Dolmen fuer die Toten, Menhire fuer die Lebenden (14,15b)

 

Die unvergaenglichen megalithischen Spuren der Atlanter in Europa, Afrika und Asien.

von Karl Juergen Hepke

 
Fuer die fortschrittlichen Archaeologen Europas und Asiens gibt es heute kaum noch einen Zweifel am Vorhandensein eines Kulturvolkes, das seit ca. 4000 v. Chr. im westlichen Europa und spaeter dann auch im vorderen Orient und in Asien, seine Toten in besonders aufwendigen Graebern bestattete. Aufwendig und auffaellig waren diese Graeber vor allem dadurch, dass sie vorzugsweise aus sehr grossen Steinen, deren Gewicht bis zu zweihundert Tonnen betrug, gebaut wurden und deshalb ueber Jahrtausende von einer kleineren , unorganisierten Menschengruppe, der keine starke Technik zur Verfuegung stand, nicht zerstoert werden konnten. Die Grabstoerer konnten sich zwar bis zur Grabkammer vorarbeiten und diese ausrauben, was auch oft genug geschah, aber die eigentlche Grabanlage blieb bis in die heutige Zeit erhalten.

Da es den Grabraeubern im wesentlichen auf die in den Graebern deponierten Metallgegenstaende ankam, die einen sehr hohen Wert darstellten, liessen sie alles andere unbeachtet, sodass auch beraubte Graeber fuer den Archaeologen von heute eine oft reiche Fundstaette sind. Bei unberaubten Graebern findet er hier oft gut gearbeitete Waffen aus Stein, Bronze oder Eisen, Schmuckstuecke aus Knochen , Stein, Muscheln, Bernstein, Bronze oder Eisen. Dazu meist eine Fuelle von Keramikbruchstuecken, die sich oft wieder zu den urspuenglichen Gefaessen zusammensetzen lassen und, wenn das Grab auf kalkhaltigem Boden errichtet wurde, auch die Gebeine der dort Bestatteten. Material genug um bei dem heutigen Stand der Archaeologie , Pathologie und Anthropologie weitreichende Erkenntnisse ueber das Leben , die Art, Krankheiten und medizinische Eingriffe und die wahrscheinliche Todesursache der Bestatteten zu gewinnen.

Auch die Datierung der Graeber bedeutet mit den fortgeschrittenen Methoden der Altersbestimmung mit Radiocarbon und Thermoluminiszenz kein unloesbares Problem mehr und schafft endlich wissenschaftlich haltbare Klarheit gegenueber der alten Methode der vergleichenden Altersbestimmung. Sie war oft der Grund fuer viele voneinander abhaengige Falschdatierungen , die noch immer in der wissenschaftlichen Literatur herumspuken und Anlass zu vielen Fragezeichen bei aelteren Altersangaben geben. Denn erst seit etwa 1950 waren dank der neuen Methoden die Voraussetzungen gegeben, die Grabanlagen der "Megalithkulturen" systematisch und nahezu unanfechtbar zu untersuchen und die Ergebnisse entsprechend auszuwerten und zu dokumentieren. Da diese neuen Methoden aber wissenschaftlich aufwendig und damit teuer sind, wurden neue Forschungen nur in den Laendern betrieben in denen ausreichend Geld dafuer zur Verfuegung gestellt wurde.


An erster Stelle ist hier Frankreich zu nennen, das ueber eine grosse Anzahl an Megalithdenkmaelern verfuegt und sich mit grosser Energie ihrer Erforschung widmet.

Auch in Grossbritannien, das, wie vorher bereits beschrieben, schon seit langer Zeit von Amateuren erforscht wurde, gibt es seit 1960 wissenschaftliche Untersuchungen nach neuen Methoden. Daenemark hat schon seit langem die anerkannten Graeber seiner Vorfahren geachtet und erforscht. In Mecklenburg wurden zur Zeit der Deutschen Demokratischen Republik die jungsteinzeitlichen Anfaenge der Bauernkultur, ihre Herkunft und damit auch die Megalithgraeber intensiv erforscht und dokumentiert . Datierungen nach der Radiocarbonmethode sind hier aber nur spaerlich vohanden und kaum dokumentiert. Aehnlich sieht es im Gebiet der alten Bundesrepublik Deutschland aus. In Niedersachsen, in dem sich der weitaus groesste Teil der dortigen Megalithdenkmaeler befindet, wurde 1975 ein Atlas der Megalithgraeber verfasst, der aber, wie auch andere Literatur aus diesem Raum, keine internationale Verbreitung fand und deshalb z.B. in Frankreich nicht bekannt ist.

Noch schlechter sieht es in Spanien und in Portugal aus.

