk lag schmuckbedeckt das Skelett einer Frau. Ringsum standen kostbare Gegenstaende und vermittelten den Eindruck einer Pracht, wie sie sie nur aus Berichten aus dem Orient kannten. Dem kostbaren Schmuck und der Fuelle und Schoenheit der Opfergaben nach, musste es sich um das Grab einer Fuerstin oder hohen Priesterin handeln.

Getrennt von ihr waren im vorderen Teil des Grabes zwei weitere Tote beigesetzt. In einer Nische stand eine Urne mit der Asche eines Kriegers, umgeben von seinen Waffen. Im Kammergang ruhten auf bronzenem Bett die Gebeine eines zweiten Mannes. Die Funde sind heute im Regolini-Galassi- Saal des Museo Gregoriano im Vatikan ausgestellt, wo sie schlecht beleuchtet und ungenuegend beschriftet vor sich hindaemmern. Besonders bemerkenswert ist eine goldene Brustplatte, ein sogenanntes Pectorale, verziert mit Pflanzen und Tierornamenten, die als Zeichen hoechster Wuerde gedeutet werden kann. Aehnliche Brustplatten zieren eine gefluegelte Sphinx in der assyrischen Stadt Nimrud und die Darstellung des Assyrerkoenigs Assurnasipal II in seiner Eigenschaft als Priester. Auch in Israel gehoerte der Brustschild - "chochen" auf hebraeisch - zum Festgewand des Hohenpriesters. Ein weiteres Prunkstueck des Fundes ist eine goldene Scheibenfibel, die ein Prachtexemplar alter Goldschmiedekunst darstellt. (siehe Abbildung) Die hier angewendete Technik der Granulation feinster Goldkuegelchen und ihr Aufschweissen auf die darunterliegende Flaeche galt lange Zeit als nicht mehr durchfuehrbar und gelang erst wieder in heutiger Zeit.

Die in den Grabraeumen bei den Toten aufgefundenen Grabbeigaben bestanden u. a. aus einem Bronzebett, grossen Rundschilden aus Bronze mit der Abbildung von Pantherkoepfen, Bronzekesseln, tiefschwarz glaenzendem Geschirr - genannt Bucchero - verziert mit unheimlichen Tieren. Ausserdem aus Tassen und Trinkgefaessen aus Silber, duennwandigen Bronzeschuesseln ueberzogen mit Gold, Feuerbaenken und Raeucherwagen. Zwei Fahrzeuge, ein vierraedriger Bestattungswagen und eine zweiraedrige Biga fuer Festtage und Krieg und ein bronzeverzierter Thron ergaenzten die Ausstattung. Fuer Kurzweil und Unterhaltung waren Spiele mit rotierenden Scheiben und Wuerfeln beigefuegt und zur Nahrung grosse Tongefaesse mit Korn, Oel, Honig und Eiern. Es fehlte nichts, was den Haushalt und die Hofhaltung einer hochgestellten Persoenlichkeit ausmacht und sogar ihren Namen konnte man auf elf silbernen Trinkgefaessen entdecken. Sie hiess Larthi.

Das Grab stammt aus dem 7. Jahrhundert v. Chr. und zeigt, dass die "Etrusker" schon bei ihrer Einwanderung eine Kultur mitbrachten, die den hoechsten Stand der bei den atlantischen Voelkern erreichten Kunst der Metallverarbeitung und Keramikherstellung dokumentiert.

Ein anderes Grab einer Fuerstin in der Naehe von Tarquinia, der aeltesten Stadt der Etrusker, das vorher unvollstaendig beraubt worden war, gab 1895 weitere Kunstwerke preis . Darunter eine Kette mit einundneunzig zierlichen Goetterfiguren aus gruener aegyptischer Fayence und eine hohe Balsambuechse aus gleichem Material. Auf einem Bildstreifen ist der Herrscher des Nillandes im Kreise der Goetter dargestellt und eine Inschrift enthaelt den Namen eines Pharaos, des Bok-en-ranf. Dieser Herrscher, den die Griechen Bokchoris nannten, regierte von 734 bis 728 v. Chr. Er fiel im Kampf gegen die Aethiopier. Man nimmt an , dass nicht lange nach seinem Tode die Buechse, die moeglicherweise ein Geschenk des Pharaos an sie war, der Fuerstin mit ins Grab gegeben wurde und das Grab damit gegen 700 v. Chr. zu datieren ist. Um 1900 war man noch auf diese Datierung nach Fundstuecken angewiesen, denn die Datierung nach Radiokarbonmethode, Thermoluminiszenz oder Dendrologie waren noch nicht bekannt.

Aus der Wildnis der unberuehrten Naturlandschaft machten die Einwanderer eine Kulturlandschaft mit Aeckern, Plantagen und Gaerten. Auf Rodungen und trockengelegten, vorher versumpften Boeden wurde gepfluegt und Getreide angebaut. In den Taelern der erzreichen Berge der "Colline metallifere", der Tolfa-Berge und auf der Insel Elba wurden Stollen in die Erde getrieben und Erze gefoerdert. Kohlenmeiler schwelten und Schmelzoefen sind in den Taelern in Betrieb um Kupfer und viel, viel Eisen zu gewinnen. Die Gewinnung und Verarbeitung des Eisens war offenbar die wesentliche Kunst, welche die Etrusker aus Kleinasien, dem Land der eisenverarbeitenden Hethiter, mitbrachten und die ihren Reichtum und spaeter ihren Untergang bringen sollte.

