Themen und Darstellungen zur alten Geschichte

Meinungsaustausch und Diskussion zum Thema

Atlantis in Andalusien 1b

zwischen Karl Juergen Hepke und Ulf Richter

13.2.2003

Lieber Herr Hepke!

Vor zwei Jahren hatten wir einen E-Mail-Briefwechsel ueber die vermutete Lage von Atlantis nahe der Ausgrabungsstaette von "Dama Blanca". Ich las die neuesten Ausgaben Ihrer "tolos"-Artikel und sah, dass Sie staendig an ihrer Theorie weiterarbeiten.

Auch ich habe mich seither immer wieder mit der Thematik "Atlantis" beschaeftigt. Zunaechst kam ich durch genaues Studium von 10 verschiedenen Uebersetzungen (deutsch und englisch) von Platons "Timaios" und "Kritias" zu der Ueberzeugung, dass die Inselhauptstadt von Atlantis eigentlich nur in der Gegend gelegen haben kann, wo auch Sie sie vermuten. Die beschriebene Ebene, nach Sueden ausgerichtet und von einer Bergkette vor den Nordwinden geschuetzt, muesste die Ebene zwischen Huelva, Sevilla und Cadiz sein. Da ich begruendet annehme, dass die gewoehnlich verwendete Umrechnung von Platos "Stadien"-Angaben mit 185 m oder aehnlich (man findet Umrechnungswerte zwischen 160 und 192 m fuer ein "Stadion" in der Literatur) nicht stimmen kann und der wahrscheinlichere Wert 52,5 m betraegt, stimmen auch die Maße mit ca.150 km Breite entlang der Kueste und ca.100 km Tiefe in der Mitte von der Kueste ins Inland recht gut damit ueberein. Die Hauptstadt lag am Rande der Ebene auf einem allseits niedrigen Huegel; der um die Ebene laufende Kanal erreichte sie von beiden Seiten. Bei Strabo ist beschrieben, dass zu seiner Zeit ein Mündungsarm des "Betis" gegenüber von Gades ins Meer muendete. Es ist also anzunehmen, dass der oestliche Arm des Kanals um die Ebene etwa dort verlief, wo heute die Eisenbahnlinie und Autobahn in einer Senke oestlich von Jerez verlaufen. Bei Puerto di Santa Maria muendete dann also nicht nur der Guadalete, sondern auch der Guadalquivir. Dies macht auch Sinn für die bevorzugte Lage der phoenizischen Handelsstadt Gades.

Ich moechte im März dieses Jahres wieder einmal nach Andalusien fahren und dabei auch versuchen, irgendwelche weiteren Anhaltspunkte für meine Theorie zu finden, die ich auch durch viele Diskussionen in dem englischsprachigen Diskussionsforum "Atlantis Rising" vertieft habe. Deshalb meine Frage an Sie: Koennen Sie mir Hinweise geben, welche Stellen ausser der Ausgrabungsstätte "Dama Blanca" dabei interessant sein koennten? Auf der von Ihnen beigegebenen Karte der Lage von Tharsis deuten Sie an, dass die Stadt Jerez de la Frontera im Mittelpunkt der Ringkanaele gelegen habe. Vermuten Sie also die Koenigsburg von Atlantis dort und bei Puerto de Santa Maria nur den aeusseren Hafen am Meer? Man muss ja in Betracht ziehen, dass sich in den vergangenen Jahrtausenden durch die Einwirkung der zerstoerenden Flutwelle (Tsunami), Meeresspiegelanstieg, Landhebung, Erosion, Anschwemmung und Duenenbildung sehr vieles veraendert haben kann, und dass die Reste der Koenigsburg von Atlantis heute wahrscheinlich unter 10 oder 20 Metern Erde liegen, wie es z.B. bei der einstigen Hafenstadt Helike in Griechenland oder beim Kanal des Xerxes durch die Halbinsel Athos der Fall war, die man beide in den letzten Jahren wiederfand. Haben Sie irgendwelche Unterlagen ueber Landhebungen in dieser Gegend?

Ich danke Ihnen herzlich für Ihre Hilfe und verbleibe mit vielen Gruessen

Ihr Ulf Richter

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Antwort: 14.2.2003

Lieber Herr Richter !

Vielen Dank für Ihre Mail vom 13.2.03. Da ich seit zwei Jahren nichts mehr von Ihnen gehoert hatte, habe ich mich schon gefragt, ob Sie dem Thema Atlantis untreu geworden sind, oder bereits mit dem Spaten in Andalusien arbeiten. Umso erfreulicher ist es, zu hoeren, dass Sie jetzt auch an Andalusien als ehemaliges Atlantis glauben. Wie Sie festgestellt haben, ist auch bei mir der Erkenntnisfortschritt nicht ausgeblieben. Vor allem das auf Tharsis folgende Tartessos und neue Erkenntnisse um das Weiterleben der atlantischen Traditionen bei den Kelten und Goten sind hinzugekommen und haben ihren Niederschlag in TOLOS-Kapiteln gefunden. Doch nun zu Ihren Fragen und Ergebnissen.

1.) Bei dem von Strabo erwaehnten Muendungsarm des Betis gegenüber von Gades kann es sich um eine natuerliche Ausweitung des urspruenglichen atlantischen, suedlich der Ebene verlaufenden Transportkanals durch die Ebene handeln, der auch von Platon erwaehnt wird. Er heisst heute "Canal del Bajo Guadalquivir". Er fuehrt von Palma del Rio im Osten ueber Lora del Rio am heutigen Sevilla vorbei bis in die Gegend von Lebrija und wendet sich dann nach Westen wieder dem Guadalquivir zu. Vorher zweigt nach Sueden ein Arm in Richtung Puerto ab, der bis Tabajete, Alija, westlich von Jerez reicht. Auf der Hoehe von Casablanca, Lago des Tollos ist dieser Arm nur ca. 15 Km von einigen in den Guadalete fliessenden Wasserlaeufen entfernt. Durch die hier verlaufende Niederung fuehren sowohl die alte Nationalstraße IV , die Eisenbahnlinie und die neue Autobahn nach Cadiz. Hier koennte sich vorher der Arm des Guadalquivir zum Guadalete befunden haben. Vielleicht wurde der Flussarm erst im Zuge der Straßenbauten und des Eisenbahnbaus Anfang des 20. Jahrhunderts zugeschuettet.

2.) Interessante Staetten ausser "Tell de Dona Blanca".

Interessant ist sicher die Verifizierung der Annahme unter 1.). Ausserdem die Prüfung der Topografie westlich von Jerez hinter dem Hoehenzug auf die Moeglichkeit eines hier in Fortsetzung des vorher angesprochenen Wasserlaufs von Tabajete nach Dona Blanca fuehrenden Ringkanals. Dann der alte Straßenverlauf ( "Der alte gerade Weg" bei TOLOS) von Tharsis (Tell de Dona Blanca) nach Jerez, Utrera, Carmona, Lora del Rio, auf dem die Metalle auf dem Landweg aus der Sierra Morena nach Tharsis/Tartessos gelangten. ( der Wasserweg war der vorher beschriebene Kanal).

Die Stadt Carmona mit Felsengraebern aus atlantischer Zeit (faelschlich den Roemern zugeschrieben) mit Steinbild eines Elefanten in einem der Graeber (Tomba del Elefante), Lora del Rio und Setefilla mit Resten aus atlantischer Zeit. Nekropole an der Staße nach Constantia.

Castillo de Mulva (Munigua) bei Villanueva del Rio y Minas aus roemischer Zeit auf Resten atlantischer Erzgruben.

Diese Orte sind alle unter www.TOLOS.de/metal.htm mit Karte bezeichnet.

