Besinnung auf die Anfaenge
und die Situation der christlichen Kirchen (18)

von Karl Juergen Hepke

 
Schlaegt man einen grossen Bogen ueber die letzten 10 000 Jahre der Geschichte der Menschheit , so beginnt sie mit dem katastrophalen Untergang des alten sagenhaften Atlantis und haette beinahe in dem Chaos einer von Menschen verursachten, alles Leben auf der Erde vernichtenden atomaren Kriegsauseinandersetzung geendet, wenn nicht ausserirdische Instanzen eingegriffen haetten. Dies zeigt, dass das Leben auf der Erde keineswegs so sicher ist, wie es uns manche, sich christlich nennenden Politiker und Wissenschaftler glauben lassen wollen. So aber gibt es immer noch eine grosse Mehrheit von Menschen , die der allgemein oeffentlich verbreiteten Meinung anhaengt, dass die Menschen allein in der Lage waeren, zu bestimmen, wie ihre Zukunft aussehen soll. Dagegen ist die Ansicht, dass die Erde als Teil des Universums besteht und als solche eine Aufgabe zu erfuellen hat, im sich christlich nennenden Teil der Menschheit nur einer kleinen Minderheit gelaeufig.

Schuld an dieser sehr beschraenkten Betrachtungsweise sind in erster Linie die geltenden Lehren der christlichen Kirchen, die sich seit zwei Jahrtausenden bemuehen, das Denken der westlichen Menschen in ihnen genehmen Bahnen zu kanalisieren. Die geistigen Wissenschaften wurden in der Zeit der Aufklaerung keineswegs, wie es manchen erscheinen mag, mit freigegeben , sondern sie wurden unter das strenge Kuratel der Naturwissenschaften gestellt, denn auch von ihnen verlangte man den materiellen Nachweis der Gueltigkeit ihrer Thesen. Dass dies auf Grund ihrer Geistigkeit oft nicht moeglich ist, wurde dabei einfach ignoriert.

So ist es beispielsweise unmoeglich, das Gesetz der Wiedergeburt materiell nachzuweisen. Ein gewisser statistischer Nachweis waere sicher moeglich, koennte und wuerde aber von den Gegnern der These mit statistischen Mitteln sicher auch widerlegt werden. Um in diesen Dingen also weiterzukommen, waere es erforderlich, das Kriterium der Wissenschaftlichkeit fuer die geistigen Wissenschaften neu zu definieren. Diese Neudefinition koennte und muesste eigentlich, um eine wuenschenswerte Liberalisierung zu erreichen, darin bestehen , dass man dem menschlichen Geist, dem oft eine goettliche Inspiration zugrundeliegt , durchaus zutraut, die Wissenschaftlichkeit seines Denkens anfangs selbst zu beurteilen . In der Auseinandersetzung mit anderen Geistern wuerde sich dann erweisen , ob die neuen Ideen aufgegriffen und weiterentwickelt wuerden, oder ob sie dem Vergessen anheimfielen. Dies waere der beste Test fuer ihren Wert, den sie fuer die Weiterentwicklung des Denkens gehabt haetten.

Das Anlegen einer von den Menschen eines vergangenen Jahrhunderts, das noch im Schatten des Mittelalters stand, geschaffenen Messlatte der Wissenschaftlichkeit hingegen, ist dem heutigen Menschen der westlichen Demokratien, dem eine freie Entfaltungsmoeglichkeit seiner Persoenlichkeit und freie Aeusserung seiner Meinung zugesichert wird , nicht mehr zumutbar und muss als traditionelles Beharren auf ueberholten Massstaeben abgelehnt werden.

So war zum Beispiel die Astrologie eine ueber Jahrtausende anerkannte Wissenschaft und viele bedeutende Menschen liessen sich bei ihren Unternehmungen astrologisch beraten . Auch heute gibt es Politiker und Personalberater, die mit besten Erfahrungen astrologische Daten bei ihren Entscheidungen mit beruecksichtigen. Was berechtigt also die heutige etablierte Wissenschaft dazu, die Astrologie als Pseudowissenschaft abzulehnen ?
Die Messlatte der Wissenschaftlichkeit aus der Zeit der Aufklaerung !
Dieses eine Beispiel soll hier genuegen, um zu zeigen, dass es fuer die Wissenschaft Zeit ist, den Ballast aus einer lang vergangenen Zeit ueber Bord zu werfen, damit wieder ein frischer und lebendiger Geist in die verstaubten Amtsstuben der Universitaeten einziehen kann und die Wissenschaft wieder Kontakt zu den Problemen der lebenden Menschen gewinnt.

