Das Christentum, die Anfaenge (7c,12c)

 

Die Kirche lernt laufen. Die Apostel ( ca. 30 - 100 n. Chr.)

von Karl Juergen Hepke

Nachdem sich die Juenger Christi nach seinem Tod etwas in Galilaea erholt hatten und bemerkten, dass sie selbst nicht weiter verfolgt wurden, kehrten sie nach Jerusalem zurueck. Nach der Bibel trugen zu ihrem neugefassten Mut auch die Berichte und Erlebnisse der Erscheinungen Christi nach seinem Ableben bei , die sie als seine Wiederauferstehung deuteten, und sie fuehlten sich von neuem Mut und dem Wunsch erfuellt, das Werk des Meisters fortzusetzen.
Sie glaubten auch, durch Christus oder den "Heiligen Geist" wundersame Kraefte der Inspiration erfahren zu haben, die ihnen ermoeglichten, obwohl sie durchweg einfache Menschen gewesen waren und zu Jesu Lebzeiten nie selbst in der Lehre aktiv wurden, jetzt auf einmal mit grosser Ueberzeugungskraft zu predigen und sogar zu heilen.

 
Sie bildeten in Jerusalem eine neue Gemeinschaft, in die alle ihr Eigentum einbrachten und jedem das gegeben wurde, was er zur Ausfuehrung seiner Arbeit brauchte. Die Gemeinde wuchs und gedieh und in wenigen Jahren waren aus 120 Nazarenern 8000 geworden. Der juedische Aeltestenrat beschloss deshalb zu handeln. Petrus und andere wurden verhaftet und verhoert. Die Sadduzaeer plaedierten fuer Verurteilung zum Tod, doch einige Pharisaeer meinten, man solle noch warten. Als Kompromiss wurden die Verhafteten ausgepeitscht und dann wieder freigelassen.

Kurz darauf wurde einer aus dem Kreis der neuernannten Diakonen mit Namen Stephanus wegen "Laesterworten gegen Moses und Gott" verhaftet und als er sich mutig mit Worten verteidigte und die Mitglieder des Aeltestenrats als Nachfolger der Verraeter und Moerder bezeichnete, welche schon die Propheten verfolgt und getoetet haetten, wurde er vor die Stadt gefuehrt und gesteinigt. An der Steinigung beteiligt war auch ein junger Pharisaeer mit Namen Saulus. Die Anhaenger des Stephanus flohen nach diesen Ereignissen nach Samaria und Antiochia, wo sie grosse griechische Christengemeinden gruendeten.

Petrus predigte nun in Staedten Judaeas und der Bruder Jesu, Jakobus, wurde Oberhaupt der verkleinerten Gemeinde in Jerusalem. Jakobus lebte wie ein Essener: Ass kein Fleisch, trank keinen Wein, liess Haar und Bart wachsen und befolgte die juedischen Gesetze mit aller Konsequenz. Elf Jahre lang blieb seine Gemeinde ungeschoren. Aber im Jahr 41 n. Chr. wurde ein anderer Jakobus enthauptet und Petrus verhaftet und ins Gefaengnis geworfen. Er entkam aber.

Im Jahr 62 n. Chr.wurde dann auch Jakobus "der Gerechte" hingerichtet. Die Stimmung in Jerusalem war jetzt schon hochexplosiv. Die Christen verliessen deshalb die Stadt und siedelten sich im nichtjuedischen und proroemischen Pella am Oberlauf des Jordan an. Die Trennung von Christentum und Judentum im Judenstaat war vollzogen. Vier Jahre spaeter brach der juedische Aufstand gegen Rom aus. Die Juden bezichtigten die Christen des Verrats und der Feigheit und die Christen jubelten, als Titus Jerusalem und den Tempel zerstoerte, weil damit ein Prophezeiung Jesu erfuellt wurde.

Das Judenchristentum verlor damit seine Basis im Volk . Es kuemmerte in Zukunft nur noch vor sich hin. Selbst in Galilaea, der Heimat Christi und fast aller Apostel, wollte sich niemand mehr "den Verraetern" anschliessen. Ende des zweiten Jahrhunderts wurden die letzten Vertreter des Judenchristentums als "Haeretiker" aus der Kirche ausgeschlossen, weil sie immer noch die Gebote des juedischen Gesetzes befolgten.

Die Apostel hatten sich inzwischen den Gemeinden der Juden zugewandt, die im roemischen Reich schon lange existierten und durchweg nicht arm waren . Die meisten ihrer Mitglieder waren wohlhabende Kaufleute. Philippus bekehrte in Samaria und Caesaraea. Johannes in Ephesus und Petrus predigte in den Gemeinden Syriens. Petrus hatte, wie die meisten anderen Apostel auch , eine "Schwester " bei sich , die ihm Frau und Gehilfin war. Er hatte grosse Erfolge bei der Heilung von Kranken. Durch eine Vision soll er von der Notwendigkeit der Bekehrung auch von Nichtjuden ueberzeugt worden sein. Nach einigem Zoegern verzichtete er bei ihnen auf die Beschneidung und trennte sich damit von den Forderungen des juedischen Gesetzes.

