C.E.I.F.

Centro de Estudios Ibero Fenicios

Handbuch der Typologie und Chronologie der phoenizischen Keramik im Sueden Spaniens

Teil 8


Von: Alberto LÚpez Malax-echeverria
Ins Deutsche uebertragen von : Karl Juergen Hepke

 

Inhalt:
1.Einleitung:
Geschichtlich-archaeologischer Widerspruch in der Kolonisation des Suedens Spaniens durch die Orte des nahen Orients im II / I Jahrtausend v. Chr.

Karte von Andalusien mit den Hauptlagerstaetten
Erste Schlussfolgerungen
Karte: Lagerstaetten des vorderen Orients

Studien der Typologien

2. Kleine Kruege
3. Raeucherpfannen
4. Oinocoen
5. Amphoren und Einmachtoepfe
6. Kochtoepfe
7. Lampen
8. Teller
9. Dreifuessige Teller
10. Kruege
11. Krater
12. Zusammenstellung der Typologien mit Zeiteinordnung vor dem VIII Jahrhundert v. Chr.und Bibliografie

Teil 8

Teller (Platos)

Referenzliteratur:

The Pottery of Tyre........................ Patricia Maynor Bikai....................... Aris Phillips Ltd. Warminster, Wilts, England 1978

 

Tafel 1: Typologisch - chronologische Darstellung der Teller aus der Ausgrabung von P.M.Bikai in Tyrus

Beschreibung der Teller

1.Lamina (Tafel) I,2 - Estrato (Schicht) I (700 v. Chr.), Typ FWP 1, 5 Y 6/4 braun roetlich, RB ; 10 R 4/8 rot

2.Lamina (Tafel) I,7 - Estrato (Schicht) I (700 v. Chr.), Typ 1; 7,5 YR 6/6 roetlich gelb

3.Lamina (Tafel) XI,19 - Estrato (Schicht) II (720 v. Chr.), Typ FWP7 ; 7,5 YR 7/4 rosa, RB ; 10 R 4/6 rot

4.Lamina (Tafel) X,3 - Estrato (Schicht) II (720 v. Chr.), Typ FWP3 ; 5 YR 6/4 hell braun roetlich, geschliffen

5.Lamina (Tafel) IX,5 - Estrato (Schicht) II (720 v. Chr.), Typ 4 ; 7,5 YR 6.5/6 gelb roetlich geschliffen

6.Lamina (Tafel) XI,2 - Estrato (Schicht) III (740 v. Chr.), Typ FWP3 ; 7,5 YR 6/4 hellbraun RB ; 10 R 4/6 rot

7.Lamina (Tafel) XI,13 - Estrato (Schicht) III (740 v. Chr.), Typ FWP2 ; 7,5 YR 7/4 rosa RB ; 10 R 4/6 rot

8.Lamina (Tafel) IX,13 - Estrato (Schicht) III (740 v. Chr.), Typ 3 ; 5 YR 6/6 roetlich gelb geschliffen

9.Lamina (Tafel) VIII, L - Estrato (Schicht) III (740 v. Chr.), Typ 2 ; 5 YR 5/6 roetlich gelb

10.Lamina (Tafel) XV,1 - Estrato (Schicht) IV (750 v. Chr.), Typ FWP ; 7,5 YR 7/4 rosa RB innen und Lippe aussen

11.Lamina (Tafel) XV,5 - Estrato (Schicht) IV (750 v. Chr.), Typ FWP5 ; 5 YR 6/6 gelb roetlich RB ;10 R 4/6 rot

12.Lamina (Tafel) XVI,13 - Estrato (Schicht) IV (750 v. Chr.), Typ 7 ; 5 YR 7/6 gelb roetlich, ungleich

13.Lamina (Tafel) XVIII,4 - Estrato (Schicht)VII (800 v. Chr.), Typ 9 ; 5 YR 5/6 gelb roetlich, bemalt schwarz und 2.5 YR

14.Lamina (Tafel) XIX - Estrato (Schicht) VIII (825 v. Chr.), Typ 10 ; 10 YR 7/6 gelb, innen geschliffen

15.Lamina (Tafel) XXVI,1 - Estrato (Schicht) X (850 v. Chr.), Typ 11 ; 7,5 YR 6/4 hellbraun, innen geschliffen

16.Lamina (Tafel) XIX,5 - Estrato (Schicht) IX (850 v. Chr.), Typ FWP8 ; 5 YR 7/6 gelb roetlich, RB aussen ; IOR 4/8 innen geschliffen

17.Lamina (Tafel) XXIX,4 - Estrato (Schicht) XI (925 - 850 v. Chr.), Typ 11 ; 5 YR 7/6 gelb roetlich, innen geschliffen