Eine Kette von Stadtfestungen beherrschte das Landschaftsbild. An der Kueste, 30 Km noerdlich der Tibermuendung lag Caere, Cisra etruskisch, mit seinen drei Hafenplaetzen, Alsium, Punicum und Pyrgi. 40 Km noerdlich folgte Tarquinia, die aelteste Stadtgruendung. Weiter nordwestlich folgt Vulci, Herkunftsort von Roms zweiten etruskischen Koenig Servius Tullius. Ueber einem Binnensee mit Zufahrt zum Meer folgt Vetluna, und dann , versteckt zwischen Huegelketten, Rusellae, heute Roselle. Gegenueber von Elba liegt auf einer Anhoehe am Meer Pupluna, spaeter Populonia. Weiter nahe der Kueste folgt Velathri, heute Volterra, Herkunftsstadt des Alabasters. Im Hinterland gesellen sich dazu: Suedwestlich des Trasimenischen Sees, Chamars, Clusium bei den Roemern, heute Chiusi. Dann Volsinii mit dem etruskischen Zentralheiligtum am Bolsena See und ganz im Sueden, bereits in der gefaehrlichen Naehe Roms, Veji. An den Haengen des Appenin kommen dazu die Orte Arretium, heute Arrezo, Cortuna, Perusia und Orvieto. Zwoelf der groessten Staedte bilden den noerdlichen Zwoelferbund, in dem sich die "heilige Zahl" 12 wiederfindet. Neu angelegte Strassen verbinden Staedte und Orte. Prozessionsstrassen fuehren vor die Staedte zu den Nekropolen.

Drei Tore fuehren ins Innere der Stadt, drei Tempel gehoeren dazu. Staerker noch als die Kelten huldigten die Etrusker einer ausgepraegten Zahlenmystik, in der die Zahl drei eine hervorragende Rolle spielte. Der tuskische Tempel wirkt schwer und gedrungen und ist nahezu quadratisch im Grundriss. Oft hat er drei Kultnischen und ist der goettlichen Trinitaet aus Tinia, dem Obergott, aus dem bei den Roemern Jupiter wird, Mnvra, aus der Minerva wird und Uni, aus der die Roemer Juno machen, geweiht.An der Vorderseite hat er ein vorspringendes Dach mit einem flachen Giebel. Der Dachvorsprung wird durch eine Reihe von dorischen Saeulen mjit Basis getragen. Ein aehnlicher Tempel ist auf einem Relief aus Khorsabad am Euphrat abgebildet und stellt einen Tempel in Urartru, einer atlantischen Staatsgruendung in Armenien dar.

Die Tempel stehen auf einem hohen Podest und von vorn fuehrt eine Treppe hinauf. Offenbar eine gestalterische Wiederholung des Tempelberges der atlantischen Ursprungsstadt Tharsis mit seiner Prozessionsstrasse, die auch in den Zikkuraten Mesopotamiens Pate stand. Der frontale Eindruck ist hier wichtig und nicht wie beim griechischen Tempel das Gesamtbauwerk in allen Ansichten. Ein weiterer Hinweis auf die urspruengliche Lage des Tempels ausserhalb der Stadt und seines Zugangs in Form einer Prozessionsstrasse. Die Lage des Tempels in der Stadt kann deshalb nur als ein aus Sicherheitsgruenden eingegangener Kompromiss gesehen werden. Rom sollte spaeter in dem ersten etruskischen Tempel auf dem Kapitolberg und der dorthin fuehrenden Prozessionsstrasse, der "Via sacra", die alte, urspruengliche Idee wieder aufgreifen.

Lebensgrosse, farbige Statuen von Goettern und Reliefs, aus Ton gebrannt schmuecken das Giebeldreieck, den First und den Rand des Daches. Friese mit Fabelwesen, kaempfenden Kriegern und tanzenden und sich umschlingenden Nymphen und Silenen zieren die Waende. Grell sind die Farben, rot, weiss, blau, braun und violett treffen hart aufeinander und verstaerken den ekstatischen Eindruck des Dargestellten. Bunt bemalt und mit Terrakottaplatten geschmueckt sind auch die grossen Haeuser der Stadt, oeffentliche Gebaeude und Wohnsitze der Maechtigen. Die Hausform ist das Atriumhaus, das spaeter in Rom den Wohnstil der Reichen bestimmen soll. Diese Hausform hatte sich in Kleinasien und Syrien, dem dortigen Klima entsprechend, entwickelt.