Auch die Existenz eines grossen, kulturell hochstehenden Reiches vor den Griechen und Roemern hat in der heutigen, auch in diesem Punkte sehr rueckstaendigen, etablierten Wissenschaft bisher keinen Platz gefunden. Und das, obwohl seit mindestens zwei Jahrhunderten von fuehrenden Geistern immer wieder darauf hingewiesen wurde und seit mindestens hundert Jahren zunehmend Beweise auch materieller Art dafuer erbracht wurden. Mit einem Beharrungsvermoegen, das nur dem mittelalterlichen Verharren der Kirche auf ihren Lehren vergleichbar ist , werden heute noch den Studenten der Geschichte die Ausfuehrungen Platons zu Atlantis als theoretische Darstellungen eines idealen Staates gelehrt, und jeder Bezug zu einem tatsaechlich einmal vorhandenem Staat kategorisch abgelehnt. Das ist aber der durch Forschungsergebnisse laengst ueberholte Standpunkt vom Anfang des 19. Jahrhunderts !

Da fragt man sich dann doch, wer setzt hier eigentlich die Massstaebe, was als wissenschaftlich anerkannt und gelehrt wird und was nicht. Denn selbst wenn die sachlichen Kriterien fuer die Wissenschaftlichkeit erfuellt werden, gibt es offenbar Kraefte, die neue Erkenntnisse auf dem Gebiet der geistigen Wissenschaften mit Erfolg unterdruecken. Widmet man sich etwas mehr der Suche nach der oft versteckten Quelle dieser Kraefte, dann stoesst man fast immer letztlich auf die christliche Kirche in Person ihrer Vertreter oder in der Bestimmung der Denkweise der eifrigsten Verfechter einer Ablehnung dieser neuen Erkenntnisse. Dieses wird sich auch nicht aendern, solange bei der Besetzung der Spitzenpositionen der geistigen Wissenschaften die kirchlichen Stellen ein entscheidendes Wort mitzureden haben, worauf die Kirchen unter der Behauptung, dass sie ein wesentlicher kulturtragender Faktor unserer Gesellschaft sind, bei jeder sich bietenden Gelegenheit hinweisen und sich oft auch damit durchsetzen.

Es zeigt sich damit immer wieder, dass, obwohl die Kirche ihren Einfluss auf den einzelnen Menschen mehr und mehr verliert , da sie auf die Fragen des modernen Lebens dem Menschen keine brauchbaren Antworten geben kann oder will, sie im Bereich der geistigen Macht eine ihr nach der laizistischen Verfassung der meisten Staaten garnicht mehr zustehende, nach wie vor dominierende Rolle spielt, die sich garnicht so sehr von der im Mittelalter ausgeuebten Macht unterscheidet. Unter den Index des - ihrer Ansicht nach --unerwuenschten Wissens faellt - wie zum Beginn der christlichen Durchdringung Europas - alles Wissen, das vorher in Europa vorhanden war, soweit es nicht durch das Filter der christlichen Kirche gegangen ist und dabei als unbedenklich eingestuft wurde. Mit Hilfe von "wissenschaftlichen" Erfuellungsgehilfen wird leider immer noch durch Pflichtlektuere der roemischen Siegerliteratur (Caesar u. a.) das Maerchen verbreitet, dass, bevor die Roemer sozusagen als "Vorhut" des Christentums nach Europa mit Waffengewalt eindrangen, hier nur barbarische Staemme hausten, die keinerlei Wissen und Kultur besassen.