18.Lamina (Tafel) XXXI,3 - Estrato (Schicht) XII (1000-925 v. Chr.), Typ 11 ; 5 YR 7/6 gelb roetlich, innen geschliffen

19.Lamina (Tafel) XXXI,1 - Estrato (Schicht) XII (1000-925 v. Chr.), Typ 11 ; 7,5 YR 6/4 hellbraun

20.Lamina (Tafel) XXXVII,5 - Estrato (Schicht) XIII (1025 v. Chr.), Typ 1 ; 7,5 YR 7/6 gelb roetlich, innen geschliffen

21.Lamina (Tafel) XLVII - Estrato (Schicht) XVI (1415-1360 v. Chr.), Typ 14 ; 2,5 YR 5/6 rot, Oberflaeche verschimmelt

Klassifikation der Typologie von Tellern
durchgefuehrt von P.M.Bikai in
The Pottery of Tyre........................
Patricia Maynor Bikai....................... Aris Phillips Ltd. Warminster, Wilts, England 1978


Typ 1. Diese Gruppe ist charakterisiert durch ein Schnuerchen in der Mitte der Innenwand des Tellers. Die Tonerde und Brennung variieren von einer guten Brennung und reiner Tonerde bis zu einer schlechten Brennung und zerbrechlicher Tonerde. Selten geschliffen und niemals dekoriert. Basis eben endend in Schnur.
Typische Beispiele von Schicht I.
Die Chronologie geht von Ende des VIII Jahrhunderts v. Chr. mit einer relativ langen Fortdauer, wie die zyprischen Parallelen und die von Abu Hawan zeigen.

Typ 2. Dieser Teller erscheint in einer solchen Menge, dass er das Standardprodukt dieser Zeit gewesen sein muss. Die Basis ist immer eben, endend in einer Schnur. Fuer die Form der Lippen koennen sich verschiedene Formen von Stuetzen zeigen. Es finden sich:
Stuetze ueber der inneren Schneide der Lippe
Stuetze in der aeusseren Schneide
Stuetze in ebener Form ueber der Lippe.
Sie sind hergestellt aus gut gebrannter Tonerde von roetlich gelb-brauner Toenung und sind selten geschliffen.
Die Deckel weichen von dieser Typologie ab indem sie einen Henkel an der Basis haben und manchmal ein Loch fuer die Ventilation. Die Chronologie entspricht der zweiten Haelfte des VIII Jhdts v. Chr. mit einer moeglichen Ausdehnung ins VII Jhdt. v. Chr.
Die Durchmesser gehen von 12 bis 37 cm, der Mittelwert ist 15 cm. Die Sammlung von Bikai umfasst total 53 Teller von denen wir hier 6 als Beispiel zeigen.

Typ 3. Diese Gruppe hat einen breiteren Rand als Typ 2 mit ebenem Sitz auf demselben, wenn man ihn umwendet. Nahezu immer geschliffen und sehr gut ausgearbeitet. Haben ebene bis konvexe Basis.
Die Durchmesser gehen von 14 bis 36 cm. Mittelwert 21 cm.

Typ 4. Diese Gruppe ist eine Variation von Typ 3 mit einer Stufe oder Betonung unter der Lippe. Einigemal zeigt sich ein Ueberzug von geschliffenem Rot. Die Lippe kann horizontal oder abfallend sein.Die Durchmesser gehen von 20 bis 30 cm, Mittelwert 21 cm.
Die Chronologie dieser beiden Typen geht vom Anfang des VIII Jhdts bis zur Mitte des VIII Jhdts.

Typ 7. Dieser Teller ist moeglicherweise der Vorgaenger von Typ 2.Seine Ausarbeitung ist besser als beim Typ 2. Er hat einen groesseren Durchmesser und eine schmale Rippe am Bord. Die Basis ist eben , abschliessend in Schnur. Der Gesamtdurchmesser geht von 12 bis 36 cm, Mittelwert 19,8 cm. Einige Exemplare zeigen sich geschliffen und koennen mit einer roten geschliffenen Deckschicht versehen sein.
Seine Chronologie geht von den Anfaengen des VIII Jhdts bis zur Mitte des VIII Jhdts v. Chr.

Typ 8. Teller mit ebenem Schenkel und Basis endend in Schnur. Die Lippe zeigt sich manchmal leicht nach aussen ausgedehnt. Ueblicherweise gut gebrannt aber selten geschliffen. Der Durchmesser geht von 10 bis 27 cm, Mittelwert 17,14 cm . In Hazor und Samaria sind die Seiten des Koerpers mehr gekruemmt mit derselben Chronologie.
Die Chronologie geht von den Anfaengen des VIII Jahrhunderts bis in die Mitte des VIII Jahrhunderts v. Chr.