Ausserdem sollen in Niebla Reste der alten Wasserbauten zur Schiffahrt auf dem Rio Tinto zu den Kupfererzgruben erhalten sein.

Wenn Sie darüber hinaus noch Zeit haben, empfehle ich einen Besuch von Ronda mit anschliessender Fahrt auf der schmalen C344 über Burgo nach Coin, um die Faszination der andalusischen Bergwelt kennen zu lernen.

Auch die Cueva de Menga und Cueva de Romeral in Antequera als hoechste Perfektion von Grosssteingraebern sind absolut sehenswert. Wenn Sie noch nicht dazu gekommen sind, sollten Sie auch die Anlagen von Los Millares bei Almeria, die sich in dem landschaftlich reizvollem Wuestengebiet befinden, in dem die groessten Silbergruben Iberiens lagen, ansehen. Diese Silbergewinnungstaetten reichen bis in aelteste Zeit, moeglicherweise bis in die Zeit von Atlantis I vor 12000 v. Chr. zurueck.

3.) Zur Frage der Landhebungen in Iberien in historischer Zeit liegt außer dem Atlantisbericht Platons, in dem die Zufahrt zu Atlantis flach und unbefahrbar durch die Untergangskatastrophe wird, auch Homers Odyssee mit dem Scheria-Bericht vor, in dem durch Poseidon, der auch Gott der Erdbeben war, das zurueckkehrende Schiff der Phaeaken versteinert wird und als sichtbarer Felsruecken im Meer erscheint. Im Kapitel www.TOLOS.de/andaluz.htm bin ich naeher darauf eingegangen. Aus den im Museum von Puerto angegebenen Funden ist ersichtlich, daß das Meer zeitweise bis zu 30 Km weiter in das Land reichte, was seine Ursache wahrscheinlich in tiefer liegendem Land hatte. Von der Suedkueste Spaniens, der Costa del Sol bei Torrox, weiß ich, daß das Geroellbett des Rio Torrox, das einst im Meer lag, heute 10-15 m über dem Meeresspiegel liegt. Der Fluss hat sich in die Geroellzunge, die durch zementartigen Staub verklebt ist, ein neues Bett gegraben. Dies deutet auf eine Landhebung um ca 30 m in Folge einer Katastrophe mit vulkanischer Aktivität hin. Die Landhebung muss vor der Roemerzeit stattgefunden haben, denn auf der Geroellzunge stand eine Stadt der Roemer.

4.) Zur Lage Jerez de la Frontera.

Bei dieser Stadt handelt es sich nach meiner Meinung um einen ehemaligen Marktplatz auf freiem Feld mit einem Windschutz gegen die Seewinde durch den halbkeisfoermig herumreichenden Bergruecken von Tharsis. Der Name Jerez = Scheria = Markt deutet auch darauf hin. Der Markt entstand im Grenzbereich (de la Frontera) zwischen christlich beherrschtem Sevilla und den suedlichen Bergen, die bereits zum Koenigreich Granada gehörten, vielleicht um 1200 n. Chr. In dieser Zeit existierten Tharsis und Tartessos schon lange nicht mehr. ( Ende von Tartessos wahrscheinlich um 500 v. Chr. Ursache Zerstoerung und Verhinderung des Wiederaufbaus durch Karthager und nachfolgend Roemer.) Die Lage von Jerez ist nach altem Verstaendnis voellig ungeeignet für eine Stadtgruendung.

5.) Zur Lage der Koenigsburg. Sie lag urspruenglich gemaess Platon auf dem flachen Huegel der Dona Blanca. Da aber im Lauf der Zeit die Stadt und ihr Reichtum sich gemaess Platon laufend vergroesserte und immer "Neues und Besseres hinzugefuegt wurde", ist mit Sicherheit anzunehmen, daß der hinter dem Huegel liegende Berg von 124m Hoehe mit seiner fantastischen Sicht über die Ebene bis ans Meer, zum Bau der neuen Koenigsburg und der zugehoerigen Tempel, wie bei Platon beschrieben, benutzt wurde. Die Handelsstadt lag zu beiden Seiten des Verbindungskanals zum Meer im Anschluss an den befestigten Stadthuegel und nicht an der Muendung des Kanals ins Meer, wo heute Puerto liegt. An der Stelle der ehemaligen Handels - oder "Unterstadt", wie sie heute gerne genannt wird, liegt vielleicht die heutige Siedlung der "Dona Blanca". Die alte Handelsstadt wurde laut Platon durch eine vom Stadthuegel bis zum Meer laufende Mauer zu beiden Seiten des Kanals geschuetzt. Reste dieser Mauer müßten bei etwas Glueck noch zu finden sein. Eine Auffuellung des Gelaendes ist nach meiner Meinung vor allem vor dem Hoehenzug hinter dem Huegel erfolgt. Dies geschah zum einen durch die Flutwelle, zum anderen aber auch erst in juengster Zeit durch die Aktivitäten des Zementwerkes, das grosse Teile des Hoehenzuges, der aus Kalkgestein besteht, abgebaggert hat. Dabei wurden die darüber liegenden Erdschichten nach Lage der Dinge wohl vor dem Hang abgelagert und bedecken die urspruengliche Oberflaeche in unbekannter Dicke. Eine für den Archaeologen aeusserst unerfreuliche Situation. Gluecklicherweise wurde der Tell der Stadt von dieser Auffuellaktion nicht betroffen, man muss aber damit rechnen , dass der Zwischenraum zwischen Huegel und Hoehenzug, durch den einst die Ringkanaele liefen, nahezu vollstaendig aufgefuellt wurde. Ich hoffe damit alle anstehenden Fragen beantwortet zu haben.

Wenn Sie weitere Fragen zum Aufenthalt in Andalusien haben, können Sie mich auch bis Ende Februar telefonisch erreichen. Im März werde ich, soweit es der Bush-Krieg gestattet, ebenfalls in Andalusien an der Costa del Sol sein. Für Ihre Reise wünsche ich viel Erfolg und gutes Gelingen.

Mit freundlichen Gruessen J. Hepke

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Es folgte ein persoenliches Treffen Hepke-Richter und Besprechungen im Maerz in Torrox, Costa del Sol, Andalusien

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Ulf Richter an J.Hepke

Lieber Herr Hepke!

7.4.03

Hoffentlich sind Sie auch wieder gut zu Hause angekommen. Bei uns ist dies der Fall, allerdings ging die Rueckreise ungeplant etwas hastig vor sich, da uns ein weiterer Todesfall in der Familie zur verfruehten Rueckkehr veranlasste.

Das Gebiet um Dona Blanca haben wir aber noch eingehend studieren können. Es ist dort inzwischen eine ganze Menge ausgegraben worden, man hat einen Besucherrundweg geschaffen und ein Gelaende ueber einem ausgegrabenen Mauerkomplex ueberdacht. Es wurde ein farbiges Faltblatt über die Ausgrabungen an die Besucher verteilt. Darin steht, dass die Ansiedlung 6,5 Hektar umfasst und sich bis zu 31 Metern über das Meeresniveau erhebt. Auf der Landkarte 1:50000 mass ich für den Huegel 200 x 350 Meter, also etwa die gleiche Flaeche. Die Ausgrabungen erreichten an einigen Stellen eine Tiefe von 9 Metern und stiessen dann (oder schon eher) auf den gewachsenen Fels. Aus der spaeten Kupferzeit, Ende des 3. Jahrtausends v.Ztr.hat man einige Fundamente von Huetten gefunden. Bevor ich etwas falsch uebersetze, schreibe ich lieber den spanischen Text ab:

Los primeras asentamientos humanas conocidos en el yacimiento son de una fase tardia de la Edad de Cobre, el final del III milenio a.C.. Este periodo esta documentado con fondos o huellas de cabanas dispersas y adaptadas a la topografia original del terreno. A continuacion hay un periodo de abandono que dura hasta la primera mitad del siglo VIII a.C., momento en el que se produce el primer asentamiento fenicio. Poco despues se construye la primera muralla. El yacimiento es habitado de forma ininterrumpida hasta la llegada de los romanos en el transcurso de la segunda guerra punica (206 a.C.) Durante estos seiscientos anos de poblamiento fenicio se edificaron otros dos recintos fortificados (en los siglos VI y III a.C.)y se realizaron varias remodelaciones urbanisticas. Desde la conquista romana, Dona Blanca queda abondonado hasta la Edad Media: Hay restos de poblacion islamica entre los siglos IX y XII d.C.