Seit etwa 1950 bemueht man sich in einzelnen Regionen um eine Bestandsaufnahme der megalithischen Denkmaeler ohne bisher eine Vollstaendigkeit erreicht zu haben. Es besteht deshalb nach wie vor die Gefahr der Zerstoerung durch Strassen- und andere Baumassnahmen, da kein ausreichender Schutz gewaehrleistet ist. Der Respekt der Bevoelkerung vor diesen Denkmaelern einer Kultur, zu der infolge der Bevoelkerungsumschichtung oft keine innere Beziehung besteht, ist in weiten Teilen des Landes- so in Andalusien- zudem sehr gering. Wenn dieses europaeische Kulturerbe gesichert werden soll, muesste die Erforschung in europaeischem Rahmen erfolgen. Da andererseits die Wurzeln der Megalithkultur in Suedspanien vermutet werden und dies mit grosser Sicherheit fuer die etwas spaetere Glockenbecherkultur und die nachfogende westeuropaeische Bronzezeit gilt, muesste ein eminentes Interesse in den westeuropaeischen Laendern bestehen, das hier vorhandene Kulturgut zu sichern.



Untersuchungen und Vergleiche der megalithischen Bauwerke in Westeuropa haben ergeben (14), dass sich bestimmte Formen und Anordnungen der Bauwerke in vielen Laendern und Gebieten wiederfinden. Aehnliches gilt fuer die in den Graebern gefundene Keramik und metallischen Gegenstaende. Man kann daraus mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit schliessen, dass ein reger Ideen- und Warenaustausch zwischen den einzelnen Gebieten, die oft den Charakter einer Insel in einem Umfeld mit anderer oder primitiverer Kultur haben, stattfand.


Es ist deshalb nicht abwegig, von einem Reich naemlich dem "Atlantischen" zu sprechen, das enge kulturelle, wirtschaftliche und wahrscheinlich auch militaerische und damit politische Beziehungen unterhielt. Die Verbindungen unter den einzelnen Teilen dieses Reiches - den "Inseln" wie es die Aegypter nannten- liefen ueber das Wasser, sei es das Meer oder die Fluesse. Wissenschaftlich erwiesen ist heute darueber hinaus, dass die Einfuehrung des Ackerbaus zu nahezu gleicher Zeit wie die Erstellung der Megalithbauten stattfand. Fuer Daenemark liegen diese Zeiten bei 4200 v.Chr. fuer die Einfuehrung des Ackerbaus und die ersten Dolmen gibt es seit der Mitte des 4. Jahrtausends.(14) In England wurden der einfache Dolmen von Carrowmore Nr.7 in der Grafschaft Sligo auf 3290 v. Chr. nach Carbon 14 datiert. Die Datierung der einfachsten Dolmen der franzoesischen Atlantikkueste ergaben die Zeit von 4600 v. Chr. . Um 4000 v. Chr. gab es hier bereits verschiedene aufwendig gebaute Formen von Grabmonumenten in denen nacheinander bis zu 200 Personen bestattet wurden.

Die Keramik, die man in den Dolmen von 4600 v. Chr. fand, war bereits hochentwickelt, mit rundem Boden, von guter Qualitaet und sehr wenig Dekor. (14)

Um 3000 gab es hier die ersten Kupfergegenstaende mittelmeerischen Ursprungs Um 2700 v. Chr. erschien die erste Keramik in Glockenbecherform und ab 4000 v. Chr. wurden bereits die ersten durch unterbrochene Graeben umfassten grossen Felder angelegt. Aus Spanien und Portugal liegen Erstellungsdaten grosser Megalithbauten um 3300 v.Chr. bis etwa 1800 v. Chr. vor. Diese letzte Zeitangabe ist aber nicht auf Radiocarbonbasis gesichert und duerfte zu jung sein, denn im Allgemeinen laesst sich beobachten, dass etwa um 2000 v. Chr. die Erstellung neuer Megalithbauten aufhoert und in den vorhandenen lediglich nachbestattet wird.(14)

Man kann hieraus schliessen, dass sich das Hauptinteresse des atlantischen Reiches und seiner fuehrenden Kreise in dieser Zeit in den Mittelmeerraum verlagerte, was durch die geschichtlich erwiesenen Aktivitaeten im Raum Kanaan und Syrien und spaeter Aegypten (Hyksos), die in den vorangegangenen Kapiteln beschrieben wurden, auch bestaetigt wird.

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Lesen Sie hierzu, umfassend und uebersichtlich dargestellt :

DIE GESCHICHTE VON ATLANTIS, der vergessene Ursprung unserer Kultur
von Karl Juergen Hepke
TRIGA-DER VERLAG, 2.Aufl. 2008, Hardcover, 268 Seiten, Eur 22,00 , ISBN 978-3-89774-539-1

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