Der erste Brief des Petrus, der aus dieser Zeit stammt, zeigt deutlich, welche Stellung der Frau in den neuen Gemeinden der Christen zugedacht war. Sie sollten den Maennern untertan sein und durch ihren vorbildlichen Lebenswandel, der sich durch Bescheidenheit, sanften und stillen Geist auszeichnete, fuer das Christentum ohne viel Worte werben. Diese Vorstellung von der Rolle der christlichen Frau hat sich bemerkenswert lange von den Anfaengen bis in die heutige Zeit gehalten. Offenbar entspricht sie einem nicht zu erschuetterndem Wunschbild der Maenner und ist deshalb auch heute noch eine wesentliche Stuetze des Christentums.

Petrus soll zum ersten Mal im Jahr 42. n. Chr. nach Rom gekommen sein und entscheidend zum Aufbau der dortigen Gemeinde beigetragen haben. Genaueres ist aber nicht bekannt. Möglicherweise war er mehrmals mit Unterbrechungen in Rom. Wie Paulus fand er dort, wahrscheinlich 64 n. Chr., den Tod am Kreuz als Maertyrer.

Petrus hat mit seiner Missionstaetigkeit bewirkt, dass viele Elemente des Judentums in das Christentum eingingen. Dazu zaehlt das Opferlamm bei der Passahfeier, das sich in der Opferfeier des "Agnus Dei" in der katholischen Messe wiederfindet, die Ernennung von "Aeltesten" oder Priestern fuer die Kirchenfuehrung, der Monotheismus, der Puritanismus und die Eschatologie, d.h. Die Lehre vom Ende der gegenwaertigen Welt. Die Verbreitung der Juden ueber den ganzen Mittelmeerraum, ihre Reisefreudigkeit und gegenseitige Hilfe bei den Reisen hat wesentlich zur schnellen Ausbreitung der neuen Lehre beigetragen.

Der ausser Petrus wichtigste Apostel war ohne Zweifel Paulus. Er wurde in Tarsos an der Suedkueste der heutigen Tuerkei als Sohn eines Pharisaeers und roemischen Buergers geboren. Durch Geburt war er deshalb nach roemischen Recht Buerger Roms, was ihm etliche Verguenstigungen im Umgang mit der Staatsautoritaet verschaffte und damit nuetzlich auf seinen Reisen durch das roemische Reich war. Bevor er Christ wurde, lebte er unter dem Namen Saulus in Jerusalem und beteiligte sich an den Verfolgungen der neuen Sekte, die seiner Meinung als Pharisaeer nach, eine Gefahr fuer den juedischen Glauben darstellte.

Er war der Typ des Asketen, von labiler Gesundheit, moeglicherweise Epileptiker, denn er sprach oft vom "Pfahl in seinem Fleische" , das ihm gesundheitliche Probleme bereitete. Seine Bekehrung zu Christus erfuhr er bei einer Vision auf der Reise nach Damaskus, wo er Anhaenger Christi gefangennehmen und nach Jerusalem bringen wollte, damit sie dort vor Gericht gestellt wuerden.
Als er kurz vor Damaskus war "umleuchtete ihn ploetzlich ein Licht vom Himmel, er fiel auf die Erde und hoerte eine Stimme, die sprach zu Ihm:" Saulus , Saulus was verfolgst du mich?" Er aber sprach:" Herr, wer bist Du ?" Der Herr sprach: "Ich bin Jesus, den du verfolgst.....".Die Maenner aber, die seine Gefaehrten waren, standen und waren erstarrt, denn sie hoerten die Stimme und sahen niemand. Saulus aber richtete sich auf von der Erde und als er seine Augen auftat, sah er niemand. Sie nahmen ihn aber bei der Hand und fuehrten ihn gen Damaskus; und er war drei Tage nicht sehend und ass nicht und trank nicht."

Es ist schwer rational dieses erneute Auftreten Christi nach seinem Tode zu erklaeren. Moeglicherweise haben die Hitze, Paulus labile Gesundheit und innere Zweifel, die er bereits hegte, ob er sich wohl bei der Verfolgung der Christen auf dem richtigen Weg befand, zu der Vision beigetragen. Er erblindete drei Tage und als er wieder sehen konnte wurde er einer der eifrigsten Verkuender des Glaubens, den er vorher fanatisch verfolgt hatte.