Die ausgegrabenen Mauern, obwohl bis zu 8,5 m hoch, sind aus relativ kleinen Steinen gefertigt und eigentlich wenig beeindruckend, ebenso die übriggebliebenen Fundamente, die kleinen Gebäuden zuzuordnen sind. Als Ort für die Hauptstadt eines Reiches kann man sich diese Ausgrabungsstaette eigentlich nicht vorstellen. Das gilt auch dann, wenn man das dahinterliegende, eventuell angeschuettete Gelaende gedanklich mit einbezieht. Sehr viel kann auch nicht aufgeschuettet worden sein, denn etwas oberhalb des Dona Blanca-Hügels im Busch hat man eine tumulusartige Begraebnisstaette aus der Zeit 2000 - 1800 v.Chr. gefunden (Die Tumulushöhe war noch 1,5 m), in der sich mehrere Einzelbestattungen befanden. Daneben gab es noch Graeber aus spaeteren Zeiten, ohne aufsehenerregende Funde. Ein Modell der Nekropole ist im Museum von Puerto ausgestellt.

Auf dem Berg San Cristobal oberhalb von Dona Blanca befand sich eine Ansiedlung, wahrscheinlich auch seit der spaeteren Kupferzeit, zu der nach Meinung der Archaeologen die beschriebene, darunterliegende Nekropole gehoerte. Es ist nicht der hintere Teil des Berges, wo die Wasserhochbehaelter der Wasserversorgungsgesellschaft Cadiz stehen, sondern der suedliche Teil des Berges vor den Sendemasten, der die typische Bergspornlage von alten Siedlungen besitzt und an der engsten Stelle, etwas suedlich vom Sendemast, leicht durch eine Befestigungsmauer abzuriegeln war. Dort befindet sich auch ein Schild mit der Aufschrift "Archaeologische Staette", das Gelaende dahinter ist uebersaet mit Scherben. Ausgegraben wurde noch nichts. Mauerreste an der Oberflaeche sind nicht zu sehen, lediglich einige wallartigen Strukturen. Die geringe Flaeche (ca 100 x 600 m)und die wahrscheinlich schwierige Wasserversorgung spricht dagegen, dass dort eine groessere Stadt war, eher ein Vorposten wegen seiner hervorragenden Ausguck-Lage.

Alles deutet darauf hin, dass sich in antiker, phoenizischer Zeit das Meer bis unmittelbar an den Fuss dieses Kalkberges und des Huegels von Dona Blanca erstreckte. Sicher war dort, wo heute die Autobahn den Fluß Guadelete kreuzt, frueher ein Muendungsarm des Guadalqivir, der nach der Gelaendeformation zu urteilen von Lebrija aus entlang der Eisenbahn und suedlich des Flughafens Jerez der Autobahn folgend verlief, wie Sie es auch vermuteten:

> 1.) "Bei dem von Strabo erwaehnten Mündungsarm des Betis gegenüber von Gades kann es sich um eine natuerliche Ausweitung des urspruenglichen atlantischen, suedlich der Ebene verlaufenden Transportkanals durch die Ebene handeln, der auch von Platon erwaehnt wird. Er heisst heute "Canal del Bajo Guadalquivir". Er führt von Palma del Rio im Osten über Lora del Rio am heutigen Sevilla vorbei bis in die Gegend von Lebrija und wendet sich dann nach Westen wieder dem Guadalquivir zu. > Vorher zweigt nach Süden ein Arm in Richtung Puerto ab, der bis Tabajete, Alija, westlich von Jerez reicht. Auf der Höhe von Casablanca, Lago des Tollos ist dieser Arm nur ca. 15 Km von einigen in den Guadalete fließenden Wasserläufen entfernt. Durch die hier verlaufende Niederung führen sowohl die alte Nationalstraße IV , die Eisenbahnlinie und die neue Autobahn nach Cadiz. Hier koennte sich vorher der Arm des Guadalquivir zum Guadalete befunden haben. Vielleicht wurde der Flussarm erst im Zuge der Strassenbauten und des Eisenbahnbaus Anfang des 20. Jahrhunderts zugeschuettet."

Die Laguna de los Tollos liegt schon wieder eine Etage hoeher, aber entlang der Eisenbahnlinie erstreckt sich eine deutliche Senke im Gelaende. Diese ist auch ziemlich breit, so dass der ganze Guadalquivir darin Platz hätte. Sie wird erst auf den letzten 5 km noerdlich des Guadalete deutlich schmaler, aber dort kann die ehemalige Muendung durch spaetere Sandduenenbildung verengt sein. In den Anschnitten von Strasse und Autobahn sah man nur gelben Sand.

>1.)." Ausserdem die Pruefung der Topografie westlich von Jerez hinter dem Hoehenzug auf die Moeglichkeit eines hier in Fortsetzung des vorher angesprochenen Wasserlaufs von Tabajete nach Dona Blanca fuehrenden Ringkanals."

Hier deutet nichts auf ein ehemaliges durchgehendes Tal in der Huegellandschaft. Allerdings ist auch hier Verschuettung durch Sandduenenbildung anzunehmen.

> " Auch die Cueva de Menga und Cueva de Romeral in Antequera als hoechste Perfektion von Grosssteingraebern sind absolut sehenswert."

Die Cueva di Menga hat uns sehr beeindruckt mit ihrer groessten Deckplatte von 7 x 8 m und Seitenplatten von 3 x 4 x 1,5 m. Das Gewicht der groessten Steinplatte soll 200 Tonnen betragen. Verglichen mit diesem Bauwerk aus megalithischer (atlantischer?) Zeit sind die Ueberreste in Dona Blanca und auf dem San Cristobal-Berg enttaeuschend.

> 4.) Zur Lage Jerez de la Frontera. " Bei dieser Stadt handelt es sich nach meiner Meinung um einen ehemaligen Marktplatz auf freiem Feld mit einem Windschutz gegen die Seewinde durch den halbkeisförmig herumreichenden Bergruecken von Tharsis. Der Name Jerez = Scheria = Markt deutet auch darauf hin. Der Markt entstand im Grenzbereich (de la Frontera) zwischen christlich beherrschtem Sevilla und den suedlichen Bergen, die bereits zum Königreich Granada gehoerten, vielleicht um 1200 n. Chr. In dieser Zeit existierten Tharsis und Tartessos schon lange nicht mehr. "

Jerez scheint viel aelter zu sein. Im neuen deutschsprachigen Stadtführer steht: "Im ganzen Gemeindegebiet von Jerez sind uralte Siedlungsreste gefunden worden. Die archaeologischen Funde lassen sich zum Teil bis in die Altsteinzeit zurueckdatieren, wenn auch solche aus der Jungsteinzeit und Kupferzeit überwiegen. Die Phoenizier, die etwa 1100 v. Chr. nach Cadiz gelangten, nannten die Region Xera. Zur Zeit der roemischen Herrschaft genoss der jerezanische Wein bereits grosses Ansehen. Das roemische Seret wurde dann zum westgotischen Seritium, und im Jahr 711 eroberten es die Mohammedaner. Vom arabischen Sherish stammt der moderne Name der Stadt." Natuerlich koennte man jetzt noch die Namensgleichheit mit Homers Scheria anfuehren.