Die Organisation der Stadtstaaten entspricht dem alten atlantischen Muster. An der Spitze steht der Koenig. Adelsgeschlechter bilden die fuehrende Schicht, aus der Krieger und Priester stammen. Das Koenigtum ist urspruenglich erblich, spaeter, als die Adelsgeschlechter immer maechtiger werden, wird der Koenig jaehrlich aus den Adelsgeschlechtern gewaehlt. Eine erhebliche Schwaechung seiner Stellung , die sich in den spaeteren kriegerischen Auseinandersetzungen mit Rom sehr negativ auswirken sollte. Der Koenig heisst "Lauchme" auf etruskisch, "Lucumo" in den roemischen Texten.

Er traegt ein Diadem aus Gold , ein Szepter, den Purpurmantel und sitzt auf einem Thron. Kennzeichen des Amtes, welche das gesamte Abendland fuer die Koenigswuerde spaeter uebernehmen wird. Möglicherweise ist auch die etwas eigenartige Anrede "Euer Durchlaucht" fuer hochgestellte Persoenlichkeiten auf den etruskischen "Lauchme" zurueckzufuehren.

Als Symbol der Macht ueber Leben und Tod werden dem Koenig die "fasces", ein Rutenbuendel in dem eine Doppelaxt steckt, vorangetragen oder an seiner Seite aufgestellt. Die Doppelaxt ist ein uraltes atlantisches Machtsymbol, das sich bereits in Aegypten findet. Das Rutenbuendel hingegen ist anscheinend eine etruskische Hinzufuegung, wohl als Zeichen, dass dem Koenig nicht nur die Verhaengung der Todesstrafe, sondern auch das Recht zur Verhaengung koerperlicher Zuechtigungen zusteht, was man durchaus als Weg zu humanerem Strafvollzug verstehen kann. Dies wird klar, wenn man bedenkt, dass die Etrusker aus dem assyrisch beherrschten Raum kamen, in dem jede Art von grausamer Todesstrafe selbst fuer geringe Vergehen ueblich war.

Spaeter in Rom wird aus den "fasces" das "Liktorenbuendel", das als Zeichen der politischen Macht den jeweiligen Machthabern von den "Liktoren" vorangetragen wird. Mussolini uebernahm es spaeter als Symbol fuer seine "Schwarzhemden" und begruendete damit den Namen "Faschisten". Der Name wurde dann bald fuer alle rechtsradikalen Organisationen Europas angewendet.

Die Kleidung der Etrusker ist entsprechend der atlantischen Tradition, wie sie auch aus Phoenizien bekannt ist, aufwendig und bunt. Die Frauen sind sorgfaeltig frisiert und behaengt mit kostbarem Schmuck. Sie tragen ein enganliegendes Kleid mit Guertel, das bis zum Boden reicht. Darueber einen mantelartigen, bis zu den Knien reichenden Ueberwurf. Der Stoff, oft reich bestickt und mit Fransen versehen, leuchtet in gut abgestimmten Farben. Eine runde oder spitz zulaufende Kappe bedeckt den Kopf. Aehnliche Huete trugen Jahrhunderte vorher die Damen der Hethiter.

Die Maenner tragen ein knielanges geguertetes Wams, die Tunika. Darueber einen ueber die Schulter drapierten Mantel, die Tebenna. Sie ist Vorlaeufer der roemischen Toga. Aufwendig ist das Schuhwerk der Etrusker, das von leichten Sandalen mit goldenen Baendern bis zu geschnuerten Stiefeln fuer Alltags und Feste reicht. Als besonders schick gelten Schnabelschuhe mit nach oben gebogenen Spitzen wie sie auch die Hethiter schon kannten.

In den Staedten entwickelt sich eine vielfaeltige Gewerbewirtschaft zur Herstellung aller Arten von Guetern. Die Keramikindustrie erlebt eine bis dahin in Europa nicht gekannte Bluete. Ausser toenernem Geschirr in vielfaeltigen Formen und Dekoren wird die typisch etruskische schwarze Keramik - an die das Boettcher-Steinzeug Meissens erinnert - hergestellt. Unter Leitung eines griechischen Meisters fertigt eine Manufaktur in Caere die Caeretaner Hydrien, grosse mit Tierfriesen bemalte Kruege.(siehe Abbildung).

Die Metallherstellung und -Bearbeitung erreicht eine hohe Perfektion. Ueber die Qualitaet des Schmucks wurde schon berichtet. Ausserdem wurden Bronzegefaesse, gegossene Spiegel, ziselierte Behaelter und Dosen, Gegenstaende des taeglichen Bedarfs und natuerlich Waffen aller Art hergestellt.
Das gute Eisen, das die Etrusker herstellen konnten, ruestete als Schwerter, Dolche, Speer-, Pfeil- und Lanzenspitzen bald alle Voelker Italiens und darueberhinaus des gesamten Mittelmeerraums auf und bildete die Waffenbasis fuer die kriegerischen Auseinandersetzungen , die bald Rom ueber die Voelker des Mittelmeers und des noerdlichen Europas bringen sollte.