Sein Verstaendnis, seine Aufgeschlossenheit und die eigenen Ideen, die er einbrachte, zeigen, dass er keineswegs unvorbereitet fuer die neue Aufgabe war. Seine Herkunft aus Tarsos laesst vermuten, dass auch er atlantische Vorfahren hatte und wie Jesus mit der Ideenwelt der atlantischen Kultur vertraut war. Dazu gehoerten in dieser Zeit die Mysterienreligionen, die Lehre des Zarathustra und der Mithraskult . Er hatte in seiner heimischen Umgebung viel vom "Soter", dem Heiland, der die Welt erloesen sollte, gehoert und auch die juedische Hoffnung auf den Messias war ihm bekannt. Es bedeutete also kein grosses Problem fuer ihn, innerhalb von drei Tagen die Fronten zu wechseln, vom "Saulus zum Paulus" zu werden und in die Synagogen zu gehen und zu verkuenden, dass Jesus der Messias waere.

Etliche rechtglaeubige Juden waren entsetzt und wandten sich an den Gouverneur. Paulus waere verhaftet und ins Gefaengnis geworfen worden, wenn ihn nicht seine neuen Freunde in einem Korb von der Stadtmauer heruntergelassen haetten und ihm damit die Freiheit erhielten. Drei Tage lehrte er in den Doerfern Arabiens und kehrte dann nach Jerusalem zurueck, wo er sich mit Petrus aussoehnte. Da ihn die griechischen Juden als Abtruennigen und Verraeter ansahen und ihm nach dem Leben trachteten, wurde er nach Tarsos in seine Heimat geschickt.

Acht Jahre hoerte man nichts von Ihm. Es ist anzunehmen, dass er in dieser Zeit sein geistiges Ruestzeug durch weitere Studien und Erarbeitung eines Missionskonzeptes aufarbeitete. Moeglicherweise erzwangen auch gesundheitliche Probleme einen Teil dieser langen Pause. Etwa im Jahr 43 n. Chr. holte ihn Barnabas nach Antiochia und beide waren dort so erfolgreich, dass die neue Gemeinde bluehte und gedieh.

Antiochia war eine reiche Handelsstadt und auch unter den Neubekehrten befanden sich etliche wohlhabende juedische Kaufleute. Hier wurden auch zum ersten Mal Nichtjuden, vor allem Frauen, aufgenommen nachdem sie juedische Gebraeuche angenommen hatten. Die Gemeinde sammelte Geld und schickte Barnabas und Paulus auf ihre erste Missions reise. Es ging nach Zypern, in die Heimat von Barnabas, und dann nach Kleinasien, also in Gebiete, die traditionell atlantisch besiedelt waren.

Die Missionserfolge waren entsprechend gut, obwohl sich auch hier Probleme mit den rechtglaeubigen Juden ergaben. Sie nahmen vor allem Anstoss daran, dass Paulus und Barnabas auch "Unbeschnittene" in die Christengemeinde aufnahmen, wandten sich deshalb an die Stadtbehoerden und liessen die Missionare ausweisen. In einem Fall wurden sie sogar gesteinigt, bis sie halbtot waren. Ihre Gegner schickten darueber hinaus auch Gesandte in die Heimatgemeinde der beiden nach Antiochia, um sich ueber sie zu beschweren.

Damit war ein Grundproblem des neuen Glaubens angeschnitten. Sollte man von den Christen die Beschneidung verlangen, die fuer die Juden nicht nur einen hygienischen Aspekt hatte, sondern darueber hinaus als Zeichen des "Alten Bundes" galt, oder sollte man darauf verzichten? Nach der Rueckkehr nach Antiochia wurde diese Frage hier und anschliessend auch mit Petrus und Jakobus in Jerusalem eroertert und man war sich klar, dass bei konsequenter Forderung nach der Beschneidung der Ausbreitung des neuen Glaubens erhebliche Probleme entstehen wuerden. Deshalb schob man die Frage ungeloest vor sich her und verfuhr in der Praxis liberal, was auch in Zukunft immer wieder Anstoss bei den "Rechtglaebigen" erregte. Als Kompromiss wurde vorlaeufig von Petrus, Paulus und Jakobus beschlossen, von Neubekehrten nur einen "moralischen Lebenswandel" und die Enthaltung vom Genuss von Opfertieren und "Ersticktem" zu verlangen.