Die Lage muss nicht so atypisch für eine antike Stadtgruendung gewesen sein, wenn man bedenkt, daß der Stadthuegel unweit der Einmuendung eines grossen Flusses oder Flussarmes in eine Meeresbucht lag. Eine aehnliche Lage, auf Huegeln etwas ab vom Meer, findet man auch bei den etruskischen Staedten Tarquinia, Caere und Vulci.

Zu Scheria, wo Odysseus ja erst mal an einem wilden Vorgebirge strandete und erst dann in die Flussmuendung gelangte, wo ihn Nausikaa auffand, scheint mir die Lage von Jerez eher zu passen als zu Atlantis, wo Platon einen solch markanten vorgelagerten Berg doch haette erwaehnen muessen. In Jerez selbst sah ich nirgends Fels anstehen, sondern nur Sand. Auch eine 5 m tiefe Baugrube vor dem Bahnhofsgebaeude enthuellte nur gelben Sand. Wenn aber eine alte Stadt dort gewesen sein sollte und von einer Meeresflut zerstoert wurde, kann das ganze Stadtgebiet heute gut unter 10 - 15 m Schlickablagerungen und Sand liegen. Im Museum von Jerez waren Funde aus der Kupfer- und Glockenbecherzeit zu sehen, dann aber gar nichts aus der aelteren und mittleren Bronzezeit, erst wieder ein griechischer Bronzehelm und Schwerter aus der juengeren Bronzezeit/Eisenzeit.

> 5.) Zur Lage der Koenigsburg. Sie lag urspruenglich gemaess Platon auf dem flachen Huegel der Dona Blanca. Da aber im Lauf der Zeit die Stadt und ihr Reichtum sich gemaess Platon laufend vergroesserte und immer "Neues und Besseres hinzugefuegt wurde", ist mit Sicherheit anzunehmen, daß der hinter dem Huegel liegende Berg von 124m Höhe mit seiner fantastischen Sicht über die Ebene bis ans Meer, zum Bau der neuen Koenigsburg und der zugehoerigen Tempel, wie bei Platon beschrieben, benutzt wurde. >

Nach genauer Betrachtung der geografischen Situation und der archaeologischen Funde halte ich es nicht für moeglich, dass dort die Koenigsburg von Atlantis mitsamt der kreisfoermigen Hauptstadt lag. Man wuerde sich mit dieser These zu leicht Angriffen von Seiten der Archaeologen aussetzen, die mit dem Standort für die Hauptstadt von Atlantis auch gleich die ganze uebrige Theorie in der Luft zerreissen wuerden.

Jerez mit seiner Lage auf einem fast kreisrunden Huegel von etwa 5 km Durchmeser waere als Standort immerhin moeglich. Wenn man von dem Gipfel des San-Cristobal-Berges auf die sonnenbeschienenen Hochhausbloecke von Jerez herabschaut, koennte man sich diesen Ort als Hauptstadt eines grossen Reiches durchaus vorstellen. Aber keinerlei Funde deuten darauf hin, und man muesste erst mal nachforschen, ob unter den Sandmassen tatsaechlich Felsformationen vorhanden sind. Da alles, zum grossen Teil erst seit juengster Zeit, dicht bebaut ist, gibt es wahrscheinlich keine Möglichkeit einer groesseren Grabung. Eine andere Stelle, auf die Platons Beschreibung passen wuerde, konnte ich bei Fahrten zwischen Jerez, Sanlucar, Chipiona, Rota und Puerto nicht entdecken. Oder alles ist unter so hohen Duenensandablagerungen verschwunden, dass sich das geographische Relief darueber voellig veraendert hat.

Wenn Sie mir Ihre Postanschrift schicken, kann ich Ihnen das Faltblatt über die Dona-Blanca-Ausgrabungen und Fotos, die wir gemacht haben, schicken. Wollen Sie das Buch "Erbe der Giganten" von Uwe Topper geliehen haben?

Mit freundlichen Grüssen

Ulf Richter

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9.4.2003

Lieber Herr Richter!

Ich danke Ihnen für den ausfuehrlichen Bericht über Ihre Studien im Bereich von Puerto. Es scheint sich zu bestaetigen, dass es sich bei der Ausgrabungsstaette um das alte Tartessos handelt. Offenbar liegt aber die Vorgaengerstadt "Tharsis=Atlantis" nicht, wie urspruenglich von mir vermutet , unter dieser Stadt.

Auf Grund der intensiven Betrachtung der Gelaendegegebenheiten anhand der mir von Ihnen überlassenen Karte , ihrer farblichen Anlegung und der Pruefung aller vorkommenden Orts- und Gelaendebezeichnungen war ich schon in Torrox zu dem Schluss gekommen, dass die Stadt Atlantis moeglicherweise vor dem Huegel in der Ebene lag. Dies deshalb, weil Platon von den "von Poseidon geschaffenen" 3 Wasserringen um die "Insel" spricht. Derartige natuerliche Wasserringe sind nur als Maeanderschleifen eines Flusses vorstellbar, koennen also nur in einer Ebene und nicht vor einem Berg liegen. Die Verlegung der Nachfolgestadt auf den Huegel vor dem Berg koennte dem Wunsch nach mehr Sicherheit vor Ueberschwemmungen nach der Untergangskatastrophe entsprungen sein. Dies waere nur logisch.

Ich habe meine Überlegungen und Skizzen in einer neuen Website mit dem Namen www.tolos.de/insula1.htm niedergelegt, die bisher nicht im Inhaltsverzeichnis von TOLOS erscheint und deshalb oeffentlich nicht zugaenglich ist. Sie koennen sie als vorlaeufige Idee dort einsehen. Wegen des grossen Bildumfangs ist sie für eine Mail nicht geeignet.

Nun zu Ihrer Mail:

>Darin steht, dass die Ansiedlung 6,5 Hektar umfasst und sich bis zu 31 Metern über das Meeresniveau erhebt. Auf der Landkarte 1:50000 maß ich für den Hügel 200 x 350 Meter, also etwa die gleiche Flaeche. Die Ausgrabungen erreichten an einigen Stellen eine Tiefe von 9 Metern und stiessen dann (oder schon eher) auf den gewachsenen Fels.

Da bis auf den Fels gegraben wurde, kann mit grosser Wahrscheinlichkeit angenommen werden, dass bei der Ausgrabung keine Besiedlungsstufe übersehen wurde.

>"Die ausgegrabenen Mauern, obwohl bis zu 8,5 m hoch, sind aus relativ kleinen Steinen gefertigt und eigentlich wenig beeindruckend, ebenso die uebriggebliebenen Fundamente, die kleinen Gebaeuden zuzuordnen sind. Als Ort für die Hauptstadt eines Reiches kann man sich diese Ausgrabungsstaette eigentlich nicht vorstellen. Das gilt auch dann, wenn man das dahinterliegende, eventuell angeschuettete Gelaende gedanklich mit einbezieht. Sehr viel kann auch nicht aufgeschuettet worden sein, denn etwas oberhalb des Dona Blanca-Huegels im Busch hat man eine tumulusartige Begraebnisstaette aus der Zeit 2000 - 1800 v.Chr. gefunden (Die Tumulushoehe war noch 1,5 m), in der sich mehrere Einzelbestattungen befanden. Daneben gab es noch Graeber aus spaeteren Zeiten, ohne aufsehenerregende Funde. Ein Modell der Nekropole ist im Museum von Puerto ausgestellt."