Eine Behauptung, wie sie oft in der Geschichte der Menschheit von den Eroberern verbreitet wurde, von der sich aber eine moderne aufgeklaerte Wissenschaft, die sich im naechsten Jahrtausend erfolgreich mit den Problemen des Universums auseinandersetzen soll, endlich befreien muss. Denn die inzwischen von der Archaeologie gewonnenenen Erkenntnisse schreien geradezu nach der Befreiung von der Fessel der bisher geltenden Geschichtauffassung, um wieder den Faden zu dem vorher vorhandenem Wissen knuepfen zu koennen. Dieses alte, vor Roemern und Griechen vorhandene Wissen hatte seinen Ursprung im Universum. Es war von den Ausserirdischen den Menschen mitgeteilt worden, damit sie an der Entwicklung des Universums teilhaben konnten. Und es wurde von den damaligen Menschen auch ueber viele Jahrtausende, also weit laenger als das Christentum einschliesslich des Judentums auf der Erde bisher besteht, in diesem Sinne verstanden und auch ausgeuebt.

Die Beschraenkungen und Vorschriften, die um das Jahr 1000 v. Chr. herum das Judentum und dann nach dem Jahre 0 das Christentum, das auf dem Judentum aufbaute, erliess, bekaempften und beseitigten schliesslich dieses Wissen. Und dies, um durch sektiererisches Verhalten eine Machtstellung zu erreichen. Denn der Anspruch der in Aegypten entstandenen Sekte der Anhaenger von Moses - die anfaenglich aus einem bunten Voelkergemisch bestand, das mit seinem Leben in Aegypten unzufrieden war - auf den alleinseligmachenden Glauben, ist auch bei heutigen Sekten eine oft zu beobachtende Erscheinung, die vor allem Menschen anspricht, die mit der Vielseitigkeit des Lebens nicht zurechtkommen und deshalb eine ihnen vorgegebene Beschraenkung waehlen.

Sie beruht auf dem einfachen Prinzip, dass ihnen gesagt wird, was sie tun und was sie lassen sollen, und das moeglichst genau und detailliert, damit sie selbst nicht darueber nachdenken muessen. Wenn ihnen dann dazu noch gesagt wird, dass sie auf Grund der Befolgung dieser Lebensregeln zum "auserwaehlten Volk" werden, das besser ist als alle uebrigen Menschen, dann sind sie vollends gluecklich und zufrieden, denn sie koennen jetzt auch noch auf die uebrigen Menschen "herabsehen". Denn offenbar ist es ein Grundbeduerfnis der nur beschraenkt geistig gebildeten Einwohner der Erde, sich besser als die anderen darzustellen und auch zu fuehlen.

Das Christentum setzte dann auf die "Auserwaehlung" der Juden, deren Glaubensgrundlage es in Form ausgesuchter Teile des alten Testaments in Ermangelung eigenen umfangreichen Schrifttums uebernahm - obwohl es in vielen Punkten nicht damit uebereinstimmte, was umfangreiche Kommentare notwendig machte und immer wieder die Neigung zur Abspaltung einzelner Gruppen foerderte - noch ein weiteres "Auserwaehltsein" drauf. Durch Christus war man in den Besitz einer Lehre vom Frieden unter den Menschen und der Gleichberechtigung von Arm und Reich, von suendig und gerecht und vom Wert des einzelnen Menschen und der einzelnen Seele gelangt.

Diese Lehre liess sich in der relativ kulturlosen Zeit des in seinem Machtanspruch masslos dominierenden roemischen Reiches, das in dieser Zeit alle alten Kulturen Europas kraft seiner Militaermacht mit Feuer und Schwert vernichtete und hunderttausende zu rechtlosen Sklaven gemacht hatte , bestens unter die Leute bringen. Fuer die armen , teilweise schlechter als das Vieh behandelten Sklaven, die voellig der Willkuer ihrer Herren ausgesetzt waren, bedeutete sie einen Strahl der Hoffnung. Denn hier kam jemand, der ihnen sagte , dass sie nicht rechtlos und nichtsnutzig waren, und dass sie sogar die Chance hatten, in einem Endgericht dem Herren, der sie heute noch mit der Peitsche geschlagen hatte, vorgezogen zu werden. Das bedeutete ja, dass sie eigentlich besser war, als der Herr mit der Peitsche. Welch suesser Trost fuer die in ihrem Selbstwert gedemuetigte Seele. Mit diesem Trost im Inneren, liess sich die Fron des taeglichen Lebens viel besser ertragen.