Um das Jahr 50 n. Chr. herum unternahm Paulus seine zweite Missionsreise. Diesmal ohne Barnabas, der nach Zypern zurueckkehrte, nachdem er sich mit Paulus ueberworfen hatte. Es ging wieder nach Kleinasien , wo Paulus einen neuen Schueler, Timotheus, fand, den er sehr schaetzte und schliesslich auf Lukas, einen unbeschnittenen Neuchristen, traf, mit dem er Freundschaft schloss. Bei Lukas handelt es sich um den vermuteten Autor des Lukasevangeliums und der Apostelgeschichte. An den Dardanellen setzte Paulus mit Timotheus nach Griechenland ueber, durchzog Mazedonien mit wechselnden Erfolgen und Verfolgungen und gelangte schliesslich nach Athen, der damaligen Hochburg der Philosophen. Hier war er nur einer der Verkuender einer Lehre, musste auf dem Marktplatz lehren und wurde von etlichen in der hier ueblichen Weise verspottet und verhoehnt.

Nachdem er auf einen Altar mit der Inschrift "Dem unbekannten Gott" gestossen war, nahm er dies zum Anlass, eine denkwuerdige Rede im Stil der griechischen Philosophen zu halten, in der er die Behauptung aufstellte ,alle Menschen waeren goettlichen Geschlechts. Das hiess, sie als Nachkommen der Goetter anzusehen und war ein voellig neuer Gedanke im Christentum. Er beruhte eindeutig auf atlantischem Gedankengut, denn die Atlanter hatten sich oft als" Nachkommen der Goetter und der Riesen" bezeichnet. Aber auch diese Rede beeindruckte die Athener nicht.

Frustriert gab Paulus nach einiger Zeit seine Bemuehungen auf und ging in die Handelsstadt Korinth. In der dortigen Judengemeinde und auch unter Nichtjuden hatte er so viel Erfolg, dass einige Juden sich beim Statthalter beschwerten und seine Verhaftung verlangten. Dieser zog es jedoch vor, sich herauszuhalten und meinte, sie sollten ihre Glaubensangelegenheiten unter sich regeln.

Von Korinth kehrte Paulus nach Jerusalem zurueck um wieder Kontakt mit der Basisgemeinde aufzunehmen. Dann begab er sich auf seine dritte Missionsreise, die ihn wieder nach Antiochia und anschliessend nach Kleinasien fuehrte. In Ephesos verbrachte er zwei Jahre und gewann einen grossen Ruf als Heiler. Er hatte soviel Erfolg bei seinen Predigten, dass die Kunsthandwerker, die Goetterbilder und Modelle vom Tempel der Artemis anfertigten, um ihr Geschaeft fuerchteten und eine Demonstration veranstalteten auf der sie zwei Stunden lang :"Gross ist die Artemis der Epheser" im Chor schrien.

Darauf hielt Paulus es fuer geraten , die Stadt zu verlassen. Er ging wieder nach Mazedonien, wo er die auf der zweiten Reise gegruendeten Gemeinden aufsuchte und im Glauben bestaerkte. Als er hoerte, dass neuer Zwist und "Unmoral" in Korinth ausgebrochen sei, begab er sich, nachdem ein Brief nicht die erwuenschte Wirkung gezeigt hatte, selbst dorthin. Hier wurde er nun persoenlich angegriffen und bezichtigt, dass er sich an seiner Taetigkeit als Prediger bereichere. Er musste sich verteidigen und darauf hinweisen, dass er sich meistens von seiner Haende Arbeit als Segelmacher ernaehrt haette und keineswegs ein bequemes Leben fuehre, wenn er an die vielen Male denke, in denen er ausgepeitscht, gesteinigt und verfolgt worden waere, nicht gerechnet der Schiffbrueche und anderer Beschwernisse auf seinen Reiserouten.

In Korinth erfuhr er, dass die "Beschneidungspartei" in Galatien aktiv geworden war, und von allen Bekehrten die Beschneidung verlangte. Zornerfuellt schrieb er den Brief an die Galater, in dem er sich vom juedischen Gesetz im Christentum abwandte und sagte, dass die Menschen nicht durch Befolgung des Gesetzes, sondern durch ihren Glauben zu Gott gelangen wuerden. Dann begab er sich nach Jerusalem, um diese Fragen erneut zu eroertern und das Pfingstfest in der heiligen Stadt zu feiern. Er ahnte nicht, dass er sich, wie einst Christus, in die Hoehle des Loewen begab.

In Jerusalem wurde er voller Sorgen in Empfang genommen und beschworen, mit Hilfe von vier Zeugen, die fuer ihn aussagen wuerden, zu beweisen, dass er nicht den Abfall vom Judentum predigte. Paulus sagte zu. Als er aber in den Tempel kam, schrien einige Juden:"Das ist der Mann, der den Abfall vom Gesetz predigt!" Der Poebel stuerzte sich auf ihn und haette ihn getoetet, wenn die roemische Tempelwache ihn nicht in Gewahrsam genommen haette. Obwohl sich Paulus als Juden und Christen bezeichnete, schrie die Menge nach seinem Tod. Der Hauptmann der Tempelwache wollte ihn wegen Unruhestiftung auspeitschen lassen, sah aber davon ab, als er hoerte, dass Paulus roemischer Buerger waere.