Das Vorhandensein einer Nekropole aus der Bronzezeit (2000-1800) v. Chr. beweist, dass schon vor der Stadt auf dem Huegel der Dona Blanca eine intensive Besiedlung dieser Region vorhanden war.

> "Auf dem Berg San Cristobal oberhalb von Dona Blanca befand sich eine Ansiedlung, wahrscheinlich auch seit der spaeteren Kupferzeit, zu der nach Meinung der Archaeologen die beschriebene, darunterliegende Nekropole gehoerte."

Wenn die Nekropole zur Siedlung auf dem Berg San Christobal gehoerte, muesste diese Siedlung aus der Bronzezeit und nicht aus der spaeten Kupferzeit sein. Es ist sehr bedauerlich, dass an dieser interessanten Stelle, an der nach meiner Vermutung eine Art Akropolis vorhanden war, bisher nicht ausgegraben wurde. Da der Ort aber immerhin schon als "Archaeologische Staette" bezeichnet ist, koennte dies in absehbarer Zeit vielleicht erfolgen.

> "Es ist nicht der hintere Teil des Berges, wo die Wasserhochbehaelter der Wasserversorgungsgesellschaft Cadiz stehen, sondern der suedliche Teil des Berges vor den Sendemasten, der die typische Bergspornlage von alten Siedlungen besitzt und an der engsten Stelle, etwas suedlich vom Sendemast, leicht durch eine Befestigungsmauer abzuriegeln war. Dort befindet sich auch ein Schild mit der Aufschrift "Archaeologische Stätte", das Gelaende dahinter ist übersaet mit Scherben. Ausgegraben wurde noch nichts. Mauerreste an der Oberflaeche sind nicht zu sehen, lediglich einige wallartigen Strukturen. Die geringe Fläche (ca 100 x 600 m) und die wahrscheinlich schwierige Wasserversorgung spricht dagegen, dass dort eine groessere Stadt war, eher ein Vorposten wegen seiner hervorragenden Ausguck-Lage."

Im Bereich der Wasserbehaelter koennte sich diese Ansiedlung urspruenglich durchaus fortgesetzt haben, wurde dann aber ein Opfer der Umbauarbeiten. Ausserdem sind 100X600 m bereits 6 ha und damit kaum kleiner als der Bereich der Dona Blanca. Alte Staedte waren oft sehr klein nach unseren Vorstellungen. Die Wasserversorgung wurde in Mykene, das eine aehnliche Bergspornlage hat, durch grosse Zisternen und zusaetzliche Brunnen gewaehrleistet. Dies waere auch auf dem San Cristobal moeglich.

> "Alles deutet darauf hin, dass sich in antiker, phoenizischer Zeit das Meer bis unmittelbar an den Fuss dieses Kalkberges und des Huegels von Dona Blanca erstreckte. Sicher war dort, wo heute die Autobahn den Fluss Guadelete kreuzt, frueher ein Muendungsarm des Guadalqivir, der nach der Gelaendeformation zu urteilen von Lebrija aus entlang der Eisenbahn und suedlich des Flughafens Jerez der Autobahn folgend verlief, wie Sie es auch vermuteten":

Die Ausdehnung des Meeres über die Ebene duerfte frueher gelegen haben und zwar in der Zeit des "Atlantikums", einer Warmzeit, die ca 5000-3000 v. Chr. lag. In "phoenizischer Zeit", d.h. ab ca 1000 v. Chr und in der "atlantischen Zeit" ab ca. 2500 v. Chr. duerfte die Ebene bis Puerto bereits vorhanden gewesen sein. Vielleicht stand anfaenglich aber das Meer noch hoeher als heute. Dies muessten genauere Untersuchungen ergeben.

> "Die Laguna de los Tollos liegt schon wieder eine Etage hoeher, aber entlang der Eisenbahnlinie erstreckt sich eine deutliche Senke im Gelaende. Diese ist auch ziemlich breit, so dass der ganze Guadalquivir darin Platz haette. Sie wird erst auf den letzten 5 km noerdlich des Guadalete deutlich schmaler, aber dort kann die ehemalige Muendung durch spaetere Sandduenenbildung verengt sein. In den Anschnitten von Strasse und Autobahn sah man nur gelben Sand."

Damit duerfte klar sein, dass hier die Verbindung des Guadalete zum Guadalquivir tatsächlich verlaufen konnte. Ob als Fluss oder als von Menschenhand geschaffener Kanal ist dabei zweitrangig. Die Verengung auf den letzten 5 Km deutet aber mehr in Richtung auf die Einwirkung des Menschen.

> " Ausserdem die Pruefung der Topografie westlich von Jerez hinter dem Hoehenzug auf die Moeglichkeit eines hier in Fortsetzung des vorher angesprochenen Wasserlaufs von Tabajete nach Dona Blanca fuehrenden Ringkanals." Hier deutet nichts auf ein ehemaliges durchgehendes Tal in der Huegellandschaft. Allerdings ist auch hier Verschuettung durch Sandduenenbildung anzunehmen. <

Damit kann vorläufig der Bereich westlich von der Guadalete-Ebene als uninteressant ausscheiden. Dieser Bereich bis zum Guadalquivir wurde auch bereits von Schulten eingehend nach Atlantisspuren durchforscht.

> "Die Cueva di Menga hat uns sehr beeindruckt mit ihrer groessten Deckplatte von 7 x 8 m und Seitenplatten von 3 x 4 x 1,5 m. Das Gewicht der groessten Steinplatte soll 200 Tonnen betragen. Verglichen mit diesem Bauwerk aus megalithischer (atlantischer?) Zeit sind die Ueberreste in Dona Blanca und auf dem San >Cristobal-Berg enttaeuschend." <

San Cristobal ist noch nicht untersucht und Dona Blanca-Tartessos stammen aus nachatlantischer, phoenizischer Zeit. Grosssteinverarbeitung findet sich durchweg nur in Staedten atlantischer Tradition.

>> "Der Markt entstand im Grenzbereich ( Jerez de la Frontera) zwischen christlich beherrschtem Sevilla und den suedlichen Bergen, die bereits zum Königreich Granada gehoerten, vielleicht um 1200 n. Chr. In dieser Zeit existierten Tharsis und Tartessos schon lange nicht mehr. " << >"Jerez scheint viel aelter zu sein. Im neuen deutschsprachigen Stadtfuehrer steht: "Im ganzen Gemeindegebiet von Jerez sind uralte Siedlungsreste gefunden worden. Die archaeologischen Funde lassen sich zum Teil bis in die Altsteinzeit zurueckdatieren, wenn auch solche aus der Jungsteinzeit und Kupferzeit ueberwiegen. Die Phoenizier, die etwa 1100 v. Chr. nach Cadiz gelangten, nannten die Region Xera. Zur Zeit der roemischen Herrschaft genoß der jerezanische Wein bereits grosses Ansehen. Das roemische Seret wurde dann zum westgotischen Seritium, und im Jahr 711 eroberten es die Mohammedaner. Vom arabischen Sherish stammt der moderne Name der Stadt." Natuerlich koennte man jetzt noch die Namensgleichheit mit Homers Scheria anfuehren."

Die Funde beweisen, wie auch die Funde aus dem Bereich von Puerto, dass diese Gegend schon seit der Altsteinzeit, vermehrt aber seit der Jungsteinzeit und der Kupferzeit, bevorzugt durchgehend als Siedlungsraum genutzt wurde. Damit waren auch seit langer Zeit die Grundvoraussetzungen für eine fruehe Stadtgruendung gegeben.