Typ 9. Die Basis dieser Typologie ist die von Typ 8 , aber mit Dekoration rot oder schwarz und rot im Inneren. Als Unterschied zum Typ 8 ist dieser Typ oft geschliffen. Die Basis ist abgeschlossen mit Schnur und der Teller im allgemeinen gut gebrannt. Die Teller erscheinen im IX Jhdt. v. Chr. mit Ausdehnung bis ins VIII Jhdt., wie die Parallelen in Khalde und Akko zeigen.

Typ 10. Diese Typologie liegt zwischenden Typen 8 und 11. Der Bord ist eben, leicht gebogen nach innen und die Waende des Koerpers leicht gebogen. Sie zeigen sich im allgemeinen geschliffen im Inneren. Im allgemeinen mit Basis niedriger Ring, obwohl einige Exemplare mit Basis abgeschlossen mit Schnur vorkommen. Der Durchmesser geht von 10 - 28 cm. Mittelwert 17,24 cm.
Die Chronologie geht von dem Ende des X. bis zur Mitte des IX Jhdts v. Chr.

Typ 11. Diese Gruppe ist charakterisiert durch eine leichte Verengung des inneren Randes und einer gekurvten Wand des Koerpers. Die uebliche Basis dieses Typs ist der niedrige Ring, aber man findet auch Exemplare mit ebener Basis abgeschlossen durch Schnur. Ueblicherweise ausgefuehrt in feiner Tonerde, gut gebrannt. Die Oberflaeche ist nahezu immer geschliffen.Der Durchmesser geht von 12 bis 23 cm, Mittelwert 17,57 cm.
Seine Chronologie geht von der Mitte des XI bis zur Mitte des VIII Jahrhunderts v. Chr.

Typ 12. Diese Typologie ist aehnlich Typ 11, aber die Waende sind ueblicherweise mehr gekurvt und die Verengung des Randes ist mit irgendeinem Instrument abgeschnitten im Gegensatz zum sanft gerundetem Rand von Typ 11. Immer sehr gut endbearbeitet und geschliffen. Koennen eine ebene Basis oder einen niedrigen Basisring haben. Der Durchmesser geht von 13 bis 28 cm, Mittelwert 18,33 cm.
Die Chronologie geht von der Mitte des XI bis zum Ende des XI Jhdts. v. Chr.

Typ 13. Diese Gruppe hat eine leichte Stromlinienform unter dem Rand. Der Rand kann eben sein und verengt oder leicht verengend zum Inneren hin. Viele Exemplare zeigen Nippel oder kleine horizontale Griffe angesetzt an den Bord. Sie koennen eine ebene Basis oder Basis mit niedrigem Ring haben. Ueblicherweise gut gebrannt und endbearbeitet. Nahezu immer geschliffen. Der Durchmesser geht von 13 bis 28 cm, Mittelwert 18,08 cm.
Seine Chronologie geht von den Anfaengen des XI bis zur Mitte des XI Jhdts. v. Chr.

Teller (Platos)
Spanien
Herkunft aus:
Castillo de Dona Blanca (
Puerto de Santa Maria, Cadiz)
Necropolis de Setefilla (Lora del
Rio, Sevilla)
Toscanos (Velez Malaga,
Malaga)


Teller: Kommentare und Schluesse.


Die Veroeffentlichungen ueber die juengsten Ausgrabungen geben Anlass, so wie es zu erwarten war, um Parallelen in einer Form zu erstellen, die jedesmal haeufiger zur Veroeffentlichung von P.M.Bikai "The Pottery of Tyre" passen. Bedenkend, wie sie es auch selber angibt, dass die Gruppierung eines Typs von Tellern mehr von der Gesamtheit aller Besonderheiten als von irgend einem Detail seiner Form abhaengt, ist es noetiger, als eine moegliche Parallele aufzuzeigen, die Begriffe anzusehen, welche von P.M.Bikai benutzt werden. Dies auf die Richtung, in der sie sie verwendet und die nicht immer uebereinstimmt mit dem, was wir ueblicherweise in unseren Veroeffentlichungen verwenden.