Am naechsten Tag wurde Paulus zum Verhoer vor den Aeltestenrat gebracht. Dort erklaerte er, dass er Pharisaeer sei und gewann dadurch einige Stimmen fuer sich. Seine Gegner im Rat wollten ihm aber Gewalt antun. Der Hauptmann liess ihn deshalb ins roemische Lager bringen und als er hoerte, dass 40 Juden geschworen haetten, nicht Speise und Trank anzuruehren, bis sie ihn getoetet haetten, liess er ihn in der Nacht zum Prokurator Felix nach Caesaraea schaffen um einen Aufruhr zu vermeiden. Nach fuenf Tagen folgten ihm der Hohepriester und fuenf Aelteste und klagten Paulus vor Felix an. Sie haetten Paulus fuer schaedlich fuer die Gemeinde der Juden befunden und alle Juden im Reich waeren der gleichen Meinung. Paulus verteidigte sich und gab an, dass er alle juedischen Gesetze einhalten wuerde, wenn er auch eine neue Religion predige.

Felix schickte die Anklaeger fort und behielt Paulus im Hausarrest, vielleicht in der Hoffnung auf eine Bestechungssumme.Als Festus Prokurator wurde, forderte er Paulus auf, sich zu rechtfertigen. Paulus machte aber von seinem Recht als roemischer Buerger Gebrauch, die Fuehrung seines Prozesses vor dem Kaiser zu verlangen. Die Meinung des Koenigs Agrippas, dass er freigelassen werden koennte, die dieser anlaesslich eines Besuches bei Festus aeusserte, nuetzte nun nichts mehr. Paulus wurde auf einen Handelssegler gebracht, der nach Rom fahren sollte. Der Segler war so langsam, dass er in einen Wintersturm geriet und vor Malta strandete. Alle Insassen schwammen an Land und wurden gerettet. Paulus gelangte drei Monate spaeter endlich nach Rom.

Hier verfuhr man nachsichtig mit ihm und stellte ihn lediglich unter Hausarrest. Er konnte beliebigen Besuch empfangen bis seine Anklaeger aus Palaestina eingetroffen waren und Nero fuer seinen Fall Zeit hatte. Er lud die fuehrenden Mitglieder der juedischen Gemeinde zu sich ein, sie kamen und schenkten ihm geduldig Gehoer. Als sie aber merkten, dass er der Meinung war, die Einhaltung des juedischen Gesetzes waere nicht so wichtig, wandten sie sich von ihm ab. Denn dieses Gesetz war die Klammer, die sie in der Fremde zusammenhielt und sie konnten sich kein Leben ohne es vorstellen. Auch die bekehrten Juden hatten kein Verstaendnis fuer seine Einstellung, dass das Christentum vor allem auch fuer Nichtjuden gedacht sei, und zogen sich von ihm zurueck. Sein einziger Trost waren die Briefe, die er an seine Gemeinden sandte. Zweifellos waren es viel mehr als heute bekannt sind. Sie sind uebrigens auch die ersten im Original erhaltenen Textdokumente des Christentums.

Aus der trueben Stimmung heraus und auf Grund seiner eigenen negativen Erfahrungen mit den Problemen des Koerpers spricht daraus eine Koerperfeindlichkeit und Einstellung zur "Erbsuende", die von Christus, dem Begruender des Christentums, nie geaeussert wurde. Paulus schuf damit eine Theologie eigener Art, die besagt, dass jeder vom Weibe geborene die Suende Adams erbt und von der ewigen Verdamnis nur durch den Suehnetod des Gottessohnes Christus erloest werden kann. Diese Vorstellung stammt weder aus dem Judentum noch von Christus. Sie hat ihren Ursprung in den Religionen des vorderen Orients in Osiris, Attis und Dionysos, die starben, um die Menschheit zu erloesen.

Die Einfuehrung des Begriffes der "Erbsuende" schafft allein schon eine neue Theologie, denn jemanden von vornherein als Suender zu erklaeren, ohne dass er selbst etwas dazu beigetragen hat, muss eigentlich von vornherein jeden guten Willen zunichte machen. Die Aussage, dass Christus ihn von dieser ihm zudiktierten Suende durch seinen Opfertod befreit hat, laesst darueber hinaus wenig Platz fuer eigene positive Bemuehungen. Im Grunde genommen wird der Mensch zum Objekt anderer ohne eigene Gestaltungsmoeglichkeit seines Heilsweges.