> "Zu Scheria, wo Odysseus ja erst mal an einem wilden Vorgebirge strandete und erst dann in die Flussmuendung gelangte, wo ihn Nausikaa auffand, scheint mir die Lage von Jerez eher zu passen als zu Atlantis, wo Platon einen solch markanten vorgelagerten Berg doch haette erwaehnen müssen. In Jerez selbst sah ich nirgends Fels anstehen, sondern nur Sand. Auch eine 5 m tiefe Baugrube vor dem Bahnhofsgebaeude enthuellte nur gelben Sand. Wenn aber eine alte Stadt dort gewesen sein sollte und von einer Meeresflut zerstoert wurde, kann das ganze Stadtgebiet heute gut unter 10 - 15 m Schlickablagerungen und Sand liegen. Im Museum von Jerez waren Funde aus der Kupfer- und Glockenbecherzeit zu sehen, dann aber gar nichts aus der aelteren und mittleren Bronzezeit, erst wieder ein griechischer Bronzehelm und Schwerter aus der juengeren Bronzezeit/Eisenzeit." <

Die Funde aus der Kupfer- und Glockenbecherzeit sprechen gegen eine Bedeckung von 5-10 m Schlick. Die fehlenden Funde aus der Bronzezeit können auf die Verlagerung des Siedlungsschwerpunktes in die nicht weit entfernte Stadt Atlantis-Tharsis zurueckzufuehren sein.

>> Zur Lage der Koenigsburg. Sie lag urspruenglich gemaess Platon auf dem flachen Huegel der Dona Blanca. Da aber im Lauf der Zeit die Stadt und ihr Reichtum sich gemaess Platon laufend vergroesserte und immer "Neues und Besseres hinzugefügt wurde", ist mit Sicherheit anzunehmen, daß der hinter dem Huegel liegende Berg von 124m Hoehe mit seiner fantastischen Sicht über die Ebene bis ans Meer, zum Bau der neuen Koenigsburg und der zugehörigen Tempel, wie bei Platon beschrieben, benutzt wurde. << >"Nach genauer Betrachtung der geografischen Situation und der archäologischen Funde halte ich es nicht für möglich, dass dort die Königsburg von Atlantis mitsamt der kreisförmigen Hauptstadt lag. Man würde sich mit dieser These zu leicht Angriffen von Seiten der Archäologen aussetzen, die mit dem Standort für die Hauptstadt von Atlantis auch gleich die ganze übrige Theorie in der Luft zerreißen würden."

Auf dem Berg sehe ich nur die Koenigsburg, moeglicherweise einer spaeteren Ausbauphase. Die kreisfoermige Stadt kann, wie vorher bereits erwaehnt, sicher nur in der Ebene gesucht werden.

>"Jerez mit seiner Lage auf einem fast kreisrunden Hügel von etwa 5 km Durchmeser waere als Standort immerhin moeglich. Wenn man von dem Gipfel des San-Cristobal-Berges auf die sonnenbeschienenen Hochhausbloecke von Jerez herabschaut, koennte man sich diesen Ort als Hauptstadt eines grossen Reiches durchaus vorstellen. Aber keinerlei Funde deuten darauf hin, und man muesste erst mal nachforschen, ob unter den Sandmassen tatsaechlich Felsformationen vorhanden sind. Da alles, zum grossen Teil erst seit juengster Zeit, dicht bebaut ist, gibt es wahrscheinlich keine Moeglichkeit einer groesseren Grabung." <

Die Lage von Jerez ist nach meiner Meinung nicht geeignet für eine Stadt ,die die Meere beherrschen will. Derartige Städte (Venedig, Genua, Atlantis) lagen immer in direktem Bezug zum Meer.

> "Eine andere Stelle, auf die Platons Beschreibung passen würde, konnte ich bei Fahrten zwischen Jerez, Sanlucar, Chipiona, Rota und Puerto nicht entdecken. Oder alles ist unter so hohen Duenensandablagerungen verschwunden, dass sich das geographische Relief darueber voellig veraendert hat."

Diese Gegend wurde, wie bereits erwaehnt ,von Schulten eingehend untersucht.

> "Wenn Sie mir Ihre Postanschrift schicken, kann ich Ihnen das Faltblatt über die Dona-Blanca-Ausgrabungen und Fotos, die wir gemacht haben, schicken. Wollen Sie das Buch "Erbe der Giganten" von Uwe Topper geliehen haben?"

Für die Uebersendung aller interessanter Unterlagen waere ich dankbar. Auch das Buch von Topper, das leider im Buchhandel nicht mehr erhaeltlich ist, wuerde ich gern bei Ihnen ausleihen.

Wenn alles klargeht, werde ich im Herbst dieses Jahres mit dem Auto nach Puerto fahren, um den vermuteten Platz in der Ebene und das oestlich liegende Bergland mit den Steinbrüchen (Las canteras)( Cerro de las Calendrias) näher anzusehen.

Mit freundlichen Gruessen!

Juergen Hepke

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18.4. 2003

Lieber Herr Hepke,

Vielen Dank für Ihre ausfuehrliche Antwort!

Ihre neuen Kartenskizzen in "insula 1" finde ich sehr interessant. Sie haben recht, dass gemaess der Beschreibung Platons die Hauptstadt Atlantis in einer Schwemmebene gelegen haben muss, sonst wären all die beschriebenen Kanäle, die ja ein gleiches Niveau in der gesamten Ebene bedingen, nicht erklaerbar. Andererseits ist die Schwemmebene an der von Ihnen eingezeichneten Stelle so topfeben und ohne eine auffallende Erhöhung selbst an der mit 5 m eingezeichneten Stelle, dass man schon annehmen muesste, die vorher dort auf einem Huegel gelegene Stadt sei um mindestens 15 Meter abgesunken (denn so hoch haette doch ein "allseits niedriger Huegel" wenigstens sein muessen) und dann vollstaendig durch Ablagerungen ueberdeckt worden.

Die von Ihnen gezeichnete Kreisringstruktur hat einen Außendurchmesser von 3.5 km für den aeussersten Wasserring (siehe Kilometerangaben entlang der Eisenbahnlinie). Da dies nach Platon 27 Stadien entspricht, würde das bedeuten: 1 Stadion = 130 m ! Ich glaube, dass sich in den Jahrtausenden seit dem Untergang von Atlantis durch Flutwelle, Absinken und Wiederaufsteigen des Landes, Flussanschwemmung, Meeresablagerung, Duenenbildung sehr viel veraendert hat, so dass man die heutigen Oberflaechenstrukturen nur mit groesster Vorsicht heranziehen kann, um den frueheren Zustand zu beschreiben. Zum Beispiel sahen wir am Strand gegenüber der Insel St.Petri südlich von Cadiz viele sich parallel unmittelbar entlang der Kueste erstreckende Klippen, die ausschliesslich aus Muschelbaenken bestehen, wo eine Muschel oder Auster sich über der anderen ansiedelte und das Ganze dann mit anderen Meeresablagerungen zu einer riffaehnlichen Masse verbacken ist. Es ist nicht sicher, dass diese Klippen vor 3000 Jahren ueberhaupt schon da waren.

Platon beschreibt die Koenigsburg nicht auf einem Bergsporn ausserhalb der 3 Wasserringe, sondern eindeutig auf der zentralen Insel liegend. Diese Zentralinsel und die "Erdringe" zwischen den Ringkanaelen muessten ja eigentlich aus Fels gewesen sein, wenn Platon schreibt: "die Steine für die Mauern brachen sie unten an den Abhaengen der in der Mitte gelegenen Insel ringsherum, und ebenso unten an den Wallraendern nach aussen und nach innen zu, und dadurch, dass sie sie dort herausschlugen, erlangten sie zugleich innerhalb derselben auf beiden Seiten Hoehlungen zu Schiffsarsenalen, welchen den Felsen selber zur Decke hatten" (Uebersetzung Susemihl)

> Die Lage von Jerez ist nach meiner Meinung nicht geeignet für eine Stadt , die die Meere beherrschen will. Derartige Staedte (Venedig, Genua, Atlantis) lagen immer in direktem Bezug zum Meer.