Der Begriff "Slips" (slipped) detailliert sich nur in der Beschreibung, wenn es sich um eine rote Deckschicht handelt. Schon wenn sie von einer anderen Farbe ist (unterschiedlich vom Grundstoff des Gefaesses) kann man es nach ihrer Meinung nur unter dem Mikroskop erkennen.
Der Begriff "Paint" deutet irgend eine Dekoration auf der Oberflaeche an, ohne Komposition oder Form der Applikation zu spezifizieren.
"Burnished" zeigt, dass die Oberflaeche geschliffen ist, das heisst, dass sie vor der Brennung geschliffen wurde.
"RB" schliesslich bedeutet "Deckschicht rot und geschliffen", was in vielen Faellen gleichbedeutend ist zum in unseren Veroeffentlichungen benutzten "barniz rojo" (rote Glasur) (siehe: Ein Bericht ueber die Keramik mit roter Glasur ("barniz rojo") von Alberto LÚpez - echeverria, XII Congreso Arqueologico National)

Wir haben keine Teller aus anderen Publikationen des nahen Orients betrachtet, weil wir meinen, dass dieses Muster (Bikai) mehr als ausreichend und klar ist, waehrend die Chronologien und Details in Arbeiten wie der von R. Amiran und Anderen nicht so konkret sind, wie sie benoetigt werden. Die Abschaetzung des Komplexes Typologie-Chronologie-Charakteristiken im allgemeinen ist in diesen Publikationen sehr aehnlich dem, was wir (bisher) machen.

Fuer das, was sich auf die Teller aus spanischen Fundstaetten bezieht, koennen wir sagen, dass ausser der erwaehnten Tendenz, Parallelen ausgehend von der Publikation von Bikai zu erstellen, sich anbietet die chronologische Klassifikation der Studie von H. Schubart ueber die Teller von Toscanos. Sie legt die Entwicklung der Borde dieser Typologie zugrunde, von Breiten von 2 cm in den Schichten des VIII Jhdts v. Chr. in progressiver Erweiterung bis zum VI Jhdt. v. Chr. in dem sie eine Breite von 8 cm erreichen.

Diese gleiche Tendenz bestaetigte sich fuer diese Form der Teller in den Ausgrabungen von Morro de Mezquitilla, von denen in den Schichten B I, B II der Hoefe 7 und 8 die Borde eine Breite von weniger als 2,2 cm haben, was weniger ist als von den Exemplaren, die aus den Schichten II - III von Tyrus stammen. Dabei gibt Schubart an, dass es insgesamt 10 Teller gibt, deren Borde eine Breite von 2,2 - 2,8 cm haben, mit insgesamt gleicher Chronologie. Die Teller von Morro de Mezquitilla muessten danach ein Datum von oder vor der Mitte des VIII Jhdts v. Chr. haben.

Es ist noch notwendig, einige Klarstellungen zu machen:
In den Schichten II - III der Publikation von Bikai Lamina VIIIA, IX , X , XI A finden sich insgesamt 117 katalogisierte Exemplare wie Teller, von denen die, welche in ihrer Beschreibung "RB" ( Deckschicht rot geschliffen) fuehren, Aehnlichkeit haben in Bezug auf ihre Dekoration mit unseren Tellern mit "Roter Glasur ("Barniz rojo")
Zu den Typen, die in ihrer Beschreibung das erwaehnte "RB" fuehren, was in spanischen Publikationen dem "barniz rojo"entspricht , muss man die Teller der aehnlichen Typologie, durch Bikai klassifiziert als "FWP" , hinzufuegen

Der allgemeine Aspekt der typologischen Gruppe von Tellern, welche Schubart untersuchte, gleicht in Bezug auf die Typologie Exemplaren, die Bikai unter den Typen 1,2,3,4,7,8,9, gefunden in den Schichten II bis IV sammelte. Insgesamt bestehen sie aus 3496 Fragmenten der Raender von Tellern.
.Bikai betrachtet es als unmoeglich, aus Gruenden, die sie in ihrer Publikation erlaeutert, die Typologie von Tellern abhaengig von der Breite der Lippe, Verhaeltnis Durchmesser/Lippe usw. zu machen.

Es ist sehr wichtig, dass man typologisch-chronologische Reihen aufstellen konnte, die ihre Konstanten in verschiedenen Lagerstaetten bestaetigt haben und erlauben , ausgehend von diesen Punkten, Chronologien in anderen zu erstellen. Aber es ist nicht weniger sicher, dass man das Risiko eingeht, ein Datum mit dem Charakter "absolut" zu fixieren bei Typologien, die eine lange Lebensdauer haben.
Dies kann, durch die Bequemlichkeit, sich an ein akzeptiertes Konzept anzuschliessen, dazu fuehren, sich nicht mit der notwendigen Gruendlichkeit dem Studium anderer Formen, die in der Ausgrabung erscheinen, zuzuwenden.
Wobei uns dann die sattsam bekannten "Visitenkarten von phoenizischen Besuchen" und die Typologie, aufgestellt durch Professor Schubart , verbleiben.

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Lesen Sie hierzu, umfassend und uebersichtlich dargestellt :

DIE GESCHICHTE VON ATLANTIS, der vergessene Ursprung unserer Kultur
von Karl Juergen Hepke
TRIGA-DER VERLAG, 2.Aufl. 2008, Hardcover, 268 Seiten, Eur 22,00 , ISBN 978-3-89774-539-1

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