Angesichts dieser von Paulus geschaffenen theologischen Grundlage, auf der viele Gleichgesinnte aufbauten, muss man sich nicht wundern, dass das Zeitalter des Glaubens, das europaeische Mittelalter, durch geistige Apathie, sittliche Heuchelei und geheimgehaltene Fleischeslust gekennzeichnet war. Heute, fuer ein modernes aufgeklaertes Christentum ist diese theologische Einstellung kaum noch akzeptabel und ein wesentlicher Grund fuer die Ablehnung einer diese Ansichten vertretende Kirche durch weite Kreise der aufgeklaerten Bevoelkerung.

Vielleicht ist in dieser Theologie aber auch nur einer der Wege zu sehen, auf denen Paulus um Verstaendnis fuer seine neue Lehre warb. Er selbst hat immer wieder bekannt, dass er dazu neige sich zu "Jedermanns Allerlei" zu machen, das heisst, dass er oft bereit war, den Menschen seine Ideen in der Form anzubieten, in der sie sie gerne hoerten. Er war in dieser Hinsicht schon eine Art griechischer Philosoph oder Sophist. An der Unvereinbarkeit dieser Art zu lehren mit dem juedischen Gesetz, das feste Grenzen setzte, ist er letztendlich gescheitert. Die Juden akzeptierten auf die Dauer nicht jemanden, der hier so und dort wieder anders redete. Der sich als rechtglaeubigen Juden und Pharisaeer darstellte, wenn die Juden ihn angriffen und bei den Roemern als roemischer Buerger behandelt werden wollte. Er war ihnen schliesslich nur noch ein Aergernis und am liebsten haetten sie ihn tot gesehen.

Dass spaetere Theologen gerade die Leibfeindlichkeit und die Erbsuende zu Kernpunkten der christlichen Lehre machten, liegt leider in der Natur vieler Menschen, die dazu neigen, anderen mit erhobenem Zeigefinger moralische Vorhaltungen zu machen. Auch Paulus war ein solcher Mensch und wenn er oft auch die Liebe im Munde fuehrte, so gab er damit nur Erlerntes aus dem Leben Jesu wieder. Er selbst war nicht von Liebe zu den Menschen erfuellt, sondern neigte dazu, ihnen Vorschriften zu machen und wenn sie sich nicht danach verhielten, sie zu beschimpfen und sie zu verdammen.Sein Einsatz fuer die Verbreitung des Glaubens entsprach mehr einer fanatischen und ehrgeizigen Grundeinstellung, die er vorher schon bei der gnadenlosen Verfolgung der Christen gezeigt hatte.

In dieses Bild passt auch sein Versuch, aus dem in dieser Zeit verbreiteten hellenistischen und philosophischen Gedankengut eine uebergeordnete Theologie zu schaffen, welche die volkstuemliche und troestliche Botschaft Christi, die die uebrigen Apostel vertraten, auf eine hoehere geistige Ebene heben sollte. Er lehrte, Christus sei goettliche Weisheit, der Erstgeborene Gottes "durch ihn ist alles geschaffen". Jesus ist nach Paulus nicht der Messias, der das juedische Volk aus der Knechtschaft befreien wird, sondern er ist der "Logos", dessen Tod alle Menschen erloesen wird. Indem er diese Lehren verkuendete, konnte er darueber hinwegtaeuschen, dass er das tatsaechliche Leben und die tatsaechlichen Worte Christi nicht erlebt und nach seinem Verhalten zu urteilen, auch nicht verstanden hatte oder meinte verbessern zu koennen.

Seine Version von Christi Tod als Erloesungswerk fuer alle mit der "Erbsuende" behafteten Menschen, gab ihm die Moeglichkeit, die laestigen Fragen zu beantworten, warum Christus denn am Kreuz gestorben sei, obwohl er doch Gottes Sohn und ein durchaus guter Mensch gewesen sei. Moeglicherweise uebersah Paulus dabei die negativen Kosequenzen dieser Aussage, die vorher bereits behandelt wurden.

Absolut negativ ist die Einstellung von Paulus zur geschlechtlichen Liebe und zu allem was damit zusammenhaengt. Das sind unter anderem die Frauen, die Ehe und alles was daran Freude macht. Als er von Unzucht und Perversionen erfuhr, war er entsetzt und fuhr schwerstes Geschuetz auf. Jungfraeulichkeit ist nach Paulus der Ehe vorzuziehen. Die Ehe aber der freien Sinnlichkeit. Geschiedene duerfen sich nicht wiederverheiraten. Die Frauen sollen ihren Gatten gehorchen. Er, der selbst hoechstwahrscheinlich ueberhaupt keine Erfahrungen in der koerperlichen Liebe hatte, mass sich an, anderen diesbezueglich rigorose Vorschriften zu machen.

Sein Wirken ist also sehr zwiespaeltig zu sehen. Einerseits brachte er in das relativ einfache Bild des Christentums, das die anderen Apostel verkuendeten, zusaetzliche Ideen aus der hellenistischen Geisteswelt und staerkte durch seinen persoenlichen Einsatz die Verbreitung und Organisation der Anfangskirche. Andererseits brachte er durch seine asketische und der Lebensfreude abgeneigte Einstellung sehr viel Duesternis in das bis dahin freundliche und troestliche Christentum.