Da haben Sie sicher recht. Für mich rueckt daher doch wieder eher die Insel von Cadiz ins Blickfeld, die wirklich an der für eine Seestadt exponierten Stelle liegt, an der Muendung des frueher bestimmt schiffbaren Guadalquivirarmes (oder -kanals) ins Landesinnere (Landstrassen zum Guetertransport wurden damals immer nur verwendet, wenn es keine Wasserwege gab). Uwe Topper war meines Wissens der einzige, der Cadiz als Standort für die Koenigsburg von Atlantis vorgeschlagen hat. (In einer kuerzlichen E-mail-korrespondenz rueckte er selbst allerdings wieder davon ab, da er die gesamten Erzaehlungen Platons als Plagiat mittelalterlicher Moenche erkannt hat). Sonst liest man immer, dass es wegen der Namensgleichheit Gadeiros - Gades wahrscheinlich die Hauptstadt von Atlas´ Zwillingsbruder Gadeiros gewesen sei. Aber: Es war eine Felsinsel, die sich jetzt noch maximal 14 m über den Meeresspiegel erhebt. Die auf der Seekarte erkenntlichen Klippen ringsum koennten eine gewisse Ringstruktur erahnen lassen. Es wurde 1100 v.Ztr. von den Phoeniziern gegruendet und gilt als aelteste Stadt Europas.

Es liegt zentral für alle Schiffahrtsrouten ins Mittelmeer, entlang der nordwestafrikanischen Küste, nach West und Nordeuropa, nach Amerika. In einem spaeteren Weltreich, "in dem die Sonne nicht unterging", naemlich dem spanischen Weltreich Karls des Fuenften, war Cadiz der Sitz der Kolonialverwaltung für alle Ueberseegebiete. Irgendwie wirken Traditionen oft lange nach, bzw. fuehren geographische Gegebenheiten immer wieder zu aehnlichen Loesungen.

Cadiz liegt heute etwas tiefer als zur phoenizischen Zeit, denn Reste aus dieser wurden auf den heute bei Flut unter Wasser liegenden Klippen der "Punta del Nao" entdeckt. Die Eintiefung "La Caleta" zwischen "Punta del Nao" und "Castillo de St. Sebastian" war die Einfahrt zum phoenizischen Hafen. Vielleicht war dies auch der Zufahrtskanal von der damaligen Meereskueste in den Hafen von Atlantis? Die Phoenizier haben sich vielleicht nicht zufaellig auf diesem Felsen angesiedelt, sondern weil sie nach der Zerstoerung von Atlantis durch eine von den Goettern gesandte Flutwelle sich noch an diesen Ursprung ihrer Kolonie Tyros erinnerten (in der Bibel findet man ja den Satz: "Tyros, Du Tochter Tarschischs"). Beim Lissaboner Erdbeben wurde Cadiz von einer 10 m hohen Tsunami-Flutwelle getroffen (hoechste Stelle 14 m!), was sicher gewaltige Zerstoerungen angerichtet hat. Aber auch die Englaender zerstoerten die Stadt sehr gruendlich, und von den atlantischen Strukturen koennte ohnehin nichts der gewaltigen, vielleicht 50 m hohen Flutwelle widerstanden haben. Heute ist das Stadtgebiet weitgehend von gelbem Duenensand bedeckt, wie ich an zwei tiefen Baugruben erkennen konnte.

Die Felsinsel, in die Poseidon das zurückkehrende phäakische Schiff versteinerte, war sicher nicht Cadiz, sondern dann schon eher die suedlich gelegene kleine Felsinsel St. Petri, die etwa die Form eines Schiffes besitzt.

> Die Verlegung der Nachfolgestadt auf den Huegel vor dem Berg koennte dem Wunsch nach mehr Sicherheit vor Ueberschwemmungen nach der Untergangskatastrophe entsprungen sein. Dies waere nur logisch.

Diese Ueberlegungen waeren auch gueltig, wenn die Koenigsinsel von Atlantis urspruenglich bei Cadiz gelegen haette.

> Da der Ort aber immerhin schon als "Archaeologische Staette" bezeichnet ist, könnte dies in absehbarer Zeit vielleicht erfolgen.

Es steht dort noch: "Poblado de las Cumbres", wobei die "necropolis de las Cumbres" die schon beschriebene am Abhang oberhalb Dona Blanca ist.

> Im Bereich der Wasserbehaelter koennte sich diese Ansiedlung urspruenglich durchaus fortgesetzt haben, wurde dann aber ein Opfer der Umbauarbeiten.

Vielleicht, dort ist aber die natuerliche Befestigungslage nicht mehr so ausgepraegt.

> Die Funde aus der Kupfer- und Glockenbecherzeit sprechen gegen eine Bedeckung von 5-10 m Schlick.

Die genannten kupferzeitlichen Funde stammen nicht aus Jerez selbst, sondern aus der weiteren Umgebung, die verwaltungsmäßig noch zur Stadt Jerez gehoert. Ich sah das auf einer aufgehaengten Fundkarte.

In der naechsten Woche sende ich Ihnen die Unterlagen von Dona Blanca, Kopien von weiteren 1:50000-Karten dieser Gegend und das Buch von Topper zu. Die Fotos habe ich noch nicht zurueck; vielleicht warte ich diese noch ab.

Mit besten Grüssen und guten Wünschen für die Fertigstellung Ihres Buches

Ulf Richter

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14.5.2003

Lieber Herr Richter !

Ich moechte mich herzlich bedanken fuer die Uebersendung des Buches und der Karten. Ich habe mich eingehend damit befasst und bin auch zu neuen Erkenntnissen gelangt. Doch zuerst die Stellungnahme zu ihrem Text:

> Ihre neuen Kartenskizzen in "insula 1" finde ich sehr interessant. Sie haben recht, dass gemäß der Beschreibung Platons die Hauptstadt Atlantis in einer Schwemmebene gelegen haben muss, sonst waeren all die beschriebenen Kanaele, die ja ein gleiches Niveau in der gesamten Ebene bedingen, nicht erklaerbar. Andererseits ist die Schwemmebene an der von Ihnen eingezeichneten Stelle so topfeben und ohne eine auffallende Erhoehung selbst an der mit 5 m eingezeichneten Stelle, dass man schon annehmen muesste, die vorher dort auf einem Huegel gelegene Stadt sei um mindestens 15 Meter abgesunken (denn so hoch haette doch ein "allseits niedriger Huegel" wenigstens sein muessen) und dann vollstaendig durch Ablagerungen ueberdeckt worden.