 
Wie bei den atlantischen Voelkern aller Zeiten spielte die Musik auch bei den Etruskern im Leben, bei Zeremonien und im Kriege eine grosse Rolle. Die Trompete mit ihrem hellen Klang wurde von ihnen erfunden und als Signalinstrument im Krieg eingesetzt. Die Hoernertrompete verwendete spaeter Rom als bevorzugtes Instrument seiner Militaermusik. Weiter gab es ein leicht gebogenes Horn, eine Art Jagdhorn, und ein langes Krummhorn. Als Saiteninstrumente waren die siebensaitige Kithara und die Leier bekannt. Fuer Spiel und Tanz verwendete man kastagnettenartige Klappern. Das beliebteste Instrument aber war seit alter Zeit, so auch bei den Etruskern, die Floete. Ihre Musik begleitete die taegliche Arbeit, den Sport und sogar die Zuechtigung der Sklaven. Das Floetenspiel der Tusker war noch in Rom hochgeschaetzt und durfte bei rituellen Opferfeiern nicht fehlen. Sogar zum Anlocken des Wildes bei der Jagd wurde der zauberhafte Klang ihrer Floeten verwendet.

Aber nicht nur auf kulturellem Gebiet bluehte das Land auf. Die Etrusker waren auf Grund der bei ihnen angesammelten, Jahrtausende alten agronomischen und wasserbautechnischen Erfahrungen der Atlanter Meister in der Erschliessung jeder Art von Boeden. Sie kannten sich aus im Kanal- und Tunnelbau und hatten schon in Urartru, Kleinasien und Mesopotamien bewiesen, dass sie jedes wasserbautechnische Problem mit grosser Raffinesse loesen konnten. Eine Kunst, die selbst unsere heutigen Wasserbautechniker nicht mehr beherrschen, da ihnen das Gefuehl und die Ausbildung zum Erkennen der Beduerfnisse der Natur fehlt. Es waere deshalb wuenschenswert, dass fuer die Ingenieure, die heutzutage Wasserbauten durchfuehren duerfen, eine Zusatzausbildung in Agronomie und Landschaftsgestaltung gefordert wuerde. Die wasserbautechnischen Anlagen der Etrusker und anderer atlantischer Voelker koennten dabei durchaus auch heute noch als Studienobjekt dienen.

Dazu ein Beispiel: Beim heutigen Ort Ansedonia liegt zu Fuessen des steil abfallenden Felshanges die "Tagliatta Etruska". Sie besteht aus einem Entwaesserungskanal des nahegelegenen Buranosees, der dessen Versumpfung verhindert. Er verlaeuft bis zum Felsen, durchdringt ihn mit einem Tunnel und muendet dann ins Meer. Dies ist an sich nichts Besonderes. Der "Pfiff" der Etrusker bestand darin, dass sie , um eine Versandung und Verstopfung des Auslaufs zu verhindern, an der Muendung des Tunnels eine gewaltige Barriere aus dem Felshang schnitten, durch die zwei weitere Tunnel getrieben wurden. Durch diese Anordnung wurde erreicht, dass Stroemung und Gegenstroemung abwechselnd wirkten und der Kanal nie versandete. Er erfuellt noch heute nach 2200 Jahren seinen Zweck.

Die etruskische Agrartechnik ermoeglichte es, dass auch aus ackerbautechnisch schwierigem Land reiche Ertraege gewonnen werden konnten, die nicht nur die eigene zahlreiche Bevoelkerung ernaehrten, sondern sogar Exporte in benachbarte Gebiete ermoeglichten. Weite Gebiete an Fluessen, in Taelern und Ebenen, vor allem in Meeresnaehe die sogenannten Maremmen, wurden damals trockengelegt. Gegenden im Hinterland und an Berghaengen gelegen wurden kuenstlich bewaessert. Ein kompliziert angelegtes System von Kanaelen, in denen man das ueberschuessige Wasser sammelte, durchzog Etrurien und spaeter auch Latium. Der Ueberschuss wurde durch grosse Sammler ins Meer geleitet.

Auf den duerren Boeden der Huegel in den Maremmen wurden die besonderen Verfahren des "dry-farming" der "amerikanischen" Trockenkultur bereits von den Etruskern angewendet.Hier finden sich noch heute, groesstenteils verfallen, die Reste von Anlagen mit denen sich die Etrusker die unregelmaessig fallenden Niederschlaege zu Nutze machten. Die im Winter fallenden Regenmengen wurden in kuenstlich angelegten Seen, die durch Ton und etwas beigemengten Kalk wasserdicht gemacht worden waren, gesammelt und durch in verschiedenen Hoehen angebrachten Leitungen aus gebrannten Tonroehren in die Weinberge geleitet. Man erzielte damit hervorragende Ertraege. Im Chiana-Tal, das von zahllosen unterirdischen und offenen Wasserlaeufen durchzogen wurde,baute man die Weizensorte Dinkel an. Ausserdem zog man Hirse, Roggen, Hafer und als Lieferanten fuer das Leinen der Textilproduktion, Flachs. Der Weinbau, der noch heute die Toskana beruehmt macht , wurde von den Etruskern eingefuehrt und sein Produkt war ein begehrter Exportartikel, der bis in die keltischen Gebiete noerdlich der Alpen geliefert wurde.