Nach der anfaenglichen Abwehr des nicht genehmigten, mit ueblichen schweren Strafen bedrohten Glaubens, was aber seine Ausbreitung unter den sowieso Unterdrueckten nur foerderte und gefaehrliche verschworene Gemeinschaften entstehen liess, wurde der neue Glaube als doch recht nuetzlich gewertet und offiziell genehmigt . Man hatte naemlich erkannt, dass die Christen infolge ihres inneren Seelentrostes viel weniger aufsaessig waren als die anderen Sklaven, die immer auf Rache fuer erlittenes Unrecht sannen. Als nun auch noch die verschworenen Gemeinschaften aufgrund der offiziellen Genehmigung entfielen, erwies sich der neue Glaube als ideales Beherrschungsinstrument der Reichen und Maechtigen. Denn die Armen und Unterdrueckten fanden ihren Trost in der Kirche und standen nicht mehr als rache- und rechtsuchende Querulanten und Aufruehrer vor der Tuer. Und gab es doch noch jemanden, der mit seinem Los unzufrieden war, so wurde er durch die Gemeinschaft der anderen Christen und durch ihren Lehrer, den man allmaehlich Priester nannte, und der wegen dieser Taetigkeit das Wohlwollen der Maechtigen gewann, zur Ordnung gerufen und in die Schranken seines Glaubens verwiesen.

Als diese frappierende Auswirkung des neuen Glaubens den Herrschenden richtig klar wurde, erhob man das Christentum zur alleinigen Staatsreligion , und alle anderen Glaubensrichtungen wurden verboten . Das Verbot wurde etwas spaeter dann auch mit Feuer und Schwert unter Anwendung barbarischster Strafen , wie dem Pfaehlen und der Verbrennung bei lebendigem Leib, durchgesetzt. Auch bei neu eroberten und unterworfenen Voelkern wurde der christliche Glaube als erprobtes Beherrschungs- und Unterdrueckungsinstrument eingesetzt. Alle, die diesen Glauben nicht annehmen wollten, wurden erbarmungslos getoetet oder, soweit moeglich, vertrieben. Unzaehlige Menschen und Voelker fielen so der Pervertierung eines urspruenglich friedlichen Glaubens durch die Machtgelueste der boesen Kraefte im Menschen zum Opfer.

Dieser Makel ist der Christlichen Religion eingebrannt und sie wird sich davon nur befreien koennen, wenn sie wieder ihre eigentliche Aufgabe, naemlich den Schutz der Armen und Schwachen gegen die Reichen und Maechtigen, durch die sie sich immer noch korrumpieren und missbrauchen laesst, tatsaechlich auch wahrnimmt. Nach dem bisherigen Verlauf der Geschichte, die dem Christentum immer wieder die Chance zu einer Umkehr gab, bestehen dafuer aber kaum Aussichten. Aus der Geschichte laesst sich damit eindeutig der Schluss ziehen :

Das Christentum ist in der gegenwaertigen konservativen Form als Religion ungeeignet, da es die Weiterentwicklung der geistigen Wissenschaften in der sich christlich nennenden Welt entscheidend behindert.

Es findet in der gegenwaertigen Form seine Berechtigung nur noch als Macht- und Beherrschungsinstrument der Machthabenden, solange das in Unwissenheit gelassene Volk es noch als seine Religion akzeptiert. Da aber erwiesenermassen immer weniger Menschen in den demokratischen Laendern des Westens der christlichen Kirche und dem christlichen Glauben, den sie bewusst oder unbewusst als Manipulationsinstrument erkannt haben, angehoeren wollen, erklaert sich die Suche nach wirklich gueltiger goettlicher Wahrheit und damit auch nach den Urspruengen unseres Seins als natuerliches Phaenomen, denn es gilt, eine mehr und mehr entstehende Luecke mit wirklicher und bestaendiger Wahrheit zu fuellen. Wenn sie ueberleben will, muss sich auch die christliche Religion dieser Forderung stellen und aufgeschlossen eine Rueckkehr zur geistigen Fuehrung und Verantwortung, wie sie in den Anfaengen der Menschheit vorhanden war, betreiben. Dabei darf sie auch den Konflikt mit den weltlichen Kraeften nicht scheuen.

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