Das bedauerlichste aber ist, dass alle spaeteren "Pharisaeer" und Tugendapostel, alle Fanatiker und Besserwisser, alle Puritaner und "Reformatoren" und alle, die im Christentum etwas anprangern und verfolgen wollten, in seinen Ansichten und in seinem vergleichsweise reichlichem Schrifttum das geeignete Material fanden.

Wenn man so eine Bilanz seines Werkes zieht, muss man leider sagen, dass er wahrscheinlich dem Christentum mehr geschadet als genutzt hat. Moeglicherweise hat er innerlich nie zum Christentum gefunden und ist immer ein Verfolger und eine subversive Kraft geblieben. Auch in der heutigen Zeit sind seine Lehren eine Hypothek, die das Christsein fuer viele, die sich naeher damit befassen, so belastet, dass sie sich lieber von der Kirche fernhalten oder sogar trennen. Bei der dringend notwendigen Reform der Kirche sollten seine Lehren besonders kritisch mit angesehen werden.

Paulus wurde im Zuge der allgemeinen Verfolgung der Christen unter Nero im selben Jahr wie Petrus in Rom durch Kreuzigung hingerichtet. Ein Jahrhundert spaeter war er fast vergessen. Erst als die Erinnerungen an die Apostel und die ersten Christen, die sie noch erlebt hatten, immer spaerlicher wurden, gaben seine Briefe ein Glaubensgeruest fuer die entstehende und wachsende Kirche. Spaeter allerdings verstand sich seine strenge Moral nicht mehr mit der von Rom in Nachfolge des roemischen Reichs praktizierten Machtkirche. So blieben seine Lehren in dieser Zeit mehr im Untergrund erhalten und lieferten lediglich Busspredigern, Inquisitoren, Ordensgruendern und anderen Radikalen und Fanatikern des Glaubens Material.

Zum Durchbruch und zu hoher Bewertung kamen sie dann in den reformatorischen Bewegungen von Zwingli, Calvin und Luther und fanden schliesslich ihren Hoehepunkt in den Anordnungen der Puritaner fuer ein "christliches Leben". Als die Frontstellung zur katholischen Lehre, die sich im Hoehepunkt in moerderischen Kriegen und gnadenlosen Verfolgungen austobte, allmaehlich verschwand, verloren auch die Paulusbriefe wieder an Bedeutung. Sie enthalten aber nach wie vor brisanten Sprengstoff und sind ein echtes Hemnis bei den Bemuehungen um ein einheitliches Verstaendnis des Christentums.

Weit besser sieht es damit bei dem dritten in die Geschichte eingehenden Apostel aus. Es ist Johannes und drei Briefe , ein Evangelium und die Offenbarung, die wegen ihres Inhalts auch Apokalypse genannt wird, sind unter seinem Namen ueberliefert. Die Bibelkritik schreibt allerdings die Offenbarung einem anderen Johannes, einem von Papias erwaehnten Presbyter zu und datiert sie auf 69 - 70 n. Chr.. Der Verfasser der Offenbarung muss eine hohe Stellung eingenommen haben, denn er verwendet gegenueber den asiatischen Gemeinden einen drohenden, autoritaeren Ton. Dies trifft auf den Apostel Johannes zu, denn er galt in bedeutenden Staedten Kleinasiens wie Ephesos, Smyrna und Sardes als Oberhaupt der Kirche und nicht Petrus oder Paulus.

Nach der von Eusebios ueberlieferten Lebensgeschichte wurde Johannes von Domitian nach Patmos verbannt und schrieb dort das Evangelium und die Offenbarung. Er wurde sehr alt und man meinte schon, er wuerde niemals sterben.

Auf die Apokalypse soll hier nicht weiter eingegangen werden. Sie ist visionaere Dichtung , die sich aus vorderasiatischen vor allem persischen Quellen speist und entspricht dem Geist der Zeit, der in Kurzem mit dem Untergang der Welt, dem juengsten Gericht und dem Kommen des Messias rechnete.

Das vierte Evangelium ist sehr stark von der griechischen Philosophie beeinflusst. Johannes schrieb es anscheinend erst in hohem Alter ( ca 90 n. Chr.) nieder , als die Erinnerung an das vor langer Zeit tatsaechlich erlebte bereits durch eine erhebliche geistige Weiterentwicklung unter dem Einfluss der griechischen Philosophie Ioniens verklaert war.