Auch die Tierzucht erlebte eine Bluete. Pferde, die dem arabischen Vollblut aehnelten, wurden als Reitpferde und fuer die zweiraedrige Biga als Zugpferde gezuechtet. Mit ihnen wurden die bei allen atlantischen Voelkern beliebten Wagenrennen durchgefuehrt. Die hochgewachsenen silbergrauen Rinder der Toskana mit den weitausladenden Hoernern sollen damals von den Etruskern aus Kleinasien mitgebracht worden sein. Schafe und Herden von Schweinen, die in den Eichenwaeldern weideten ergaenzten den Haustierbestand. Im Meer fing man den damals noch zahlreichen Thunfisch.

Die Staedte profitierten wie das Land von der Wasserbaukunst der Etrusker. Jede Stadt besass Kanalisation und Brunnenanlagen, die ueber toenerne Rohrsysteme aus Fluessen oder Quellen mit Frischwasser versorgt wurden. Archaeologen fanden unter vielen der alten Staedte nicht ganz mannshohe, spitzbogige schmale Gaenge, die sich ueberschneiden und ergaenzen und hin und wieder durch Steilschaechte stufenweise mit niedriger gelegenen aehnlichen Systemen verbunden sind. Eine noch heute verwendete Technik der Anlage von Kanalisation und Entwaesserung, die sich aber fuer den Kenner durchaus auch als System von Geheimgaengen verwenden laesst.

Auch Hoehenunterschiede ueberwanden die Etrusker durch unterirdische Roehrensysteme mit Druckanlagen und Syphon um Frischwasser aus grosser Entfernung den Staedten zuzuleiten. Sie uebertrafen damit die Wasserbaukunst der Roemer mit ihren zwar spektakulaeren aber vergleichsweise technisch primitiven, wirtschaftlich unheimlich aufwendigen, oft die Landschaft verunstaltenden und fuer Zerstoerungen anfaelligen oberirdischen Wasserleitungen betraechtlich. Diese Wasserleitungen muessen eindeutig als zivilisatorischer Rueckschritt, wie auch vieles andere der roemischen "Leistungen" angesehen werden.

Die Metallindustrie Etruriens uebertraf alles bisher in Europa und Vorderasien bekannte. Sie war, wie auch in allen atlantischen Staaten vorher, die wesentliche Quelle des Reichtums. Die reichen Kupfer- und vor allem Eisenerzlager mit hohen Metallgehalten wurden abgebaut und in Schmelzoefen in Metall verwandelt. Diese Schmelzoefen sind zum Teil noch erhalten, sodass man ihre Konstruktion und Funktion kennt. Sie haben die Form eines konischen Stumpfes von ca. 1,80 m Durchmesser, sind innen mit feuerfesten Ziegeln ausgekleidet und durch einen durchloecherten Boden in eine obere und eine untere Kammer geteilt. Dieser Boden wird duch eine zentrale Saeule aus Porphyr gestuetzt. In der unteren Kammer befindet sich eine viereckige Tuer durch die Verbrennungsluft eintreten und das geschmolzene Metall austreten kann.

Die obere Kammer wurde mit einem Gemisch aus Holzkohle und Erz, wahrscheinlich auch unter Zufuegung von fuer den Reduktionsprozess foerderlichen Stoffen wie Kalkgestein gefuellt und in der unteren Kammer ein Holzfeuer entzuendet. Durch den durchloecherten Boden frass sich das Feuer in die Holzkohle-Erzmischung der oberen Kammer und entzuendete sie. Mit der sich entwickelnden Hitze begann der Reduktios- und Schmelzprozess. Das entstehende fluessige Metall floss durch die Loecher im Boden in die untere Kammer und durch die Tuer ins Freie. Durch staendiges Nachfuellen von Erz-Kohlemischung von oben war ein kontinuierlicher Metallgewinnungsprozess wie bei einem modernen Hochofen moeglich. Die Oefen waren so angelegt, dass die im Tal vorherrschenden Winde die Zugwirkung in den Oefen verstaerkten und eine Art Blasebalgwirkung entstand, welche die Temperatur in den Oefen hochtrieb. Eine Ueberhitzung konnte durch Verkleinerung der unteren Tueroeffnung verhindert werden.

Das Holz fuer die in grossen Mengen benoetigte Holzkohle wurde in einer rationellen Waldwirtschaft im 20 Jahre Rhythmus erzeugt. Man weiss dies durch die Untersuchung von erhaltenen Holzkohlestueckchen, die alle von Baeumen stammen, die ein maximales Alter von 20 Jahren aufweisen. So ist es erklaehrlich, dass erstaunliche Mengen von Erz verarbeitet werden konnten. Die Schlackenhalden an der Kueste vor Elba dienten noch waehrend des ersten Weltkrieges der italienischen Eisenindustrie als willkommene Eisenreserve fuer die Kriegsfuehrung.

Sportliche Wettspiele und Wagenrennen, die von religioesen Zeremonien eingeleitet wurden spielten wie einst in Atlantis auch in Etrurien eine grosse Rolle.

