Atlantis II, Idee und Wirklichkeit (18)

von Karl Juergen Hepke

An dem Anfang der Fruehgeschichte Europas steht ein oft zitiertes und immer wieder dementiertes Phaenomen, das trotz aller Dementis aus den Koepfen der Menschen offenbar nicht zu vertreiben war. Die, wie wir sehen werden, nach neuesten Erkenntnissen tatsaechlich vorhanden gewesene Kultur von Atlantis, die der griechische Philosoph und Erzieher Platon in seinen Buechern Timayos und Kritias um 600 v. Chr. beschrieben hat, und die seit dieser Zeit immer wieder in den Koepfen der Menschen auftaucht. Diese erstaunliche Erscheinung des immer wieder Auftauchens einer bedeutenden geschichtlichen Idee ist ein Phaenomen, auf das spaeter in den Kapiteln ueber die Wiedergeburt noch weiter eingegangen wird.

 
So war Ignatius Donnelly, der begabte Sohn armer irischer Einwanderer in die Vereinigten Staaten von Amerika, offenbar einer der, von Zeit zu Zeit auftauchenden, atlantischen Ideentraeger. Mit 28 Jahren war er bereits stellvertretender Gouverneur des Bundesstaates Minnesota und spaeter Kongressabdeordneter in Washington. Er gilt als Begruender der modernen Atlantologie. Er behauptete in seinem 1882 erschienenen Buch : > Atlantis, the Antediluvian World ( Atlantis. Die Welt vor der Eiszeit ) unter anderem :

Dass Atlantis das Gebiet der Erde war, in dem die Menschheit zuerst das Stadium der Barbarei ueberwand und die ersten Stufen der Zivilisation erklomm.

Dass Atlantis im Lauf der Zeitalter ein bluehender und maechtiger Staat wurde, durch dessen Ausbreitung das Mittelmeer, die Westkuesten Europas und Afrikas, die Ostsee sowie das Schwarze und das Kaspische Meer mit Kulturvoelkern besiedelt wurden.

Dass Atlantis in den Menschen eine universelle Erinnerung an ein herrliches Land hinterliess , in dem die Menschheit im Fruehstadium ihrer Geschichte viele Generationen lang in Glueck und Frieden lebte.

Dass die aelteste von den Atlantiden gegruendete Kolonie Aegypten war, dessen Kultur und Zivilisation denen der atlantischen Insel entsprachen.

Dass die Werkzeuge und Geraete der Bronzezeit eine Errungenschaft von Atlantis waren und die Atlantiden ebenfalls das erste Eisen herstellten.

Dass das phoenizische Alphabet, Urform aller europaeischen Alphabete, auf ein atlantisches Alphabet zurueckging.

Dass Atlantis die Urheimat der arischen und indogermanischen Voelkerfamilie sowie der semitischen und moeglicherweise auch der turanischen Volksstaemme war.

Davor und danach hat sich eine Vielzahl von Professionellen und Amateuren mit dem offenbar faszinierenden Thema Atlantis auseinandergesetzt. Es wurden ueber 1000 Buecher ueber Atlantis geschrieben und fuer die ehemalige Lage der Stadt gibt es ueber 40 von ernstzunehmenden Wissenschaftlern vertretene Theorien (2).

Da das Raetsel noch nicht geloest erschien, wurden immer wieder neue Hypothesen ueber die Lage von Atlantis aufgestellt . In vielen steckte ein Teil Wahres. Viele entfernten sich aber weit von den Fakten, die durch den sehr detaillierten Bericht Platons vorgegebenen waren. Andere wieder versuchten, nur die Fakten anzuerkennen, die auf ihr Modell von Atlantis passten, und stellten Nichtpassendes mit allen Methoden der geistigen Auseinandersetzung in Frage.

Trotzdem haben auch sie oft den Denkprozess vorangebracht , vor allem dann, wenn ihren neuen Hypothesen wissenschaftlich neue Erkenntnisse zu Grunde lagen.

Eine der interessantesten Hypothesen nach heutiger Sicht duerfte die von Lewis Spence sein. Er war ein schottischer Mythenforscher mit offenbar sehr viel Atlanterblut in den Adern. Er schrieb zwischen 1927 und 1942 fuenf Buecher ueber Atlantis und erkannte als erster, dass die Geschichte zwei Atlantis kennt.

Das erste, dessen Zentrum im Bereich der Antillen, der Sargassosee und dem heutigen Bermuda Dreieck lag und das durch eine Naturkatastrophe mit anschließendem Anstieg der Meere unterging und das bei TOLOS in dem Text ueber das sagenhafte alte Atlantis gewuerdigt wird. Es wird im weiteren Atlantis I genannt werden. Und das zweite, das Platon in seinen Buechern Timaios und Kritias beschrieb und das im weiteren, soweit eine Moeglichkeit der Verwechslung besteht, Atlantis II genannt werden wird.