Platon hatte den Weg gezeigt, als er lehrte, alle Dinge waeren ein Produkt der Ideen Gottes. Die Stoiker hatten daraus den "Logos spermaticus" den " befruchtenden Geist" gemacht. Die Neupythagoreer hatten ihn in eine goettliche Person verwandelt und Philon hatte ihn als "Logos", als zweites goettliches Prinzip benannt, durch welches Gott die Welt erschuf und mit ihr verkehrte. Bei Johannes fand dies seinen Niederschlag in dem machtvollen Anfang des vierten Evangeliums.

Wenn man in ihm den Begriff "Wort", den Luther nach vielen Ueberlegungen fuer den urspruenglichen Begriff "Logos" waehlte, wieder durch ihn ersetzt dann heisst es:

"Im Anfang war der Logos, und der Logos war bei Gott, und Gott war der Logos......
Alle Dinge sind durch den Logos gemacht, und ohne denselben ist nichts gemacht, was gemacht ist...
Und der Logos ward Fleisch und wohnte unter uns."

Fuer den Begriff "Logos" gibt es im Deutschen kein einfaches Wort. Auch Goethe laesst Faust schon an diesem Problem fast verzweifeln. Am besten uebersetzt man es wohl als "Naturgesetz" oder als "Kraft, die alles Leben bewirkt, die Natur und das Verhalten aller Dinge lenkt."

Johannes ging damit auf dem Wege weiter, den Paulus bereits beschritten hatte. Er gab der juedischen mystischen Lehre von der Weisheit Gottes als einem lebendigen Wesen und der christlichen Lehre von der goettlichen Sendung Christi einen Anstrich griechischer Philosophie. Christus wird nicht mehr als Jude dargestellt, der das juedische Gesetz mehr oder weniger streng befolgt. Er spricht die Juden mit "Ihr" an und redet vom Gesetz als von "Eurem Gesetz". Er ist nicht mehr gesandt als Messias, die Juden zu retten, sondern ist der ewige Sohn Gottes, der Urschoepfer des Alls. In dieser Sicht war das Leben des Menschen Jesus nicht mehr so wichtig und der "Gott" Christus wurde in die religioesen und philosophischen Ansichten des Hellenismus eingepasst.

Das war der Weg, in dem das atlantische Weltbild, das inzwischen zum hellenistischen geworden war, ohne Probleme in das Christentum eingegliedert werden konnte. Der hellenistische Geist Ioniens ging in die Theologie und Liturgie der Kirche ein. Griechisch wurde zur Sprache des christlichen Rituals und der christlichen Literatur. Die hellenistischen Mysterien fanden sich wieder im Mysterium der christlichen Messe.

Aber auch andere Ueberlieferer atlantischer Ideen trugen ueber den Hellenismus zum neuen Glauben bei. Von den Galliern und den Aegyptern kam die Idee der Dreieinigkeit "der Trinitaet"; aus Aegypten die Vorstellung der persoenlichen Unsterblichkeit, des Abwaegens der guten und schlechten Taten am Ende des Lebens, der Wiedergeburt und die Verehrung von Mutter und Kind. Hier fand auch das christliche Moenchtum seine Quellen und Vorbilder. Aus Phrygien kam der uralte atlantische Kult der grossen Mutter, verkoerpert in einem Stein. Aus Syrien das Wiederauferstehungsschauspiel des Adonis. Aus Thrakien der Kult des Dionysos, des sterbenden und erloesenden Gottes. Persien als letzte Hochburg atlantischer Ideen und Ueberlieferung brachte die Vorstellungen fuer die Apokalypse ein: Den Weltenbrand, das tausendjaehrige Zwischenreich, den Dualismus zwischen Gott und Satan, von der Finsternis und dem Licht als inzwischen verarbeitete und verklaerte Erinnerungen an den Untergang von Atlantis.

Das Ritual des persischen Mithraskultes hatte soviel Aehnlichkeit mit der eucharistischen Messfeier, dass spaetere Kirchenvaeter in ihrer mittelalterlichen Naivitaet und Unkenntnis der Zusammenhaenge dem "Teufel" unterstellten, er haette derartige Aehnlichkeiten "erfunden" um schwache Geister in die Irre zu fuehren.

Das Christentum war in der sich in Ionien entwickelnden Form das Produkt aller wesentlichen, zum Teil weiterentwickelten Ideen der Voelker des alten atlantischen Reiches, die zu dieser Zeit noch im vorderen Orient ihre Heimat hatten und im Hellenismus die Moeglichkeit zum geistigen Austausch gefunden hatten. Es war in der entstandenen Form geeignet, die einigende Religion fuer alle Voelker der westlichen, ehemals atlantischen Kultur zu werden. Dies sollte die weitere Geschichte bestaetigen. Obwohl es noch viele Jahrhunderte lang auf Grund menschlicher Schwaechen und Unwissenheit immer wieder Rueckschlaege geben sollte und noch heute gibt.

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