Wenn man Uwe Topper folgen will, sind laufend Veraenderungen in der Hoehe des Landes und des Meeresspiegels erfolgt. Ich halte dies fuer uebertrieben, halte aber eine Absenkung der Schwemmebene im Zusammenhang mit dem Auftauchen des Felsenrueckens von Cadiz, den Homer erwaehnt, bei der Katastrophe von 1250 v.Chr. durchaus fuer moeglich. Schwemmebenen sind auf Grund des eingelagerten Wassers oft unstabil und ein starkes Erdbeben koennte durchaus bei der Belastung durch eine aus Stein gebaute Stadt zu einer Senkung und Verdichtung des Bodens um 15 oder mehr Meter gefuehrt haben. Mir selbst ist das ploetzliche Versinken einer aus Stein gebauten Ziegelei am Rande ihrer mit Grundwasser gefüllten Ausbeutungsgrube bekannt. Und dies geschah ohne die Einwirkung eines Erdbebens.(Von der BBC gibt es eine Fernsehdokumentation, in der der Untergang von Sodom und Gomorrha am Rande des Toten Meers in einem Versuch nachvollzogen und damit demonstriert wird, wie in einer Schwemmebene gelegene Staedte im Verlauf eines schweren Erdbebens versinken und sich verschieben koennen.) Auch ein Teil des Felsenrueckens , auf dem das Zentrum der Stadt errichtet war, koennte sich entsprechend mit abgesenkt haben.Man kann oft bei einst voellig ebenen Meeresablagerungsbereichen eine durch spaetere Erdbewegungen erzeugte Welligkeit des Gelaendes beobachten. Dies gilt auch fuer grosse Bereiche der "Ebene" Andalusiens.

> Die von Ihnen gezeichnete Kreisringstruktur hat einen Außendurchmesser von 3.5 km für den aeussersten Wasserring (siehe Kilometerangaben entlang der Eisenbahnlinie). Da dies nach Platon 27 Stadien entspricht, wuerde das bedeuten: 1 Stadion = 130 m. - Ich glaube, dass sich in den Jahrtausenden seit dem Untergang von Atlantis durch Flutwelle, Absinken und Wiederaufsteigen des Landes, Flussanschwemmung, Meeresablagerung, Duenenbildung sehr viel veraendert hat, so dass man die heutigen Oberflaechenstrukturen nur mit groesster Vorsicht heranziehen kann, um den frueheren Zustand zu beschreiben. <

Ich habe anhand der von Ihnen uebersandten Karten die Gesamtsituation erneut ueberprueft. Auch ein Kreisring von 5 Km Durchmesser (entsprechend der Groesse eines Stadions von 192m, wie oft angegeben wird, passt hervorragend in die betrachtete Einbuchtung der Bahia de Cadiz vor der Sierra San Cristobal. Auch die noch in der Karte angegebenen Trassen fuer drei ins Hinterland fuehrende einstige oder teilweise noch vorhandene Kanaele sind nach farblicher Kennzeichnung der Hoehenschichten zu entdecken. Der erste fuehrt westlich an Jerez vorbei durch ein westlich vom Cerro de Santiago liegendes Tal und ist als "Canada de Amarguillo" und weiter nach Norden als "Hijuela de Tabajete" als alter Weg bezeichnet. Canada heisst "Hohlweg" oder "Viehtrift" und Hijuela heisst "Stichkanal". Er muendet in die nur 3m hoch liegend Ebene suedlich Mesas de Asta in den Entwaesserungskanal "Canal de Saneamiento", der in den Canal de Bajo Guadalquivir fuehrt und damit dem bei Platon erwaehnten Ringsammelkanal um die Ebene entspricht. Zum selben Sammelkanal fuert der zwischen Cerro de Lomopardo und Cerro Miraflores beginnende kuenstliche Einschnitt, der als"Canada de Lomopardo" beginnt, dann als "Ancha de Albadalejo", "Canada Real" und "Ancha de Janina" in die selbe Ebene fuehrt und hoechstwahrscheinlich einen ehemaligen Kanal darstellt.

Schliesslich beginnt am Westende der Sierra San Cristobal ein noch heute vorhandener Kanal, der als "Canal de la Costa Noroeste" also als Nordwestkuestenkanal bezeichnet ist. Er fuehrt, auf der Karte nicht mehr verfolgbar, wahrscheinlich zur Muendung des Guadalquivir und bot eine sichere Verbindung bei zu rauher See. Zu diesem Kanal ist ein weiterer Kanal moeglich, der durch im Mittel 25m hohes Gelaende westlich der westlichen Randberge von Jerez fuehrt, im Sueden am Hafen von La Mata beginnt, nach Norden durch das 10m hoch liegende Gelaende fuehrt, bei Villarana nach Ostnordost schwenkt und oestlich am "Cuadrado" vorbei in nordoestlicher Richtung durch den "Arroyo de Tabajete" ebenfalls in die bereits genannte Ebene fuehrt. Die bei Platon angegebene "Tiefe" der Kanaele von 100 Fuss, also 30m wuerde bei Gelaendehoehen von 25m garnicht unvernuenftig erscheinen. Angesichts dieser Beweise und im Zusammenhang mit einer ueber 100 ha reichenden Nekropole am Suedhang der Sierra de San Cristobal mit Grabstaetten aller Stile von der mittleren Bronzezeit bis zur Turdetanischen, also Tartessischen Periode und einem weiteren archaeologischen Joker auf dem Bergsporn der Sierra de San Cristobal fehlt zur Vervollstaendigung wirklich nur noch die Entdeckung der in der Schwemmebene versunkenen Reste der Stadt Atlantis-Tharsis. Cadiz scheidet auf Grund der grossen Entfernung und der Wahrscheinlichkeit, dass der Felsenruecken, auf dem es erbaut ist, erst 1250 v. Chr. aus dem Meer auftauchte, nach meiner Meinung als Ort fuer Atlantis aus.

> Platon beschreibt die Königsburg nicht auf einem Bergsporn außerhalb der 3 Wasserringe, sondern eindeutig auf der zentralen Insel liegend. Diese Zentralinsel und die "Erdringe" zwischen den Ringkanaelen muessten ja eigentlich aus Fels gewesen sein, wenn Platon schreibt: "die Steine für die Mauern brachen sie unten an den Abhaengen der in der Mitte gelegenen Insel ringsherum, und ebenso unten an den Wallraendern nach aussen und nach innen zu, und dadurch, dass sie sie dort herausschlugen, erlangten sie zugleich innerhalb derselben auf beiden Seiten Hoehlungen zu Schiffsarsenalen, welche den Felsen selber zur Decke hatten" (Uebersetzung Susemihl)

Dies ist richtig, aber von Osten her erstreckt sich eine Erhebung von 5m Hoehe vom "Cerro de las Calendrias", die moeglicherweise felsigen Untergrund hat und fuer diese Massnahmen geeignet war.

> Die Felsinsel, in die Poseidon das zurueckkehrende phaeakische Schiff versteinerte, war sicher nicht Cadiz, sondern dann schon eher die suedlich gelegene kleine Felsinsel St. Petri, die etwa die Form eines Schiffes besitzt.

Direkt in der Einfahrt zur Bucht von Cadiz liegt eine Untiefe von 2m , die als Bajo "La Galera" auch als versteinertes Boot in Frage kommt.

> In der naechsten Woche sende ich Ihnen die Unterlagen von Dona Blanca, Kopien von weiteren 1:50000-Karten dieser Gegend und das Buch von Topper zu. Die Fotos habe ich noch nicht zurueck; vielleicht warte ich diese noch ab. Mit besten Gruessen und guten Wuenschen für die Fertigstellung Ihres Buches

Auf Grund der neuesten Wendung der Erkenntnisse und einer gewissen Unvollkommenheit wird das Buch noch warten muessen, denn ich halte es nicht fuer sinnvoll, Halbfertiges kurz vor der Vollendung in Buchform zu veroeffentlichen . An den Fotos bin ich weiterhin sehr interessiert. Das Buch Uwe Toppers hat vieles bestaetigt, was ich bereits kannte, es ist bedauerlich, dass er selbst sich nicht mehr zu seinen Ideen bekennt. Wenn es Ihnen recht ist, wuerde ich sein Buch gern noch einige Zeit zur Einsicht benutzen. Mit dem besten Dank fuer Ihre Hilfe

mit freundlichen Gruessen.

Juergen Hepke

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