Wenn man all die Parallelen mit Platons Erzaehlung von Atlantis betrachtet, koennte man sogar auf die Idee kommen, dass Platon Etrurien beschrieben hat, wenn man nicht wuesste, dass mindestens 500 Jahre verbuergter Geschichte zwischen beiden Staatsgebilden liegen. Es ist aber unverkennbar, dass die Etrusker in vielem dem ihnen durchaus bekannten Atlantis-Vorbild nachstrebten und viele, sonst kaum verstaendliche Eigenarten ihrer Kultur erklaeren sich nur daraus. Dies betrifft vor allem die von ihnen vorausgesagte befristete Existenz ihres Staatsgebildes.

Die etruskischen Spiele sind auf Fresken in den Grabkammern von Tarquinia und Chiusi und auf Grabvasen aus Volterra dargestellt. Alle olympischen Sportarten sind darauf vertreten, ausserdem Reiterwettkaempfe, Flach- und Wagenrennen. Detailreiche Darstellungen zeigen die Wettkaempfer, Herolde, Schiedsrichter und Zuschauer, zu denen im Gegensatz zu Griechenland wie in allen atlantischen Staaten auch die gleichberechtigten Frauen gehoeren.

Eine weitere atlantische Festspezialitaet sollte ueber die Etrusker zu den Roemern gelangen und damit in die schriftlich verbuergte Geschichte eingehen. Es ist die atlantische Prozession, die in Rom zum "Triumph" wurde. Nach siegreichem Feldzug wurde sie als Dank an die Goetter veranstaltet und zaehlte zu den Hoehepunkten im Leben jedes Staates mit atlantischer Tradition. Der siegreiche Feldherr, in Etrurien meistens der den Kriegszug leitende Koenig, trug dabei das Ornat eines Gottes: Eine purpurne goldgestickte Tunika, eine gleichfalls purpurne goldverzierte Tebenna, vergoldete Schuhe, ein elfenbeinernes Scepter und als Siegeszeichen einen Lorbeerkranz. Gesicht und Arme wurden mit Menninge rot geschminkt. Liktoren mit purpurnen Tuniken bildeten die Spitze des Zuges, gefolgt von Maennern, die ausgewaehlte Beutestuecke: Waffen, Feldzeichen und Kostbarkeiten trugen. Von Tempeldienern gefuehrt folgten die Opfertiere. Weisse festlich geschmueckte Stiere mit vergoldeten Hoernern. Ihnen folgten ausgesuchte Gefangene, die in der urspruenglichen Form und manchmal auch noch bei den Etruskern und sogar noch bei den Roemern ebenfalls geopfert wurden, meistens jedoch als zu wertvoll dafuer angesehen wurden. Es folgten Priestergehilfen, die Raeuchergefaesse schwenkten.

Dann kam der triumphierende Feldherr auf einem von vier weissen Pferden gezogenen zweiraedrigen reichverzierten Prunkwagen. Ein Chor von Kitharisten und Tityristen mit Leibgurten und goldenen Kopfbinden schritt neben dem Wagen. Unter ihnen einer in langem Purpurkleid, behaengt mit goldenen Armringen und Halsgeschmeide, der "zum Hohn der Feinde laecherliche Gebaerden macht" und wohl den besiegten Herrscher oder Feldherrn darstellen sollte. Es folgt der lange Zug ausgewaehlter Krieger des Feldzugs- in Rom waren es spaeter die siegreichen Legionen- mit ihren Standarten und Feldzeichen, unterbrochen immer wieder von Gruppen ausgesuchter Gefangener. Die Krieger sangen abwechselnd Loblieder und Spottverse auf den Triumphator.

Die Religion spielte im Leben der Etrusker eine grosse Rolle. Auch insofern waren sie echte Nachfahren der Atlanter. Es ist in ihrem Leben kein Zeichen von Abnutzung der Religiositaet zu finden, wie es anderen Kulturen, die sich im Abstieg befinden zu eigen ist. Vielleicht war es aber fuer diese Zeit schon zuviel Religiositaet, die das Leben und die freie Entfaltung der eigenen Kraefte des Einzelnen behinderte. Das "Phaenomen Rom" auf das wir noch kommen werden, koennte man in diese Richtung deuten.

Die atlantischen archaischen Staaten verlangten von Einzelnen eine völlige Integration in das Staatsleben, das weitgehend religioes bestimmt war. In Etrurien war es als letztem Vertreter dieser Staaten nicht anders. Wohl deshalb setzten sich viele Menschen , denen dies nicht gefiel, nach Rom ab. Der Stadt , die urspruenglich keine etruskische Gruendung alter Schule war. Sie wurde zwar eine Zeit lang von etruskischen Koenigen regiert, lernte aber auch in dieser Zeit nicht die absolute Macht des etruskischen Priestertums kennen, das die alten Staedte beherrschte. In ihr herrschte ein freierer Geist und das war fuer viele Grund genug, sich dort niederzulassen. "Stadtluft macht frei" war im 19. Jahrhundert der Spruch, der viele Menschen in Europa aus der Enge und Abhaengigkeit der Doerfer in die Staedte fuehrte und es ist gut vorstellbar, dass es bei den Etruskern hiess: "Romluft macht frei".