Auf Grund der heutzutage durch die Forschungsarbeit unzaehliger Wissenschaftler vorliegenden Daten kann man sagen, dass sich die genannten Behauptungen Donnely's und Spence's weitgehend bestaetigt haben und sich zunehmend weiter bestaetigen und dass es darum heute schon moeglich ist, weiteres hinzuzufuegen.

a, Die Megalithkulturen Westeuropas sind ein Produkt der fruehen Zeit von Atlantis II oder sogar, zumindest in ihren Anfaengen an der Kueste des Atlantiks, der spaeten Zeit von Atlantis I. Die fruehere Annahme, daß die Megalithkultur aus dem Osten kam, hat sich auf Grund der modernen Methode der Datierung nach der Radiokarbonmethode als falsch erwiesen. Die Megalithkultur ist danach von den Kuesten des Atlantiks nach Osten gewandert.

b. Phoenizier, Punier und Etrusker sind direkte Nachkommen der Atlanter und haben die Kultur von Atlantis II in die geschichtliche Zeit hinuebergerettet.

Auch bei diesem Punkt erweist sich durch die Funde auf der iberischen Halbinsel mehr und mehr, daß sie die eigentliche kulturelle Heimat und der Ursprung der Phoenizier ist. In der geschichtlichen Zeit der Griechen wurden die nie ganz abgerissenen Beziehungen der Phoenizier zur alten Heimat lediglich zunehmend wieder aufgenommen.

c.Die atlantische Kultur hat die Minoische Kultur auf Kreta und die Achaische Kultur in Griechenland hervorgebracht. Auch diese beiden Kulturen entsprechen weitgehend der atlantischen Kultur und ihre Aufeinanderfolge entspricht der Ausdehnung der atlantischen Kolonisation von Westen nach Osten.

d.Die arischen Inder sind die letzten Nachfahren von Atlantis II. Sie haben einen Teil des alten Wissens und der alten Kultur bis in unsere Tage bewahrt . Dies wird, wie auch die folgenden Behauptungen, ausfuehrlich in den folgenden Kapiteln ueber das atlantische Reich und die atlantische Wanderung belegt.

 
e. Das alte Troja, das in Homers Ilias und der Odyssee erscheint, war eine Tochtergruendung von Atlantis II. Die Stadt wies typische Konstruktionsmerkmale von Tharsis, der Hauptstadt von Atlantis II auf , die Platon in seinen Buechern beschreibt,

was zu der neuerdings aufgestellten Behauptung Anlass gab, Troja waere identisch mit Atlantis II (41), was sicherlich nicht zutrifft. Aber die Kultur Trojas war die von Atlantis.

f.Sidon

 und Tyrus an der oestlichen Kueste des Mittelmeers waren zuerst Handelsniederlassungen von Atlantis II und spaeter stark befestigte Stuetzpunkte der atlantischen Flotte. Sie uebernahmen nach der voelligen Zerstoerung von Tharsis durch eine Naturkatastrophe deren Aufgaben. Auch sie waren nach den Konstruktionsmerkmalen von Tharsis gebaut. Ebenso auch andere phoenizische und kanaanitische Staedte wie z.B: Ugarit und das, zwar im Binnenland liegende, aber fuer den auf dem Landweg weitergehenden Zinnhandel mit Mesopotamien wichtige Hazor (0a). ( Zyklopenmauern, Kanalisation)

g. Das Reich der Meder und der Perser im Iran wurde von nach dorthin nach der Katastrophe von 1250 eingewanderten atlantischen Voelkern gegruendet. Die in der bisherigen Geschichte bekannte indo-iranische Wanderung kann somit auch als atlantische Wanderung bezeichnet werden.Im gleichen Zusammenhang entstand auch die aus atlantischen Volksgruppen bestehende "arische" Einwanderung in Indien.

h. Bei den Aramaeern Syriens und den Chaldaeern Babylons handelte es sich ebenfalls um Volksgruppen atlantischen Ursprungs. Auch weitere, ploetzlich in der Geschichte des vorderen Orients nach 1000 v. Chr. auftauchende Voelker und Volksgruppen, wie beispielsweise die Nabataeer, sind mit hoher Wahrscheinlichkeit atlantischen Ursprungs, soweit sie wesentliche kulturelle Merkmale des atlantischen Reiches aufweisen. So wurde wahrscheinlich im Jemen das Reich von Saba, das bis Aethiopien reichte, ebenfalls von Atlantern gegruendet.