Doch bevor hier weiter das "Phaenomen Rom" behandelt wird, noch einiges zur Religion der Etrusker. Da fast nichts von den die Religion betreffenden Aufzeichnungen dank der gruendlichen Vernichtungsarbeit der Roemer, die schliesslich wohl eine an Hass grenzende Abneigung gegen die ueberlegene etruskische Kultur gehabt haben muessen, erhalten geblieben ist, ist es nur der muehseligen Kleinarbeit von Archaeologen und anderen Wissenschaftlern zu verdanken, dass 2000 n. Chr. wieder ein gewisses Bild darueber entstanden ist.

Ohne jeden Zweifel war die etruskische Religion die Grundlage fuer die italische und spaeter die roemische Religion. Aber die komplizierten Kulte und Riten, die Geheimwissen der etruskischen Priesterschaft waren, gingen nahezu vollstaendig verloren. Deutungen des Vogelflugs, die Leberschau, die Blitzdeutung, selbst die Deutung der sybellinischen Buecher konnten auch zur Glanzzeit Roms nur durch etruskische Priester vorgenommen werden und waren nicht mehr moeglich, als es diese nicht mehr gab.

Die etruskische Religion ist nach Ansicht der zustaendigen Gelehrten (a) wie das Judentum, Christentum und des Islam eine "Religion des Buches". Dieses "Buch" besteht , wie die Bibel, aus einer Sammlung von Buechern, welche die Roemer "etrusca disciplina" nannten. Der etruskische Name ist nicht bekannt.

Die in den Buechern enthaltenen Lehren sollen von den "unsterblichen Goettern stammen, es duerfte sich also um eine Sammlung der urspruenglich muendlich ueberlieferten und spaeter aufgeschriebenen ueberkommenen Lehren aus atlantischer Zeit gehandelt haben. Nach einer anderen Quelle sollen sie von Tages dem Tarchon uebermittelt worden sein. Tarchon ist eine sagenhafte Figur, die bei der Gruendung der aeltesten etruskischen Stadt Tarquinia beim rituellen Pfluegen der Gruendungsfurche aus der Furche aufstand und die Lehren verkuendete. Dies ist sicher ein von den Priestern erfundener Mythos um die Stadtgruendungsgeschichte aufzuwerten.

Die urspruenglichen Buecher, die "libri tagetici" wurden im Lauf der weiteren Zuwanderung durch andere ergaenzt. Es handelte sich dabei sicher um weiteres Wissen, das durch neu zuwandernde Priester mitgebracht und dann mit aufgenommen wurde. Dazu gehoerte die Blitzlehre, die der Nymphe Vegoia aus Clusium zugeschrieben wurde, also wahrscheinlich durch die Einwanderergruppe, die Clusium besiedelte, mitgebracht wurde. Als weiterer Urheber von Lehren wird Cacus genannt. Von der "etruskischen Disziplin" sind nur Bruchstuecke erhalten. Sie wurde, als sich Rom dem Christentum zuwandte als "Aberglauben" konsequent vernichtet. Bezuege auf sie finden sich aber reichlich in roemischer Literatur und so ist eine gewisse Rekonstruktion zumindestens des Geruestes moeglich, obwohl viele Details fehlen. Nach Cicero bestand die "etruskische Disziplin"

1. aus den Buechern der Haruspexe (libri haruspicini) , also den Anleitungen zur Deutung der Leberschau, des Vogelflugs und anderer Naturzeichen.

2. aus den Buechern von den Blitzen (libri fulguralis) ,welche die Deutung der Blitze enthielt, von denen die Etrusker zwoelf verschiedene Arten unterschieden .

3. aus den Buechern von den Riten (libri rituales) in denen Fest- und Opferriten enthalten waren.
Dazu gehoerten die "libri acheruntici", die wahrscheinlich die Jenseitslehre enthielten, die "ostentaria" und die "libri fatales", die Schicksalsbuecher.

Ebenfalls zu ihnen gehoerten wahrscheinlich auch die sibyllinischen Buecher.

In den "libri fatales" war als bekannteste Voraussage enthalten, dass das etruskische Staatswesen zehn Zeitalter (saeculi) bestehen und sich dann aufloesen wuerde. Diese "saeculi" waren nicht gleichlang, sondern das Ende eines Saeculums wurde durch dem hoechsten Priester Etruriens auf Grund eines besonderen, von ihm erkannten Zeichens, festgesetzt. In der Praxis sah es so aus, dass die ersten drei Saeculi je 100 Jahre dauerten und die weiteren sich laufend verkuerzten, wahrscheinlich entsprechend der Zunahme der Dichte von bedeutenden Ereignissen.

Die Goetterwelt der Etrusker ist vor allem aus archaeologischen Funden bekannt. Als sehr ergiebig erwiesen sich dabei die Rueckseiten von Bronzespiegeln, auf denen mythologische Szenen dargestellt sind und die dargestellten Goetter sogar mit Namen benannt werden.