Da Nazareth, die Stadt in der Jesus seine Jugendjahre verbrachte und aus der seine Mutter Maria gebuertig war, in der juedischen Geschichte keine Rolle spielte(0a,7a), hingegen erwiesenermassen mindestens seit 1700 v. Chr. in atlantischem Einfluss- und Siedlungsgebiet lag und spaeter im Zuge der atlantischen Wanderung aramaeisch besiedelt wurde (0a,7a) ist sehr wahrscheinlich, daß auch Jesus von Nazareth, wie auch die meisten seiner aus Galilaea stammenden Juenger, spaete Atlanter waren. Auch Jesu zum Frieden mahnende Lehre passt weit mehr in die zum Frieden tendierende atlantische Tradition als in das aggressive Judentum, das er in seiner Lehre angriff und an dem er dann schliesslich im Leben scheiterte.

i. Das Reich der Hethiter in der Tuerkei, das Reich Mitanni der Churriter in Syrien und die Reiche Urartu und Man im Bereich von Armenien wurden zumindestens in ihrer Fuehrungsschicht von eingewanderten Gruppen atlantischen Ursprungs bestimmt. Auch in diesen Staaten finden sich mehr oder weniger stark ausgepraegt die Merkmale des atlantischen Reichsverstaendnisses, die technischen Kenntnisse und die Religion von Atlantis.

j. Auch bei den "Kassiten", die 400 Jahre lang mit Unterstuetzung durch Aegypten und die Hethiter die "goldene Zeit" Babylons bestimmten, handelt es sich um eine atlantische Volksgruppe. Ebenfalls bei den Hyksos , die eine Zeitlang die Pharaonen ( von 1650-1570 ) in Aegypten stellten und den Horitern der Bibel.

k. Bei den Basken, die in Nordspanien und Suedfrankreich im Bereich der Pyrenaeen leben, handelt es sich um die letzte voelkisch intakte Restgruppe der einstmaligen atlantischen Besiedlung Spaniens. Die baskische Sprache ist damit als die letzte auf atlantischer Basis beruhende Sprache im europaeischen Raum anzusehen.

l. Als in der geschichtlichen Zeit, von der wir vor allem aus griechischen und roemischen Quellen wissen ( da die atlantischen von den Siegern vernichtet wurden ), die politische Situation an der oestlichen Kueste des Mittelmeers immer gespannter wurde, gruendeten die Atlanter von Phoenizien aus eine "neue Hauptstadt". Sie lag im Zentrum des Mittelmeers und am Eingang zum westlichen Teil, der ausschliesslich phoenizisch oder atlantisch bestimmt war, an der den Phoeniziern gut bekannten nordafrikanischen Kueste . Es entstand Karthago, das eine lange Zeit eine bedeutende Rolle im Mittelmeer spielte und die Traditionen der atlantischen Kultur bis zu seiner Zerstoerung durch die Roemer wahrte.

Wie sich allerdings im Verlauf der weiteren Geschichte herausstellte war die Gruendung der "neuen Hauptstadt" an dieser Stelle rein handelspolitisch ein Vorteil aber ein machtpolitischer Fehler, da die Stadt kein Hinterland hatte, aus dem im Kriegsfall Reserven geschoepft werden konnten. Dieser "Fehler" ist ein weiterer Beweis dafuer, daß das Hauptinteresse der atlantischen Gruendungen trotz geaenderter Zeitumstaende entsprechend der atlantischen Tradition nach wie vor im friedlichen Handel bestand. Als dieser Fehler in Karthago von fuehrenden Politikern erkannt wurde und die "neue Hauptstadt" wieder in die urspruengliche Heimat der Atlanter, auf die iberische Halbinsel nach Karthagena zurueckverlegt werden sollte, war es dafuer bereits zu spaet. Die Roemer verhinderten es durch ihren iberischen Feldzug.

Auch diese geschichtlich belegten Tatsachen zeigen, daß das Erringen politischer und militaerischer Macht um jeden Preis, wie es die Roemer dann praktizierten, den in der atlantischen Tradition stehenden Staaten fremd war und lediglich von Gruppen betrieben wurde , die sich aus dem Reichsverband geloest hatten und die oft auch bereits zu dem Mutterstaat ein gespanntes Verhaeltnis hatten.

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Lesen Sie hierzu, umfassend und uebersichtlich dargestellt :

DIE GESCHICHTE VON ATLANTIS, der vergessene Ursprung unserer Kultur
von Karl Juergen Hepke
TRIGA-DER VERLAG, 2.Aufl. 2008, Hardcover, 268 Seiten, Eur 22,00 , ISBN 978-3-89774-539-1

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