Da diese Spiegel wertvolle Objekte darstellten, entgingen sie der Vernichtung durch die Roemer und die nachfolgenden Voelker. So sind bekannt als etruskische Goetter:
1. Tin, als Blitz- und Obergott, er entspricht bei den Roemern Zeus/Jupiter. Himmelsgott
2. Turan, Muttergoettin, entspricht Aphrodite, Venus. Himmelsgoettin
3. Aisera
4. Velchans, Natur und Geburtsgottheit
5. Sethlans, entspricht Hephaistos, Volcanus. Natur- und Zivilisationsgott (Kulturbringer)
7. Fufluns, entspricht Dionysos. Naturgott
8. Laran. Kriegsgott
9. Lethans. Himmelsgott
10. Cath oder Cautha. Himmelsgott
11. Turms, entspricht Hermes, Merkur. Himmelsgott
12. Nethuns, entspricht Poseidon, Neptunus. Wassergott
13. Maris, Sohn der Menrva. Himmelsgott
14. Menrva, enspricht Minerva, spaeter Uni, Astarte. Himmelsgoettin
15.Satre, entspricht Saturn. Erd- und Fruchtbarkeitsgott
16. Veive. Himmelsgoettin
17. Calu. Unterweltsgott
18. Thanr. Unterweltsgoettin
19. Charun. Unterweltsdaemon
20. Tuchulcha. Unterweltsdaemon
21. Vanth. Unterweltsdaemonin
22. Culan. Unterweltsdaemonin
23. Tages. Heilbringer (Kulturbringer)
24. Hercle enspricht Herakles, Herkules (Melkart phoenizisch). Heilbringer
dazu kommen aus urspruenglich italischer Quelle
1. Uni, entsprechend Hera, Juno, spaeter Astarte. Himmelsgoettin
2. Ani, entsprechend Janus. Himmelsgott
und aus urspruenglich griechischem Einfluss
1.Ap(u)lu entsprechend Apollo. Himmelsgott
2. Semla oder Semele
3. Castur , entsprechend Castor
4. Pultuke, entsprechend Pollux
5. Aritini, entsprechend Artemis

Im praktischen Glauben des Volkes, der durch aufgefundene Weihgaben untermauert ist, spielen Paare wie Maris und Menrva und Hercle und Menrva eine groessere Rolle , ausserdem eine weibliche Gottheit ( Turan, Artemis oder Fortuna ) und Fufluns, der etruskische Dionysos.

Dies ist nur eine Auswahl, dazu kommt eine Reihe von Dienstgoettern wie Genius, Leinth und Mean.

Man sieht , der Goetterhimmel der Etrusker war reich bestueckt, was nicht zuletzt darauf zurueckzufuehren ist, dass jeder einwandernde Stamm seine Goetter unter seinem Namen mitbrachte. Deren spezifische Eigenschaften wurden unterschiedlich ausgelegt und verstanden, was eine Vereinheitlichung auch in etruskischer Zeit schon erschwerte, soweit ueberhaupt ein Beduerfnis dafuer vorhanden war.

Da der Leser aber nicht zu sehr mit den komplizierten Fragen der etruskischen Religion aufgehalten werden soll, wird fuer Interessierte die Literatur (22) empfohlen, die eine ausfuehrliche wissenschaftliche Darstellung des Fragenkomplexes nach dem Stand des Jahres 2000 n. Chr. von einem hervorragendem Experten enthaelt.

Hier soll jetzt noch auf das schon mehrfach angedeutete Verhaeltnis Etruriens zu Rom eingegangen werden, das schliesslich das Schicksal des Landes, der Menschen und ihrer Kultur besiegelte.

Die Gruendung und das Wachstum Roms war letztlich eine Folge der etruskischen Expansion.

Nachdem das Kernland, die Toskana, mit den Staedten des etruskischen Zwoelferbundes besiedelt und erschlossen worden war, begann die Ausdehnung nach Norden, Osten und Sueden. Nach Norden geht die Expansion bis Florenz und dann in die Po-Ebene bis Melpum, Acerrae, Mantua, Ravenna und Rimini. An der Po-Muendung entstehen die Hafenstaedte Adria, die dem Meer den Namen gibt, und Spina. Nach Sueden geht die Expansion durch Latium und die Campagna bis ihr die griechischen und karthagischen Einflussgebiete mit den Staedten Cumae, Paestum und Neapolis Grenzen setzen. So bleibt es bei der Einnahme der Staedte Capua und Nola. Auch Pompeji , Herculaneum und Praeneste, das spaetere Palestrina, gehoeren zu seinem Bereich. Ein grosses und reiches Land, in dem Handel und Wandel, Musik und die schoenen Kuenste bluehen.

Doch in seiner Mitte regt sich etwas, das eine Zeit lang dazugehoerig erscheint, dann aber eigene Wege geht und wie ein Kuckucksei sich entwickelnd die eingesessenen Nestlinge verdraengen und schliesslich toeten wird. Es heisst "Rom".

_______________________________________

Lesen Sie hierzu, umfassend und uebersichtlich dargestellt :

DIE GESCHICHTE VON ATLANTIS, der vergessene Ursprung unserer Kultur
von Karl Juergen Hepke
TRIGA-DER VERLAG, 2.Aufl. 2008, Hardcover, 268 Seiten, Eur 22,00 , ISBN 978-3-89774-539-1

 

_______________________________________

zurueck